Sorgten für Glanz: Die Mixed-Bronzemedaillengewinner Patrick Franziska/Petrissa Solja (Foto: ITTF)
DTTB verlässt Budapest mit einer glänzenden Bronzemedaille / European Games und Tokio 2020 im Visier

DTTB-Bilanz: "Wir spielen weiter um WM-Medaillen mit"

27.04.2019

Budapest. Die 55. Weltmeisterschaften in Budapest gehen ihrem Ende entgegen, der Großteil der deutschen Delegation einschließlich des erkrankten Timo Boll trat bereits die Heimreise an. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) verlässt Ungarns Hauptstadt mit einer Bronzemedaille für das Mixed Patrick Franziska/Petrissa Solja im Gepäck, aber auch bereits mit Blickrichtung auf die nächsten Aufgaben und die Olympischen Spiele 2020.

Michael Geiger: “Wir arbeiten in Ruhe weiter Richtung Tokio“

DTTB-Präsident Michael Geiger betonte das starke Endresultat, befand aber auch: „Die Medaille ist nicht selbstverständlich und glänzt deswegen sehr. WM-Medaillen bei Individualturnieren sind immer etwas Besonderes und waren in der jüngeren Vergangenheit rar. Unser Gesamtergebnis hätte zwar auch noch besser ausfallen können, wäre es nicht zur Erkrankung von Timo gekommen. So ist es aber, mit Licht und Schatten, eher durchwachsen geblieben. Darin sehe ich aber kein Problem. Wir werden in Ruhe weiterarbeiten in Richtung Olympische Spiele in Tokio 2020 und sicherlich schon beim nächsten Höhepunkt, den European Games, wieder erfolgreich angreifen.“

Heike Ahlert: „Zweite WM-Medaille für Solja herausragend“

Die im DTTB für den Leistungssport verantwortliche Vizepräsidenten Heike Ahlert ergänzt: „Die sportliche Bewertung überlasse ich den Trainern. Bei dem hervorragenden Ergebnis im Mixed muss man aber in jedem Fall betonen, dass dies die zweite WM-Medaille hintereinander im Mixed für Petrissa Solja war, und dies mit zweiten unterschiedlichen Partnern. Dies zeigt, welch herausragende Doppelstärke Peti hat. Und es war einer Freude zu sehen, mit welchem Spaß Peti nach ihrer langen Regenerationspause wieder am Tisch zur Sache geht. Auch die Leistungen unseres WM-Debütanten Dang Qiu haben mir sehr gut gefallen. Für unsere Mannschaften muss nach der WM nun eindeutig der Fokus auf den European Games im Juni liegen. Wir wollen uns nach Möglichkeit bereits in Minsk für die Olympischen Spiele qualifizieren und damit die Qualifikationsturniere im Januar und April vermeiden.“

Richard Prause: „Wir mischen bei WM-Medaillen weiter mit“

DTTB-Sportdirektor Richard Prause sagte zum WM-Abschneiden: „Wir hatten vor der WM gesagt, wenn wir eine Medaille gewinnen, sei dies ein sehr gutes Ergebnis – das haben wir geschafft. Die Bronzemedaille im Mixed ist umso höher einzuschätzen, da alle Nationen ihre Topduos zu diesem olympischen Wettbewerb ins Rennen geschickt haben. In zwei weiteren Wettbewerben haben wir uns außerdem weitere Chancen auf Edelmetall erspielt. Dass diese dann durch eine kurzfristige Erkrankung zunichte gemacht wurden, das war höhere Gewalt und ist bitter. Die WM hat aber auch deutlich gezeigt, dass wir nach wie vor zu den Nationen zählen, die bei der Vergabe der Medaillen mitmischen. Insgesamt ist die Qualität der Spitze hinter der Spitze höher geworden, wie beispielsweise die Ergebnisse von An Jaehyun zeigen, der als Nummer 157 der Weltrangliste im Halbfinale steht.  Während die WM zeigt, dass bei den Herren viele Überraschungen möglich sind und selbst die Topchinesen sich anfälliger als in den Jahren zuvor zeigen, ist bei den Damen die Situation komplett anders. Hier dominieren China und die folgenden asiatischen Nationen noch eindeutiger als bisher, und die besten Europäerinnen können auch gegen jene Asiatinnen verlieren, die nicht absolute Spitze sind.“

Bedürfnisse der WM-Besucher vor Ort nicht vergessen

Bei den Weltmeisterschaften in Budapest sind am finalen Sonntag nur zwei Spiele angesetzt. Eine Entwicklung, die Prause nachdenklich macht: „Der Weltverband will künftig die Teilnehmerzahl beschränken und an mehr Turniertagen weniger Spiele pro Tag austragen, um das Produkt Tischtennis noch besser für das Fernsehen vermarkten zu können. Am Samstag sind in Budapest sechs Spiele, am Sonntag sogar nur zwei angesetzt. Ein paar Spiele mehr hielte ich für besser. Bei allem Verständnis für Marketing und notwendige Professionalisierung sollte man die Bedürfnisse der Zuschauer vor Ort nicht vergessen. Auch im Sinne der kleineren Verbände sollte man die WM nicht zu früh auf zu wenig Spiele reduzieren. Das würde vielen die Möglichkeit nehmen, an einer WM überhaupt teilzunehmen.“

In Bestbesetzung zu den European Games

Beim nächsten Saisonhöhepunkt, den European Games in Minsk Mitte Juni, visiert Deutschland die Titel an, die mit der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio verbunden sind. Prause: „Die European Games sind durch die damit verbundene Olympiaqualifikation derart aufgewertet, dass wir diese natürlich in Bestbesetzung spielen werden und müssen. Schon zweieinhalb Monate später finden aber auch die Mannschafts-Europameisterschaften in Frankreich mit erneut den gleichen Nationen statt. Wir hätten es angesichts eines extrem vollen Terminkalenders für wesentlich sinnvoller gehalten, den Sieger der European Games im vorolympischen Jahr gleichzeitig zum Europameister zu küren und auf die EM zu verzichten. Oder die Europameisterschaften gleichzeitig zur Olympia-Qualifikation zu machen.“

Jörg Roßkopf: „Eine gute WM im Herren-Bereich“

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf freute sich nicht nur über die Medaille im Mixed, sondern im Wesentlichen auch über die Leistungen seiner Spieler: „Es war eine gute WM mit einem wertvollen Medaillengewinn im Mixed, und es hat nicht viel gefehlt, dann wäre es in diesem Jahr sogar eine sehr, sehr gute WM geworden. Ich bin mir sicher, dass unser Doppel noch einen oder sogar zwei Schritte bei dieser WM weiter nach vorne gegangen wäre, wenn Timos Erkrankung dies nicht über Nacht verhindert hätte. Aber das Doppel Boll/Franziska wird sicherlich weitere Auftritte haben, das zeigt auch Timos Reaktion nach der Absage, als er sagte, dass dann eben bei der WM 2021 sicherlich die nächste Chance warte. Auch im Einzel wäre für ihn sehr viel möglich gewesen: Die Seite war offen, und Timo war in einer guten Form."

In der Einzelbewertung sah Roßkopf überwiegend gute Vorstellungen seiner Athleten. „Bastian Steger hat eine ordentliche WM gespielt und ist trotz einer guten Leistung in einem 50:50-Match gegen den stark verbesserten Kroaten Pucar ausgeschieden. Er hätte das Spiel auch gewinnen können. Qiu Dang hat als WM-Debütant eine gute Leistung gezeigt, in allen drei Wettbewerben das Hauptfeld erreicht und hat sich auch gegen Lin Yun-Ju nicht schlecht verkauft, den ich für einen der kommenden Spieler der nächsten Jahre halte. Als wir die Auslosung für Patrick Franzisa gesehen haben, wussten wir, wie schwer es wird. Lee Sangsu ist für ihn so unangenehm zu spielen wie ein Chinese, er hat ein perfektes System gegen Patrick. Dass er zu Beginn des Spiels seine Chance hatte und auch hätte führen können, zeigt wie sehr sich Patrick in den letzten Monaten verbessert hat. Dimitrij Ovtcharov ist auf einem guten Weg und beim Europe Top 16 hat er gezeigt, wie er stark er nach seiner langen Verletzung im Vorjahr wieder spielen kann. Was ihm aber noch fehlt, ist die Konstanz in seinen Leistungen und auch die nötige Geduld. Früher hat er sich die Punkte mit Selbstvertrauen und über lange Rallies erspielt, heute versucht er oft noch zu schnell den Punkt zu machen. Aber er ist auf einem guten Weg zurück zu alter Stärke, da mache ich mir keine Sorgen. Und Timo war bei dieser auf einem guten Weg, sehr sehr weit nach vorne zu kommen. Er hatte die Form und die passende Auslosung dazu, bis das Fieber über Nacht gekommen ist.“

Roßkopfs Augenmerk liegt nun auf den European Games im Juni, wo die direkte Olympia-Qualifikation für die Sieger lockt: „Der Titel hat für die Spieler weniger Bedeutung als die Tatsache, dass man sich im Einzel und mit der Mannschaft ohne Umweg sofort für Tokio 2020 qualifizieren kann. Das würde den ohnehin schon engen Terminkalender für die Spieler etwas entzerren. Eine gezielte Vorbereitung auf die European Games mit Lehrgängen wird leider wegen der Verpflichtungen der Spieler nicht möglich sein. Wir versuchen, uns die Form bei Turnieren in Asien holen.“

Jie Schöpp: „Unser Hauptaugenmerk liegt auf Minsk“

Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp hatte ihre Bilanz der Einzelkonkurrenzen nach dem Zweitrundenaus von Petrissa Solja und Nina Mittelham in Budapest diesmal wesentlich früher ziehen müssen, als ihr lieb war: „Als Trainerin bin ich natürlich nicht zufrieden, dass wir unter den besten 32 nicht vertreten waren. Aber ich kenne eben auch die individuellen Gründe dafür, und deshalb ist das Ergebnis zu akzeptieren." Unter anderem sei die Auslosung nicht vorteilhaft gewesen. "'Peti' Solja hat gegen eine Gegnerin spielen müssen, die ihr gar nicht liegt und heute dazu auch noch extrem gut gespielt hat. Erfreulich ist, dass eine junge Spielerin wie Nina Mittelham gegen die Nummer acht der Welt ein starkes Spiel gemacht hat und durchaus mehr als nur einen Satz hätte gewinnen können." Schöpp weiß: "Noch mehr als auf der WM liegt unser Augenmerk in dieser Saison auf den European Games in Minsk, wo es auch um die direkte Olympia-Qualifikation geht." Die Europaspiele in der weißrussischen Hauptstadt finden Ende Juni statt. Bei den Titelkämpfen in Minsk stehen für Schöpp auch die der WM 2019 diesmal noch nicht startberechtigte Deutsche Meisterin des Jahres 2018, Han Ying (Düsseldorf), sowie die Berlinerin Shan Xiaona zur Auswahl. Die beiden gebürtigen Chinesinnen gewannen zusammen mit Petrissa Solja bei den Olympischen Spiele in Rio de Janeiro die Silbermedaille und wurden 2013, 2014 und 2015 mit Deutschland Europameister und Sieger der ersten European Games 2015 in Baku (Aserbaidschan).

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