Düsseldorf. Der deutsche Tischtennissport stellt die Weichen für die kommenden Jahre. Beim 20. Bundestag des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) im Düsseldorfer Rathaus am letzten November-Wochenende stellten sich die Delegierten aus Landesverbänden und DTTB-Gremien geschlossen hinter die Ziele des DTTB-Vorstands. Die haupt- und ehrenamtlichen Lenker der Sportart ziehen an einem Strang bei den ambitionierten Zielen des DTTB-Vorstands aus Dr. Wolfgang Dörner (Vorsitzender), Richard Prause (Sport) und Matthias Vatheuer (Verwaltung).
Der DTTB setzt dabei auf Wachstum. Mehr Menschen sollen aktiv Tischtennis spielen, großes Potenzial für neue Mitglieder steckt im Outdoor-Bereich. Gleichzeitig wagt der Verband den digitalen Sprung nach vorne: breitere Vernetzung, bessere Tools, mehr Möglichkeiten, modernere Prozesse. Auch im Leistungssport gilt ein ehrgeiziges Ziel: Deutschlands Nationalteams sollen wieder dauerhaft die Führungsrolle in Europa übernehmen bzw. behalten.
Vorstandschef Dörner: „Lasst uns eine Aufwärtsspirale in Gang setzen!“
„Lasst uns eine Aufwärtsspirale in Gang setzen!“, forderte Dr. Wolfgang Dörner die Delegierten auf. „Wenn wir bessere und digitale Angebote schaffen, gewinnen wir mehr Mitglieder. Wenn wir in den Spitzensport investieren, werden unsere Erfolge steigen. Und gemeinsam erzeugen wir eine Dynamik, die auch Sponsoren begeistern wird.“ Eine klare Botschaft des Vorstandsvorsitzenden, der den zehngrößten olympischen Spitzenverband seit März führt und 25 Jahre Erfahrung als Unternehmensberater inkl. Führungsposition bei der Boston Consulting Group einbringt.
Die AG Finanzen, bestehend aus Vertretern von sechs Landesverbänden und dem DTTB-Vorstand, hatte für die Zukunftsprojekte einen umfassenden Investitions- und Finanzierungsplan entwickelt. Er bildet das Fundament für die nächsten Jahre, den Aufbruch in eine moderne, professionellere Verbandswelt.
Die geplanten Mittel sollen aus Sponsoring bzw. Vermarktung und aus neuen Mitgliedsbeiträgen stammen. Fast drei Viertel aller Investitionen fließen in Digitalisierungsprojekte, die langfristig Aktiven und Vereinen bundesweit zugutekommen. Gleichzeitig hebt der DTTB konsequent Effizienzpotenziale, etwa durch die schrittweise Zentralisierung von Aufgaben in den kommenden Jahren.
„Starkes Signal für die Zukunft unseres Sports“
Ein Kernelement des Aufbruchs bei der Mitgliedergewinnung: eine neue digitale Plattform, die Freizeit- und Outdoor-Spieler direkt mit Vereinen verbindet. Damit schließt der Verband die bestehende Lücke zwischen Outdoor-Tischtennis und organisiertem Sport und erhofft sich Mitgliederzuwachs in den Vereinen.
„Dass wir heute diese Geschlossenheit zeigen, ist ein starkes Signal für die Zukunft unseres Sports“, sagte Dr. Wolfgang Dörner. „Wichtig war uns, dass dieser Plan kein Wunschzettel des DTTB ist. Dieser Weg ist ein gemeinsamer Weg. Landesverbände und DTTB haben ihn zusammen entwickelt. Das Mandat ist auch ein Vertrauensvorschuss, den wir mit unserer Arbeit rechtfertigen müssen. Wir machen uns jetzt mit Zuversicht zusammen mit unseren Mitgliedern an die Aufgaben.“
DTTB-Ehrenpräsident: Thomas Weikert folgt auf Hans Wilhelm Gäb
Thomas Weikert ist der neue Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes. Der Bundestag ernannte ihn einstimmig. Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes und ehemalige Bundesligaspieler war zuvor ITTF- und DTTB-Präsident gewesen. Als Fachanwalt für Familien- und Sportrecht übernahm er 1995 sein erstes Ehrenamt beim DTTB, war zunächst Vorsitzender des Kontrollausschusses und wurde später kommissarischer Generalsekretär und Justiziar.
TT-Finals: Wildcards für Behindertensportverband eingeführt
Im kommenden Jahr sammelt der DTTB bei seinem nationalen Top-Event Erfahrungen in der Umsetzung inklusiver Wettbewerbe. Mit großer Mehrheit stimmten die Delegierten für die Einführung von Wildcards für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) bei den Deutschen Tischtennis-Finals. Im Mixed-Wettbewerb der Erwachsenen in Erfurt 2026 kann der DBS ein Duo bestimmen, dass im 32er-Feld der Damen und Herren an den Start geht. Bei den Leistungsklassen mit den besten Akteuren aus Kreis-, Bezirks- und Verbandsklassen Deutschlands wird es ab 2027 je eine DBS-Wildcard im Einzel der A-, B- und C-Klassen geben. Bleibt bei der regulären Vergabe im kommenden Jahr ein Einzelplatz frei, kann dieser an den DBS vergeben werden.
„Der DTTB möchte die TT-Finals als Tischtennis-Fest für alle ausbauen und unterstützt inklusive Wettkampfformate. Auch die vielen Ligen und Turniere im Tischtennis sind offen für alle“, begründete DTTB-Chef Dörner für den Antragsteller aus DTTB-Vorstand und Ressort Erwachsenensport. „Mit der Integration von Startplätzen für den Deutschen Behindertensportverband möchten wir ein sichtbares Zeichen setzen, dass sportliche Leistung unabhängig von Behinderung anerkannt wird. Darüber hinaus wollen wir den Para-Sportlerinnen und -Sportlern als inspirierende Vorbilder eine Plattform bieten, um zu zeigen, was im und mit Sport möglich ist.“
Ab Erfurt 2026: Mixed bei den Leistungsklassen
Daneben wurde für die Leistungsklassen der Antrag zur Einführung des Mixed-Wettbewerbs bei den TT-Finals einstimmig angenommen. Bisher wurden in den Spielklassen A, B und C auf nationaler Ebene nur Einzel und Doppel gespielt.
Bei den Seniorinnen und Senioren wird die 90er-Klasse bei nationalen Meisterschaften eingeführt. In den vergangenen Spielzeiten hatte der Anteil dieser Altersgruppe bei Nationalen Meisterschaften stetig zugenommen. Bislang war in der Lifetime-Sportart Tischtennis die Klasse Senioren 85 die für die ältesten Aktiven.
Die dritte Auflage der Multi-DM aus Damen und Herren, Jugend 15 und 19, Seniorinnen und Senioren sowie Leistungsklassen findet vom 4. bis 7. Juni 2026 erneut in der Messe Erfurt statt.
Neu: Außerordentliche Mitglieder dürfen Spielbetrieb im DTTB organisieren
Auch einen Antrag auf Satzungsänderung hat der Bundestag angenommen. Den außerordentlichen Mitgliedern des Spitzenverbands ist es nun ausdrücklich erlaubt, einen eigenen Spielbetrieb unter dem Dach des DTTB zu organisieren.
Für neue Zielgruppen, die bislang außerhalb der Verbands- und Vereinsstrukturen standen, obwohl sie bereits wettkampfmäßig Tischtennis spielen, war das bisher nicht möglich. Dazu gehören unter anderem die Outdoor-Community, der Betriebssport, die Para-Tischtennis-Bewegung und PingPongParkinson. Neben der Aufnahme als außerordentliches Mitglied im DTTB sind dafür Einzelvereinbarungen mit dem Verband notwendig, beispielsweise zu den finanziellen Rahmenbedingungen.
Die nächsten großen sportpolitischen Termine sind der Bundesrat am 28. März und der Bundestag am 12. und 13. Dezember in Frankfurt am Main.
Links