Setzte den Schlusspunkt: Patrick Franziska (Foto: MS)
Überwältigende Stimmung im ausverkauften Salle Sportive Métropolitaine / Endspiel am Sonntag gegen Portugal

DTTB-Herren bringen Frankreich zum Schweigen und ziehen ins Finale ein

SH 07.09.2019

Nantes. Frenetisch feierten die zahlenmäßige Übermacht der französischen Fans im Salle Sportive Métropolitaine jeden Punkt der eigenen Spieler bis zuletzt. Doch an Deutschland perlte neben der spielerischen Klasse der Kontrahenten auch der Enthusiasmus der Gastgebernation ab. Hallensprecher und Maskottchen Naoping mühten sich ebenfalls redlich, doch überdeutlich war letztlich die Überlegenheit des siebenfachen kontinentalen Champions, der sich anschickt, am Sonntag Titel Nummer acht aus Nantes mitzunehmen.

"Gratulation an meine Mannschaft, die es von Beginn an in diesem Hexenkessel geschafft hat, die Konzentration hoch zu halten", lobte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf die Leistung seiner drei Spitzenkräfte Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska, tatkräftig unterstützt von Benedikt Duda und Ruwen Filus auf der Bank, bei dem 3:0 gegen Frankreich im Halbfinale der 38. Europameisterschaften. "Alle drei Spieler haben sehr gut gespielt, Dimitrij hat heute bei diesem Turnier sein bislang bestes Match gezeigt."

Im Duell der Einser hatte Simon Gauzy gegen Timo Boll im engen zweiten Durchgang, der in der Verlängerung an Boll ging, und mit dem Gewinn von Satz drei die Hoffnungen der heimischen Zuschauer genährt. Der EM-Finalist von 2016 überraschte Boll mehrere Male durch harte, platzierte Vorhand-Topspins und schnelle Rückhand-Punkte, doch am Ende war der Rekord-Europameister beim 3:1 mindestens einen Tick besser als Gauzy. Der erste Dämpfer für die Stimmung der Franzosen, auch wenn Bolls verwandelter Ballonabwehr-Matchball einer der vielen Hingucker für Tischtennis-Liebhaber in dieser Begegnung war.

"Ich habe gut begonnen, und es war wichtig, direkt in Führung zu gehen", wusste Boll. "Dann spielt es sich natürlich leichter, denn ansonsten wäre es noch lauter in der Halle geworden, als es so schon war." Er betonte: "Solch eine Atmosphäre ist gut für unseren Sport."

Ovtcharov erhöht auf 2:0

Emmanuel Lebesson, der die Equipe Tricolore am Vorabend mit einem Sieg im Schlusseinzel ins Halbfinale gespielt hatte, knüpfte gegen Dimitrij Ovtcharov nahtlos an seine Leistung vom letzten Spiel gegen Polen an und gewann umjubelt den ersten Satz. Dann aber hatte Ovtcharov sich endgültig auf seinen Kontrahenten eingestellt, verunsicherte ihn konstant mit seinen gefährlichen Aufschlägen und gewann auch den Großteil der Rallyes im Duell mit dem Linkshänder. 3:1 hieß es so am Ende der Partie.

World-Cup-Sieger Ovtcharov war entsprechend zufrieden mit seiner Leistung: "Nach dem ersten Satz habe ich praktisch überhaupt keine leichten Fehler gemacht und hier mein bislang bestes Match gezeigt."

Akkuzu gegen fast fehlerfreien Franziska überfordert

Can Akkuzu war zwei Sätze lang komplett überfordert gegen einen zunächst nahezu fehlerfrei agierenden Patrick Franziska. Was die Nummer 30 Europas, amtierender französischer Einzel-Meister, auch probierte, der zweifache Goldmedaillengewinner bei den diesjährigen European Games stand immer schon an der richtigen Stelle und hatte die bessere Antwort. Im Dritten nutzte Akkuzu ein Konzentrationsloch Franziskas zum glatten 11:5-Sieg. Im vierten Durchgang erspielte sich Franziska schnell eine komfortable Führung und Matchbälle. Akkuzu kam noch einmal auf 10:7 heran, was Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf zu einer Auszeit bewog. Mit der nötigen Ruhe im Anschluss setzte Franziska den Schlusspunkt und besiegelte die Finalteilnahme des Topfavoriten.

"Ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen, auch wenn es noch einmal knapp geworden ist", sagte der 27-jährige Saarbrücker und sprach der Kulisse ein Kompliment aus: "Es hat viel Spaß gemacht. Die Franzosen haben ein tolles Publikum."

Gauzy: "Deutschland war heute einfach zu stark"

"Deutschland war heute einfach zu stark, aber wir werden wiederkommen", kündigte Simon Gauzy an, der sich ausdrücklich für die Unterstützung der Fans bedankte, die "für eine unglaubliche Atmosphäre" gesorgt hatten.

Im Endspiel am Sonntag kommt es zur dritten Auflage von Deutschland gegen Portugal seit 2014. Vor fünf Jahren hatten die Südeuropäer vor heimischem Publikum in Lissabon erstmals den EM-Titel geholt. 2017 in Luxemburg gewann Deutschland mit 3:0 das Revanche-Match gegen dasselbe Toptrio wie jetzt in Nantes. "Portugal hat eine starke Mannschaft, aber wir wissen, was uns erwartet, werden uns  konzentriert vorbereiten und wollen den Titel mit nach Hause nehmen", erklärte Coach Roßkopf. Und Timo Boll ist überzeugt: "Portugal ist eine sehr motivierte Mannschaft. Aber wenn es uns morgen wie heute gegen Frankreich gelingt, dass wir alle eine sehr gute Leistung abrufen, dann sind wir die  bessere Mannschaft und sollten das Finale auch gewinnen."

Ovtcharov über Portugal: "Die geben keinen Ball verloren"

Dima Ovtcharov erinnert an die Niederlage vor fünf Jahren: "Wir haben zwar 2014 im Finale verloren, aber da waren wir ja praktisch nur zweieinhalb Leute." Franziska hatte sich im Gruppenspiel gegen Portugal (3:1) eine Zerrung des Syndesmosebandes zugezogen. Ovtcharov selbst hatte sich wenige Tage vor der EM einer Weisheitszahn-OP unterziehen müssen und war noch nicht ganz fit. "Aber 2017 im Endspiel und bei den European Games konnten wir klar gewinnen", fügt der ehemalige Weltranglistenerste an. Er kennt auch die besonderen Vorzüge des Gegners. "Portugals Stärke ist ähnlich wie bei Frankreich der Teamspirit und der Kampfgeist: Die geben keinen Ball verloren."

Portugal ist schon jetzt im Freundtaumel, denn auch die Damen, die am Freitag im Viertelfinale die Gold-Träume des deutschen Quintetts beendet hatten, sind erstmals in ein EM-Endspiel eingezogen und treffen dort am Sonntag auf Titelverteidiger Rumänien.

Zumindest für das Ticketing in Nantes wird das Aus von Team Frankreich keinen Unterschied machen. Auch der Sonntag war vorab schon ausverkauft.

Herren-Mannschaft, Halbfinale

Deutschland - Frankreich 3:0
Timo Boll - Simon Gauzy 3:1 (7,13,-8,7)
Dimitrij Ovtcharov - Emmanuel Lebesson 3:1 (-9,3,5,7)
Patrick Franziska - Can Akkuzu 3:1 (6,8,-5,7)

Links

Team Deutschland

  • Timo Boll (Europarangliste: 1)
  • Dimitrij Ovtcharov (3)
  • Patrick Franziska (4)
  • Benedikt Duda (15)
  • Ruwen Filus (18)

Team Frankreich

  • Simon Gauzy (Europarangliste: 6)
  • Emmanuel Lebesson (11)
  • Can Akkuzu (30)
  • Tristan Flore (48)
  • Andrea Landrieu (70)

Portugal besiegt Schweden im ersten Halbfinale

Im ersten Halbfinale endete der Schweden-Krimi mit einem Sieg für Portugal. Die Europameister-Mannschaft von 2014 meldete sich eindrucksvoll zurück. Nur an Position zehn bei den 38. Europameisterschaften gesetzt waren Marcos Freitas, Tiago Apolonia und Joao Monteiro mit nur einem Punktverlust in die Vorschlussrunde marschiert. Gegen den WM-Dritten von Halmstad gab es ein 3:2, bei dem Apolonia mit Erfolgen über Mattias Falck und im Schlusseinzel über Jon Persson zum Matchwinner avancierte. Den dritten Zähler steuerte Freitas gegen Falck bei.

Portugal - Schweden 3:2
Marcos Freitas - Jon Persson 2:3 (-5,8,-10,8,-4)
Tiago Apolonia - Mattias Falck 3:2 (-7,1,4,-4,10)
Joao Monteiro - Truls Möregardh 1:3 (-8,-10,10,-8)
Freitas - Falck 3:1 (8,8,8,7)
Apolonia - Persson 3:2 (-8,7,-2,8,7)

Alle Platzierungen der Gruppenphase: Die Erstplatzierten erreichen das Viertelfinale

Gruppe A: 1. Deutschland, 2. Russland, 3. Tschechien
Gruppe B: 1. Schweden, 2. Rumänien, 3. Ungarn
Gruppe C: 1. Frankreich, 2. Spanien, 3. Slowakei
Gruppe D: 1. Österreich, 2. Dänemark, 3. Ukraine
Gruppe E: 1. Slowenien, 2. Kroatien, 3. Niederlande
Gruppe F: 1. England, 2. Weißrussland, 3. Luxemburg
Gruppe G: 1. Polen, 2. Serbien, 3. Belgien
Gruppe H: 1. Portugal, 2. Griechenland, 3. Türkei

Die Spiele der Deutschen bei der EM

Viertelfinale am Freitag

Deutschland - Slowenien 3:0, Tisch 1
Dimitrij Ovtcharov - Darko Jorgic 3:2 (-17,-10,8,4,10)
Timo Boll - Bojan Tokic 3:0 (9,9,8)
Patrick Franziska - Deni Kozul 3:0 (8,6,6)

Gruppenphase, Gruppe A

3. Spiel, Donnerstag
Deutschland - Russland 3:0
Timo Boll - Kirill Skachkov 3:1 (7,9,-4,5)
Dimitrij Ovtcharov - Alexander Shibaev 3:2 (-9,-6,11,12,6)
Patrick Franziska - Vladimir Sidorenko 3:1 (3,-11,7,9,)

2. Spiel, Mittwoch
Deutschland - Tschechien 3:0
Timo Boll - Pavel Sirucek 3:0 (7,9,5)
Dimitrij Ovtcharov - Tomas Polansky 3:1 (-10,8,8,13)
Patrick Franziska - Lubomir Jancarik 3:2 (6,7,-9,-9,7)

1. Spiel, Dienstag
Russland – Tschechien 3:1
Alexander Shibaev – Lubomir Jancarik 3:0 (4,14,10)
Kirill Skachkov – Pavel Sirucek 1:3 (7,-9,-9,-8)
Vladimir Sidorenko – Tomas Polansky 3:1 (9,3,-8,7)
Shibaev – Sirucek 3:0 (12,8,7)

Team Russland

  • Alexander Shibaev (Europarangliste: 23)
  • Kirill Skachkov (31)
  • Vildan Gadiev (64)
  • Vladimir Sidorenko (92, Nr. 11 U18)
  • Lev Katsman (128, Nr. 1 U18)

Team Tschechien

  • Pavel Sirucek (Europarangliste: 21)
  • Lubomir Jancarik (42)
  • Tomas Polansky (96)
  • Tomas Tregler (100)

Der Zeitplan und die Spiele der Deutschen

Herren, Gruppe A: Deutschland, Russland, Tschechien
Damen, Gruppe B:
Deutschland, Italien, Slowenien

Dienstag, 3. September
19 Uhr
Herren, Gruppe A: Russland – Tschechien 3:1, Deutschland hat spielfrei
Damen, Gruppe B: Italien – Slowenien 3:1, Deutschland hat spielfrei

Mittwoch, 4. September
16 Uhr
Herren, Gruppe A: Deutschland – Tschechien 3:0
19 Uhr
Damen, Gruppe B: Deutschland – Slowenien 3:0

Donnerstag, 5. September
16 Uhr
Herren, Gruppe A: Deutschland – Russland 3:0
Damen, Gruppe B: Deutschland – Italien 3:0

Freitag, 6. September
10 Uhr: 1. Viertelfinale: Damen NED - POL 1:3; Herren GER - SLO 3:0
13 Uhr: 2. Viertelfinale: Damen GER - POR 2:3; Herren SWE - ENG 3:0
16 Uhr: 3. Viertelfinale: Damen ROU - FRA 3:0; Herren AUT - POR 1:3
19 Uhr: 4. Viertelfinale: Damen HUN - UKR 3:2; Herren FRA - POL 3:2

Samstag, 7. September
10 Uhr: 1. Halbfinale Damen ROU - POL
13 Uhr: 2. Halbfinale Damen POR - HUN
16 Uhr: 1. Halbfinale Herren SWE - POR
19 Uhr: 2. Halbfinale Herren GER - FRA

Sonntag, 8. September
13 Uhr: Finale Damen
16 Uhr: Finale Herren

Im Anschluss an das Herren-Finale finden beide Siegerehrungen statt.

Die deutschen Spieler und Spielerinnen in Nantes

Herren
Timo Boll (Borussia Düsseldorf, Weltrangliste: 7, Europarangliste: 1)
Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg/Russland, WR: 12, ER: 3)
Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT, WR: 15, ER: 4)
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt, WR: 37, ER: 15)
Ruwen Filus (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, WR: 40, ER: 18) 

Damen
Petrissa Solja (TSV 1909 Langstadt, WR: 21, ER: 3)
Han Ying (KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen, WR: 30, ER: 6)
Nina Mittelham (ttc berlin eastside, WR: 41, ER: 12)
Shan Xiaona (ttc berlin eastside, WR: 100, ER: 45)
Yuan Wan (TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, WR: 172, ER: 77) 

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