Für das Bundesliga-Topspiel zwischen Bingen/Münster-Sarmsheim und Kolbermoor steht erstmals die Amerikanerin Zhang Lily im TTG-Kader (Archivbild: Dr. Stephan Roscher).
Drei Bundesliga-Partien am Wochenende

Shan-Comeback bei eastside - Spannung vor Bingen vs. Kolbermoor

Dr. Stephan Roscher 26.10.2018

Meisterschaftmitfavorit ttc berlin eastside steigt am Wochenende richtig in die Runde ein mit den beiden Auswärtsspielen in Busenbach und Böblingen. Läuft es “normal“, wird der Hauptstadtklub, bei dem Shan Xiaona ihre Saison-Premiere gibt, einen mächtigen Sprung in der Tabelle machen. Spannung vor der Neuauflage des Finalduells der Saison 2017/18: Die radikal verjüngte Mannschaft der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim will Titelverteidiger Kolbermoor zeigen, dass sie auch ohne Ding und Matelova mit den ganz Großen auf Augenhöhe agieren kann. Das Bundesliga-Debüt der US-Amerikanerin Zhang Lily ist nicht unwahrscheinlich.

 

Samstag, 18.30 Uhr: TV Busenbach – ttc berlin eastside

Die Fronten sind klar. Der eindeutige Favorit kommt aus der Bundeshauptstadt und will in Busenbach seinen Marsch in die oberen Tabellenregionen starten. Im Normalfall hängen die Trauben zu hoch für die Ex-Berlinerin Tanja Krämer und ihre Kolleginnen. eastside ist einmal kalt erwischt worden, doch inzwischen hat sich die Startruppe von der Spree stabilisiert und ist in der Champions League zweimal sehr überzeugend aufgetreten. Alles andere als ein klarer Sieg von Pota und Co. wäre eine faustdicke Überraschung.  

Der TVB kann die Begegnung nach dem Sieg über Böblingen entspannt angehen und auf seine Chance lauern, sofern sich überhaupt eine bietet. Das vordere Paarkreuz ist sehr erfahren, mit Lisa Lung hat man eine gute, ambitionierte Nummer drei dazu gewonnen, während die „Nesthäkchen“ Anastasia Bondareva und Roswitha Schreiner schon gute Ansätze gezeigt haben, wenngleich es für sie in dieser Liga noch schwer ist, besonders gegen einen Spitzenklub wie eastside.  

Busenbach will das Match sehr seriös angehen. „Just for Fun gibt es bei uns nicht“, klärt Jessica Göbel auf. „Auch wenn wir wissen, dass wir mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit verlieren werden, versuchen wir alles, um Berlin richtig zu nerven. Wir werden versuchen, so lange es geht dagegenzuhalten.“ An eine Wiederholung des Bad Driburger Coups glaubt die Busenbacher Nummer zwei jedoch nicht. „Ich denke, dass Berlin nach dem Unentschieden gegen Driburg sensibilisiert ist, keinen Gegner mehr zu unterschätzen.“ 

eastside macht noch keine Angaben zur Aufstellung mit einer Ausnahme. „Wir freuen uns auf das Comeback von Shan Xiaona, die seit Februar nicht mehr gespielt hat, und drücken ihr die Daumen für einen gelungenen Wiedereinstieg“, erklärt Manager Andreas Hain.

 

Sonntag, 10.30 Uhr: SV Böblingen – ttc berlin eastside

Die Saison ist noch so jung, dennoch hat die SV Böblingen eigentlich schon das Pech für ein ganzes Jahr aufgebraucht. Drei unglückliche Niederlagen und zwei verletzte Leistungsträgerinnen – dicker kann es kaum kommen. Und jetzt kommt ausgerechnet der dreimalige Triple-Gewinner und das Lazarett ist immer noch gut gefüllt.

Was soll man in einer solchen Lage tun? Richtig, einfach locker aufspielen und das Bestmögliche herauszuholen versuchen. Und wenn es gegen die „Übermannschaft“ eine Klatsche geben sollte, dann ist das halt so. Die Frage, ob es für die Truppe aus Baden-Württemberg diesmal für die Play-offs reicht, wird gewiss nicht am Sonntag abschließend beantwortet. Zudem hat man ja noch eine Qianhong Gotsch, die topfit ist und schon wieder 6:0 steht. Gegen die Defensiv-Gigantin der Schwaben gewinnen auch die renommierten eastside-Asse nicht mal eben so zwischen Tür und Angel.

„Der Zeitpunkt ist nicht gut gewählt, denn Böblingens Xu Yanhua und Rosalia Stähr sind verletzt“, informiert SVB-Pressewart Manfred Schneider. „Letzten Samstag in Busenbach konnten sie nicht eingreifen. Ob sie am Sonntag dabei sind, ist mehr als fraglich. Da ist Manager Frank Tartschs Improvisationstalent gefragt, vielleicht bekommt Ersatzfrau Sarah Wagner einen Bundesliga-Einsatz wie desöfteren in der letzten Saison.“ Man hofft auf eine gute Kulisse. „Trotz der personellen Engpässe kann sich ein Besuch im Tischtenniszentrum am Silberweg 20 lohnen“, so Schneider. „Theresa Kraft und Julia Kaim zeigten letzten Samstag gute Form. Ausnahmespielerin Qianhong Gotsch war gegen Jessica Göbel und Tanja Krämer überragend. Das verspricht hochklassige Partien "Hongis" gegen die internationalen Topspielerinnen von eastside.“

"Wir wollen vier Punkte am Wochenende und nehmen keinen Gegner auf die leichte Schulter", bekräftigt eastside-Manager Andreas Hain.

 

Sonntag, 14.00 Uhr: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor

Nach der dramatischen Final-Serie der Vorsaison kommt es knappe fünf Monate später am Sonntag erneut zum Liga-Klassiker zwischen den Rheinhessinnen und den Oberbayerinnen. Kolbermoor spielt auch 2018/19 in der bewährten Formation, ist trotz des Remis in Langstadt vor 14 Tage guter Dinge und reist als Spitzenreiter an den Rhein.

Bingen/Münster-Sarmsheim hat einen radikalen Cut gemacht. Mit Yuan Wan und Marie Migot sind nur die beiden jüngsten Spielerinnen geblieben und haben mit Chantal Mantz und Giorgia Piccolin sowie der US-Amerikanerin Zhang Lily Verstärkung aus ihrem Alterssegment erhalten – im TTG-Quintett sind alle zwischen 20 und 22. Eine sehr homogene Truppe, die beweisen will, dass sie sich hinter der „alten“ Bingener Mannschaft mit Ding Yaping und Hana Matelova nicht verstecken muss.

Mit 3:1 Punkten liegt man gut auf Kurs und blickt gespannt auf den Sonntag, zumal man erstmals alle fünf Spielerinnen an Bord hat. Es könnte folglich zum Bundesliga-Debüt der Weltranglisten-103. Zhang Lily kommen, die im Mai noch auf Platz 53 des ITTF-Rankings gestanden hat, danach aber kaum mehr internationale Einsätze hatte. Die unumstrittene Nummer eins der Vereinigten Staaten, dynamische Angriffsspielerin mit starker Vorhand und sicherem Rückhand-Konterspiel, ist Bingens Nummer eins. Am Montag wird sie gemeinsam mit Marie Migot zu den Swedish Open weiterreisen. Sollte sie am Sonntag zum Einsatz kommen, könnte Yuan Wan ins hintere Paarkreuz rücken, was das Team natürlich noch gefährlicher machen würde. Doch in Bezug auf die tatsächliche Aufstellung hält sich TTG-Chef Joachim Lautebach, der mit bis zu 250 Zuschauern rechnet, bedeckt. „Wer spielen wird, wird sich kurzfristig entscheiden“, so Lautebach. „Wir halten uns alle Optionen offen.“

Der Vereinsvorsitzende zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Natürlich ist Kolbermoor als Deutscher Meister der Favorit, aber unser junges Team hat bis jetzt einen guten Eindruck hinterlassen und will diesen am Sonntag bestätigen. Allerdings hängt es auch von der Aufstellung des Gegners ab. Wenn Kolbermoor mit Liu Jia kommt, wird es deutlich schwerer für uns. In jedem Fall erwarte ich ein schönes, für die Zuschauer interessantes Spiel.“

Der Gast aus Bayern weiß noch nicht so recht, was ihn erwartet. „Vor einer Woche hätte ich noch gesagt, dass die Bingener dieses Jahr für uns leichter ausrechenbar sind und etwas schwächer als noch mit Ding und Matelova“, so Trainer Michael Fuchs. „Da jetzt aber anscheinend Lily Zhang spielen wird, ist die Ausgangslage wieder eine ganz andere. Sie ist im vorderen Paarkreuz sehr gefährlich und Yuan Wan rutscht ins hintere Paarkreuz, wo sie dann zu den stärkeren Spielerinnen zählt. Deshalb stelle ich mich zurzeit wieder auf ein sehr enges Spiel ein.“ Fuchs spielt die Positionen im Gedanken durch: „Im vorderen Paarkreuz gibt es eventuell leichte Vorteile für uns, da Sabine und Kristin zur Zeit in guter Verfassung sind und ich Zhangs aktuelle Form schlecht einschätzen kann. Im hinteren Paarkreuz sehe ich es ausgeglichen, egal wer bei Bingen an Position vier spielt. Ich denke, dass die Doppel wieder ausschlaggebend sein werden. Ein 0:2-Rückstand dürfte für beide Mannschaften schwer aufzuholen sein.“

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