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Deutscher Meister 2021/22: ttc berlin eastside (v.l.: Britt Eerland, Kathrin Mühlbach, Sabina Surjan, Trainerin Irina Palina, Jessica Göbel, Nina Mittelham, Ding Yaping, Shan Xiaona - es fehlt Cheng Hsien-Tzu).
ttc berlin eastside - TSV Langstadt 6:2 - Britt Eerland sorgte für den fünften Punkt

Der ttc berlin eastside ist Deutscher Meister

Dr. Stephan Roscher 30.04.2022

Berlin. Um 15.32 Uhr durfte der ttc berlin eastside jubeln. In diesem Moment war Britt Eerland gegen Franziska Schreiner der Punkt zur 5:1-Führung des ttc berlin eastside gegen den TSV Langstadt im Finalrückspiel um die Deutsche Meisterschaft gelungen. Zwar war die Partie damit noch nicht beendet, doch nach dem 6:1-Erfolg der Hauptstädterinnen im Hinspiel benötigten sie nur noch ein Remis, um sich ihren achten nationalen Meistertitel zu sichern. Das Spiel endete eine knappe Dreiviertelstunde später mit einem 6:2-Sieg des alten und neuen Deutschen Meisters. Herzlichen Glückwunsch nach Berlin!

Hochklassiges Rückspiel, Langstadts Problem mit den fünften Sätzen

Auch das Rückspiel war durchaus sehenswert und zumindest phasenweise recht umkämpft, die Hessinnen, die abermals auf die verletzte Tanja Krämer verzichten mussten, machten es dem ttc eastside erneut nicht leicht. Das Ergebnis hätte sicher auch etwas knapper ausfallen können, doch rächte sich für den TSV, dass er in der Summe beider Partien von insgesamt acht Fünf-Satz-Matches sieben verlor. Letzteres spricht natürlich auch für die spielerische Klasse und nervliche Stabilität der Berlinerinnen, die zudem mit Finalsituationen besser vertraut sind als ihre Gegnerinnen. 20:14 Sätze zugunsten des Gastgebers bei einer Gesamtspieldauer von 192 Minuten dokumentieren, dass es keine einseitige Angelegenheit war.

Die Doppelstärke des ttc war beeindruckend, gerade auch weil Langstadt über die gesamte Saison mit prächtig harmonierenden Doppeln geglänzt hatte und in den beiden Endspielen nicht ein einziges gewinnen konnte – wobei die erprobte Kombination Krämer/Schreiner natürlich nicht möglich war. Herausragende Spielerin beim erfolgreichen Titelverteidiger war ohne Frage Nina Mittelham, die 3:0 Einzel und 2:0 Doppel verbuchte. Und eine Petrissa Solja gleich zweimal binnen einer knappen Woche zu schlagen, das muss man auch erst mal schaffen.

Berlin legt in den Doppeln vor und lässt danach nichts mehr anbrennen

Nach dem tollen Doppelstart – besonders das diesmal glatte 3:0 von Shan/Mittelham über Solja/Mantz war bemerkenswert –, gab es mit dem etwas überraschenden 3:1-Erfolg von Chantal Mantz über Shan Xiaona einen kleinen Dämpfer für den Serienmeister. Dieser fiel aber nicht so sehr ins Gewicht, da Mittelham am anderen Tisch zeitgleich Solja auf Distanz hielt – und das diesmal deutlicher als im Hinspiel.

Dass Alena Lemmer aus dem Langstädter „B-Team“ gegen die Taiwanerin Cheng Hsien-Tzu keine realistische Siegchance haben würde, war vorauszusehen. Die TSV-Spielerin verkaufte sich teuer und gewann sogar den ersten Durchgang, doch danach war ihre Gegnerin, die vor drei Jahren selbst noch für Langstadt aufschlug, richtig auf Betriebstemperatur und hatte alles im Griff. Enger ging es zwischen Britt Eerland und einer, wie schon im Hinspiel, starken Franziska Schreiner zu. Die Jungnationalspielerin des DTTB war gegen die Weltranglisten-36. aus Holland lange auf Augenhöhe, doch Eerland konnte einen 1:2-Satzrückstand noch in einen 3:2-Erfolg ummünzen – und das war der fünfte Punkt und damit die Deutsche Meisterschaft für den ttc berlin eastside.

Es folgten noch zwei Matches von eher kosmetischer Bedeutung: Petrissa Solja konnte die diesmal etwas glücklos agierende Shan Xiaona in vier Sätzen in Schach halten, während Nina Mittelham gegen die heute starke Chantal Mantz einen 0:2-Satzrückstand noch drehte und damit den Endstand von 6:2 besiegelte.

Einzigartige Erfolgsstory: ttc berlin eastside und seine Vorgänger

Der Hauptstadtklub, von manchen als „FC Bayern des Damen-Tischtennis“ bezeichnet, hat damit der von Erfolgen gekrönten Vereinsgeschichte einen weiteren Titel hinzugefügt. Der in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene dominante Klub, der allerdings in dieser Saison bis heute Nachmittag auf den ersten Titel warten musste, kommt, nimmt man die drei Vorgängervereine in der DDR in die Rechnung mit auf, sogar bereits auf 28 Meistertitel, davon eben acht gesamtdeutsche. Addiert man alle Titel aus DDR und Bundesrepublik Deutschland, kommt man auf die stolze Anzahl von 45. Immerhin 20 davon wurden als ttc berlin eastside, so der Vereinsname seit 2011, in die Hauptstadt geholt, nämlich noch sieben im Pokal und fünf in Europas Königsklasse. Viermal gelang bisher das Triple mit Titeln in allen drei Wettbewerben in einer Saison. Der Vorgänger zu BRD-Zeiten, 3B Berlin, steuerte drei ETTU-Cup-Siege zur Erfolgsbilanz bei. Die DDR-Vorgängerklubs SC Einheit Berlin, TSC Berlin und BSG Außenhandel Berlin sorgten für insgesamt 20 Meistertitel und zwei Europapokalsiege.  

Keiner wirklich unzufrieden: Stimmen zu den Finalspielen

„Wir hatten jetzt gottseidank in den Meisterschaftsfinals recht viele Spielerinnen zur Verfügung und konnten personell ein bisschen variieren, anders als in den Endspielen der Champions League“, so Trainerin Irina Palina, die über das ganze Gesicht strahlend hinzufügte: „Wir waren voll konzentriert und haben gewonnen.“ „Das Spiel und vor allem der Titel waren ein versöhnlicher Abschluss einer Saison, in der mit vielen Problemen verschiedener Art nicht alle unsere Wünsche aufgegangen sind. Aber wie wir uns am Ende aufgerappelt und durchgekämpft haben, das macht eben auch den Geist dieser Mannschaft und dieses Vereins aus“, sagte TTC-Präsident Alexander Teichmann im Anschluss an die Siegerehrung.

Der TSV Langstadt verließ die Halle keineswegs geknickt, zumal man ohne Verletzungspech das Rennen womöglich hätte offener gestalten können. „Wir haben eine sensationelle Saison gespielt. Da lassen wir uns auch die gute Laune von den beiden Finalspielen nicht verderben“, so der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Berlin ist verdient Meister geworden und wir verdient Vizemeister.“ „Direkt nach dem Spiel überwog noch etwas die Enttäuschung. Wir hatten uns eine Chance ausgerechnet“, sagte TSV-Trainer Thomas Hauke. „Insgesamt fehlte uns in beiden Spielen etwas Glück. Vielleicht hatten wir sogar etwas Pech, wenn man von acht Fünfsatzspielen sieben verliert. Ob es dann knapper wäre, weiß man nicht. Berlin ist verdient Meister, sie waren in der Hauptrunde und in den Play-offs das beste Team.“ Hauke zollte seinem Team nochmals Respekt: „Mittlerweile überwiegt aber der Stolz auf die Mannschaft. Wir haben eine super Saison gespielt, immer alles gegeben und sind verdient Vizemeister.“ Auch von TSV-Coach Yunli Schreiner, Mutter von Franziska Schreiner und ehemalige internationale Topspielerin, liegt uns ein Statement vor: „Schade dass wir wieder zu Beginn beide Doppel verloren haben. Franzi hatte auch gegen Eerland gute Chancen. Insgesamt sind wir zwar etwas traurig, aber nicht enttäuscht, die Mannschaft hat alles gegeben.“ Manfred Kämmerer hatte am Ende noch eine gute Nachricht für die Langstädter Fans parat: „Das Team bleibt zusammen, alle vier bleiben.“

 

Finalrückspiel, 30.04.: ttc berlin eastside – TSV Langstadt 6:2

Shan/Mittelham – Solja/Mantz 3:0 (11:9, 11:8, 11:5)

Cheng/Surjan – Schreiner/Lemmer 3:2 (11:6, 8:11, 4:11, 11:8, 11:3)

Shan Xiaona – Chantal Mantz 1:3 (8:11, 12:10, 10:12, 7:11)

Nina Mittelham – Petrissa Solja 3:1 (11:6, 11:6, 8:11, 11:7)

Cheng Hsien-Tzu – Alena Lemmer 3:1 (10:12, 11:5, 11:3, 11:5)

Britt Eerland – Franziska Schreiner 3:2 (10:12, 11:9, 7:11, 11:7, 11:5)

Shan Xiaona – Petrissa Solja 1:3 (8:11, 11:8, 5:11, 8:11)

Nina Mittelham – Chantal Mantz 3:2 (11:13, 10:12, 11:9, 11:4, 11:8)

 

Finalhinspiel, 24.04.: TSV Langstadt – ttc berlin eastside 1:6

Solja/Mantz – Shan/Mittelham 2:3 (5:11, 11:5, 5:11, 11:8, 9:11)

Schreiner/Kämmerer – Eerland/Surjan 2:3 (11:4, 2:11, 11:9, 7:11, 5:11)

Petrissa Solja – Nina Mittelham 2:3 (8:11, 11:7, 7:11, 11:9, 8:11)

Chantal Mantz – Shan Xiaona 1:3 (11:7, 5:11, 5:11, 9:11)

Franziska Schreiner – Sabina Surjan 3:2 (12:10, 7:11, 8:11, 12:10, 11:6)

Janina Kämmerer – Britt Eerland 0:3 (7:11, 5:11, 4:11)

Petrissa Solja – Shan Xiaona 2:3 (9:11, 13:15, 11:8, 11:8, 9:11)

 

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