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Frohe Weihnachten!

Eine kleine Weihnachtsgeschichte: Perspektivwechsel

24.12.2025

Ein ereignisreiches Tischtennisjahr neigt sich dem Ende zu. Der Deutsche Tischtennis-Bund bedankt sich herzlich bei euch allen – bei Spielerinnen und Spielern aller Alters- und Leistungsklassen, bei Trainerinnen und Trainern, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern sowie bei den zahlreichen Ehrenamtlichen – für eure Leidenschaft, euren Einsatz und eure Verbundenheit zu unserem Sport. Tischtennis lebt von Gemeinschaft, Fairplay und Begeisterung – Werte, die ihr Tag für Tag in die Hallen und Vereine tragt. Dafür sagen wir Danke. Wir wünschen euch und euren Familien ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest, erholsame Feiertage sowie Gesundheit, Glück und viele sportliche Erfolge im neuen Jahr. Wie immer gibt es auch eine kleine, aber feine Weihnachtsgeschichte.


Von André König

Mit dem ersten Bissen war ich in einer anderen Welt. Ein solches Plätzchen hatte ich nicht mehr gegessen, seit meine Oma – leider viel zu früh verstorben - uns zum ersten Weihnachtsfeiertag immer zu sich eingeladen hatte. Außen leicht knusprig, innen weich, saftig und süß. Genau so musste ein Plätzchen sein.

Genau dieses Plätzchen hatte ich auch bitter nötig, denn alles - und damit meine ich wirklich alles - lief schlecht. Seitdem ich den Vorsitz in unserem Tischtennisverein übernommen hatte, ging es bergab. Drei von vier Mannschaften standen kurz vor Weihnachten auf Abstiegsplätzen. Ich brauche wohl nicht erwähnen, dass vor meiner Zeit sechs Mannschaften existierten. Zur Weihnachtsfeier waren nur die gekommen, die absolut keine andere Option hatten und meine eigene spielerische Bilanz… nun ja: Ich habe fast 80 TTR Punkte verloren. Dritte Mannschaft lässt grüßen. Die erste Mannschaft hatte vorgeschlagen neue Trikots zu bestellen, aber wir konnten uns auf keine Farbe einigen und Geld war auch keins da. Kurzum: Die Stimmung in meinem Verein war schlecht. Meine eigene Stimmung war mieser als meine Bilanz und zum Abbau der Tische am letzten Trainingstag war wieder mal nur ich noch in der Halle geblieben, was meine Laune noch einmal zusätzlich verschlechterte, was eigentlich kaum möglich war.

Während ich die letzten Banden in die Garage räumte, denn die kommen immer zuletzt und ich halte mich immer streng an die ausgedruckte und an der Seitenwand angebrachte Ordnung der Garage, begann es zu schneien. Obwohl es bereits dunkel war, waren dicke Schneeflocken durch die Oberlichter der Fenster zu erkennen und die sich nun auf dem breiten Sims anhäuften. „Immerhin weiße Weihnachten,“ dachte ich.

Morgen ist Heiligabend und ich hatte bisher gerade mal die Hälfte meiner Geschenke beisammen. Mein Patenkind wollte unbedingt ein Spray zur Schlägerreinigung und einen Schwamm, obwohl ich der Meinung bin, dass ein- und dieselbe Firma vermutlich eher nicht Beläge und gleichzeitig Mittel zur Verlängerung der Lebensdauer eben jener Beläge verkauft. Mir reicht Wasser, aber das ist ja vielleicht auch der Grund für meine Bilanz.

Mit einem Knall fiel das schwere Garagentor zu, als im Flur plötzlich der Bewegungsmelder reagierte und warmes Licht in Form eines Kegels in die Halle fiel. Ich wunderte mich, dachte ich doch bisher, ich sei der Letzte. Sicherlich hatte jemand etwas vergessen. Gespannt schaute ich auf die offene Tür zum Flur. Das Licht hatte ich bereits ausgeschaltet, daher schimmerte in der restlichen Halle nur das Grün der Fluchtwegschilder. Ich bewegte mich in Richtung der Tür, aber konnte niemanden erkennen. Dann plötzlich: ein Murmeln. „Hallo?“, rief ich in Richtung des Lichts. „Ja, hallo“, reagierte eine freundliche Stimme, die immer noch außerhalb meines Blickfelds war.

Da trat ein Mann in Sportkleidung in die Halle. „Ist denn schon Schluss?“, fragte er sichtlich irritiert. „Also eigentlich schon. Morgen ist doch Weihnachten und alle sind bereits zu Hause. Ich habe gerade den letzten Tisch abgebaut und das Licht ausgemacht. Wollten Sie zum Schnuppern kommen und ein bisschen trainieren?“

„Stimmt, stimmt“, sagte der Mann, der etwas irritiert schien, „morgen ist ja Weihnachten. Ich weiß, ich weiß. Ich sag dir: Ich habe noch kein einziges Geschenk. Oh je. Ja, ich bin neu in der Stadt und dachte, dass ich mal vorbeikomme. Eure Internetseite ist einfach super gemacht. Ich hab‘ alles, was ich wissen wollte, sofort gefunden und ihr erscheint auch ganz oben bei der Google Suche.“ „SEO Optimierung heißt das“, entgegnete ich. „Ich habe außerdem gesehen, dass ihr recht aktiv seid. Habt eine Weihnachtsfeier gehabt und auch Vereinsmeisterschaften konnte ich lesen. In meinem alten Verein gabs das alles überhaupt nicht. Ach und außerdem habe ich eine Tochter, die auch spielt. Ihr habt doch eine Mädchenmannschaft?“ „In diesem Jahr konnten wir mit unserer neuen Trainerin Melanie zum ersten Mal eine Mädchenmannschaft melden“, merkte ich nicht ohne Stolz an, „das stimmt. Und ja, eine Weihnachtsfeier gab es, aber es waren leider nicht so Viele da“, sagte ich. „Ja, das ist doch normal für diese Krankheitszeit. Ich bin froh, dass ich wieder fit bin. Grippe. Mich hats ganz schön umgehauen, das sag ich dir!“ „Wissen Sie was?“, sagte ich nun, „wir machen einfach noch eine Einheit“. Und ehe ich mich versah, spielten wir.

Es war das beste Training, der gesamten Saison. Timo, wie der Fremde hieß, spielte herausragend gut. Ein Mann für die Erste ganz vorne. Wir spielten noch eine ganze Stunde. Als wir beide erschöpft auf die Bank sanken, sagte Timo: „Ich spiele in der Rückrunde bei euch. Es ist entschieden. Du bist ein echt netter Typ und ich habe gesehen, dass ihr Hilfe gebrauchen könnt.“ „Ja, wir stehen hinten drin in der Tabelle.“ „Allerdings habt ihr auch viel mehr Auswärtsspiele gehabt als Heimspiele. Da steht man schonmal hinten drin.“ „Und viel krankheitsbedingte Ausfälle“, ergänzte ich, „ich würde mich freuen, wenn du zu uns stoßen würdest.“ „So machen wir das“, strahlte er mich an, „ich muss jetzt los, aber ich habe noch Etwas für dich.“ Er gab mir eine selbstgepackte kleine Tüte mit Schokolade und selbstgemachten Plätzchen. „Frohe Weihnachten! So einen engagierten Vereinsvorsitzenden hat wirklich nicht jeder Verein. Wir sehen uns.“

Als Timo verschwunden war und ich den Schlüssel im Schloss umdrehte, war auf einmal gar nicht mehr alles so mies. Ganz im Gegenteil. Ich fühlte mich irgendwie gut. Ich stieg ins Auto, was vom Schnee vollständig bedeckt war, startete den Motor, fegte den Schnee von den Fenstern und wartetet darauf, dass die Lüftung für klare Sicht an der Frontscheibe sorgte. Zu viel Feuchtigkeit im Auto. Sportler kennen das.

Um mir die Wartezeit zu versüßen, öffnete ich die kleine Tüte von Timo. Ein Plätzchen lachte mich besonders an. Als ich hineinbiss, umgab mich ein Gefühl, dass mir vor langer, langer Zeit bekannt vorkam. Eines, wie ich es bei Oma oft gespürt hatte. Eines, was mich in eine andere Welt versetzte. Ein Gefühl von Zufriedenheit.

 

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