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Elf Deutsche reisen nach Alicante / Medaillenkandidaten in allen Wettbewerben

EM-Aufgebot: Boll und Ovtcharov führen die „Qual der Wahl“ an / Bei den Damen entschied internes Ranking

DTTB 12.09.2018

Düsseldorf/Frankfurt. Während sich das deutsche Damen-Aufgebot für die Europameisterschaften im spanischen Alicante (18. bis 23. September) durch ein erstmals von Bundestrainerin Jie Schöpp eingeführtes internes Punktesystem nahezu selbst nominiert hat, hatte das Herren-Trainer-Team um Chefcoach Jörg Roßkopf noch mehr die Qual der Wahl als sonst schon.

Timo Boll (Düsseldorf, Weltrangliste: 4), Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland, 5) sowie German-Open-Halbfinalist Patrick Franziska (Saarbrücken, 16) standen schon früh und ohne Diskussion fest. Dass aber die Nummer 19 der Weltrangliste, Ruwen Filus (Fulda-Maberzell), nur im Doppel und Mixed zum Zuge kommen wird, sorgt für Gesprächsstoff. Der Abwehrcrack hat im Einzel in Spanien das Nachsehen gegenüber seinem Doppelpartner Ricardo Walther (Grünwettersbach, 42) und Benedikt Duda (Bergneustadt, 50).

Einsatz, Ehrgeiz und Leistungssteigerungen 

Das Luxusproblem der DTTB-Herren ist nicht neu. Sieben Spieler in Roßkopfs Kader stehen in den Top 50 der Weltrangliste. Der 21-jährige Qiu Dang (Grünwettersbach, 161) und der nur ein halbes Jahr ältere Kilian Ort (Bad Königshofen, 215) verbessern sich zudem kontinuierlich. Doch nur fünf Athleten darf Roßkopf für die EM nominieren. 

„Viele, die im Lostopf waren, hätten es verdient, bei der EM dabei zu sein“, erklärt Jörg Roßkopf. „Die Jungen wie Qiu Dang oder Kilian Ort mit ihren aufsteigenden Formkurven und ihrer Leistungsbereitschaft ebenso wie Bastian Steger, der seine Nominierungen immer durch gute Leistungen rechtfertigt.“ Bei Ricardo Walther und Benedikt Duda stellte der Doppel-Weltmeister von 1989 Einsatz, Ehrgeiz und Leistungssteigerungen der vergangenen Wochen und Monate heraus. „In unseren Augen hat ‚Benne‘ sehr gut gespielt, auch wenn er eine schwierige Auslosung hatte.“ Bei den World-Tour-Turnieren in Tschechien, Australien und Korea etwa unterlag der amtierende Deutsche Doppel-Meister in der Qualifikation nach jeweils guten Leistungen Kontrahenten aus China und Japan. 

Perspektivische Nominierung für Alicante

„‘Ric‘ hat gegenüber Ruwen die bessere Form und zeigt zurzeit auch die besseren Ergebnisse“, sagt Roßkopf auch im Hinblick auf den Trainingsrückstand Filus‘ nach der Geburt seiner zweiten Tochter. „Die Nummer 19 der Welt im Einzel raus zu lassen, ist immer schwierig. Ruwen ist aber noch nicht in der Form, die wir von ihm kennen, und hat noch einen Tick Trainingsrückstand.“

Für den Herren-Bundestrainer ist diese EM-Nominierung nicht zuletzt eine perspektivische. „Bastian Steger mit seinen zwei Olympia-Medaillen und seinen 37 Jahren muss mir nichts mehr beweisen. Er wird sich über die World Tour in den Kandidatenkreis für Olympia 2020 spielen.“ Der neunfache EM-Teilnehmer und vierfache Team-Europameister sei zudem ein Kandidat für die Einzel-WM, die European Games und die Mannschafts-EM im kommenden Jahr. „Bastis Ehrgeiz ist ungebrochen und wie Timo denkt er nicht an Rücktritt.“

Medaillenkandidaten im Einzel, Doppel und Mixed

Trotz längerer Verletzungspausen gehören Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov bei der Individual-EM zum engen Favoritenkreis im Einzel, führen die EM-Setzliste an. Roßkopf: „Wir haben in allen Wettbewerben Konstellationen, bei denen wir um die Titel mitspielen. Timo und Dima gehören automatisch zum Favoritenkreis im Einzel. Ich bin gespannt, wie beide nach ihren Verletzungspausen spielen und hoffe, dass wir sie in Alicante in vielen Spielen sehen werden.“

Patrick Franziska ist an der Seite seines dänischen Doppelpartners Jonathan Groth Titelverteidiger und nicht zuletzt nach dem World-Tour-Titelgewinn in Tschechien Ende August Topfavorit auf Gold in Spanien. „Mit diesem Druck müssen die beiden umgehen“, weiß Jörg Roßkopf. „Bei der WM in Düsseldorf hatten sich die beiden gute Chancen ausgerechnet, sind dann aber deutlich und früh gescheitert. Bei der World Tour zeigen sie, dass sie in allen Bereichen harmonieren: spielerisch, taktisch und auch privat verstehen sie sich sehr gut.“ Ebenfalls gut eingespielt sind Ruwen Filus/Ricardo Walther, die Austrian-Open-Finalisten von 2017. „Anfangs hat man sie als Abwehr-Angriff-Kombination bei den Herren noch belächelt, inzwischen sind sie längst Medaillenkandidaten“, sagt Roßkopf.

Erstes Ziel der Damen: Die Setzung bestätigen

Bei den Damen gehen Deutschlands Turnier-Erfahrenste an den Start: Han Ying (Tarnobrzeg, Polen, Weltrangliste: 39), Sabine Winter (Kolbermoor, 46), Petrissa Solja (Langstadt, 49), Nina Mittelham (Berlin, 54) und Kristin Lang (Kolbermoor, 139). Internationale Turniere und die Ergebnisse zweier teaminterner Wettkämpfe im Modus „jede gegen jede“ flossen in das interne Punktesystem ein, das den Ausschlag für die Nominierung gab. Berlins Shan Xiaona war dabei außen vor. Die Rio-2016-Finalistin mit dem Team befindet sich nach der Geburt ihrer Tochter Mia Mitte Juli noch im Mutterschutz.

Die ersten Drei der internen Rangliste, das war von vornherein klar, würden ihr Alicante-Ticket direkt erhalten – es wurden Han, Winter und Lang -, zwei weitere Plätze hielt sich Bundestrainerin Jie Schöpp offen. Sie gingen an Solja und Mittelham. Abwehrchefin Han wird als beste Deutsche die Nummer neun der Setzliste von Alicante sein. Und eben an der Setzung orientiert Richard Prause seine Erwartungen: „Erstes Ziel muss immer sein, die Setzung zu bestätigen. Im nächsten Schritt versucht man dann, über diese Setzung hinaus zu spielen“, sagt der DTTB-Sportdirektor in Vertretung der nach einer Knie-Operation rekonvaleszenten Jie Schöpp, die in Alicante wieder einsatzbereit sein wird.

Prause: „Alle fünf können über sich hinauswachsen“

„Unsere Damen sind bei Europameisterschaften bisher nicht nur weit gekommen, sondern haben auch Medaillen gewonnen. Nicht nur im Einzel, sondern auch im Doppel. Zusätzlich interessant wird bei dieser EM auch das gemischte Doppel für uns sein“, so Prause. Das Titelverteidiger-Duo Lang/Winter ist in Alicante getrennt, doch Solja/Winter sind ebenso eine eingespielte Kombination; das Links-Rechts-Duo gewann schon 2012 den Titel bei den German Open. Lang/Mittelham stellen das zweite DTTB-Duo in Spanien.

Es gelte für alle, die letzte EM-Vorbereitungswoche intensiv zu nutzen und dann die Auslosung am Sonntag, 16. September, abzuwarten. „Wir werden das zweite große Turnier 2018 höchst motiviert angehen“, verspricht Prause, „und schauen, dass wir vielleicht eine Stufe weiter gehen, als man von der Setzung erwarten kann. Ich glaube, dass unsere Damen in der Lage sind, nach oben zu spielen. Alle fünf können über sich hinauswachsen.“

Gemischtes Doppel: Noch fehlt die Wettkampfhärte

Das gemischte Doppel ist wieder Teil des EM-Wettbewerbs. Nach der Aufnahme ins olympische Programm ab 2020 hat der gemischte Wettbewerb wieder eine Aufwertung erfahren, ist seit den China Open im Juni sogar erstmals Teil der World Tour. Außerdem: Bei der EM qualifizieren sich die besten acht Mixed für die European Games in Minsk. „Wir schicken mit Patrick Franziska/Petrissa Solja und Ruwen Filus/Han Ying unsere besten zwei Mixed zur EM. Sie können es aufs Treppchen schaffen, hatten aber wie viele Europäer bisher nicht viele Gelegenheiten, gemeinsam Wettkämpfe zu spielen“, gibt Roßkopf zu bedenken. Insgesamt seien die gemischten Doppel noch in der Findungsphase.

Den Mixed-Wettbewerb gab es auf der World Tour bislang bei den Turnieren in China, Japan, Korea und Australien. Die deutschen EM-Mixed schieden bei der Premiere im Sommer in Runde eins (Filus/Han) bzw. zwei (Franziska/Solja) gegen das topgesetzte japanische Duo Masataka Morizono/Mima Ito aus.

Links

 

·         Alles zur EM auf der ETTU-Website

·         Die englische EM-Website des spanischen Veranstalters

·         Live-Streaming von vier Tischen bei der EM ab dem 1. Turniertag

 

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