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Petrissa Solja und Patrick Franziska sind die Führungsspieler ihrer Mannschaften bei der Team-EM (Foto: MS)
EM in Rumänien: Nachwuchs-Europameister Stumper und Kaufmann erstmals bei den Erwachsenen nominiert

EM-Aufgebot: Olympia-Asse Franziska und Solja führen starke DTTB-Teams an

MS 09.09.2021

Frankfurt. Mit vier von acht Tokio-Teilnehmern und zwei EM-Debütanten spielen Deutschlands Nationalmannschaften vom 28. September bis 3. Oktober bei den 40. Team-Europameisterschaften in Cluj-Napoca (Rumänien) um Titel und Medaillen. Die DTTB-Formationen, die von Patrick Franziska und Petrissa Solja angeführt werden, sind als Silbermedaillengewinner und Vierter bei den Olympischen Spielen jeweils an Position eins gesetzt. Neulinge im insgesamt zehnköpfigen Aufgebot sind die Nachwuchs-Europameister Kay Stumper (Jungen) und Annett Kaufmann (Schülerinnen).

Olympioniken Franziska und Duda wollen ihr Team weit nach vorne führen

Auch wenn mit Tokio-Bronzemedaillengewinner Dimitrij Ovtcharov und Rekord-Europameister Timo Boll die beiden Leistungsträger und Punktegaranten nicht dabei sind, die ihr Team mit Ausnahme von 2014 und 2015 (Finalniederlagen gegen Portugal und Österreich) bei zehn Championaten seit 2007 insgesamt achtmal zum Titelgewinn führten, gehen die DTTB-Herren angesichts ihres Reigens an Weltklassespielern das Unternehmen Titelverteidigung mit einer überaus starken Mannschaft an. Mit dem Weltranglisten-17. Patrick Franziska (Saarbrücken), dem Doha-Star-Contender-Finalisten Ruwen Filus (Fulda-Maberzell), dem Olympia-Ergänzungsspieler und Deutschen Meister Benedikt Duda (Bergneustadt) und Mixed-Europameister Dang Qiu (Düsseldorf) schickt der DTTB vier international bereits mehrfach erfolgreiche Asse ins Rennen. Nummer fünf des Aufgebots ist erstmals der zuletzt auch im Herren-Bereich mit überzeugenden Ergebnissen (u.a. ein Sieg über Schwedens WM-Zweiten Mattias Falck) aufwartende, 18 Jahre alte Jugend-Europameister Kay Stumper (Neu-Ulm).

Tokio-Fahrerinnen Solja und Mittelham bilden mit Winter ein Top-Trio

Die DTTB-Damen, welche die jüngsten drei ihrer insgesamt sieben EM-Titel 2013, 2014 und 2015 mit tatkräftiger Unterstützung der diesmal fehlenden Weltranglisten-20. Han Ying und Shan Xiaona erkämpften, haben mit Europameisterin und Europe-Top-16-Siegerin Petrissa Solja (Langstadt), der dreimaligen Deutschen Meisterin, Mixed-Europameisterin und Tokio-Ersatzfrau Nina Mittelham (Berlin) sowie der zweimaligen Doppel-Europameisterin Sabine Winter (Schwabhausen) drei Topspielerinnen in ihrem Aufgebot. Das Trio wird ergänzt durch die kontinentale U21-Titelgewinnerin von 2017, Chantal Mantz (Langstadt), und die dreifache Schülerinnen-Europameisterin Annett Kaufmann (Böblingen). Die erst 15 Jahre alte Bundesligaspielerin stellte erst kürzlich bei den Deutschen Meisterschaften mit einem Viertelfinalsieg über die zweimalige Doppel-Europameisterin Kristin Lang ihre Leistungsstärke auch bei den Erwachsenen nachdrücklich unter Beweis.

Richard Prause: „Bei der EM weitere Spieler in Position bringen“

Für Richard Prause ist die zusammen mit den Bundestrainern Jörg Roßkopf (Herren) und Tamara Boros (Damen) vorgenommene Nominierung ein wichtiger Schritt zur weiteren Stärkung der deutschen Nationalmannschaften. Der DTTB-Sportdirektor erklärt: „Dima und Timo hatten extrem hohe Belastungen und benötigen entsprechende Regenerationsphasen, um ihren Akku wieder aufzuladen. Berücksichtigen müssen wir in diesen Monaten mit einem übervollen Terminkalender zudem auch die individuelle Planung der Athleten, das haben sich Dima, Timo, Ying und Nana verdient.“ An der grundsätzlichen Zielsetzung der in Cluj-Napoca an Position eins gesetzten deutschen DTTB-Vertretungen ändert das nichts, wie Prause betont: „Wir schicken zwei sehr starke Teams an den Start. Beide haben das Zeug, gegen die starke Konkurrenz in Rumänien um die Medaillen zu spielen und im Optimalfall auch Europameister zu werden. Die Mannschaften werden durch Patrick und Petrissa von zwei festen Stützen unserer erfolgreichen Olympia-Mannschaften sowie von unseren Tokio-Edelreservisten Benne und Nina angeführt, die nicht umsonst erst kürzlich nationale Meister geworden sind.“

Die EM betrachtet Prause als wichtigen Schritt, die Nationalmannschaften weiter zu stärken: „Alle haben schon sehr gute internationale Ergebnisse erzielt. Wenn wir ihre Entwicklung zu Leistungsträgern und Führungsspielern der Nationalmannschaft weiter fördern wollen, müssen wir ihnen häufiger die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen. Damit stellen wir das Gerüst unserer Nationalmannschaften neben den Olympioniken auf ein noch viel solideres Fundament. Diesen Prozess direkt nach den für uns außerordentlich erfolgreichen Olympischen Spielen einzuleiten, ist ein idealer Zeitpunkt.“ Dazu passt auch die Nominierung der Nachwuchs-Europameister Stumper und Kaufmann. Prause: „Natürlich sind Kay und Annett vor allem zum Lernen dabei. Aber ihre Berufung ist nicht nur perspektivisch: Beide haben sie sich mit zuletzt beachtlichen Leistungen im Erwachsenenbereich verdient.“ 

Dichter Terminkalender erfordert Belastungssteuerung

Die Team-Europameisterschaften sind nach der Einzel-EM in Warschau Ende Juni, den Olympischen Spielen in Tokio Ende Juli/Anfang August und dem bevorstehenden Europe Top 16 in Thessaloniki (18./19. September) bereits der vierte Saison-Höhepunkt binnen drei Monaten. Zwischen Europe Top 16 und Team-EM hat zudem die ITTF-Tochter World Table Tennis kurzfristig noch ein mit Preisgeld und Weltranglistenpunkten lukratives WTT Star Contender in Doha (20. bis 25. September) eingeschoben, im November folgt dann die Einzel-WM. DTTB-Sportdirektor Richard Prause: “Diese Konzentration an Veranstaltungen ist zwar aufgrund von Verlegungen vor allem auch der Pandemie geschuldet. Im Sinne der Athleten ist das aber nicht. Belastungssteuerung ist fast nur durch Verzicht erreichbar. Eine vernünftige Vorbereitung auf wichtige Veranstaltungen ist bei dieser Vielzahl eine große Herausforderung.“

EM als Qualifikation für die Mannschafts-WM

Der Weg zum Titel wäre für die topgesetzten deutschen Teams in Cluj-Napoca fünf Spiele lang. Aus den Gruppenspielen qualifizieren sich nur die Erstplatzierten der acht Dreier-Gruppen für das Viertelfinale. Deutschlands Herren bekommen es in der Vorrunde mit Weißrussland und der Ukraine zu tun. Gefährlichste Kontrahenten des Titelverteidigers von Nantes 2019 sind die hinter den DTTB-Herren gesetzten Herausforderer Schweden, England, Österreich, Portugal, Frankreich, Kroatien und Slowenien. Die DTTB-Damen, 2019 im Viertelfinale an Portugal gescheitert, messen sich in der Vorrunde mit Spanien und der Slowakei. Titelverteidiger ist Gastgeber Rumänien, der bei den beiden letzten Europameisterschaften Gold gewann. An den Positionen drei und vier gesetzt sind Österreich und die Ukraine. Medaillenverdächtig gehen zudem die Niederlande, Polen, Russland und Ungarn ins Rennen.

Erstmals geht es bei den Europameisterschaften auch um die Qualifikation für die nächsten Mannschafts-Weltmeisterschaften, die im Jahr 2022 in Chengdu (China) mit der reduzierten Teilnehmerzahl von jeweils 40 Teams bei Damen und Herren stattfinden sollen. Für die WM qualifizieren sich in Cluj-Napoca insgesamt 11 europäische Ländervertretungen: Die acht Viertelfinalisten sowie die drei in der nach der EM veröffentlichten Team-Weltrangliste am besten eingestuften Endrunden-Vertreter.

Das EM-Aufgebot des DTTB in Cluj-Napoca

Herren
Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT, WR: 17)
Ruwen Filus (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, WR: 35)
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt, WR: 42)
Dang Qiu (Borussia Düsseldorf, WR: 51)
Kay Stumper (TTC Neu-Ulm, WR: 668)

Damen
Petrissa Solja (TSV Langstadt, WR: 17)
Nina Mittelham (ttc berlin eastside, WR: 43)
Sabine Winter (TSV Schwabhausen, WR: 115)
Chantal Mantz (TSV Langstadt, WR: 197)
Annett Kaufmann (TTC Böblingen, WR: 1035)

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