Doha. Berlin oder nicht Berlin? Diese Frage entscheidet sich am Dienstag beim Annual General Meeting, der jährlichen Vollversammlung des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, in Doha. Im Anschluss an den sportlichen Teil der Weltmeisterschaften präsentiert der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) am Montag offiziell seine Bewerbung um die Individual-WM 2029. Abgestimmt wird erstmals im Tischtennis über drei WMs in Folge, 2027, 2028 und 2029.
Mit Berlin als Ausrichterstadt und einem überzeugenden Konzept rund um kurze Wege, Nachhaltigkeit, die bei Events in Deutschland gewohnt begeisternde Kulisse sowie langjährige Erfahrung in der Organisation internationaler Großveranstaltungen wirbt der DTTB um das Vertrauen der Delegierten aus 227 ITTF-Mitgliedsnationen. Es wäre die erste WM in Deutschland seit Düsseldorf 2017.
Viele Vorzüge, aber starke Konkurrenz
„Wir gehen selbstbewusst und mit viel Kampfgeist ins Rennen“, sagt Dr. Wolfgang Dörner, der seit März neue DTTB-Vorstandsvorsitzende und fügt hinzu: „Unsere Hauptstadt ist auch touristisch ein attraktives Ziel. Deutschland ist eine sportbegeisterte Nation. Die enthusiastischen Fans sorgen für Gänsehaut-Atmosphäre. Der DTTB ist außerdem als verlässlicher Gastgeber internationaler Top-Events etabliert“, zählt er auf. „Wir wissen aber auch, dass wir starke Konkurrenz haben.“
Das Bewerberfeld hat sich kurzfristig verändert: Australien, Olympia-Schauplatz 2032, und Außenseiter Irak haben ihre Kandidaturen zurückgezogen. Mit China, Brasilien und den USA verbleiben drei gewichtige Mitbewerber im Kreis der Kandidaten.
In Rio wäre es die erste WM in Südamerika
China kann als global vernetzter Tischtennis-Gigant auf die eigene Strahlkraft setzen. Seit wenigen Wochen ist der zweifache Olympiasieger und elffache Weltmeister Wang Liqin neuer Verbandspräsident als Nachfolger von Liu Guoliang. Wang will seine Amtszeit international direkt mit einem sportpolitischen Erfolg beginnen. Zunächst hatte China sein Interesse an allen drei zu vergebenden WM-Jahren bekundet. Inzwischen fokussiert es sich bei der Bewerbung auf 2029.
Brasilien stünde vor einer Premiere – nicht nur als Gastgeberland, sondern als erster WM-Ausrichter auf dem südamerikanischen Kontinent seit der Premiere von Tischtennis-Weltmeisterschaften im Jahr 1926. Austragungsort wäre die Olympiastadt von 2016, Rio de Janeiro, die Heimat von Superstar Hugo Calderano, der am Nachmittag um WM-Gold im Einzel spielt.
USA mit der „Hauptstadt des Silicon Valley“
Die USA bewerben sich mit San José strategisch klug als „Hauptstadt des Silicon Valley“ und dem bislang „unberührten Markt, den es dort für Tischtennis zu erschließen“ gelte (Zitat USATT-Bewerbung). Kalifornien, wo nicht zufällig auch die Olympia-Stadt 2028 Los Angeles liegt, hat einen der höchsten asiatisch-amerikanische Bevölkerungsanteil in den USA mit großen Sympathien für das schnellste Rückschlagspiel der Welt. Die letzte WM in den USA ist allerdings noch gar nicht lange her: 2021 in Houston. Wie Brasilien stellen sich auch die Vereinigten Staaten zusätzlich zu 2029 für 2027 zur Wahl, um die Chancen zu erhöhen, als Ausrichter zum Zuge zu kommen.
Aus DTTB-Sicht heißt es nun: Daumen drücken für Berlin!