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Sabina Surjan brillierte gegen Metz und gewann beide Matches (Archivbild: Dr. Stephan Roscher).
Sabina Surjan überragt im Finalhinspiel bei Berlins 3:1 gegen Metz

Europas Thron rückt näher

Dr. Stephan Roscher 06.06.2025

Berlin. Am Donnerstagabend gelang dem ttc berlin eastside vor heimischem Publikum ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Titelgewinn – es wäre der sechste des Hauptstadtklubs in Europas Königsklasse. Natürlich ist noch nichts entschieden, doch lastet nach dem 3:1-Erfolg der Berlinerinnen nun erheblicher Druck auf Metz TT, das im Rückspiel in einer Woche mit 3:0 oder 3:1 gewinnen muss, um ein Golden Match zu erzwingen. Schon eine 2:3-Niederlage würde dem ttc eastside genügen, um Europas Thron zu besteigen. Sabina Surjan überragte beim Sieger und gewann ihre beiden Matches. Auch Mia Griesel bot erneut eine sehr starke Leistung und punktete für ihr Team.

Die 420 Zuschauer in der ausverkauften „Heyse25“ erlebten eine spannende Partie auf richtig gutem Niveau. Es war – ohne die noch nicht wieder einsatzfähige Nina Mittelham, die allerdings ihre Mannschaft coachte – eine enge, phasenweise sehr umkämpfte und alles andere als einseitige Begegnung. Zwei Matches gingen über die volle Distanz, beide Male zeigten die eastside-Asse das bessere Nervenkostüm und gewannen. Lediglich bei der erfahrensten Berlinerin, Xiaona Shan, lief es nicht ganz rund. Die Penholderspielerin verlor das enge Match gegen Adina Diaconu, die Nummer eins der Französinnen, mit 1:3.

Surjan bringt ihr Team in Front

Doch zunächst war Sabina Surjan an der Reihe, die heute für die Spitzenposition nominiert war. Gegen die französische Nationalspielerin Charlotte Lutz, mit 19 Jahren die jüngste Spielerin bei Metz, entwickelte sich ein abwechslungsreiches Match mit gutem Spannungsfaktor. Anfänglich schien alles für Berlins Serbin zu laufen, die zuletzt bei den deutschen Halbfinal-Play-offs gegen Dachau einige Einzel kampflos hergab, um ihren leicht lädierten Schlagarm nicht überzustrapazieren. Eine gute, sinnvolle Entscheidung, nicht nur, weil ihrem Team dennoch recht souverän der Einzug ins Meisterschaftsfinale gelang.

Dass es vernünftig war, kein unnötiges Risiko einzugehen, zeigte sich heute im Lauf des Matchs gegen die Weltranglisten-80. Lutz. In den beiden ersten Sätzen hatte Surjan nämlich das Heft klar in der Hand und punktete immer wieder mit starken, platzierten Vorhandbällen. Als sie nach ihrer 2:0-Satzführung jedoch einen Tick nachließ, kam die Französin besser auf und gelangte zum Satzausgleich. Es ging in den Entscheidungssatz und jedem in der Halle war klar, dass es hier um einen auch psychologisch ganz wichtigen Punkt ging. Surjan war wieder voll da und zeigte keine nervliche Schwäche, während ihre Gegnerin etwas nervös wirkte. Mit 6:3, der Entscheidungsdurchgang wird in der Champions League als Kurzsatz gespielt, war Berlins Linkshänderin obenauf und sicherte ihrem Team die erlösende Führung.

„Bis zum 2:0 war ich sehr zuversichtlich, aber danach habe ich aufgehört, das Spiel zu machen, und war zu passiv. Und deshalb stand es plötzlich 2:2“, meinte die 25-jährige Serbin. „Nach dem 2:2 habe ich aber meine Spielweise geändert und wieder aggressiver agiert. Ich denke, das war der Schlüssel. Und natürlich auch die tolle Atmosphäre in der Halle.“

Shan muss Diaconu gratulieren

Im zweiten Match des Abends zeigte indes die 25-jährige Rumänin Adina Diaconu, weshalb sie maßgeblichen Anteil am Finaleinzug ihres Teams hatte. Diaconu gelang beim 3:1 über Xiaona Shan bereits der neunte Einzelerfolg in der laufenden Champions-League-Saison – ein einziges Match hatte sie bis dahin verloren, nämlich in der Gruppenphase gegen Berlin. Allerdings war ihre Gegnerin da die Chinesin He Zhuojia gewesen – und die spielte wie vom anderen Stern. Doch auf diesem Niveau konnte ihr Shan heute nicht begegnen. 11:8, 12:10, 10:12, 11:8 hieß es am Ende des Matchs zugunsten von Diaconu, Metz hatte ausgeglichen.

Griesel bleibt cool und bringt eastside erneut in Führung

Und nun musste mit der 19-jährigen Mia Griesel Berlins jüngste Spielerin in die Box, die gegen die international ein gutes Stück erfahrenere Russin Mariia Tailakowa zeigen musste, ob sie auch unter hohem psychologischen Druck bestehen kann. Doch man ahnte es bereits im Vorfeld, sie konnte. Sie hatte ja auch im Halbfinalkrimi in Tarnobrzeg gegen die namhafte Portugiesin Fu Yu gar keine Nerven gezeigt und sensationell gewonnen. Und in den Bundesliga-Play-offs am laufenden Band brilliert. Eigentlich unvorstellbar, dass Griesel letzte Saison noch Zweitligaspielerin war und nun die Elite des Kontinents das Fürchten lehrt.

Doch das Duell mit Tailakova war kein Kindergeburtstag, die 24-jährige Russin verlangte der jungen deutschen Nationalspielerin alles ab. Der erste Satz ging klar verloren, dann war Griesel auf Betriebstemperatur und gewann die Sätze zwei und drei mit 11:5 und 11:6 deutlich. Aber der Widerstand ihrer Gegnerin war längst noch nicht gebrochen. Tailakova konnte ausgleichen, es ging in den Entscheidungssatz. Die Berlinerin zeigte sich unbeeindruckt und hatte die besseren Lösungen parat: 6:3 für Griesel und 2:1 für den ttc berlin eastside. „Mia spielte taktisch perfekt gegen Tailakova und hat wirklich stark gekämpft“, lobte Sabina Surjan ihre Mitspielerin.

Surjan mit Gala-Auftritt gegen Diaconu

Nun hoffte man natürlich, den Sack mit 3:1 zumachen zu können, was nach dem Reglement der ETTU ungleich besser ist als ein 3:2 – und eine knappe Niederlage war ja als Möglichkeit auch noch nicht vom Tisch.

Für das ersehnte 3:1 musste Sabina Surjan im Spitzeneinzel allerdings Adina Diaconu schlagen, die fraglos als Favoritin an den Tisch ging. Keiner hatte erwartet, dass die Berlinerin ihre Gegnerin klar beherrschen würde, doch genau das war der Fall. Surjan spielte grandios auf, zeigte ihr bestes Saisonspiel, machte fast alle Bigpoints und ließ die Rumänin auf der anderen Seite des Tischs kaum zum Durchatmen kommen. 11:5, 11:8, 11:7 – Diaconu konnte selbst kaum fassen, wie chancenlos sie war. „In meinem Spiel gegen Adina passte einfach alles“, so der knappe Kommentar einer über das ganze Gesicht strahlenden Sabina Surjan.

Das Wunschergebnis war erreicht, es durfte gejubelt werden. Nun gilt es, in einer Woche im lothringischen Metz nochmals hoch fokussiert und mit ungebrochener kämpferischer Moral zur Sache zu gehen. Dann sollte der Titelgewinn eigentlich gelingen, auch wenn man bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben sollte.

Haben gerade einen unheimlichen Lauf“: Kommentar von eastside-Manager Andreas Hain

„Irgendwie haben wir gerade einen unheimlichen Lauf! Wir überperformen seit Wochen und es macht so einen unheimlichen Spaß. Jetzt hoffen wir natürlich, dass dies zumindest mal bis nächste Woche anhält. Also Kompliment an unser Team, wir haben Sabina Surjan am Wochenende gegen Dachau geschont und das hat sich heute voll ausgezahlt. Total fokussiert in beiden Matches, hat sie gegen Lutz zunächst die Nerven behalten und dann im zweiten Spiel gegen Diaconu gar nichts anbrennen lassen. Das war sicher ihre beste Leistung im Trikot des ttc eastside, vielleicht sogar ever. Und Mia, die gewinnt einfach weiter, als wäre das völlig normal, in einem Champions-League-Finale zu stehen und eigentlich sogar gewinnen zu müssen. Auch „Nana“ hat keineswegs enttäuscht, wie werden ihr Spiel analysieren und dann mal schauen, wie es nächste Woche ausgeht. Wir müssen in Metz genauso alles raushauen, denn alle Matches sind keine Selbstläufer und können auch leicht verloren gehen. Das hat man ja in Polen gesehen, wie sich das Blatt werden kann. Wir sind gewarnt und es kann ganz schnell gehen, dass man am Ende nichts gewinnt. Also alles offen, auf ein Neues in Metz!“.

Kurzer Videoclip: Letzte Ballwechsel vor dem Sieg und Jubel in der "Heyse25"

 

ttc berlin eastside – Metz TT 3:1

Sabina SURJAN – Charlotte LUTZ 3:2 (11:4, 11:8, 5:11, 8:11, 6:3)

Xiaona SHAN – Adina DIACONU 1:3 (8:11, 10:12, 12:10, 8:11)

Mia GRIESEL – Mariia TAILAKOVA 3:2 (3:11, 11:5, 11:6, 6:11, 6:3)

Sabina SURJAN – Adina DIACONU 3:0 (11:5, 11:8, 11:7)

 

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