Gutes Auge, sicherer Spin: 'The Master of Rotation', Timo Boll (Foto: Schillings)
Vizeweltmeister Mattias Falck ausgeschieden, Vladimir Samsonov wackelte

Europaspiele: Boll und Ovtcharov zufrieden mit ihren Einzel-Auftaktsiegen

SH / MS 23.06.2019

Minsk. Der Sonntag als Auftakt der in allen Konkurrenzen bei den European Games gesetzten Deutschen ist nach Maß verlaufen. Auch in den beiden Herren-Einzeln zum Abschluss des Turniertags bleiben die Favoriten unbesiegt und stehen nun in der Runde der besten 16.

Dimitrij Ovtcharov konnte den Ansturm des 19-jährigen U21-Europameisters, Ioannis Sgouropoulos aus Griechenland, souverän abwehren. Der European-Games-Champion von Baku wies den zukünftigen Grenzauer TTBL-Akteur in vier Sätzen in die Schranken. Lediglich den dritten Durchgang konnte Europas Nachwuchshoffnung knapp gestalten, seine zwischenzeitlichen Führungen aber nicht zum Satzball ausbauen. Nach seinem Auftakteinzel sagte der Weltranglistenzwölfte: "Das war ein guter Start in das Turnier. Ich war von Beginn an sehr fokussiert und habe wenige leichte Fehler gemacht. Auf wen ich morgen treffen, ist egal. Seine Gegner kann man sich nicht aussuchen. Alle Spieler, das hat man auch u.a. im Match von Samsonov gegen Stoyanov gesehen, haben wir hier viel Druck. Alle wollen unbedingt bei der Vergabe der Olympiatickets dabei sein." Dima Ovtcharov wird von Jonathan Groth herausgefordert. Der Däne setzte sich nach Abwehr von zwei Matchbällen im sechsten Durchgang gegen den Briten Sam Walker durch.

Boll wehrt sechs Satzbälle in Durchgang fünf ab

Zuvor hatte Timo Boll seine erste Aufgabe im Einzel-Wettbewerb bei den Europaspielen in Weißrussland gut gelöst. Der an Position eins gesetzte Wahl-Düsseldorfer besiegte den Polen Jakub Dyjas in fünf Sätzen. Eng war es vor allem in den Durchgängen zwei und fünf. Im Zweiten ließ der Rekord-Europameister Boll nach ausgeglichenem Verlauf zwei Satzbälle beim Stand von 11:10 und 12:11 aus, wogegen der Finalist der diesjährigen Slovenia Open in Bundesliga-Diensten der TTF Liebherr Ochsenhausen seinen zweiten Satzball nutzen konnte. In Satz fünf hatten die Fans den Deutschen nach Rückständen von 3:7, 4:9 und 6:10 eigentlich schon abgeschrieben, doch Boll kämpfte sich noch einmal heran, glich zum 10:10 aus, wehrte weitere Satzbälle bei 10:11 und 11:12 ab, bis er schließlich seinen ersten Matchball zum 14:12 nutzen konnte.

Mit seinem Auftaktmatch zufrieden

Timo Boll war zufrieden mit seinem ersten Match in dem zur Tischtennisarena umfunktionierten Olympischen Tenniszentrum von Minsk, in dem sich Boll zunächst auf die Bedingungen einstellen musste: "Der Ball rutscht doch recht stark auf den Tischen. Das bevorteilt ein bisschen Spieler mit Rotation. Früher war ich ja einmal der 'Master of Rotation', das ist aber nicht mehr so ausgeprägt, seit ich mein Spiel etwas umgestellt habe."

Seine Leistung gegen Dyjas sah der topgesetzte Weltranglistensechste positiv: "Ich bin gut in das Match gestartet und hatte trotz des verlorenen zweiten Satzes eigentlich immer das Gefühl, meinen Gegner ganz gut unter Kontrolle zu haben. Am Ende hat er dann begonnen, stärker zu werden. Deswegen wollte ich auch gerne den Satz noch nach Hause bringen und das Match zumachen. Jakub ist ein Scharfschütze: Wenn es bei ihm läuft, kann er gegen jeden gewinnen."

Boll am Montag gegen Dauerrivalen Freitas

Am Montagnachmittag trifft er auf seinen portugiesischen Dauerrivalen Marcos Freitas, der den Slowaken Lubomir Pistej mit 4:1 in Schach halten konnte. Nochmals Timo Boll: "Gegen Marcos Freitas wird es schwer. Er hat sehr gute Aufschläge und ist im Spiel ein kluger Taktiker, der die Übersicht behält. Aber es gibt ohnehin keine leichten Gegner mehr, das Niveau ist sehr dicht beisammen." Freitas sagte: "Timo ist der Favorit. Wir haben jetzt schon länger nicht mehr gegeneinander gespielt und ich hoffe, ich kann ihn in Bedrängnis bringen."

Beide deutsche Damen und das Mixed erfolgreich

Petrissa Solja (gegen Ozge Yilmaz, Türkei) und Han Ying (gegen Sarah de Nutte, Luxemburg) waren zuvor in ihren Auftaktmatches im Einzel ohne Satzverlust geblieben. Das einzige deutsche Mixed im Feld von Minsk, Patrick Franziska/Petrissa Solja, steht nach einem Sieg über die schwedische Kombination Mattias Falck/Matilda Ekholm im Viertelfinale.

Vizeweltmeister Falck auch im Einzel ausgeschieden

DTTB-Sportdirektor Richard Prause kann zufrieden seine erste Tagesbilanz ziehen: "Wir haben diesen ersten Tag ganz souverän genommen. Darauf können wir aufbauen." Andere Nationen taten sich nicht so einfach: So musste Schweden nicht nur am Morgen das Aus im Mixed, sondern am Abend auch das frühe Aus von Vizeweltmeister Mattias Falck beklagen, der mit 0:4 gegen den Russen Alexandar Shibaev den Einzug in das Achtelfinale verpasste. Dicht vor dem Aus stand auch Weißrusslands Tischtennis-Denkmal Vladimir Samsonov, rettete sich gegen den Italiener Nigaol Stoyanov nach 1:3-Satzrückstand und Abwehr von Matchbällen aber noch zu einem hauchdünnen 11:9-Erfolg im Entscheidungssatz. Zuvor hatte bereits Ex-Europameisterin Viktoria Pavlovich mit Unterstützung der begeisterten Zuschauer einen überraschenden 4:3-Erfolg über die favorisierte Rumänin Elizabeta Samara errungen und steht damit wie Samsonov im Achtelfinale.

 

Die Spiele der Deutschen am Sonntag, 23. Juni

Herren-Einzel, 3. Runde (beste 32)
Timo Boll - Jakub Dyjas POL 4:1 (7,-12,4,1,12)
Dimitrij Ovtcharov - Ioannis Sgouropoulos GRE 4:0 (5,3,9,3)

Damen-Einzel, 3. Runde (beste 32)
Petrissa Solja - Ozge Yilmaz TUR 4:0 (6,6,5,8)
Han Ying - Sarah de Nutte LUX 4:0 (6,7,9,4)

Gemischtes Doppel, Achtelfinale
Patrick Franziska/Petrissa Solja - Mattias Falck/Matilda Ekholm SWE 3:1 (12,-7,-7,-10)

Montag, 24. Juni

Die Spiele (der Deutschen) am Montag, 24. Juni

Gemischtes Doppel, Viertelfinale, ab 9 Uhr (deutscher Zeit)
Lubomir Pistej/Barbora Balazova SVK - Alvaro Robles/Galia Dvorak ESP, 9 Uhr
Patrick Franziska/Petrissa Solja - Niagol Stoyanov/Giorgia Piccolin ITA, 9:45 Uhr
Tristan Flore/Laura Gasnier FRA - Pavel Platonov/Nadezhda Bogdanova BLR, 9:45 Uhr
Ovidiu Ionescu/Bernadette Szocs ROU - Aleksandr Shibaev/Polina Mikhailova RUS, 9 Uhr

Damen-Einzel, Achtelfinale, ab 12 Uhr
Han Ying - Sofia Polcanova AUT, 13 Uhr
Petrissa Solja - Li Qian POL, 15 Uhr

Herren-Einzel, Achtelfinale, ab 16 Uhr
Timo Boll - Marcos Freitas POR, 16 Uhr
Dimitrij Ovtcharov - Jonathan Groth DEN, 18 Uhr

Links

Das deutsche Aufgebot

Herren
Timo Boll (Weltrangliste: 6, Borussia Düsseldorf)
Dimitrij Ovtcharov (Nr. 12, Fakel Gazprom Orenburg/Russland)
Patrick Franziska (Nr. 16, 1. FC Saarbrücken TT)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Ricardo Walther (Nr. 38, ASV Grünwettersbach)

Damen
Petrissa Solja (Weltrangliste: 26, TSV 1909 Langstadt)
Han Ying (Nr. 45, KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen)
Nina Mittelham (Nr. 50, ttc berlin eastside)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Shan Xiaona (Nr. 165, ttc berlin eastside)

Trainer
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
Lars Hielscher (Assistenztrainer)

Delegationsleiter
Richard Prause (Sportdirektor)

Medizinische Abteilung
Peter Heckert (Physiotherapeut, OSP Hessen)
Dr. Antonius Kass (Mannschaftsarzt)

Schiedsrichter
Christoph Geiger

 

Der Zeitplan

Freitag, 21. Juni
Auslosung
ab 10 Uhr (deutscher Zeit)
Samstag, 22. Juni
Damen- und Herren-Einzel, 1. und 2. Runde
ab 9 Uhr (ohne deutsche Beteiligung)

Sonntag, 23. Juni
Gemischtes Doppel, Achtelfinale
9 Uhr/9.45 Uhr (mit Patrick Franziska/Petrissa Solja)
Damen-Einzel, 3. Runde (beste 32)
12 / 13 / 14 / 15 Uhr (mit Petrissa Solja, Han Ying)
Herren-Einzel, 3. Runde (beste 32)
16 / 17 / 18 / 19 Uhr (mit Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov)

Montag, 24. Juni
Gemischtes Doppel, Viertelfinale
9 Uhr/9.45 Uhr
Damen-Einzel, Achtelfinale
12 / 13 / 14 / 15 Uhr
Herren-Einzel, Achtelfinale
16 / 17 / 18 / 19 Uhr

Dienstag, 25. Juni
Gemischtes Doppel, Halbfinale
9 Uhr/9.45 Uhr
Damen-Einzel, Viertelfinale
12 / 13 Uhr
Herren-Einzel, Viertelfinale
14 / 15 Uhr
Gemischtes Doppel, Spiel um Bronze
17 Uhr
Gemischtes Doppel, Finale
18 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 19 Uhr

Mittwoch, 26. Juni
Damen-Einzel, Halbfinale
9 / 10 Uhr
Herren-Einzel, Halbfinale
11 / 12 Uhr
Damen-Einzel, Spiel um Bronze
15 Uhr
Herren-Einzel, Spiel um Bronze
16 Uhr
Damen-Einzel, Finale
17 Uhr
Herren-Einzel, Finale
18 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 19 Uhr

Donnerstag, 27. Juni
Damen- / Herren-Mannschaft, Achtelfinale
9 / 12 Uhr (ohne deutsche Beteiligung)
Damen-Mannschaft, Viertelfinale
15 Uhr (mit Deutschland)
Herren-Mannschaft, Viertelfinale
18 Uhr (mit Deutschland)

Freitag. 28. Juni
Damen-Mannschaft, Halbfinale
9 / 12 Uhr
Herren-Mannschaft, Halbfinale
15 / 18 Uhr

Samstag, 29. Juni
Damen-Mannschaft, Spiel um Bronze
9 Uhr
Damen-Mannschaft, Finale
12 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 15 Uhr
Herren-Mannschaft, Spiel um Bronze
16 Uhr
Herren-Mannschaft, Finale
19 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 22 Uhr

 

Die Setzungslisten

Herren-Einzel

1 Timo Boll (Deutschland), 2 Mattias Falck (Schweden), 3 Dimitrij Ovtcharov (Deutschland), 4 Liam Pitchford (England), 5 Vladimir Samsonov (Weißrussland), 6 Simon Gauzy (Frankreich), 7 Kristian Karlsson (Schweden), 8 Daniel Habesohn (Österreich), 9 Emmanuel Lebesson (Frankreich), 10 Jonathan Groth (Dänemark), 11 Marcos Freitas (Portugal), 12 Tomislav Pucar (Kroatien), 13 Tiago Apolonia (Portugal), 14 Cedric Nuytinck (Belgien), 15 Darko Jorgic (Slowenien), 16 Alvaro Robles Martinez (Spanien)

Damen-Einzel

1 Bernadette Szocs (Rumänien), 2 Sofia Polcanova (Österreich), 3 Matilda Ekholm (Schweden), 4 Petrissa Solja (Deutschland), 5 Elizabeta Samara (Rumänien), 6 Georgina Pota (Ungarn), 7 Li Jie (Niederlande), 8 Fu Yu (Portugal), 9 Britt Eerland (Niederlande), 10 Margaryta Pesotska (Ukraine), 11 Barbora Balazova (Slowakei), 12 Polina Mikhailova (Russland), 13 Han Ying (Deutschland), 14 Li Qian (Polen), 15 Ni Xia Lian (Luxemburg), 16 Hana Matelova (Tschechien)

Gemischtes Doppel

1 Lubomir Pistej/Barbora Balazova (Slowakei), 2 Stefan Fegerl/Sofia Polcanova (Österreich), 3 Patrick Franziska/Petrissa Solja (Deutschland), 4 Tristan Flore/Laura Gasnier (Frankreich), 5 Adam Szudi/Szandra Pergel (Ungarn), 6 Ovidiu Ionescu/Bernadette Szocs (Rumänien), 7 Alvaro Robles Martinez/Galia Dvorak (Spanien), 8 Laurens Tromer/Britt Eerland (Niederlande), 9 Aleksandr Shibaev/Polina Mikhailova (Russland), 10 Mattias Falck/Matilda Ekholm (Schweden), 11 Aleksandar Karakasevic/Izabel Lupulesku (Serbien), 12 Niagol Stoyanov/Giorgia Piccolin (Italien), 13 Cedric Nuytinck/Lisa Lung (Belgien), 13 Jakub Dyjas/Natalia Partyka (Polen), 15 Luka Mladenovic/Ni Xialian (Luxemburg), 16 Pavel Platonov/Nadezhda Bogdanova (Weißrussland)

Damen-Mannschaft

1 Deutschland, 2 Rumänien, 3 Ungarn, 4 Österreich, 5 Holland, 6 Ukraine, 7 Polen, 8 Spanien, 8 Luxemburg, 8 Russland, 11 Schweden, 12 Weißrussland

Herren-Mannschaft

1 Deutschland, 2 Schweden. 3 Österreich, 4 Großbritannien, 5 Frankreich, 6 Slowenien, 7 Kroatien, 8 Weißrussland, 9 Portugal, 10 Belgien, 11 Rumänien, 12 Dänemark

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