So war's im Vorjahr: Ovtcharov vor Monteiro und Shibaeb (Foto: ms)

Europe Top 16: Ovtcharov, Boll, Solja und Winter spielen an der Côte d'Azur um Titel und World-Cup-Plätze

ms 01.02.2017

Antibes. Deutschlands Tischtennis-Asse weilen für die nächsten drei Tage an der Côte d’Azur. Der Ausflug ans Mittelmeer mit frühlingshaften 16 Grad und Sonnenschein ist allerdings rein beruflicher Natur: Von Freitag bis Sonntag spielen Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll, Petrissa Solja und Sabine Winter beim kontinentalen Ranglistenturnier Europe Top 16 um die Titel und um ein Gesamtpreisgeld in Höhe von insgesamt 50.000 Euro. In Antibes werden außerdem bei Damen und Herren die jeweils drei heiß begehrten Startplätze für die World-Cup-Turniere im Oktober vergeben.

Die vier DTTB-Stars befinden sich an der feinen Côte d’Azur in ehrenwerter Gesellschaft. Titelverteidiger Dimitrij Ovtcharov, insgesamt dreimal Sieger des europäischen Ranglistenturniers, und der fünfmalige Gewinner Timo Boll spielen in Antibes auch diesmal um den Siegerpokal, besitzen allerdings vor allem durch den an Position zwei gesetzten Olympiavierten Vladimir Samsonov (Weißrussland), den an Vier gelisteten Gewinner der Auflage 2014, Marco Freitas (Portugal), und durch Frankreichs Europameister und den EM-Zweiten Simon Gauzy gefährliche Konkurrenz. Bei den Damen ist Petrissa Solja hinter Europameisterin Hu Melek (Türkei) und vor Liu Jia (Österreich) sowie der Niederländerin Li Jie an Position zwei gelistet. Die Vorjahressechste Sabine Winter nimmt die Positionen acht in der Setzung ein. Kristin Silbereisen, die als dritte deutsche Dame startberechtigt war, musste kurzfristig heute ihren Start absagen: EinMagen-Darm-Infekt verhinderte die Reise der Doppel-Europameisterin. Vor deren Ausfall hatten bei den Damen bereits die Niederländerin Li Jiao, Vorjahressiegerin Shen Yanfei (Spanien) und Rumäniens Europameisterin Elizabeta Samara ihren Start absagen müssen.

Ausgeruhter Ovtcharov mit neuen Elementen

Der im Februar an Position fünf in der Welt notierte Dimitrij Ovtcharov reiste zwar am Mittwochabend an, am Donnerstagmittag fehlte dem für Orenburg spielenden Düsseldorfer Ovtcharov noch ein Teil seines Gepäcks, das am Flughafen liegen geblieben war. „Das ist zwar nicht schön, aber es wurde gefunden und soll im Laufe des Donnerstags noch eintreffen. Wenn das klappt, dann ist alles im grünen Bereich“, kommentierte Ovtcharov das Malheur. Der Olympiadritte von 2012 freut sich auf das Turnier: „Den Januar zuhause in Düsseldorf zu sein und in Ruhe trainieren zu können, hat mir gut getan. Wir hatten einige sehr gute Lehrgänge mit dem DTTB. Ich fühle mich fit und die Form scheint ganz gut zu sein. Allerdings sind die Form im Training und die Form im Wettkampf meistens zwei verschiedene Paar Schuhe.“ Über seine Ziele bei dem Prestigeturnier sagt der 28-jährige Familienvater: „Es wäre natürlich toll, wenn es mit der Titelverteidigung klappen könnte, aber das ist nicht das primäre Ziel. Wir haben mit den Trainern intensiv an einigen neuen Elementen in meinem Spiel gearbeitet, die mich hinsichtlich WM, aber auch generell weiter nach vorne bringen sollen. Diese Elemente werde ich versuchen, umzusetzen. Ich bin gespannt auf die Rückmeldung beim Europe Top 16: Wenn es gut klappt, kommt der Erfolg automatisch.“

Boll will sich seinen World-Cup-Platz erspielen

Der Weltranglisten-Zehnte Timo Boll traf heute in Frankreich ein. Der Düsseldorfer, der zwischen 2002 und 2010 das Ranglistenturnier fünfmal gewinnen konnte, geht das Europe Top 16 entspannt und selbstbewusst an: „Natürlich will ich vorne mit dabei sein und mir einen der drei Plätze für den World Cup erspielen, nachdem ich ja im Vorjahr nicht teilnehmen konnte. Ich bin in ganz guter Form und fühle mich auch körperlich ganz fit. Aber es ist natürlich ein langes Turnier mit vielen Spielen. Mal schauen.“

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf erwartet seine Spieler am Finaltag jedenfalls weit vorne: „Dima und Timo Boll sind fit und in guter Verfassung, haben im Dezember und Januar kontinuierlich und gut trainiert, die beiden erwarte ich weit vorne. Auch Vladi Samsonov ist wie immer ein Kandidat für den Titel. Vor heimischem Publikum sind auch Simon Gauzy und Emmanuel Lebesson nicht zu unterschützen.“ Roßkopf weiter: „Das europäische Ranglistenturnier ist ein sehr traditionelles Turnier, dass trotz einiger Änderungen eine sehr hohe Bedeutung hat. Es ist ein wichtiger Titel für die Spieler und gleichzeitig die Qualifikation für den World Cup. Für Timo und Dima ist es gut, im WM-Jahr nach einer längeren Turnierpause nun wieder in den Wettkampfrhythmus zu kommen.“ Nicht am Start ist der ursprünglich qualifizierte Bastian Steger, der noch die Nachwirkungen seiner Fußverletzung auskuriert und erst langsam wieder in das Training einsteigt:

„Ich habe jetzt ein paar Mal eine Stunde trainiert, und es ging ganz gut. Das Turnier wäre aber viel zu früh für mich gekommen. Mein Ziel ist es, einen kontinuierlichen Aufbau zu machen und wieder fit zu werden, um in Düsseldorf eine tolle WM zu spielen.“ Für den Bremer Bastian Steger rückte Panagiotis Gionis (Griechenland) in das Turnier.

Solja fehlt noch die oberste Stufe auf dem Siegerpodest

Will ganz oben aufs Treppchen: Petrissa Solja (Foto: ms)Bei den Damen hegt Deutschland die Hoffnung, dass Petrissa Solja nach Platz drei in Lausanne 2014, dem Finaleinzug 2015 in Baku nun in Antibes erstmals die oberste Stufe des Podests bei dem prestigeträchtigen Topevent erklimmen kann. An der Auflage 2016 in Gondomar (Portugal) hatte die Berlinerin aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen können. Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp sieht alle Chancen für die erst 22 Jahre alte Linkshänderin: „Das Europe Top 16 ist eine der wichtigsten Veranstaltungen. Wir wollen hier unterstreichen, dass wir die besten Damen in Europa haben. Besonders für Petrissa Solja ist natürlich alles möglich: Sie ist in guter Form und will natürlich besonders gut spielen, nachdem sie vor zwei Jahren in Baku bereits Zweite war und im Vorjahr aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten konnte. Es sind zwar insgesamt fünf Abwehrspielerinnen im Feld, aber falls sie auf diese trifft, muss sie sich dagegen durchsetzen. Sie kann das ja.“

Schöpp: „Alle drei Damen spielen um die World-Cup-Plätze“

Sabine Winter (Kolbermoor), die im Vorjahr ihre Europe-Top-16-Premiere mit einem starken sechsten Platz beendet hatte, geht nicht unter den besten Voraussetzungen in das Turnier. Seit vielen Wochen plagt sich die World-Cup-Viertelfinalistin von 2016 mit Schulterproblemen herum, reduzierte aus Vorsichtsgründen die Intensität und die Wettkämpfe. Die ehrgeizige 24-Jährige bleibt deshalb mit ihrer Prognose sehr zurückhaltend: „Ich war schon einmal optimistischer vor einem Turnier. Aber wird schon schiefgehen.“ Jie Schöpp ergänzt: „Sabine Winter musste leider zuletzt einige Wochen wegen ihrer Schulterprobleme etwas vorsichtiger sein im Training. Mal schauen, was beim Top 16 möglich ist.“

Auslosung heute Abend um 18 Uhr

Die Auslosung, der neben den Athleten und den Trainern auch der Hesse Michael Zwipp als Stellvertretender Oberschiedsrichter des Turniers beiwohnen wird, erfolgt heute Abend um 18 Uhr. Gespielt wird am Freitag zunächst in vier Vierer-Gruppen jeder gegen jeden, die Erst- und Zweitplatzierten der vier Gruppen qualifizieren sich für das Viertelfinale und die Folgebegegnungen, die ab Samstag im K.-o.-System ausgetragen werden. Doch auch wer vor dem Finale verliert, muss bei diesem Turnierformat weitere Matches bestreiten, da sämtliche Positionen unter den besten Acht ausgespielt werden. Der Grund: Vergeben werden außer Titeln und Weltranglistenpunkten sowohl bei den Damen als auch bei den Herren jeweils drei direkte Startplätze für den World Cup, der im Oktober ausgetragen wird. Es ist übrigens das letzte Mal, dass das in den vergangenen Jahren mehrfach modifizierte Europe Top 16 an drei Tagen ausgespielt wird. Ab 2018 wird das Topevent wieder auf zwei Turniertage gekürzt.

Zur Eventseite der ITTF, u.a. mit Auslosung und Ergebnissen

Die Teilnehmer- und Setzungsliste

Herren

Dimitrij Ovtcharov GER

Vladimir Samsonov BLR

Timo Boll GER

Marco Freitas POR

Simon Gauzy FRA

Stefan Fegerl AUT

Tiago Apolonia POR

Kristian Karlsson SWE

Andrej Gacina CRO

Mattias Karlsson SWE

Emmanuel Lebesson FRA

Kou Lei UKR

Joao Monteiro POR

Alexander Shibaev RUS

Jonathan Groth DEN

Panagiotis Gionis DEN 

Damen

Hu Melek TUR

Petrissa Solja GER

Liu Jia AUT

Li Jie NED

Li Qian POL

Georgina Pota HUN

Matilda Ekholm SWE

Sabine Winter GER

Polina Mikhailova RUS

Daniela Monteiro Dodean ROU

Sofia Polcanova AUT

Viktoria Pavlovich BLR

Tetyana Bilenko UKR

Bernadette Szocs ROU

Barbora Balazova SVK

Stephanie Loueuillette FRA

Das Aufgebot des DTTB beim Europe Top 16

Herren: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland)

Damen: Kristin Silbereisen (SV DJK Kolbermoor), Petrissa Solja (ttc berlin eastside), Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor)

Trainer: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer), Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin), Zhu Xiaoyong (Assistenztrainer Herren), Wan Guohui (Assistenztrainer Damen)

Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)

Schiedsrichter: Michael Zwipp (Stellv. Oberschiedsrichter)

 

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