So war's im Vorjahr: Der Weltranglisten-Erste und strahlende Sieger von Antibes, Dimitrij Ovtcharov, ist auch in Montreux wieder topgesetzt (Foto: Schillings)
Sechs Deutsche in Montreux am Start / World-Cup-Tickets für die ersten Drei / Neuer Modus

Europe Top 16: Ovtcharov zum Fünften oder Boll zum Sechsten?

29.01.2018

Frankfurt/Montreux. Am Wochenende ist es soweit: Sieben Wochen nach den Grand Finals der World Tour 2017 bestreiten Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll ihr erstes hochkarätiges Turnier im Kalenderjahr 2018. Beim mit 61.000 Euro dotierten Europe Top 16 in Montreux spielen die Nummern 1 und 3 der Welt nicht nur um den Titel, sondern ebenso wie ihre Nationalmannschaftskollegen Ruwen Filus, Bastian Steger, Petrissa Solja und Sabine Winter um die jeweils drei begehrten direkten Startplätze bei den World-Cup-Turnieren im Herbst.

Der Modus, der erstmals am Genfer See zum Einsatz kommt, bringt im Jahr 2018 gravierende Änderungen mit sich. So haben im Gegensatz zum Modus der Vergangenheit ab sofort weder Stars noch Sternchen beim kontinentalen Ranglistenturnier eine Schonfrist, sprich den Komfort von Vorrundenbegegnungen, um sich in ihre Turnierform zu spielen. Das neue System, das einen Tag im Terminkalender einspart, ist gnadenlos: Beginnend mit dem Achtelfinale wird sofort im K.-o.-System gespielt, außerdem wird auf die Nationenzugehörigkeit bei der Auslosung am Freitag um 18 Uhr keine Rücksicht keine Rücksicht genommen. Es kann somit schon in Runde eins zum Duell von Spielern der gleichen Nation kommen.

Dima Ovtcharov: Kein größerer Druck als neue Nummer 1

Dimitrij Ovtcharov hegt gute Erinnerungen an seinen letzten Auftritt in der Schweiz. "Im Vorjahr habe ich dort gespielt und das Turnier gewonnen. Ich spiele sehr gerne in der Schweiz", sagt der Weltranglisten-Erste, der in Montreux zum fünften Mal nach 2012, 2015, 2016, und 2017 das europäische Ranglistenturnier gewinnen will. Auf seine Form ist der Olympiadritte von London selbst ein wenig gespannt: "Abgesehen von einem Auftritt in der der Champions League ist dies nun mein erster richtiger internationaler Wettkampf seit dem Finaleinzug bei den Grand Finals vor sieben Wochen." Gesundheitlich fühlt sich Ovtcharov inzwischen wieder topfit, nachdem er zu Beginn der letzten Woche leicht kränkelte: "Aber ich habe trotzdem leicht trainiert und inzwischen gebe ich auch wieder Vollgas. Ich fühle mich fit und bin gut drauf." Größeren Druck als Nummer 1 der Welt verspürt der Europameister von 2015 nicht: "Ich war ja auch in den vergangenen Jahren beim Top 16 immer der Favorit und topgesetzt, daran ändert sich nichts. Die größere Aufmerksamkeit versuche ich in positive Energie umzusetzen und mit ins Turnier zu nehmen."

Boll und Ovtcharov topgesetzt

Bei den Herren ist Deutschland in Montreux durch Dimitrij Ovtcharov (Orenburg), Timo Boll (Düsseldorf), Ruwen Filus (Fulda) und Bastian Steger (Bremen) mit der Maximalzahl von vier Startern vertreten. Auch wenn die Setzung auf Basis der noch nicht erschienenen Februar-Weltrangliste erfolgen soll, Titelverteidiger Dimitrij Ovtcharov, insgesamt schon viermal Sieger des europäischen Ranglistenturniers, und der fünfmalige Gewinner Timo Boll, die sich bei Topturnieren 2017 in vier Endspielen gegenüberstanden, werden in Montreux in jedem Fall die heißesten Titelanwärter sein. Ruwen Filus dürfte sich an den Setzungspositionen fünf bis acht, Steger voraussichtlich an neun bis 16 wiederfinden. Härteste Konkurrenten der beiden besten Europäer sind auf Basis der aktuellen Weltrangliste der Franzose Simon Gauzy und Portugals Nummer eins Marcos Freitas, der 2014 in Lausanne triumphieren konnte. Zum engeren Favoritenkreis gehören aber auch der Olympiavierte Vladimir Samsonov (Weißrussland), Europameister Emmanuel Lebesson (Frankreich) und der Schwede Kristian Karlsson.

Timo Boll: „Die Form ist okay derzeit“

Der 36-jährige Timo Boll, im Vorjahr Fünfter, reist nach seinem starken Jahr 2017 guter Dinge in die Schweiz: „Die Form ist okay derzeit. Auch gesundheitlich geht es mir gut. Ich habe keine Probleme momentan.“ Abwehrass Ruwen Filus, auf Position 18 im ITTF-Ranking der beste Abwehrspieler der Welt, blickt ebenfalls gelassen Richtung Montreux: „Mein Ziel ist es, das Achtelfinale zu überstehen und damit meine Setzung zu erfüllen. Danach kommt es sehr auf die Auslosung an: Mit Dima und Timo sind ja auch zwei Deutsche dabei, gegen beide würde ich sehr ungerne spielen. Ich reise jedenfalls am Donnerstag schon an, damit ich Freitag zweimal in der Spielhalle trainieren kann. Körperlich fühle ich mit fit: Das Europe Top 16 kann kommen.“ Bastian Steger freut sich auf das Turnier in der Schweiz: „Es wird durch das neue System spannend, es kann einiges passieren. Aber Prognosen sind schwierig: Hinter den Favoriten Dima und Timo können einige Spieler weit kommen. Ich hoffe auf eine gute Auslosung, und dann schauen wir mal. Die Form ist gut, ohne jede Verletzung und Wehwehchen.“ Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf: „Dima und Timo sind die Favoriten. 2018 wird es für die beiden aber noch schwerer als zuvor: Denn alle wollen die Nummern 1 und 3 der Welt schlagen, und es geht ja die gesamte europäische Spitze an den Start. Aber die Jungs verfügen über ausreichend viel Erfahrung, um mit einer solchen Situation umzugehen. Beide sind Titelaspirant und wollen sich natürlich auch ihren Startplatz für den World Cup der Herren in Paris im Oktober sichern.“

DTTB-Damen diesmal nicht im engen Favoritenkreis

Bei den Damen stehen nach der Absage der jungen Mutter Kristin Lang (Kolbermoor) mit Petrissa Solja (Berlin) und Sabine Winter (Kolbermoor) immerhin zwei DTTB-Vertreterinnen im Sechzehnerfeld. Hatten Solja und Winter im Vorjahr in Antibes mit den Plätzen zwei und drei noch beeindruckende Erfolge erzielt, so fällt 2018 die Erwartungshaltung an das Abschneiden des Damen-Duos aus unterschiedlichen Gründen geringer aus. WM-Mixed-Bronzemedaillengewinnerin Solja tastet sich nach ihrer fast sechsmonatigen Pause derzeit ohne jeden Druck wieder vorsichtig auf die internationale Bühne zurück, Winter arbeitet nach einem Jahr 2017 voller gesundheitlicher Rückschläge zwar hart daran, zu alter Stärke zurückzufinden, ist aber aktuell noch ein gutes Stück von ihrer Bestform entfernt. Die beiden Deutschen werden in Montreux in der Setzungsliste an den Positionen neun bis 16 gelistet sein. Titelaspirantinnen bei den Damen sind in Montreux u.a. Vorjahressiegerin Li Jie (Niederlande), das österreichische Duo Liu Jia und Sofia Polcanoca, die Schwedin Matilda Ekholm, die Ungarin Georgina Pota, Rumäniens Einzel-Europameisterin von 2015, Elizabeta Samara sowie die Polin Li Qian.

Sabine Winter: „Ich will um jeden Ball kämpfen“

Bei ihrem Debüt 2016 war sie Sechste, ein Jahr später in Antibes wurde sie Dritte und sicherte sich ihren World-Cup-Start. Doch Sabine Winter weiß nach den Rückschlägen des letzten Jahres mit monatelangen Zwangspausen, wie schwer es für sie 2018 wird, an die Ergebnisse ihrer beider bisherigen Stars beim kontinentalen Ranglisten anzuknüpfen: „Meine Form in letzter Zeit hat leider etwas zu wünschen gelassen. Meine Erwartung an mich selbst ist es, um jeden Ball zu kämpfen. Und auch im Training weiter konzentriert und fleißig an mir zu arbeiten, dann muss es auch bald wieder besser werden. Wer weiß, vielleicht ja schon in Montreux: Eigentlich habe ich ja durchaus gute Erinnerungen an meine bisherigen Europe-Top-Teilnahmen.“ Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp ergänzt die Ausführungen Winters: „Sabine trainiert im Moment wieder sehr viel und sucht noch nach ihrer besten Form. Die Verletzungen haben sie im letzten Jahr aus dem Rhythmus geworfen. Sie ist noch nicht wieder da, wo wie sie war. Das wird noch etwas dauern, aber jedes Turnier ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin. Wir hoffen, dass sie das Europe Top 16 weiterbringt, aber ein Abschneiden wie im letzten Jahr ist aktuell nicht zu erwarten.“

Zur Eventseite der ITTF, u.a. mit Auslosung und Ergebnissen

 

DIE TEILNEHMERLISTE

(Die Auflistung der Teilnehmer erfolgt auf Basis der Januar-Weltrangliste; die Setzung bei der Auslosung am 2. Februar um 18 Uhr erfolgt auf Basis der derzeit noch nicht veröffentlichten Februar-Weltrangliste)

Herren

1 (Weltrangliste 1) Dimitrij Ovtcharov GER
2 (3) Timo Boll GER
3 (9) Simon Gauzy FRA
4 (12) Marco Freitas POR
5 (18) Ruwen Filus GER
6 (22) Kristian Karlsson SWE
7 (25) Vladimir Samsonov BLR
8 (26) Emmanuel Lebesson FRA
9 (31) Bastian Steger GER
10 (32) Mattias Karlsson SWE
11 (36) Jonathan Groth DEN
12 (40) Tiago Apolonia POR 
13 (53) Stefan Fegerl AUT
14 (59) Alexander Shibaev RUS
15 (95) Panagiotis Gionis GRE
16 (172) Lionel Weber SUI

Ersatzspieler

(27) Ricardo Walther*
(34) Kou Lei UKR
(39) Paul Drinkhall ENG
(43) Patrick Franziska*
(46) Benedikt Duda*
(62) Andrej Gacina CRO

*Duda, Walther, Franziska kommen wegen der maximalen Teilnehmerzahl von 4 Spielern einer Nation nur als Ersatz für einen deutschen Spieler infrage

 

Damen

1 (14) Li Jie NED
2 (20) Georgina Pota HUN
3 (22) Sofia Polcanova AUT
4 (25) Matilda Ekholm SWE
5 (26) Elizabeta Samara ROU
6 (38) Li Qian POL
7 (40) Liu Jia AUT
8 (41) Bernadette Szocs ROU
9 (42) Viktoria Pavlovich BLR
10 (49) Polina Mikhailova RUS
11 (53) Ni Xialian LUX
12 (70) Petrissa Solja GER
13 (72) Sabine Winter GER
14 (84) Rachel Moret SUI
15 (95) Tetyana Bilenko UKR
16 (109) Daniela Monteiro Dodean ROU

Ersatz

(55) Britt Eerland NED
(68) Natalya Partyka POL
(127) Iveta Vacenovska CZE
(245) Margaryta Pesotska UKR

DER ZEITPLAN

Freitag, 2. Februar
18.00 Uhr: Auslosung

Samstag, 3. Februar (2 Tische)
10.00-17.30 Uhr: Damen und Herren, Achtelfinale (je 1 Spiel Damen und Herren parallel)
18.00-21.30 Uhr: Damen und Herren, Viertelfinale (je 1 Spiel Damen und Herren parallel)

Sonntag, 4. Februar (1 Tisch)
10.00 Uhr: Damen, Halbfinale
10.50 Uhr: Damen, Halbfinale
11.40 Uhr: Herren, Halbfinale
11.40 Uhr: Herren, Halbfinale
14.30 Uhr: Damen, Spiel um Platz 3
15.20 Uhr: Herren, Spiel um Platz 3
16.10 Uhr: Damen, Finale
17.00 Uhr, Herren, Finale

DAS AUFGEBOT DES DTTB BEIM EUROPE TOP 16

Herren: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Ruwen Filus (TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland), Bastian Steger (SV Werder Bremen)
Damen: Petrissa Solja (ttc berlin eastside), Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor)
Trainer: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer), Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin), Lars Hielscher (Assistenztrainer Herren)
Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)
Schiedsrichterin: Kerstin Duchatz

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