Gold für Petrissa Solja und Dimitrij Ovtcharov (Foto: Schillings)
Auch Timo Boll als Drittplatzierter für den World Cup qualifiziert

Europe Top 16: Titel für Dimitrij Ovtcharov und Petrissa Solja

03.02.2019

Montreux. Mit Goldmedaillen für Dimitrij Ovtcharov und Petrissa Solja sowie einem dritten Platz für Timo Boll endete am Sonntagabend das mit 80.000 Euro dotierte Europe Top 16 in Montreux. Die drei Deutschen sind damit für die World-Cup-Turnier im Herbst qualifiziert. Debütantin Nina Mittelham erreichte auf Anhieb das Viertelfinale und komplettierte die herausragende Bilanz des Deutschen Tischtennis-Bundes. 

Langes Zittern für überragende Bilanz

Zweimal Gold und einmal Bronze - bis die bestmögliche Ausbeute des Finalsonntags in trockenen Tüchern war, mussten die Athleten und die deutschen Fans im Salle Omnisport du Pierrier allerdings länger zittern, als ihnen lieb war. Alle drei Siege der DTTB-Asse kamen erst nach Rückständen zustande: Zunächst machte der im Halbfinale von Dimitrij Ovtcharov bezwungene Vorjahressieger Timo Boll (Düsseldorf) im 'kleinen Finale' um Platz drei gegen den Österreicher Daniel Habesohn einen 2:3-Satzrückstand wett, anschließend vollendete die Langstädterin Petrissa Solja eine phänomenale Aufholjagd nach drei verlorenen Sätzen gegen Titelverteidigerin Bernadette Szocs (Rumänien). Der Abschluss des Turniers war denn gleichzeitig auch der Spannendste: Dimitrij Ovtcharov sicherte sich gegen seinen Orenburger Vereinskollegen, den Weißrussen Vladimir Samsonov, nach 2:3-Rückstand und Abwehr eines Matchballes mit 12:10 im Entscheidungssatz seinen fünften Titel.

Dimitrij Ovtcharov is back

Mit seinem fünften Titelgewinn hat Dimitrij Ovtcharov gleich zu Beginn des Jahres 2019 seine lange Durststrecke beendet. In Montreux schloss sich für den 30-Jährigen mit dem 4:3 über den zwölf Jahre älteren Samsonov ein Kreis, nachdem ihm im Vorjahr Timo Boll am gleicher Stelle den Titel und damit einige Wochen später auch die Weltranglistenposition 1 entrissen hatte. Es folgten Verletzungen und daraus resultierend sportliche Rückschläge bis hin zum Abrutschen auf Weltranglistenplatz 14. Mit Siegen über den Ukrainer Kou Lei, Dänemarks Vorjahresdritten Jonathan Groth, den sechsfachen Gewinner Timo Boll und Weißrusslands Ausnahmespieler Vladimir Samsonov meldete sich Ovtcharov nun gleich beim ersten sportlichen Highlight des Jahres 2019 eindrucksvoll zurück.

"2018 war das bislang schwierigste Jahr meiner Karriere. Der Sieg nun zu Beginn 2019 war deshalb umso wichtiger", gestand Dimitrij Ovtcharov nach dem finalen Triumph über den viermaligen Sieger des Rangiistenturniers ein. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf ergänzt: "Die Art und Weise, wie Dima hier in Montreux kritische Situationen wie Timos Satzausgleich nach 0:3-Rückstand im Halbfinale und die eigene verpasste 3:1-Führung gegen Vladi im Finale meisterte, war stark und zeigt, dass er wieder voll da ist. Ich wusste, das das passiert. Es war nur eine Frage der Zeit."

Schon nach dem knappen Sieg am Vormittag über Timo Boll hatte Ovtcharov allen Grund zur Zuriedenheit gehabt: "Timo hat am Anfang heute sicherlich nicht sein bestes Tischtennis gespielt. Als er besser und besser wurde, bin ich fokussiert geblieben, auch nachdem ich den sechsten Satz nach Führung noch verloren habe. 

Erster Titel für überglückliche Petrisse Solja

Als erste Deutsche hatte Petrissa Solja am Sonntag Gold gewonnen. Mit einer grandiosen Aufholjagd hat sich die Langstädterin nach einem 0:3-Fehlstart mit 9:11, 9:11, 6:11, 12:10, 11:8, 11:8 und 11:4 gegen die Titelverteidigerin Bernadette Szocs aus Rumänien den Titel gesichert. Nach zweiten Plätzen 2015 und 2017 erfüllte sich Solja ihren Traum von ihrem ersten Europe-Top-16-Sieg eindrucksvoll. Die 24-jährige WM-Bronzemedaillengewinnerin im Mixed benötige gegen die Weltranglisten-18. Szocs allerdings mehr als dreieinhalb Sätze, um zu ihrer gewohnten Sicherheit zu finden. "Ich bin so glücklich, dass ich das Match noch herumreißen konnte. Ich habe am Anfang wohl zu viel gewollt in dem Match. Nachdem hat es 0:3 stand, habe ich dann etwas langsamer und variabler gespielt und besser in das Spiel gefunden. Der Gewinn des vierten Satzes war die Vorentscheidung. Da habe ich gespürt, dass sie nervöser wird und ich das Match noch drehen kann." 

Solja vergaß in der Spielanalyse nicht, auch an eine faire Geste ihrer Gegnerin zu erinnern: "In der Mitte des vierten Satzes hat sie die Schiedsrichter darauf hingewiesen, dass einer ihrer Aufschläge das Netz berührt hatte und wiederholt werden musste. Der Punkt war schon für sie gezählt worden. Wenn Bernadette das nicht korrigiert, wer weiß, vielleicht wäre das Match dann schon zu Ende gegangen." Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp durchlief am Spielfeldrand wie ihr Schützling ein Wechselbad der Gefühle: "Peti hatt zu Beginn Probleme mit dem Aufschlag und hat oft zu schnell gespielt. Nach dem dritten Satz haben wir gesagt, sie soll es gelassener angehen und etwas langsamer und variabler spielen. Das hat dann funktioniert und am Ende hat sie das Spiel weitgehend kontrolliert. Eine tolle Leistung: Ich gratuliere ihr zu diesem Titel, den sie sich mit ihren Leistunen in Montreux verdient hat."

Zuvor hatte Solja am Morgen wie bei den Hungarian Open Mitte Januar auch in Montreux die Weltranglisten-17. Polcanova bezwungen. Europas Nummer eins hatte gestern in einem umkämpften Viertelfinalmatch Debütantin Nina Mittelham (Berlin) ausgeschaltet. In einer hochklassigen Partie setzte sich die Deutsche mit 15:13, 4:11, 11:7, 3:11, 12:10 und 11:9 durch. Bereits am Samstag hatte die mit einer Erkältung angereiste Solja auf ganzer Linie überzeugt. Nach einem hart erkämpften 4:3-Sieg über Europameisterin Li Qian (Polen) warf die Weltranglisten-26. auch die sechs Positionen vor ihr notierte Rumänin Elizabeta Samara aus dem Turnier. 

Timo Boll kämpft sich zum World Cup

Vorjahressieger Timo Boll beendete diesmal das Europe Top 16 in Montreux auf Platz drei. Der Düsseldorfer, der sich insgesamt sechsmal in die Siegerliste eintragen konnte, gewann nach seiner Halbfinal-Niederlage am Vormittag gegen Dimitrij Ovtcharov das 'kleine Finale' gegen den Österreicher Daniel Habesohn mit 4:3 und erkämpfte sich damit einen direkten Startplatz beim World Cup.

Allerdings musste der sechsmalige Europe-Top-Sieger ein hartes Stück Arbeit musste verrichten, um den Weltranglisten-37. in die Schranken zu verweisen. Nach einer deutlichen 2:0-Satzführung und gutem Beginn in Durchgang drei spielte der zweimalige Doppel-Europameister, der überraschend das Halbfinale erreicht hatte, besser und besser, während der zweimalige World-Cup-Gewinner seinen Rhythmus verlor und sogar 2:3 in Rückstand geriet. Timo Boll, der am Samstag den Portugiesen Tiago Apolonia und seinen Düsseldorfer Vereinskollegen Kristian Karlsson souverän in Schach gehalten hatte, sagte nach seinem knappen Erfolg: "Dieses Match war mental sehr schwer. Aber Daniel hat auch sehr stark gespielt. Ich bin froh, dass ich das Match nach dem Rückstand noch drehen konnte und mein wichtigstes Ziel, die Qualifikation für den World Cup, geschafft habe."

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf analysierte: "Erst Ende des sechsten Satzes und im siebten Durchgang hat Timo wieder besser gespielt. Das war für ihn, der schon alles gewonnen hat, nicht so einfach, dieses kleine Finale zu spielen. Zumal er auch heute morgen gegen Dima schon über sieben Sätze gegangen ist. Wir haben aber vor dem Match noch einmal gesagt, wie wichtig dieses Spiel ist, denn immerhin ging es um die sichere Qualifikation für den World Cup im Herbst. Ob auch der Vierplatzierte dabei ist, ist nie sicher."

Zuvor hatte Boll bereits ein Siebensatzmatch gegen Dimitrij Ovtcharov bestritten. Die spektakuläre Aufholjagd nach 0:3-Rückstand blieb aber am Ende erfolglos: "Dima hat das Spiel heute verdient gewonnen. Er hat mich am Anfang stark unter Druck gesetzt und ich hatte in dieser Phase, Probleme seine Aufschläge richtig zu lesen. Dann bin ich zwar besser ins Spiel gekommen, aber vier Sätze hintereinander zu gewinnen, ist sehr schwer. Vor allem, wenn jemand so stark spielt, wie Dima es nun wieder tut." 

Das Spiel um Platz drei bei den Damen gewann die Österreicherin Sofia Polcanova mit 4:2 gegen die Natalia Partyka. Für die vierfache Paralympisgewinnerin aus Polen war es der bislang größte Erfolg im Einzel.

 

Zur Eventseite der ITTF, u.a. mit Auslosung und Ergebnissen


TV: EUROSPORT 1 und 2
Sonntag, 3. Februar
18.30 Uhr - 19.55 Uhr (Aufzeichnung, Eurosport 2)
Montag, 4. Februar
13.00 Uhr - 14.00 Uhr (Aufzeichnung, Eurosport 2)
16.45 Uhr - 17.30 Uhr (Aufzeichnung, Eurosport 1)



SONNTAG, 3. FEBRUAR 


HERREN

Finale
Dimitrij Ovtcharov - Vladimir Samsonov BLR 4:3 (-6,8,3,-14,-6,7,10)

Spiel um Platz 3

Timo Boll - Daniel Habesohn AUT 4:3 (7,4,-7,-9,-3,10,5)

Halbfinale

Timo Boll - Dimitrij Ovtcharov 3:4 (-9,-3,-3,5,4,9,-7)
Vladimir Samsonov BLR - Daniel Habesohn AUT 4:2 (9,4,-9,9,-6,9)


DAMEN

Finale
Petrissa Solja - Siegerin Bernadette Szocs ROU 4:3 (-9,-9,-6,10,8,8,4)

Spiel um Platz 3
Sofia Polcanova AUT - Natalia Partyka POL 4:2 (-7,4,-7,10,7,6)

Halbfinale

Petrissa Solja - Sofia Polcanova AUT 4:2 (13,-4,7,-3,10,9)
Bernadette Szocs ROU - Natalia Partyka POL 4:3 (8,-9,8,-10,12,-9,2)

SAMSTAG, 2. FEBRUAR

HERREN

Viertelfinale 

Timo Boll - Kristian Karlsson SWE 4:1 (3,10,6,-6,1)
Dimitrij Ovtcharov - Jonathan Groth DEN 4:1 (9,-4,9,8,3)
Simon Gauzy FRA - Daniel Habesohn AUT 2:4 (-7,5,-9,5,-5,-7)
Vladimir Samsonov BLR - Panagiotis Gionis GRE 4:1 (7,-10,4,2,7)

Achtelfinale

Timo Boll - Tiago Apolonia POR 4:0 (3,4,5,5)
Kristian Karlsson SWE - Emmanuel Lebesson FRA 4:1 (-5,10,9,4,7)
Jonathan Groth DEN - Lionel Weber SUI 4:0 (6,5,8,7)
Dimitrij Ovtcharov - Kou Lei UKR 4:0 (2,9,6,6)
Liam Pitchford ENG - Simon Gauzy FRA 0:4 (-9,-8,-9,-7)
Marcos Freitas POR - Daniel Habesohn AUT 3:4 (-12,-6,9,4,9,-8,-8)
Vladimir Samsonov BLR - Ovidiu Ionescu ROU 4:1 (3,10,-9,8,5)
Mattias Falck SWE - Panagiotis Gionis GRE 2:4 (-8,12,10,4,7,8)

DAMEN

Viertelfinale
Nina Mittelham - Sofia Polcanova AUT 2:4 (-6,-8,-6,8,10,-13)
Petrissa Solja - Elizabeta Samara ROU 4:1 (7,9,-9,8,6)
Bernadette Szocs ROU - Barbora Balazova SVK 4:0 (7,8,5,9)
Georgina Pota HUN - Natalia Partyka POL 1:4 (-7,-9,-6,6,-11)

Achtelfinale
Sofia Polcanova AUT - Rachel Moret SUI 4:3 (7,4,-6,-13,6,-13,10)
Nina Mittelham - Matilda Ekholm SWE 4:1 (9,-8,12,6,11)
Petrissa Solja - Li Qian POL 4:3 (-9,8,10,-5,-5,8,8)
Elizabeta Samara ROU - Polina Mikhailova RUS 4:0 (9,10,10,7)
Li Jie NED - Natalia Partyka POL 3:4 (7,-10,-8,8,-5,7,-7)
Georgina Pota HUN - Ni Xialian LUX 4:0 (2,9,6,7)
Britt Eerland NED - Barbora Balazova SVK 0:4 (-9,-8,-14,-8)
Bernadette Szocs ROU - Hana Matelova CZE 4:2 (5,9,-11,7,-13,8)

 

DIE TEILNEHMER- UND SETZUNGSLISTE
(Positionen in der Februar-Weltrangliste in Klammern)

Herren

1 (5) Timo Boll
2 (13) Matthias Falck SWE
3 (14) Dimitrij Ovtcharov GER
4 (17) Liam Pitchford ENG
5 (20) Vladimir Samsonov BLR
6 (21) Jonathan Groth DEN
7 (24) Marco Freitas POR
8 (30) Kristian Karlsson SWE
9 (31) Simon Gauzy FRA
10 (36) Emmanuel Lebesson FRA
11 (37) Daniel Habesohn AUT
12 (40) Ovidiu Ionescu ROU
13 (41) Tiago Apolonia POR 
14 (46) Panagiotis Gionis GRE
15 (47) Kou Lei UKR
16 (148) Lionel Weber SUI

Damen

1 (17) Sofia Polcanova AUT
2 (18) Bernadette Szocs ROU
3 (20) Elizabeta Samara ROU
4 (25) Li Jie NED
5 (26) Petrissa Solja GER
6 (28) Matilda Ekholm SWE
7 (32) Georgina Pota HUN
8 (38) Britt Eerland (NED)
9 (41) Li Qian POL
10 (46) Ni Xialian LUX
11 (49) Polina Mikhailova RUS
12 (52) Hana Matalova CZE
13 (53) Nina Mittelham GER
14 (55) Barbora Balazova SVK
15 (63) Natalia Partyka POL
16 (84) Rachel Moret SUI

 

DAS AUFGEBOT DES DTTB BEIM EUROPE TOP 16

Herren: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland)
Damen: Petrissa Solja (TSV Langstadt), Nina Mittelham (ttc berlin eastside)
Trainer: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer), Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin), Lars Hielscher (Assistenztrainer Herren)
Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)
Schiedsrichterin: Anja Gersdorf

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