Europe Top 16: Vierter Titel für Ovtcharov / Solja muss Finale verletzt aufgeben / Bärenstarke Winter Dritte

ms 05.02.2017

Antibes. Gold für Dimitrij Ovtcharov, Silber für Petrissa Solja, Bronze für Sabine Winter und Platz fünf für Timo Boll, so lautet die gute deutsche Bilanz beim mit 50.000 Euro dotierten Europe Top 16 in Antibes. Die hervorragenden Ergebnisse wurden allerdings getrübt von der verletzungsbedingten Aufgabe Petrissa Soljas im Damen-Finale gegen die Holländerin Li Jie. Mit ihren Medaillengewinnen sicherten sich die drei DTTB-Asse zudem direkte Startplätze beim World Cup im Oktober.

Vierter Titel und eine gute Portion Selbstvertrauen für Ovtcharov

"Das ist dreieinhalb Monate vor der WM in Düsseldorf ein guter Auftakt für mich im Jahr 2017. Solche Turniersiege geben Selbstvertrauen", freute sich Dimitrij Ovtcharov beim kontinentalen Ranglistenturnier über die Wiederholung seiner Erfolge von 2012, 2015 und 2016, "ich denke, ich habe hier sehr gut gespielt und eine meiner besten Leistungen der letzten Monate geboten. Allerdings war ich mit dem Endspiel selbst nur bedingt zufrieden. In Satz zwei, vier und sechs habe ich nicht mein Optimum abgerufen und mir sind einige leichtere Fehler unterlaufen. Aber ich bin sehr froh über den Titel, denn die Konkurrenz verbessert sich immer weiter."

So jubelt ein Sieger: Dimitrij Ovtcharov (Foto: ms)Im Endspiel besiegte Ovtcharov den Russen Alexander Shibaev mit 4:2, der zuvor Timo-Boll-Bezwinger Simon Gauzy (Frankreich) im Halbfinale aus dem Turnier geworfen hatte und sich bei einer umstrittenen Entscheidung bei Matchball keine Freunde unter den französischen Fans machte. Bei der Siegerehrung verzichtete Shibaev bei Gauzy zudem auf den obligatorischen Handschlag unter den Medaillengewinnern.

Dimitrij Ovtcharov hatte zuvor in der Vorschlussrunden in einem offenen Hochgeschwindigkeits-Schlagabtausch den European-Games-Dritten Kou Lei (Ukraine) nach 3:0-Führung in sieben Durchgängen in Schach gehalten und gestern im Viertelfinale den Österreicher Stefan Fegerl ohne Satzverlust beherrscht. In der Vorrunde dominierte der Europameister von 2013 und 2015 in seiner Gruppe den Portugiesen Joao Monteiro, den späteren Drittplatzierten Simon Gauzy und Dänemarks Doppel-Europameister Jonathan Groth.

Solja bezwingt erstmals Liu Jia, aber muss Finale aufgeben

Grenzenlose Enttäuschung bei Petrissa Solja: Die Weltranglisten-15. musste nach Rang drei 2014 und Platz zwei 2015 beim Anlauf auf ihren ersten kontinentalen Titelgewinn im Einzel das Endspiel gegen die Niederländerin Li Jie verletzt aufgeben. Der Berlinerin fuhr im dritten Satz gegen die Abwehrspielerin bei einem Vorhandtopspin ein heftiger Schmerz in den Schlagarm. Solja nahm sich daraufhin die ihr zustehende Verletzungspause und ließ sich Physiotherapeut Peter Heckert behandeln. Doch weder das Tapeband noch der beste Wille halfen lange weiter: Nach dem vierten Satz entschied sich die Deutsche zur Aufgabe und erklärteanschließend tief enttäuscht: "Schon vor der Verletzungspause habe ich 

gespürt, dass sich der Muskel langsam zuzieht. Ich habe es dann noch einmal versucht, aber ich konnte kaum den Schläger halten und nicht einmal mehr ordentlich Rückhand spielen." Für Solja war die Situation ein unangenehmes Déjà-vu-Erlebnis: "Schon bei der EM in Jekaterinburg 2015 ist mir gegen Li Jie im Viertelfinale das gleiche passiert."

Tränen der Enttäuschung bei Petrissa Solja, hier bei der Behandlung durch Physiotherapeut Peter Heckert (Foto: ms)

Ein Match zuvor hatte Petrissa Solja nach dem 4:1-Halbfinalerfolg über die Österreicherin Liu Jia allerdings noch über das ganze Gesicht gestrahlt. Erstmals überhaupt gelang der Word-Cup-Dritten von 2015 ein Sieg über eine der gewieftesten Taktikterinnen im Welttischtennis. "Das letzte Mal hatte ich gegen sie im Finale des Europe Top 16 in Baku 2015 gespielt", sagte Solja nach dem Match, "seitdem habe ich mich ein gutes Stück verbessert. Der Sieg war an der Zeit." In der Tat hatte Liu Jia keine Chance gegen die platzierten Bälle der Deutschen, die das Match unter Kontrolle hatte. Solja hatte sich an den beiden ersten Turniertagen aller Aufgaben souverän entledigt. Im Viertelfinale blieb die Rumänin Bernadette Szcos ebenso chancenlos wie zuvor in den Gruppeneinzeln die Schwedin Matilda Ekholm und Frankreichs Talent Stephanie Loueuillette. Lediglich die ukrainische Abwehrspielerin Tetyana Bilenko hatte Solja im Auftakteinzel über fünf Sätze gefordert. 

Für Sabine Winter geht ein Traum in Erfüllung

"Ich kann es kaum fassen. Schon mit einer gesunden Schulter hätte ich für ein solches Abschneiden nur eine fünf- bis zehnprozentige Chance gesehen. Und in der jetzigen Situation ist es einfach nur ein Traum!" Die seit Monaten von Schulternproblemen geplagte Sabine Winter, die immer wieder ihren 

Trainingsrhythmus hatte unterbrechen müssen und das Turnier vor allem mit Hinblick auf die Weltrangliste bestritt, zeigte sich nach dem 4:3-Erfolg über die Weltranglisten-14. Liu Jia im dramatischen "kleinen Finale" um den dritten Platz von ihren Gefühlen überwältigt. Vergessen war die 2:4-Niederlage aus dem Halbfinale gegen die Niederländerin Li Jie, gegen die Winter den letzten Vergleich gewonnen hatte: "Dieser dritte Platz entschädigt für alles und ist einfach nur perfekt."

Sabine Winter freut sich über den verwandelten Matchball gegen Liu Jia (Foto: ms)

Die Doppel-Europameisterin aus Kolbermoor hatte gegen die an Position zwei gesetzte Österreicherin bereits in der Gruppe nur knapp mit 2:3 verloren, aber im Match um Platz drei wurde es für die Vorjahressechste noch einmal schwerer. "Sie hat etwas anders gespielt, die Bälle etwas kürzer geblockt, so dass ich nicht immer gut zum Ball stand. Dafür habe ich ihre Aufschläge etwas besser retourniert als im Gruppenspiel." So machte die Ex-Europameisterin aus einem 1:3-Satzrückstand noch ein 3:3 und schien auch in der Endphase des Entscheidungssatzes auf der Siegerstraße, als Sabine Winter sich im Endspurt noch den 11:9-Erfolg und die Bronzemedaille sicherte. 

Gestern hatte sich Winter im Viertelfinale gegen Ungarns routiniertes Aushängeschild Georgina Pota durchgesetzt und in der Gruppenphase Barbora Balazova (Slowakei) und Polina Mikhailova (Russland) bezwungen: "Ich freue mich riesig über meine Leistung und habe bei diesem Europe Top 16 richtig gut gespielt. Damit durfte ich angesichts der Probleme mit meiner Schulter nicht rechnen. Aber ich fühle mich sehr gut und spiele hier auch mit meiner Rückhand stark. Wenn die Bilanz meiner Schulterverletzung dazu führt, dass sich meine Rückhand weiter so deutlich verbessert, dann kann man der Sache auch etwas gutes abgewinnen. Ich muss jetzt sehen, dass die Schulter so schnell wie möglich wieder in Ordnung kommt." 

Boll: "Je suis fatigué, mais je jouais bien"

Am Ende strahlten beide: Petrissa Solja und Sabine Winter (Foto: ms)

Der fünfmalige Sieger des europäischen Ranglistenturniers machte das Bestmögliche aus der gestrigen Viertelfinalniederlage gegen Frankreichs EM-Zweiten Simon Gauzy. Gestern bezwang er zunächste den Portugiesen Tiago Apolonia, der Siebter wurde, und heute dann den Kroaten Andrej Gacina, der sich am Samstagabend mit 4:3 gegen Bolls Düsseldorfer Teamkollegen und späteren Achten Stefan Fegerl durchgesetzt hatte. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf war zufrieden mit dem Turnierabschluss des Weltranglisten-Zehnten: "Es war wichtig, dass sich Timo in den Matches gegen Apolonia und Gacina noch einmal behauptet hat, sonst hätte er viele Punkte in der Weltrangliste verloren. Als Fünfter wird es bei ihm normalerweise auch sicher für die Teilnahme am World Cup reichen." Boll offenbarte seine Qualitäten am Sonntagvormittag nicht nur am Tisch, sondern auch beim anschließenden Interview mit dem Hallensprecher in französischer Sprache und ließ die Zuschauer wissen: "Ich bin zwar heute noch etwas müde, aber ich habe gut gespielt." Schmunzelnd konnte Boll dem verpassten Einzug in die Medaillenränge zumindest eine gute Seite abgewinnen: "Mein Flug ist schon auf heute Abend umgebucht. Nach meiner Rückreise kann ich mir dann in aller Ruhe zuhause das Finale um den Super Bowl anschauen." 

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DIE SPIELE AM SONNTAG (U.A.)

Herren

Finale

Dimitrij Ovtcharov GER - Alexander Shibaev RUS 4:2 (8,-12,5,-11,8,8)


Spiel um Platz 3

Simon Gauzy FRA  - Kou Lei UKR 4:0 (6,3,9,14)


Herren-Halbfinale

Dimitrij Ovtcharov GER - Kou Lei UKR 4:3 (8,9,8,-10,-3,-2,6)

Simon Gauzy FRA - Alexander Shibaev RUS 1:4 (-7,-9,8,-10,8,-9)


Spiel um Platz 5

Timo Boll GER - Andrej Gacina CRO 4:0 (5,8,11,3)

Damen

Finale 

Petrissa Solja GER - Li Jie NED 1:4 (-7,7,-3,-6,-0)  

Aufgabe Solja nach dem vierten Satz wegen Verletzung


Spiel um Platz 3

Sabine Winter GER - Liu Jia AUT 4:3 (6,-8,8,5,-2,-7,9)


Halbfinale

Sabine Winter GER - Li Jie NED 2:4 (5,-7,-13,9,-7,-6)

Petrissa Solja GER - Liu Jia AUT 4:1 (11,-7,5,11,5)

DAS AUFGEBOT DES DTTB BEIM EUROPE TOP 16

Herren: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland)

Damen: Petrissa Solja (ttc berlin eastside), Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor)

Trainer: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer), Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin), Zhu Xiaoyong (Assistenztrainer Herren), Wan Guohui (Assistenztrainer Damen)

Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)

Schiedsrichter: Michael Zwipp (Stellv. Oberschiedsrichter)

 

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