Genauso wie bei den meisten, hat auch bei "Franzi" der Corona-Virus vieles verändert

Franziska Schreiners Weg zum Profi - Teil 2: Zwischen Lernen, Fitness und Puzzles

Franziska Schreiner/BP 30.03.2020

So wie bei vielen Menschen derzeit hat der Corona-Virus auch mich fest im Griff. Er hat meine ganzen Planungen über den Haufen geworfen. Eigentlich sollte am Ende April das Abitur beginnen – danach wollte ich noch einige Turniere wie die Belarus Open spielen und ins Deutsche Tischtennis-Zentrum ziehen. Und jetzt? Das Abitur in Bayern wurde um drei Wochen verschoben, internationale Turniere werde ich nicht mehr spielen können in dieser Saison 19/20. Aber wer weiß, ob überhaupt noch welche stattfinden werden. Wann ich ans DTTZ ziehen werde ist auch noch ungewiss. Und auch meine Abiturvorbereitung findet aktuell im „Home Office“ statt. Ich finde das alles schon sehr nervig, denn ich hatte mich schon sehr auf die Zeit nach dem Abi gefreut. Aber wichtig ist zurzeit, dass alle Leute gewissenhaft mit der Krise umgehen und sich an die Regeln halten. Damit wir schon bald wieder in unseren normalen Alltag zurückkehren können und so wenig Menschen wie möglich an dem Virus erkranken.
 
U 21-EM: Medaille knapp verpasst

 
Einer der letzten Turniere, die überhaupt noch gespielt worden, waren die U21-Europameisterschaften in Varadzin, Kroatien vom 4. bis 8. März. Nur die Oman Open eine Woche später wurden danach noch zu Ende gespielt. In Varadzin war eigentlich auch alles noch normal, außer dass die Hände öfters desinfiziert werden mussten als sonst. Es waren nach letztem Jahr in Portugal meine zweiten U21-Europameisterschaften, so richtig erfolgreich war es dieses Mal aber leider nicht. Im Einzel verlor ich direkt mein erstes Gruppenspiel in sieben Sätzen, das war am Ende auch ausschlaggebend. Sehr, sehr schade war auch das Mixed-Viertelfinale. Zusammen mit Tobias (Hippler) führten wir im Entscheidungssatz gegen die späteren Gewinner Christian Pletea und Adina Diaconu aus Rumänien schon mit 5:1 und 8:6, machten dann aber keinen Punkt mehr. Und mit Sophia (Klee) lief es im Doppel auch nicht so richtig – wir hatten davor aber noch nie zusammen gespielt. Mein Ziel ist es, nächstes Jahr wieder dabei zu sein, dann in Spa in Belgien. Es ist einfach immer etwas Besonderes als Team Deutschland und im Nationaldress anzutreten. Vielleicht kann ich dann mein erstes Edelmetall gewinnen.

Corona-Alltag: Zwischen Lernen, Fitness und Puzzlen
 
Mein Alltag zur Zeit sieht ansonsten so aus wie bei vielen. Ich halte mich fit, vor allem mit Läufen und Stabilitätstraining. Obwohl wir eine Tischtennis-Familie sind, haben wir keinen Tisch mehr daheim. Der ist vor einigen Jahren aus dem Keller geflogen, um Platz für ein Gästezimmer zu schaffen. Jetzt zeigt sich: Das war nicht so schlau! Viel Zeit verbringe ich natürlich trotz der Abi-Verschiebung mit Lernen. Ich schaue viel YouTube, vor allem Make Up- und Haarvideos, aber auch Musikvideos. Netflix habe ich nicht mehr seit der 12. Klasse, weil ich mich mehr aufs Lernen konzentrieren wollte. Kürzlich habe ich auch mein erstes eigenes YouTube-Video zum Thema Hautpflege veröffentlicht. Das macht mir sehr Spaß, aber erwartet nicht, dass ich da jetzt regelmäßig Clips hochladen werde. Ich puzzle auch sehr gerne, mein aktuelles Projekt ist die Skyline von Manhattan, ein 1000er Puzzle. Die Marina Bay in Singapur habe ich schon fertig.
 
Mit Ma Long am selben Tisch

 
Mein Highlight in diesem Jahr war aber bis jetzt die German Open in Magdeburg Ende Januar. Bremen im letzten Jahr waren schon eine große Sache für mich, vor allem weil es damals meine ersten German Open waren. Mein absoluter Höhepunkt in Magdeburg: Wir spielten uns am selben Tisch wie Ma Long ein, wahrscheinlich der beste Spieler dieser Generation. Im Einzel schied ich leider direkt in Runde Eins aus gegen Laura Gasnier aus Frankreich. Zwar habe ich keinen Satz gewonnen, aber die letzten beiden waren knapp. Es ist für mich immer noch schwer mit dem Niveau und dem Taktischen der Top-Damen mitzuhalten. Im Jugendbereich konnte ich gegen jeden, ausgenommen den besten Spielerinnen aus China und Japan, immer gut mithalten. Aber ich denke, mit mehr Wettkampferfahrung wird das noch deutlich besser – und jedes World Tour-Spiel bringt mir auch etwas. Leider konnte ich klausurbedingt nicht so lange bleiben wie in Bremen. Ich bin nach der Niederlage dann direkt heimgefahren. Das ist natürlich schade, weil die German Open eine Chance sind, Freunde aus der Welt zu treffen, die ich, weil ich ja zu alt bin, bei Jugendturnieren nicht mehr sehen kann.
 
Ich hoffe, ich kann auch bald wieder an den Tisch. Erstmal hoffe ich aber, dass das Abi nicht weiter nach hinten verschoben wird und ich sobald wie möglich meinen Traum „Vollprofi“ starten kann! Aber das Wichtigste: Bleibt alle gesund und vor allem wenn möglich daheim!

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