Shan Xiaona überstand die Qualifikation erfolgreich (Foto: MS)
Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov treffen gleich in der ersten Hauptrunde auf Spieler aus China / Starke Konkurrenz wartet in den Doppel-Wettbewerben

German Open: Shan Xiaona folgt DTTB-Quintett in das Hauptfeld

Marco Steinbrenner 09.10.2019

Bremen. Wenn bei den mit 270.000 US-Dollar dotierten German Open in Bremen am Donnerstag ab 15 Uhr die Hauptrunden im Damen- und Herren-Einzel beginnen, ist der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) mit insgesamt sechs Aktiven vertreten. Han Ying, Petrissa Solja, Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska sind direkt für die Runde der besten 32 gesetzt. Aus der Qualifikation schaffte  von den 21 gestarteten DTTB-Teilnehmern zudem Shan Xiaona den Sprung in das Hauptturnier.

Shan Xiaona: Nach der Babypause zurück zur alten Stärke

„Sie spielt sehr gut und hat nach ihrer Babypause wieder ihr altes Selbstvertrauen gefunden“, beobachtete Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp die heutigen Auftritte von Shan Xiaona ganz genau. Durch Fünf-Satz-Erfolge gegen die Weltranglisten-27. Saki Shibata (Japan) und European-Games-Siegerin Yu Fu (Portugal) qualifizierte sich die 36-Jährige für die morgige Auftaktrunde der besten 32. „Vor dem Spiel gegen Shibata hatte ich gedacht, vielleicht zwei Sätze gewinnen zu können. Umso größer war die Freude nach meinem Sieg.“ Gegen Yu nahm Shan erfolgreich Revanche für vorausgegangene Niederlagen: „Gegen sie hatte ich die letzten Male verloren. Als ich die Auslosung gesehen habe, war ich deshalb gar nicht glücklich.“ Mit dem Erreichen des Hauptfeldes hat Berlins Nummer 96 der Weltrangliste, die vor ihrer Babypause bis Ende 2017 unter den Top 20 geführt war, auch im ITTF-Ranking wieder Boden gutmachen. Als nächste Gegnerin wartet am Donnerstag Doo Hoi Kem aus Hongkong, die als Nummer elf der Welt die Favoritenrolle einnimmt. „Ich traue Shan Xiaona aber durchaus den Sieg zu. Sie ist mental in einer starken Verfassung und hat bislang hier sehr gut gespielt“, blickt Bundestrainerin Jie Schöpp optimistisch auf den nächsten Tag. 

Die beiden gesetzten Deutschen treffen am Donnerstag auf Qualifikantinnen. Auf Europe-Top-16-Siegerin Petrissa Solja (Langstadt), die Nummer 21 der Weltrangliste, wartet die im Ranking nur eine Position vor ihr platzierte Südkoreanerin Jeon Jihee. Deutschlands Defensivkünstlerin Han Ying trifft auf Monacos Weltklassespielerin Yang Xiaoxin. Damit kommt es zur Neuauflage des Halbfinals bei den European Games vor wenigen Monaten in Minsk, das die Wahl-Düsseldorferin in einer dramatischen Partie in sieben Sätzen für sich entschied und damit die Weichen zum Gewinn der Silbermedaille stellte. 

Ein Sieg fehlte Nina Mittelham, dann wäre auch die amtierende Deutsche Meisterin am morgigen Tag noch im Einzel mit von der Partie. Eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber gestern sorgte dafür, dass Mittelham ihre ehemalige Mannschaftskollegin in Bad Driburg, Sarah de Nutte (Luxemburg), mit 4:2 besiegte. „Ich kann aber noch besser spielen, stellte die 22-Jährige direkt klar. Der Beweis folgte nur wenige Stunden später in der vierten Qualifikationsrunde, doch zu einem Erfolg gegen die Thailanderin Orawan Paranang reichte es trotzdem nicht. „Die Rückschläge von Nina waren zu passiv. Es fehlte ein wenig die Konstanz in ihrem Spiel. Trotzdem bin ich mit ihrer Leistung zufrieden“, so Jie Schöpp.

In der dritten Qualifikationsrunde hatte sich Sabine Winter aus dem Turnier verabschieden müssen. Die 27-Jährige unterlag Zhang Rui aus China mit 0:4. „Meine Gegnerin ist sehr gut im Aufschlag-Rückschlag-Bereich, ich kam deshalb nicht zu meinem Spiel“, analysierte Winter. „Um eine Siegchance zu haben, hätte ich über meinem Niveau spielen und sie einen schlechten Tag erwischen müssen. Das war heute leider nicht der Fall.“

Simon Gauzy als Deutschland-Schreck / Ricardo Walther unterliegt Swedish Open-Sieger

Mit einem Sieg und einer Niederlage verabschiedeten sich Ricardo Walther und Steffen Mengel aus dem Einzel-Wettbewerb. Dem Duo fehlte jeweils nur ein Erfolg zum Erreichen der Hauptrunde. Walther schaltete zunächst den Iraner Noshad Alamiyan aus und kam nach seinem 4:1-Sieg zu der Erkenntnis, „dass es auf der Tour kein vergleichbares System wie das von meinem Gegner gibt. Meine Taktik, passiver und die Bälle höher in die Vorhand zu spielen, ist aufgegangen.“ Wenige Stunden später waren die German Open dann aber auch für Walther beendet. Doppel-Weltmeister Wang Chuqin, der Chinese hatte am vergangenen Sonntag die Swedish Open gewonnen, erwies sich beim 1:4 in fünf sehenswerten Sätzen  als eine Nummer zu stark. „Das war heute einen Tick zu schnell und zu fest für mich“, gestand der 27-Jährige Walther nach seinem Ausscheiden. „In vielen Situationen konnte ich deshalb nur reagieren.“

Zwei Spielanalyse-Videos schauen und dann ab in die Box: So lautete die Devise von Steffen Mengel vor seiner Partie gegen Sun Wen (China). Die Spielvorbereitung erwies sich als genau richtig, denn der 31-Jährige setzte sich mit 4:2 durch und war anschließend mit seinem Auftritt „sehr zufrieden. Ich musste fokussiert sein, mein Spiel durchziehen und aggressiv in die Bälle gehen. Das hat geklappt.“ Trotz einer sehr starken Vorstellung reichte es nicht zum Sprung unter die besten 32, denn gegen Simon Gauzy gab es anschließend eine 0:4-Niederlage. Die Überraschung blieb damit aus. Mengel war mit einer 1:5-Bilanz gegen den Franzosen allerdings auch als Außenseiter in die Box gegangen. „Im ersten Satz hatte ich meine Chancen. Insgesamt war mein Gegner besser, spielte sehr gut und hat die Partie auch verdient für sich entschieden.“

Zuvor allerdings hatte der Weltranglisten-20. sich nur hauchdünn gegen einen anderen Deutschen durchgesetzt. Lange Zeit hatte es danach ausgesehen, als wenn der  Grünwettersbacher Dang Qiu den klar favorisierten Simon Gauzy trotz eines 0:3-Satzrückstandes noch würde abfangen können. „Taktisch habe ich nach dem 0:3-Rückstand nichts verändert“, erzählte der Deutsche. „Vielmehr habe ich einfach freier gespielt und so noch den Satzausgleich geschafft. Schade, dass es trotzdem nicht zum Sieg gereicht hat.“ Am Ende sei Gauzy „einen Tick besser gewesen“. Die Startschwierigkeiten führte Qiu darauf zurück, „dass ich in den vergangenen Wochen nicht so gut trainiert habe“.

Nach seinen starken Leistungen am gestrigen Eröffnungstag musste der Bad Königshofener Bastian Steger heute seinem Gegner, Jeoung Youngsik, zu einem 4:0-Sieg in Qualifikationsrunde drei gratulieren. „Die Auslosung hätte nicht härter kommen können“, merkte der 38-Jährige an. Der Südkoreaner habe während der vier Sätze „kaum Fehler gemacht. Deshalb war es extrem schwer zu gewinnen, denn schließlich ist er einer der besten in der Qualifikation.“ Obwohl Benedikt Duda gegen den Japaner Maharu Yoshimura mit 2:4 das Nachsehen hatte, war der Bergneustädter nicht ganz unzufrieden: „Das war das eine gute Leistung von mir. Ich habe lange Zeit nach meiner Form gesucht. So langsam kommt sie wieder.“ Den Grund für die Sechs-Satz-Niederlage hatte der Linkshänder schnell gefunden. „Yoshimura spielte in den entscheidenden Phasen immer zwei, drei starke Bälle - das hat den Unterschied gemacht.“ 

Gesetztes Herren-Trio greift morgen in den Einzel-Wettbewerb ein

Für drei deutsche Herren steht am Donnerstag der erste Auftritt in der Einzel-Konkurrenz auf dem Programm. Rekordeuropameister Timo Boll bekommt es mit Zhou Qihao zu tun. Der Chinese feierte in der Qualifikation drei 4:1-Siege und ist in der Weltrangliste auf Position 76 zu finden. Auch Dimitrij Ovtcharov, World-Cup-Sieger von 2017, bekommt es mit einem Starter aus dem Reich der Mitte zu tun. Yu Ziyang ist für Ovtcharov kein Unbekannter: Das bislang einzige Duell bei den Australien Open 2018 verlor der Deutsche in sieben Sätzen. Der 21-jähriger Linkshänder löste in Bremen das Hauptrunden-Ticket im entscheidenden Spiel durch einen 4:1-Sieg gegen Marcos Freitas (Portugal). Ein Heimspiel genießt Kirill Gerassimenko gegen den Weltranglisten-15. Patrick Franziska, der 2018 in Bremen im Halbfinale stand. Der Kasache Gerassimenko schlägt seit dieser Saison für Werder Bremen auf.

Starke Kombinationen aus Asien warten auf die DTTB-Doppel

Als sich Patrick Franziska die Auslosungen für das Herren-Doppel und Mixed anschaute, musste der 27-Jährige nicht lange überlegen: „Wir haben sehr starke Gegner bekommen und müssen deshalb direkt heiß sein und sehr gut spielen.“ Franziska bekommt es an der Seite von Timo Boll gleich in der ersten Partie mit Masataka Morizono und Maharu Yoshimura (Japan) zu tun. Ebenfalls aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen die Gegner im Mixed. Petrissa Solja und Patrick Franziska treffen auf Tomokazu Harimoto und Hina Hayata.

Als einzige deutsche Kombination haben Benedikt Duda und Dang Qiu aus der Qualifikation den Sprung in das Achtelfinale geschafft. Die deutschen Meister setzten sich gegen Lubomir Pistej/Pavel Sirucek (Slowakei/Tschechien) im fünften Satz mit 11:7 durch. Vor der Partie gegen Ho Kwan Kit und Lam Siu Hang aus Hongkong ist Duda zuversichtlich. „Wir haben gute Chancen“, merkte der Linkshänder mit einem Augenzwinkern an. „Ich erwarte ein offenes Spiel. Dang und ich sind gut vorbereitet.“ Ohne Sieg endete der Doppel-Wettbewerb dagegen für Dimitrij Ovtcharov und Ricardo Walther, denn gegen die amtierenden Europameister Robert Gardos/Daniel Habesohn (Österreich) gab es eine 1:3-Niederlage. „Dimitrij und ich haben noch nicht so oft zusammen gespielt. Dafür war die Leistung in Ordnung“, sagte Walther. „Am Ende haben wir verdient verloren, denn unsere Gegner waren ein Stück besser. Das muss man anerkennen.“

Im Doppel-Achtelfiinale der Damen ist der DTTB nur mit Nina Mittelham und Petrissa Solja vertreten, die es mit den Thailänderinnen Orawan Paranang/Suthasini Sawettabut zu tun bekommen. In Qualifikationsrunde eins kam das Aus für Chantal Mantz/Yuan Wan gegen Manika Batria/Archana Girish Kamath (Inidien) und Han Ying/Shan Xiaona, die sich in fünf Sätzen gegen Lin Ye/Zeng Jian (Singapur) geschlagen geben mussten. „Wir hatten zu wenig Geduld“, verriet Shan. „Unsere kleinen Fehler wurden sofort bestraft.“

Die Hauptrundenspiele mit deutscher Beteiligung am Donnerstag

Herren-Einzel, 1. Runde (32)
Patrick Franziska – Kirill Gerassimenko KAZ, 20 Uhr, Tisch 1
Dimitrij Ovtcharov – Yu Ziyang CHN, 17.30 Uhr, Tisch 1
Timo Boll – Zhou Qihao CHN, 20.50 Uhr, Tisch 1

Damen-Einzel, 1. Runde (32)
Shan Xiaona – Doo Hoi Kem HKG, 19.10 Uhr, Tisch 2
Han Ying – Yang Xiaoxin MON, 15.50 Uhr, Tisch 1
Petrissa Solja – Jeon Jihee KOR, 19.10 Uhr, Tisch 1

Herren-Doppel, Achtelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu – Ho Kwan Kit/Lam Siu Hang HKG, 12.40 Uhr, Tisch 1
Timo Boll/Patrick Franziska – Masataka Morizono/Maharu Yoshimura JPN, 13.20 Uhr, Tisch 1

Damen-Doppel, Achtelfinale
Nina Mittelham/Petrissa Solja – Orawan Paranang/Suthasini Sawettabut THA, 12 Uhr, Tisch 1

Mixed, Achtelfinale
Patrick Franziska/Petrissa Solja – Tomokazu Harimoto/Hina Hayata JPN, 10.40 Uhr, Tisch 1

Die Qualifikationsspiele mit deutscher Beteiligung

Damen-Einzel, 4. Runde
Shan Xiaona - Yu Fu POR 4:1 (8-7,5,7,8)
Nina Mittelham - Orawan Paranang THA 2:4 (-10,5,-10,-11,6,-6)

Damen-Einzel, 3. Runde
Shan Xiaona - Saki Shibata JPN 4:1 (7,-10,6,8,10)
Nina Mittelham - Sarah de Nutte LUX 4:2 (9,6,-9,4,-10,5)
Sabine Winter - Zhang Rui CHN 0:4 (-7,-7,-9,-6)

Damen-Einzel, 2. Runde
Shan Xiaona - Mariia Tailakova RUS 4:1 (10,3,7,-5,5)
Yuan Wan - Wu Yue USA 2:4 (7,-7,-8,-6,3,-7)
Nina Mittelham - Aneta Siruckova CZE 4:1 (9,-6,7,5,15)
Sophia Klee - Bruna Takahashi BRA 2:4 (9,-7,-11,9,-6,-8)
Chantal Mantz - Ni Xia Lian LUX 0:4 (-9,-5,-8,-8)
Sabine Winter - Lisa Lung BEL 4:1 (13,-7,7,7,9)

Damen-Einzel, 1. Runde
Franziska Schreiner - Liu Fei CHN 0:4 (-4,-2,-2,-4)
Anastasia Bondareva - Filippa Bergand SWE 0:4 (-7,-8,-9,-8)
Yuki Tsutsui - Jinnipa Sawettabut THA 1:4 (12,-5,-2,-5,-8)
Sophia Klee - Candela Molero ARG 4:3 (5,-9,-9,9,-4,0,10)

Herren-Einzel, 4. Runde
Ricardo Walther - Wang Chuqin CHN 1:4 (10,-8,-6,-7,-3)
Steffen Mengel - Simon Gauzy FRA 0:4 (-9,-4,-8,-6)

Herren-Einzel, 3. Runde
Bastian Steger - Jeoung Youngsik KOR 0:4 (-8,-5,-5,-8)
Benedikt Duda - Maharu Yoshimura JPN 2:4 (8,-7,-8,-12,8,-9)
Ricardo Walther - Noshad Alamiyan IRI 4:1 (8,-11,2,6,6)
Steffen Mengel - Sun Wen CHN 4:2 (6,-6,9,-6,6,7)
Dang Qiu - Simon Gauzy FRA 3:4 (-8,-7,-8,7,6,7,-8)

Herren-Einzel, 2. Runde
Bastian Steger - Tiago Apolonia POR 4:2 (-6,4,-3,10,6,10)
Gerrit Engemann - Andrej Gacina CRO 0:4 (-11,-10,-11,-9)
Benedikt Duda - Yang Heng-Wei TPE 4:0 (8,3,8,5)
Ruwen Filus - Hunor Szocs ROU 2:4 (-4,-8,8,9,-6,-11)
Ricardo Walther - Yuki Hirano JPN 4:2 (8,-8,3,-10,7,6)
Steffen Mengel - Anders Lind DEN 4:2 (7,7,11,-8,-7,4)
Dang Qiu - Mikhail Paikov RUS 4:3 (10,5,-9,-8,-9,2,7)

Herren-Einzel, 1. Runde
Bastian Steger - Zhang Yudong CHN 4:3 (7,-8,-7,-8,3,-13,9)
Tobias Hippler - Thomas Keinath SVK 1:4 (-6,-6,4,-10,-4)
Nils Hohmeier - Harmeet Desai IND 2:4 (-8,8,-10,10,-6,-7)
Fanbo Meng - Ioannis Sgouropoulos GRE 2:4 (7,-10,-8,9,-8,-10)
Cedric Meissner - Supanut Wisutmaythangkoon THA 2:4 (7,-8,-8,8,-6,-9)

Damen-Doppel, 1. Runde
Chantal Mantz/Yuan Wan - Manika Batra/Archana Girish Kamath IND 1:3 (-7,-7,10,-6)
Han Ying/Shan Xiaona - Lin Ye/Zeng Jian SGP 2:3 (9,-4,-8,4,-6)

Herren-Doppel, 1. Runde
Dimitrij Ovtcharov/Ricardo Walther - Robert Gardos/Daniel Habesohn AUT 1:3 (9,-7,-8,-10)
Benedikt Duda/Dang Qiu - Lubomir Pistej/Pavel Sirucek SVK/CZE 3:2 (3,-6,10,-8,7)

Gemischtes Doppel, 1. Runde
Ruwen Filus/Han Ying - Chen Chien-An/Chen Szu-Yu TPE 1:3 (-9,5,-8,-4)

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