Freude pur: Patrick Franziska steht im Viertelfinale (Foto: MS)
Timo Boll, Patrick Franziska und Shan Xiaona stehen am Samstag im Viertelfinale

German Open: Ein Krimi und zwei Galavorstellungen

Marco Steinbrenner 11.10.2019

Bremen. Drei Siege und keine Niederlage: Die deutsche Einzelbilanz bei den German Open in Bremen war am vierten Tag makellos. Timo Boll, Patrick Franziska und Shan Xiaona haben sich für das Viertelfinale am Samstag qualifiziert und boten den 3.000 Zuschauern in der ÖVB-Arena hochklassiges Tischtennis. Boll wehrte einen Matchball gegen Jun Mizutani ab und gewann den Entscheidungssatz mit 12:10. Erfolgreiche Revanche für die Niederlage vor einer Woche bei den Swedish Open nahm Franziska gegen den Weltranglistenvierten Lin Gaoyuan. Ohne Satzverlust deklassierte Shan die japanische Abwehrspielerin Hitomi Sato.

Boll macht 3:9-Rückstand im Entscheidungssatz wett

Nicht nur einmal musste Timo Boll nach seinem 4:3-Sieg gegen Jun Mizutani ganz tief durchatmen. „Das war ein Spiel mit vielen Höhen und Tiefen“, analysierte der Weltranglistensiebte das ewig junge Duell mit dem Japaner. Boll sah beim Stand von 8:11, 11:9, 11:6, 11:4 und 5:0 wie der sichere Sieger aus. „Anschließend habe ich zu vorsichtig agiert.“ Auf der anderen Seite erhöhte Mizutani das Risiko, holte sich die Sätze fünf und sechs mit 11:7 und 11:9. Im letzten Abschnitt lag der Japaner 9:3 vorne, doch am Ende bejubelte Timo Boll nach Abwehr eines Matchballs seine erfolgreiche Aufholjagd zum 12:10-Satz- und Matchgewinn. „So ein Spielverlauf im siebten Satz passiert nicht oft“, sagte der Linkshänder. „Nach dem deutlichen Rückstand habe ich den Ball wieder auf den Tisch gespielt, gute Aufschläge gemacht und die Balance wiedergefunden.“ Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf bemängelte in der Satzpause vor dem letzten Abschnitt die schlechte Körpersprache seines Schützlings, „denn schließlich hatte Timo die letzten Duelle gegen Mizutani doch gewonnen“. Die Worte von Roßkopf zeigten Wirkung. „Am Ende habe ich sicherlich auch ein wenig Glück gehabt, denn es war insgesamt ein großes hin und her“, sagte ein sichtlich erleichterter Timo Boll.

Im Viertelfinale am morgigen Samstag wartet der an Position zwei gesetzte Fan Zhendong (China). Eines stand für den 38-Jährigen schon unmittelbar nach dem Mizutani-Spiel fest: „Ich brauche eine ordentliche körperliche Steigerung. Mal schauen, wie mich die Physios heute Abend noch zurecht biegen.“ Außerdem habe der 4:2-Sieg von Boll zum Auftakt der Hauptrunde am Donnerstag gegen den Chinesen Zhou Qihao „viel Energie gekostet“.

Patrick Franziska nimmt gegen Lin Gaoyuan eindrucksvoll Revanche

Der dritte Matchball saß: Patrick Franziska riss jubelnd in die Arme in die Höhe und jubelte über das ganze Gesicht. Durch einen 4:1-Sieg gegen den Weltranglistenvierten Lin Gaoyuan aus China zog der 27-Jährige in das Viertelfinale ein. Nur eine Woche nach seiner Niederlage bei den Swedish Open nahm Franziska mit einer beeindruckenden Vorstellung Revanche. „Der Unterschied zu Schweden? Ich habe besser und an meinem Maximum gespielt“, sagte die Nummer 15 der Welt nach dem hochklassigen Match. „Ich musste das Highspeed-Tischtennis meines Gegners mitgehen, um eine Chance zu haben. Das hat geklappt.“ Auch eine Aufholjagd des Chinesen im fünften Satz von 2:6 auf 5:6 war nicht von Erfolg gekrönt. „Ich hatte nichts zu verlieren und bin mit viel Selbstvertrauen in die Partie gegangen“, verriet Patrick Franziska, der nach seinem Sieg über den Weltranglistenzweiten Fan Zhendong in Australien bereits den zweiten Top-Five-Chinesen innerhalb weniger Wochen bezwang.

Im entscheidenden Spiel um eine Medaille trifft Franziska nun am Samstag auf den Weltranglisten-23. Jeoung Youngsik, der den Sieben-Satz-Krimi gegen Koki Niwa (Japan) für sich entschied. Zuletzt standen sich Franziska und der Koreaner bei der Team-WM 2018 in Halmstadt gegenüber. Im Halbfinale behielt der Deutsche die Oberhand. Mit einer Prognose über den Ausgang der Partie morgen hielt sich Franziska unmittelbar nach dem Lin-Match jedoch zurück. „Jetzt ruhe ich mich erst einmal aus und schau mir meinen Gegner per Video an.“ Jörg Roßkopf sah ein „unglaubliches Spiel“ und hatte den Hauptgrund für die erfolgreich geglückte Revanche schnell gefunden. „Lin spielt sehr nah am Tisch. Genau das musste Patrick auch machen. Ich habe selten ein so schnelles Spiel gesehen. Die Partie hätte in beide Richtungen gehen können.“

Shan Xiaona lässt Abwehrspielerin Hitomi Sato aus Japan keine Chance

„Ich rechne mir schon Chancen aus, da ich ganz gut gegen Abwehr spiele“, hatte Shan Xiaona einen Tag vor ihrem Achtelfinale gegen Hitomi Sato zu Protokoll gegeben. Die German Open-Siegerin aus dem Jahr 2014 sollte mit ihrer Aussage Recht behalten. 11:9, 11:7, 11:7 und 12:10 hieß es am Ende für Shan gegen Japans Defensivkünstlerin.„Mein Arm ist jetzt ganz schön schwer“, gab Shan nach dem Match gegenüber den Medienvertetern zu Protokoll . „Das Ergebnis sieht natürlich auf den ersten Blick deutlich aus. Aber es gab sehr, sehr viele, sehr lange Ballwechsel. Das spüre ich, das war sehr anstrengend.“

Bundestrainerin Jie Schöpp sparte nach Shans Sieg über Sato nicht mit lobenden Worten und bescheinigte ihrem Schützling „super gespielt zu haben. Nana hatte eine gute Übersicht und einen klaren Kopf. Ich hatte mich auf ein schweres Spiel eingestellt. Der letzte Satz war dann auch wirklich sehr eng.“

Im Halbfinale am Samstag um 16.30 Uhr kommt es in der Partie im Kampf um eine Medaille zum Duell mit Feng Tianwei. Die Singapur-Chinesin hatte sich überraschend deutlich mit 4:0 gegen die an Position eins gesetzte Weltranglistenerste Chen Meng (China) durchgesetzt. Die beiden letzten Duelle gegen Feng verlor Shan Xiaona bei den China und Hongkong Open. „Das wird ein schweres Spiel. Aber meine Form ist gut.“ Die Bundestrainerin blickt der Partie jedenfalls zuversichtlich entgegen. „Ich hoffe auf einen Sieg.“

Die Einzel mit DTTB-Beteiligung in der Hauptrunde

Herren-Einzel, Viertelfinale
Patrick Franziska – Jeoung Youngsik KOR, Samstag 11.40 Uhr
Timo Boll - Fan Zhendong CHN, Samstag 19 Uhr

Herren-Einzel, Achtelfinale
Patrick Franziska – Lin Gaoyuan CHN 4:1 (5,6,-9,7,9)
Timo Boll - Jun Mizutani JPN 4:3 (-8,9,6,4,-7,-9,10)

Herren-Einzel, 1. Runde (32)
Patrick Franziska – Kirill Gerassimenko KAZ 4:0 (7,5,6,10)
Dimitrij Ovtcharov – Yu Ziyang CHN 3:4 (7,-10,-9,-7,10,6,-8)
Timo Boll – Zhou Qihao CHN 4:2 (9,9,11,-3,-7,4)

Damen-Einzel, Viertelfinale
Shan Xiaona – Feng Tianwei SGP, Samstag 16.30 Uhr

Damen-Einzel, Achtelfinale
Shan Xiaona – Hitomi Sato JPN 4:0 (9,7,7,10)

Damen-Einzel, 1. Runde (32)
Shan Xiaona – Doo Hoi Kem HKG 4:1 (9,10,-9,8,8)
Han Ying – Yang Xiaoxin MON 3:4 (8,-8,4,-9,-5,5,-11)
Petrissa Solja – Jeon Jihee KOR 2:4 (-1,-7,10,6,-7,-15)

Herren-Doppel, Finale
Benedikt Duda/Dang Qiu - Liang Jingkun/Xu Xin CHN, Samstag 20.30 Uhr

Herren-Doppel, Halbfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu - Chen Chien-An/Chuang Chih-Yuan TPE 3:2 (3,11,-8,-8,6)

Herren-Doppel, Viertelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu - Jang Woojin/Jeoung Youngsik KOR 3:1 (-9,8,4,6)

Herren-Doppel, Achtelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu – Ho Kwan Kit/Lam Siu Hang HKG 3:0 (9,13,10)
Timo Boll/Patrick Franziska – Masataka Morizono/Maharu Yoshimura JPN 3:0 (w.o.)

Damen-Doppel, Viertelfinale
Nina Mittelham/Petrissa Solja – Chen Meng/Gu Yuting CHN 0:3 (-6,-9,-8)

Damen-Doppel, Achtelfinale
Nina Mittelham/Petrissa Solja – Orawan Paranang/Suthasini Sawettabut THA 3:2 (7,10,-9,-14,9)

Mixed, Achtelfinale
Patrick Franziska/Petrissa Solja – Tomokazu Harimoto/Hina Hayata JPN 1:3 (8,-10,-10,-9)

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