Timo Boll trifft im Achtelfinale auf Jun Mizutani (Foto: MS)
Patrick Franziska und Shan Xiaona ebenfalls im Einzel noch dabei

German Open: Boll mit letzter Kraft in das Achtelfinale

Marco Steinbrenner 10.10.2019

Bremen. Bei den mit 270.000 Dollar dotierten German Open in Bremen haben drei der sechs Starter des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), die sich für die heutige Hauptrunde qualifiziert hatten, das Achtelfinale erreicht. Timo Boll, Patrick Franziska und Shan Xiaona treffen morgen auf starke Konkurrenz aus Asien. Für Dimitrij Ovtcharov, Han Ying sowie Petrissa Solja sind die Meisterschaften im Einzel dagegen beendet.

Timo Boll und Jun Mizutani im Klassiker / Franziska vor Revanche?

Als Timo Boll gegen 22.30 Uhr die Mixed-Zone in der ÖVB-Arena betrat, sah der 38-Jährige abgekämpft und erschöpft aus. „Ich bin froh, die Partie im sechsten Satz als Sieger beendet zu haben“, verriet Boll. „Meine Kräfte schwanden und die Partie wurde für mich härter und härter.“ Schuld daran war Zhou Qihao aus China, der im Laufe der Begegnung immer stärker wurde. DTTB-Sportdirektor Richard Prause sah ein Duell auf „sehr hohem Niveau, in dem Zhou immer wieder überraschende Bälle spielte. Timo hat durch seine Ruhe und Übersicht das Spiel kontrolliert.“ Der Weltranglistensiebte verriet aufgrund der ausgeglichenen Anfangsphase im ersten Match des Turniers, „dass der Diesel erst einmal warm laufen musste“. Boll sah ein „sehr hochklassiges Spiel. Jetzt bin ich super zufrieden, das Achtelfinale erreicht zu haben.“ Apropos Achtelfinale: Am Freitag um 20.20 Uhr kommt es zum ewig jungen Duell mit Jun Mizutani aus Japan. Der DTTB-Sportdirektor bezeichnet es als „Klassiker“. Für Boll selbst ist es ein Aufeinandertreffen, „das nun gefühlt zum 500. Mal stattfindet. Das wird eine harte Nuss. Ich muss viel arbeiten. Wenn ich so spiele wie heute, kann es sicherlich ein enges Match werden.“ Richard Prause erwartet ein „offenes Spiel. Beide haben sich schon große Duelle geliefert. Die Zuschauer dürfen sich auf eine große Partie freuen.“

Auch Patrick Franziska zog in das Achtelfinale ein. Eine besondere Motivation benötige der Saarbrücker vor seinem Erstrundenspiel gegen Kirill Gerassimenko nicht. „Ich war heiß. Das letzte Spiel in der Liga hatte ich relativ deutlich verloren.“ Der Kasache schlägt sei Saisonbeginn für Werder Bremen auf und hatte deshalb ein Heimspiel. Doch das nutzte dem 22-Jährigen überhaupt nichts. 11:7, 11:5, 11:6 und 12:10 hieß es am Ende für Franziska. „Nach der Mixed-Niederlage am Vormittag hatte ich schon noch einen leichten Hals und wollte unbedingt gewinnen.“ Gesagt, getan. Vom ersten Ballwechsel an präsentierte sich Patrick Franziska äußerst druckvoll. „Ich hatte mir taktisch etwas überlegt“, merkte der 27-Jährige mit einem Augenzwinkern an und bezeichnete sein Spiel als „aggressiv, überlegt und druckvoll. Außerdem habe ich mich gut bewegt.“ Richard Prause schätzte den 4:0-Sieg als „sehr hoch“ ein. In der Runde der letzten 16 trifft Patrick Franziska nun auf Lin Gaoyuan. Vor einer Woche gab es dieses Duell bereits bei den Swedish Open – mit dem besseren Ende für den Chinesen. „Ich war chancenlos. Morgen gehe ich aber trotzdem mit viel Selbstvertrauen in das Spiel.“ Durchaus optimistisch blickt der DTTB-Sportdirektor nach vorne. „Ich traue es Patrick zu, die Partie offen zu gestalten. Wichtig wird sein, dass er an den Sieg glaubt.“

Dimitrij Ovtcharov lässt Chancen im zweiten Satz liegen

Ausgeschieden ist allerdings Dimitrij Ovtcharov, der Yu Ziyang mit 3:4 unterlag - zum zweiten Mal. Ebenfalls in sieben Sätzen hatte der Chinese das Duell bereits im vergangenen Jahr bei den Australian Open für sich entschieden. „Das Teilnehmerfeld ist von der ersten Runde bis zum Finale sehr ausgeglichen“, stellte DTTB-Sportdirektor Richard Prause fest. „Ich habe gegen einen sehr starken Gegner verloren. Das Spiel stand auf einem hohen Niveau“, erkläre Dimitrij Ovtcharov. Mitentscheidend für den Spielausgang, da waren sich Ovtcharov und der DTTB-Sportdirektor einig, sei, nach 9:7-Führung, der mit 10:12 verlorene zweite Satz gewesen. „Das hat mir einen kleinen Knacks gegeben“, sagte der Weltranglistenzwölfte anschließend und ergänzte, „dass ich eine 50:50-Partie verloren habe. Das kann bei dieser sehr starken und ausgeglichenen Konkurrenz passieren.“ Richard Pause sah einen „gut spielenden Dimitrij Ovtcharov, der im zweiten Durchgang seine Chancen nicht optimal genutzt hat“.

Shan Xiaona als einzige Deutsche im Achtelfinale

„Shan Xiaona ist wieder da“, freute sich Bundestrainerin Jie Schöpp für ihren Schützling. Die 36-Jährige setzte sich gegen die Weltranglistenelfte Doo Hoi Kem aus Hongkong mit 4:1 durch. „Der zweite Satz war für das ganze Spiel sehr wichtig“, spielte Shan auf ihre tolle Aufholjagd an. Nach einem 4:10-Rückstand behielt die Penholderspielerin noch mit 12:10 die Oberhand und sorgte für die vorentscheidende 2:0-Führung. „Diesen Satz habe ich mir definitiv geklaut.“ Ein Grund für den souveränen Sieg war schnell gefunden. „Nach meiner Babypause bin inzwischen körperlich wieder fit, und auch der Kopf ist unheimlich gut. Das war auch schon in der Qualifikation am Dienstag und Mittwoch so.“ Schöpp hob die „klare Übersicht im Spiel“ hervor. Als nächste Gegnerin wartet am Freitag um 14.50 Uhr auf die Berlinerin die Japanerin Hitomi Sato, die Nummer 19 der Weltrangliste. „Ich spiele gerne gegen Abwehr und habe gegen sie auch schon zweimal gewonnen. Hoffentlich reicht meine Kondition bis zum Spielende.“

Han Ying unterliegt nach Abwehr von drei Matchbällen

Ihren 4:3-Sieg im Halbfinale der European Games vor gut drei Monaten in Minsk konnte Han Ying gegen Yang Xiaoxin nicht wiederholen. Über 75 Minuten sahen die Zuschauer in der ÖVB-Arena eine umkämpfte Partie, die mit 13:11 im siebten Satz von der Monegassin Yang gewonnen wurde. Im Vergleich zum Aufeinandertreffen in Weißrussland sei Yang Xiaoxin „diesmal im Kopf deutlich stärker gewesen. Außerdem hat sie besser gespielt.“ Yang agierte überwiegend mit ihren kurzen Noppen auf der Rückhandseite. „Durch meinen Schnittwechsel hatte ich überhaupt keinen Vorteil“, musste Han selbstkritisch zugeben. Die Deutsche Meisterin von 2018 befand sich im sechsten Satz schon auf der Verliererstraße, gewann den Durchgang aber noch nach einem 3:5-Rückstand sowie einer Auszeit von Bundestrainerin Jie Schöpp mit 11:5. Im letzten Abschnitt wehrte Han Ying insgesamt drei Matchbälle ab. Doch trotzdem reichte es nicht zum Einzug in das Achtelfinale. „Deshalb bin ich natürlich auch enttäuscht. Ich werde aber aus dieser Niederlage lernen.“

Knappe Niederlage für Petrissa Solja

Die Enttäuschung stand Petrissa Solja förmlich ins Gesicht geschrieben. „Ich wäre gerne morgen noch im Einzel dabei gewesen. Vor deutschem Publikum spiele ich nämlich immer besonders gerne.“ Doch die Südkoreanerin Jeon Jihee hatte im Duell der Weltranglistennachbarinnen - Jeon steht auf 20, Solja die 21 - etwas dagegen und feierte einen 4:2-Sieg. „Meine Gegnerin begann wie die Feuerwehr“, spielte Solja auf das 1:11 und 7:11 an. „Anschließend haben wir die Taktik umgestellt“, berichtete Jie Schöpp. Die Linkshänderin glich zum 2:2 aus. „Am Ende war es ein Spiel auf Augenhöhe“, so die Bundestrainerin weiter. Erfolgreich Revanche für die Niederlage bei der Team-WM vor einem Jahr in Halmstad konnte Petrissa Solja allerdings nicht nehmen. „Meine Gegnerin hat immer direkt mit dem ersten Kontakt im Ballwechsel Gas gegeben und mich so frühzeitig unter Druck gesetzt.“ Ab Durchgang drei spielte die 25-Jährige mehr auf die Vorhand von Jeon Jihee. „So habe ich einige Fehler provozieren können.“ Am Ende reichte es trotzdem nicht zum Einzug in das Achtelfinale.

Die Spiele mit DTTB-Beteiligung am Donnerstag und Freitag

Herren-Einzel, Achtelfinale
Patrick Franziska – Lin Gaoyuan CHN, Freitag 19.30 Uhr
Timo Boll - Jun Mizutani JPN, Freitag 20.20 Uhr

Herren-Einzel, 1. Runde (32)
Patrick Franziska – Kirill Gerassimenko KAZ 4:0 (7,5,6,10)
Dimitrij Ovtcharov – Yu Ziyang CHN 3:4 (7,-10,-9,-7,10,6,-8)
Timo Boll – Zhou Qihao CHN 4:2 (9,9,11,-3,-7,4)

Damen-Einzel, Achtelfinale
Shan Xiaona – Hitomi Sato JPN, Freitag 14.50 Uhr

Damen-Einzel, 1. Runde (32)
Shan Xiaona – Doo Hoi Kem HKG 4:1 (9,10,-9,8,8)
Han Ying – Yang Xiaoxin MON 3:4 (8,-8,4,-9,-5,5,-11)
Petrissa Solja – Jeon Jihee KOR 2:4 (-1,-7,10,6,-7,-15)

Herren-Doppel, Viertelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu - Jang Woojin/Jeoung Youngsik KOR, Freitag 12 Uhr
Timo Boll/Patrick Franziska - Fan Zhendong/Lin Gaoyuan CHN, Freitag 12 Uhr

Herren-Doppel, Achtelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu – Ho Kwan Kit/Lam Siu Hang HKG 3:0 (9,13,10)
Timo Boll/Patrick Franziska – Masataka Morizono/Maharu Yoshimura JPN 3:0 (w.o.)

Damen-Doppel, Viertelfinale
Nina Mittelham/Petrissa Solja – Chen Meng/Gu Yuting CHN, Freitag 11.20 Uhr

Damen-Doppel, Achtelfinale
Nina Mittelham/Petrissa Solja – Orawan Paranang/Suthasini Sawettabut THA 3:2 (7,10,-9,-14,9)

Mixed, Achtelfinale
Patrick Franziska/Petrissa Solja – Tomokazu Harimoto/Hina Hayata JPN 1:3 (8,-10,-10,-9)

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