Timo Boll (Foto: ITTF)
Das Teilnehmerfeld der vom Weltverband ITTF geplanten Turnierserie #RESTART bleibt vorerst offen

Gute Idee kollidiert mit vertraglichen Verpflichtungen

MS 08.09.2020

Frankfurt/Main. Das Teilnehmerfeld der vom Weltverband ITTF geplanten Turnierserie #RESTART bleibt vorerst offen. In einem in Teilen öffentlich gewordenen Schreiben an die Verantwortlichen des Weltverbandes verweisen eine Reihe von Tischtennis-Profis verschiedener Nationalverbände u.a. auf unvereinbare Terminkollisionen. Eines der im November in China gebündelten Topevents ist der LIEBHERR Men’s Word Cup, den der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) und die Sportstadt Düsseldorf am Freitag auf Wunsch der ITTF zurückgaben. Das Turnier hatte ursprünglich vom 16. bis 18. Oktober im ISS DOME stattfinden sollen.

Die Profis, darunter Rekord-Europameister Timo Boll, begrüßen grundsätzlich die Initiative des Weltverbandes für eine Rückkehr zu den Topevents. Der Weltverband hatte am Freitag die Ausrichtung unter anderem der beiden World-Cup-Turniere und der Grand Finals innerhalb einer #RESTART-Serie im gesamten November an einem noch nicht genannten Veranstaltungsort verkündet. Verbunden wäre die Teilnahme für die Athleten allerdings mit einem Reisezeitraum von sechs bis acht Wochen, sollte zusätzlich zur Einreise auch bei der Rückkehr eine zweiwöchige Quarantäne nötig werden.

Boll: „Dafür würde viel Zeit draufgehen“

Diesen Zeitraum sehen die im Wesentlichen in Europa beheimateten Athleten jedoch als derzeit unvereinbar mit den vertraglichen Verpflichtungen für ihre Vereine und Sponsoren an, abgesehen von der grundsätzlichen Reiseproblematik und gesundheitlichen Bedenken in Pandemiezeiten. Die bereits für den World Cup qualifizierten bzw. in Frage kommenden Spieler hatten das Turnier in ihren Terminkalendern eingeplant, allerdings zum regulären Oktober-Termin, nicht im November und als Teil einer mehrwöchigen Veranstaltungsreihe.

Rekord-Europameister Timo Boll äußerte sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) u.a. auch zu dieser Thematik: „Der Weltverband hat uns Spieler mehrfach gefragt, ob wir uns vorstellen könnten - ähnlich wie die NBA im Basketball - für einige Wochen in einer Art Blase zusammenzukommen. Das heißt, uns in einem Hotel mit angeschlossener Halle zu treffen und dort einige Turniere auszutragen. Ich persönlich war da eher skeptisch. Zum einen beginnt jetzt bei uns die Bundesliga, was eine solche ‚Bubble‘ allein aus Vereinssicht schon einmal schwierig machen würde. Außerdem würde das eventuell bedeuten, dort vor Ort in Quarantäne zu müssen und danach wieder hier vor Ort in Quarantäne zu müssen. Dafür würde viel Zeit draufgehen. Aber klar: Jeder macht sich Gedanken, wie man etwas ausrichten und von dem ursprünglichen Turnierplan retten könnte. Das werden noch spannende Zeiten.“ Eine Besorgnis der Athleten ist die Behandlung der Weltranglistenpunkte. Bei einer Nichtteilnahme der Spieler an Weltpokal und Grand Finals ist laut Regelwerk im Normalfall der Abzug von Punkten aus dem Jahr 2019 fällig. Die Athleten bitten die ITTF, dies jedoch aufgrund der bestehenden Ausnahmesituation noch einmal zu überdenken.

Der Deutsche Tischtennis-Bund hofft auf eine baldige einvernehmliche Lösung zwischen Spielern und ITTF, wie DTTB-Präsident Michael Geiger unterstreicht: „Die Initiative der ITTF mit der Zusammenfassung von Top-Events zur Rückkehrung mit Spitzensport in den Medien ist im Kern ein begrüßenswerter Ansatz. Deshalb haben wir auf Wunsch der ITTF den LIEBHERR Men’s World Cup 2020 zurückgegeben.“ Der DTTB  hätte gerne eine Lösung mit mehreren ITTF-Events in Deutschland gesehen, dies sei  aber aus verschiedenen Gründen in der von der ITTF vorgegebenen Form nicht umsetzbar gewesen. Es sei wichtig, so Geiger weiter, dass ITTF-Veranstaltung durchgeführt würden, gleichzeitig wünsche sich der DTTB die Berücksichtigung der berechtigten Interessen von Bundesliga- und Champions-League-Vereinen. „Die Entscheidung, ob ein Spieler an einem Turnier teilnimmt, bleibt unter den besonderen Umständen der Pandemie immer eine sehr individuelle, die jeder Ausrichter respektieren muss. Wir hoffen, dass ITTF und Spieler über noch offene Fragen bald Einvernehmen erzielen“, erklärte Michael Geiger.

Petrissa Solja qualifiziert

Als einzige deutsche Dame ist Petrissa Solja für World Cup und Bubble-Event qualifiziert, hatte zu Jahresbeginn das Europe Top 16 gewonnen und ist die aktuelle Nummer 20 der Welt. Sie ist für die China-Serie gemeldet, die Sportsoldatin wartet aber noch auf die offizielle Freistellung von einem parallel laufenden Bundeswehr-Lehrgang. Solja hat für ihren Bundesliga-Klub TSV Langstadt keine Champions-League-Verpflichtung.


Links

Liebherr Men's World Cup 2020 zieht von Düsseldorf nach China um

dpa-Interview mit Timo Boll: "Tischtennis-Star Boll: Das hat an mir gezehrt"

ITTF thanks Germany in time of need

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