Dachau/Weil am Rhein. Packende Partien gab es auch am Sonntag in der 1. Bundesliga Damen. Die bayerischen Mannschaften mussten mächtig kämpfen, bis ihre richtungsweisenden Siege unter Dach und Fach waren. Nach Kolbermoor am Freitag, konnte auch Dachau das Team aus Bingen knapp mit 6:4 auf Distanz halten – es war eng und umkämpft, obwohl der Gastgeber, der mit diesem Sieg die Play-offs sicher in der Tasche hat, sogar wieder die zuletzt angeschlagene Sabine Winter einsetzte. In Weil am Rhein angelte sich Kolbermoor zwei wichtige Punkte im Kampf um die Play-offs, doch es war viel spannender, als das nackte Ergebnis vermuten lässt.
Alles in allem ein sehr gutes Wochenende für die beiden bayerischen Teams, die jeweils zwei Siege einfahren konnten, dafür aber hart arbeiten mussten. Dem Tabellenzweiten Dachau, der nur noch eine Hauptrundenpartie auszutragen hat, ist der Halbfinalplatz nicht mehr zu nehmen. Zwar könnten in grauer Theorie noch vier Teams vor den Dachauerinnen landen, doch die haben alle noch reichlich Spiele vor der Brust und werden sich folglich zwangsläufig noch Punkte gegenseitig abknöpfen. Somit stehen mit Berlin, das ganz oben einsam seine Kreise zieht, und Dachau die ersten beiden Halbfinalisten fest. Kolbermoor, das vor drei Wochen das tolle Pokalturnier ausgerichtet und im Halbfinale gegen Berlin gezeigt hat, welche Substanz in der Mannschaft steckt, konnte das Punktekonto ausgleichen und seine Play-off-Chance wahren.
Für Bingen und Weil lief es dagegen eher unglücklich, beide spielten nicht schlecht, gingen jedoch komplett leer aus. Für die Rheinhessen ist der Play-off-Zug so gut wie abgefahren, dennoch konnten sie die Hallen nach zwei knappen Niederlagen und reichlich Gegenwehr erhobenen Hauptes verlassen. Es läuft nun fast alles auf einen Zweikampf zwischen Kolbermoor und Weinheim um den vierten Play-off-Platz hinaus.
Für Schlusslicht Weil war das Erreichen der Halbfinals ohnehin schon vor dem Wochenende illusorisch. Dennoch hatte man sich einiges vorgenommen und wollte zeigen, was man wirklich kann. Doch dies funktionierte nicht wie erhofft – vor allem die Nerven spielten nicht mit.
TSV Dachau 65 – TTG Bingen Münster-Sarmsheim 6:4
Die Oberbayern waren gut von ihrer erfolgreichen Weil-Tour zurückgekehrt und warteten gegen Bingen, das unter Siegzwang stand und um seine vermutlich letzte Play-off-Chance kämpfte, mit einer auf zwei Positionen veränderten Aufstellung auf. Sabine Winter stand tatsächlich wieder am Tisch und ihr Team konnte sie gegen vor allem in den Einzeln starke, gleichwertige Rheinhessinnen sehr gut gebrauchen. Sie machte nämlich ihre Sache mit zwei Einzelsiegen (3:1 gegen Shi Qi, 3:0 gegen Lea Rakovac) und einem Erfolg im Doppel mit Dora Cosic (3:1 gegen Rakovac/Elena Kuzmina) gewohnt gut. Für die 33-jährige deutsche Ausnahmespielerin, die zweimal angeschlagen ausgesetzt hatte, ein gelungener Belastungstest vor dem Top 16 in Montreux.
Und dann ging auch Naomi Pranjkovic in die Box, während aus dem Aufgebot vom Samstag die junge Koharu Itagaki pausierte. Auch dies kein schlechter Schachzug, da Pranjkovic zwei Punkte beisteuern konnte. Zunächst sorgte sie an der Seite von Seoyoung Byun beim glatten 3:0 über das Bingener Duo Karolina Mynarova/Qi Shi dafür, dass ihr Team das letztlich spielentscheidende 2:0 in den Doppel vorlegen konnte, am Ende stand die 21-jährige Rosenheimerin im Schlusseinzel gegen Karolina Mynarova am Tisch, konnte zwar nicht verhindern, dass ihre Gegnerin einen 0:2-Satzrückstand egalisierte, hatte dann aber im fünften Durchgang mit 11:6 die Nase vorn und tütete den siebten Dachauer Saisonsieg ein. Zuvor hatte Pranjkovic gegen Bingens erneut sehr starke Russin Elena Kuzmina glatt den kürzeren gezogen.
Dann hätten wir die 20-jährige Kroatin Dora Cosic zu nennen, die schon in Weil dabei war und sich in kürzester Zeit als gute Bundesligaspielerin entpuppt hat und – nach dem Bingen-Spiel – mit einer rundum überzeugenden Einzelbilanz von 9:3 gelistet ist. Cosic musste zwar Kuzmina nach einer 2:3-Niederlage gratulieren, hatte zuvor aber Mynarova trotz eines 0:2-Satzrückstands noch bezwingen können.
Einzig Seoyoung Byun wurde diesmal den hohen Erwartungen - bei einer 15:1-Bilanz vor der Partie logisch - nicht gerecht. Die Südkoreanerin fand nicht in ihren unwiderstehlichen Defensivrhythmus und musste sowohl Lea Rakovac (0:3) als auch Shi Qi (1:3) gratulieren. Byun wirkte etwas müde und nicht so fokussiert wie sonst, ihre Gegnerinnen spielten aber auch wirklich gut. Es zeigt, dass man auch als Ausnahmespielerin in dieser Liga stets auf der Hut sein muss und höchste Konzentration braucht, um erfolgreich zu sein.
Das Quartett aus Bingen musste sich keinen Vorwurf machen: Elena Kuzmina spielte richtig stark, ihre Einzelbilanz von nun 10:3 spricht Bände, Lea Rakovac und Shi Qi zeigten gutes Tischtennis, nur Karolina Mynarova konnte sich, obwohl mit ihren Gegnerinnen auf Augenhöhe, wieder einmal nicht belohnen und unterlag zweimal knapp.
„Und wieder ein Sieg, über den ich mich sehr freue. Es war für uns sehr wichtig, dass wir an diesem Wochenende vier Punkte geholt haben“, freute sich Dachaus Trainer Alexander Yahmed. „Heute gegen Bingen war es wieder mal ein super knappes Spiel. Entscheidend war wohl, dass wir beide Doppel gewonnen haben. Mit etwas Pech hätte es durchaus auch ein 5:5 werden können.“
Bingens „Chef am Rande der Bande“, Peter Engel, konnte seinen Spielerinnen keinen Vorwurf machen. Nachfolgend seine komplette Spielanalyse: „In beiden Doppeln waren wir eigentlich chancenlos. Danach Shi Qi gegen Sabine - 3:1 für Sabine, wobei Shi Qi sich gute Chancen erarbeitet hat, die sie aber ungenutzt ließ. Lea 3:0 gegen Byun. Das war vielleicht Leas beste Saisonleistung. Bei Byun merkte man die Müdigkeit des Spieles gegen Weil, dennoch ist die Leistung von Lea hervorzuheben, da sie das gleiche Niveau vom ersten bis zum letzten Ball durchgehalten hat. Am hinteren Paarkreuz Mynarova mit einem überraschenden Erfolg gegen Cosic. Der Erfolg von Kuzmina gegen Prankovic war dagegen zu erwarten. Rakovac hatte danach wenig auszurichten gegen Winter, dafür hat Shi Qi überraschend gegen Byun gewonnen, die allerdings einen eher müden Eindruck machte. Eine trotzdem gute Leistung Shi Qi's. Kuzmina mit nochmals solider Vorstellung gegen Cosic. Leider konnte Mynarova ihre 10:8-Führung aus dem ersten Satz nicht nutzen gegen Prankovic, damit hatte sich Naomi frei gespielt und konnte diese Niveau auch bis zum Schluß durchhalten obwohl Karolina sich redlich bemühte. Damit waren wir erneut knapp unterlegen und fahren mit leeren Händen zurück.“
TTG-Sportvorstand Joachim Lautebach merkte an: „Vom Glück her ist unsere Mannschaft zurzeit nicht wirklich begünstigt. Gegen Dachau, das heute nahezu in Bestbesetzung angetreten war, wäre genauso wie gegen Kolbermoor durchaus ein Unentschieden möglich gewesen. Trotzdem hat unsere Mannschaft alles gegeben, gekämpft und gute Spiele gezeigt. Schade, dass sie dafür nicht belohnt wurde. Natürlich wird es jetzt schwierig, noch einen Play-off-Platz zu erreichen.“
ESV Weil - SV DJK Kolbermoor 2:6
Es war schon kurios: Erneut konnte der ESV kein einziges Fünfsatz-Spiel siegreich gestalten, diesmal waren es aber „nur“ vier. Somit gingen für Hursey und Co. am Wochenende insgesamt neun Matches mit 2:3 verloren – das zehnte 2:3 war bereits gespielt, kam aber nicht mehr in die Wertung. Man hatte sich fest vorgenommen, nach dem unglücklichen 3:6 gegen Dachau am Vortag alles besser zu machen und gerade in den engen Matches hoch fokussiert zu bleiben, doch genau das klappte abermals nicht.
Somit bleibt das Tabellenschlusslicht aus dem südbadischen Dreiländereck mit nur zwei Zählern auf der Habenseite unter Wert notiert, hat noch zwei Partien zu absolvieren - am 14. Februar bietet sich in Langstadt die vorletzte Chance zu punkten -, und hofft natürlich auf eine wesentlich bessere Saison 2026/27.
Betrachtet man die Einzelbilanzen, konnte nur Anna Hursey die Erwartungen bisher erfüllen, wobei man der jungen Waliserin schon jetzt mehr zugetraut hatte als „nur“ ein 8:6. Wir wollen auch nicht verschweigen, dass das Doppel Ievgeniia Sozoniuk/Lea Lachenmayer (4:1) sehr gut harmoniert. Doch alles in allem eben zu wenig, um vom Tabellenende wegzukommen.
Doch zurück zum Kolbermoor-Spiel und dem Weiler Fünfsatz-Trauma: Diesmal begann es mit dem Doppel Anna Hursey/Kornelija Riliskyte, das gegen Huang Yu-Chiao/Tijana Jokic im Entscheidungssatz das Nachsehen hatte – mit 4:11 allerdings dann deutlich. Am Nachbartisch hatten Ievgeniia Sozoniuk/Lea Lachenmayer allerdings gepunktet (3:1 gegen Annett Kaufmann/Alina Zavarykina). Doch beiben wir bei den 2:3-Niederlagen: In den Einzeln war zum Beispiel Spitzenspielerin Anna Hursey betroffen, die der inzwischen gut in Kolbermoor akklimatisierten Taiwanerin Huang Yu-Chiao trotz zwischenzeitlicher 2:1-Satzführung nach dem fünften Durchgang gratulieren musste. Lea Lachenmayer erging es kaum anders. Die Abwehrstrategin schaffte es zwar nach einer Verletzungsunterbrechung gegen Tijana Jokic in den fünften Satz, zog da aber gegen die Serbin mit 9:11 den Kürzeren. Ihr letztes Einzel hätte Lachenmayer ebenso mit 2:3 verloren, doch gelangte ihre knappe Niederlage gegen Alina Zavarykina – nach 2:0-Satzführung für die Weilerin - nicht mehr in die Wertung, da Huang Yu-Ciao am Nachbartisch gerade den Kolbermoorer Sieg perfekt gemacht hatte – natürlich durch einen 3:2-Erfolg, Ievgeniia Sozoniuk fehlte das entscheidende Quäntchen Glück beim 9:11, 10:12, 11:6, 11:9, 9:11.
Nur gegen die glänzend aufgelegte Annett Kaufmann (Einzelbilanz nunmehr 14:4) kamen die Weiler Asse nicht annähernd in die Nähe des Entscheidungssatzes. Sozoniuk konnte immerhin einen Satz ergattern, doch Anna Hursey ging im Spitzeneinzel mit 4:11, 3:11, 5:11 regelrecht unter – so deutlich hatte das keiner erwartet.
Weils „Chefin“ Doris Spiess war ein wenig ratlos: „Es ist unglaublich. Wir können keine Fünfsatzspiele mehr gewinnen. Warum auch immer. Dabei wollten es alle heute besser machen. Die zahlreichen Zuschauer kamen trotzdem auf ihre Kosten und haben tolle Spiele gesehen.“ Die Spielanalyse der Abteilungsleiterin: „Leider hat Anna [Hursey] heute auch nicht zu ihrer Form gefunden, wobei es natürlich gegen Anett Kaufmann immer schwierig ist. Aber auch Yu-Chiao Huang war sehr schwer zu spielen. Ievgeniia [Sozoniuk] hat zwar gut gespielt und gekämpft, musste aber die Überlegenheit der Kolbermoorer Spitzenspielerinnen anerkennen. Ohne einen Punkt im vorderen Paarkreuz ist es kaum möglich, ein Spiel zu gewinnen. Und wenn es schon nicht läuft, kommt auch noch Pech dazu. Lea [Lachenmayer] hatte sich im ersten Spiel verletzt, konnte zwar weiterspielen, war aber in ihrer Bewegungsfreiheit doch eingeschränkt und konnte so ihre unangenehmen Angriffsbälle nicht spielen. Dafür konnte Kornelija [Riliskyte] überzeugen mit einem am Ende doch deutlichen Sieg über Alina Zavarykina.“
Der SV DJK Kolbermoor hat noch drei Partien in der Punktrunde zu absolvieren – und die haben es alle in sich und sind richtig schwer. Die leichteste vielleicht noch die Begegnung am 12.04. in eigener Halle gegen Langstadt. Doch zuvor muss man in Berlin (01.03.) und Weinheim (15.03.) an die Tische. Und das Spiel beim amtierenden Meister dürfte eine Art Endspiel um den vierten Play-off-Platz werden. Es zeigt sich also, wie wichtig das zurückliegende Vier-Punkte-Wochenende für die Oberbayern war, um in der „Verlosung“ zu bleiben.
Co-Trainer Florian Wiesener zeigte sich aufgrund der Vier-Punkte-Ausbeute des Wochenendes, aber auch aufgrund der spielerischen Leistungen sowie des guten Team-Spirits sehr zufrieden: „Insgesamt war es ein gelungenes Wochenende für uns und erneut eine starke Teamleistung. Auch heute war es wieder umkämpft - entscheidend war, dass wir uns alle engen Spiele sichern konnten.“ Wiesner ging die einzelnen Positionen durch: „Annett [Kaufmann] präsentierte sich auch in dieser Partie auf hohem Niveau. Besonders gegen Anna Hursey dominierte sie das Geschehen und gewann verdient und deutlich. Im oberen Paarkreuz blieb auch Yu-Chiao in beiden Einzeln ungeschlagen. Sowohl gegen Ievgeniia Sozoniuk als auch gegen Anna Hursey entwickelten sich intensive und spannende Spiele mit hochklassigen Ballwechseln, in denen sie ihre Nervenstärke unter Beweis stellte und jeweils im Entscheidungssatz die Oberhand behielt. Tijana [Jokic] erwischte gegen Lea Lachenmayer einen sehr guten Start und bestimmte zunächst das Geschehen. Nach dem Medical Time-out von Lea vor dem vierten Satz veränderte sich das Spiel jedoch spürbar und stellte Tijana vor Probleme. Dennoch gelang es ihr, sich erneut zu stabilisieren und das Spiel am Ende für sich zu entscheiden. Alina [Zavarykina] zeigte sich im ersten Einzel noch etwas nervös, konnte sich im weiteren Verlauf jedoch steigern. Im zweiten Einzel gegen Lea kämpfte sie sich nach einem 0:2-Rückstand eindrucksvoll zurück und konnte die Partie noch gewinnen – auch wenn dieses Spiel nicht mehr in die Gesamtwertung einging.“
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