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Langstadts Doppel - hier Petrissa Solja und Chantal Mantz - zählen zu den Besten der Liga, doch auch Halbfinal-Gegner Kolbermoor glänzte zuletzt mit starken Doppeln (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Berlin Favorit gegen Weil, Langstadt und Kolbermoor auf Augenhöhe erwartet

Halbfinal-Play-offs an Ostern

Dr. Stephan Roscher 15.04.2022

Kolbermoor. Es geht Schlag auf Schlag. Am Dienstag erst endete die erste Play-off-Runde mit dem dritten Remis im Bayern-Derby, tags zuvor war Böblingen hauchdünn ausgeschieden – die Sieger Kolbermoor und Weil standen erst nach jeweils drei echten Krimis fest – und nun liegen bereits die Halbfinals vor uns. Sofern nicht wieder Entscheidungsspiele fällig werden, könnten über Ostern die beiden Finalisten um die Deutsche Meisterschaft ermittelt werden. Gespielt wird jeweils am kommenden Samstag sowie am Ostermontag vor sicher guter Kulisse. Während Titelverteidiger ttc berlin eastside als klarer Favorit gegen den ESV Weil ins Rennen geht, erwartet man enge, packende Duelle zwischen dem TSV Langstadt und dem SV DJK Kolbermoor.

 

Samstag, 12.00 Uhr: SV DJK Kolbermoor – TSV Langstadt

Montag, 14.00 Uhr: TSV Langstadt – SV DJK Kolbermoor

Mit Kolbermoor, das im Bayern-Derby gegen Schwabhausen dreimal 5:5 spielte und aufgrund des besseren Satzverhältnisses in der letzten Begegnung weiterkam, hat der TSV Langstadt einen sehr starken Gegner erwischt. Der Ligazweite aus Südhessen steht vor einer ganz kniffligen Aufgabe, möchte aber die erste Endspielteilnahme der Vereinsgeschichte in der Meisterschaft perfekt machen.

Im Gegensatz zur mäßigen Punktrunde scheinen die Oberbayern jetzt erst richtig in Schwung gekommen zu sein. Gegen Schwabhausen zeigten sie dreimal phasenweise grandioses Tischtennis und legten jeweils los wie die Feuerwehr, auch wenn sie den Sack nie so ganz zumachen konnten. Im ersten Spiel führten sie mit 4:2, im zweiten gar mit 5:0 und im dritten mit 5:1 – und dennoch kam es jedes Mal noch zum Remis. Die Doppel waren top (5:1) und Spitzenspielerin Kristin Lang, die mit Sabine Winter gleich dreimal die beste Spielerin der Punktrunde besiegte, präsentierte sich in Galaform. Yuan Wan wurde von Spiel zu Spiel stärker, Svetlana Ganina agierte gewohnt sicher und selbst das 17-jährige „Nesthäkchen“ Naomi Pranjkovic war am Ende bärenstark.

Da kommt ein richtiges Pfund auf Solja und Co. bei der doppelten, womöglich auch dreifachen Neuauflage des Pokalfinales vom Januar zu. Schon in der Saison 2020/21 stand man sich in den Halbfinals gegenüber, da hatte Kolbermoor, damals noch mit Fu Yu, das Heft klar in der Hand. Man möchte keine Wetten abschließen, ob der Spätstarter aus Bayern oder der TSV diesmal das Rennen macht, die konstanteste aller Bundesligamannschaften, was den praktisch immer komplett zusammenspielenden Kader betrifft. Zudem ist man als einziges Team der Liga in der Runde ungeschlagen geblieben, ein Nimbus, den man zu gerne auch in den Halbfinals bewahren möchte.

Auch gegen Kolbermoor wird man wieder die Weltranglisten-19. Petrissa Solja, mit einer Ligabilanz von 21:4 schon die ganze Zeit in Topform, sowie die bewährte, überaus ausgeglichene Crew aus Chantal Mantz, Tanja Krämer und Franziska Schreiner ins Rennen schicken. Es beginnt alles bei null, dass der TSV den Deutschen Meister des Jahres 2018 und vormaligen Angstgegner in beiden Ligaspielen bezwingen konnte (6:2 und 6:4), ist ebenso Schnee von gestern wie die Finalniederlage im Pokal, bei der die Bayern allerdings durch Georgina Pota verstärkt waren.

„Wir sind ungeschlagen durch die Saison gekommen“, so Langstadt Sportlicher Leiter, Manfred Kämmerer, im Vorfeld der Duelle. „Jetzt gilt es, diese Form in die Play-offs zu übertragen.“ Ob die zwei Siege gegen Kolbermoor nach Jahren ohne Erfolgserlebnis ein gutes Omen seien, werde sich in den Halbfinalspielen zeigen. Kämmerer betont: „Mit den Play-offs fängt die Saison quasi wieder bei null an. Das hat Kolbermoor als Sechstplatzierter gegen den Drittplatzierten Schwabhausen gezeigt. Doch wir haben allen Grund, mit sehr viel Selbstvertrauen anzutreten.“

Dennoch könnte es sehr eng und überaus spannend werden, zumal Kolbermoor nach dem Viertelfinal-Thriller gegen Schwabhausen nun richtig „warmgespielt“ ist und mit dem Erfolgserlebnis im Rücken selbstbewusst an die Tische gehen wird, während Langstadt einen Monat pausiert hat und erst wieder hineinfinden muss.

„Die Mannschaft hat auf jeden Fall gegen Schwabhausen eine Top-Leistung gebracht und ich hoffe, dass wir da auch gegen Langstadt anknüpfen können“, sagt Kolbermoors Trainer Michael Fuchs. „Langstadt ist eine kompakte Mannschaft mit zwei eingespielten Doppeln. Gerade deshalb müssen alle wieder auf höchstem Niveau spielen, damit wir eine Chance auf einen Sieg haben.“ Die Favoritenrolle sieht Fuchs beim Gegner: „Langstadt geht als Zweiter der Hauptrunde und somit als Favorit in das Halbfinale. Wir hoffen aber, dass wir ebenso wie gegen Schwabhausen für eine Überraschung sorgen können. Wir haben auf jeden Fall etwas Selbstvertrauen in den letzten drei Spielen tanken können.“

Am Ostersamstag wird zuerst in Kolbermoor gespielt, bevor es am Montag in der Langstädter Eckehard-Colmar-Halle vor gewiss stimmungsvoller Kulisse weitergeht. Ein mögliches drittes Spiel würde am Dienstag um 19 Uhr wiederum in Langstadt ausgetragen. Dazu käme es, wenn jedes Team eine Partie gewinnen würde, unabhängig von der Höhe des Ergebnisses.

 

Samstag, 17.00 Uhr: ESV Weil – ttc berlin eastside

Montag, 13.00 Uhr: ttc berlin eastside – ESV Weil

Die Wege der Südbadenerinnen und des Hauptstadtklubs kreuzen sich gar nicht so selten, wenn es in entscheidende Saisonphasen geht. Schon letzte Saison stand man sich in den Play-off-Halbfinals gegenüber, da gab es zwei Kantersiege für den ttc eastside (8:0 und 7:1). Und im Halbfinale des letztjährigen Pokal-Final-Four war auch Endstation für den ESV, als es 0:3 gegen Shan und Co. hieß. In der Punktrunde der aktuellen Saison endete das Hinspiel in Berlin 6:1 und das Rückspiel in Weil 6:3 für den hohen Favoriten. Das Team aus dem Dreiländereck spielt fürgewöhnlich stark auf und bewerkstelligt auch gerne den einen oder anderen Favoritensturz, doch wenn man dann auf den europäischen Spitzenklub aus der Hauptstadt trifft, zieht dieser stets ziemlich humorlos sein Ding durch und sorgt für klare Verhältnisse. Doch es zählt – eine Binsenweisheit – im Sport immer das Hier und Jetzt, die Vergangenheit ist wertlos und liefert lediglich hier und da Anhaltspunkte.

Dass die Weilerinnen überhaupt wieder so weit gekommen sind und – nach dem tollen vierten Platz in der Punktrunde mit positivem Punktverhältnis – sich erneut unter den besten Vier tummeln und einmal mehr den Rekordmeister herausfordern dürfen, bewertet man am Rhein bereits als großen Erfolg. Selbstverständlich war das sicher nicht, hatten doch manche nach der tollen Debütsaison im Oberhaus erwartet, dass der ESV sich im verflixten zweiten Jahr schwertun und im Abstiegskampf wiederfinden würde. Weit gefehlt, das ausgeglichen besetzte Team schlug sich erneut prächtig und hatte zudem mit der Verpflichtung der jungen Kroatin Hana Arapovic ein glückliches Händchen bewiesen, die auf Anhieb im hinteren Paarkreuz zur Bank wurde.

In der ersten Play-off-Runde mussten die Weiler Asse allerdings tief durchatmen, um sich gegen starke Böblingerinnen hauchdünn durchzusetzen – dass man es letztlich aber schaffte, zeugt von der nervlichen Stabilität der Truppe aus Südbaden. Nach einem überzeugenden 6:3 in Böblingen und einem weniger überzeugenden 3:6 zwei Tage später in eigener Halle stand es im Entscheidungsspiel 4:5 und 9:9 im abschließenden Match zwischen Vivien Scholz und Alexandra Kaufmann, die einen 4:9-Rückstand furios egalisiert hatte. Zwei Bälle mussten nun über den Einzug ins Halbfinale entscheiden – und die verwertete eben Scholz. 

Der ttc berlin eastside wurde in dieser Saison bisher nicht gerade von der Glücksgöttin begleitet. Mit einer wahnsinnig starken Mannschaft unterwegs, musste man dennoch zwei Enttäuschungen hinnehmen. Zunächst traf man im Halbfinale des Pokal-Final-Four auf einen über sich hinauswachsenden TSV Langstadt und hatte knapp das Nachsehen. Und in der Champions League, von Hause aus das wichtigste Saisonziel für die Berliner, wurde der anvisierte sechste Titelgewinn knapp verpasst. Nach dem souveränen Einzug ins Endspiel traf man dort mit dem polnischen Topklub Tarnobrzeg auf einen gleichwertigen Gegner und verlor zweimal mit 2:3. Die sonst so zuverlässige Shan Xiaona spielte ausgerechnet in den beiden Endspielen etwas unglücklich und ging komplett leer aus, was denn auch eine bärenstarke Nina Mittelham nicht kompensieren konnte. Nun bleibt also nur die Titelverteidigung in der Meisterschaft – und das will der Erste der Punktrunde nun durchziehen, ohne Wenn und Aber. Keine Kompromisse, so lautet die Devise. Der ESV Weil soll es als Erster zu spüren bekommen.

„Das Erreichen des Halbfinales war für uns eine Zugabe zu einer überaus erfolgreichen Saison. Wir gehen deshalb auch ohne große Erwartungen in die beiden Spiele“, stellt Weils Abteilungsleiterin Doris Spiess klar. „Natürlich wollen wir alles geben, um es den Berlinern so schwer wie möglich zu machen. Wir wollen unseren Fans und den Zuschauern auf jeden Fall gegen Berlin gutes Tischtennis zeigen und wenn dabei etwas Zählbares herauskommen würde, umso besser. Aber realistisch gesehen sind wir natürlich krasser Außenseiter.“

Berlins Manager Andreas Hain macht es dagegen – zumindest in seinem Statement – ganz kurz und schmerzlos: „Wir wollen schnell alles klar machen und das Finale erreichen.“ So dürfte es denn vermutlich auch kommen, dennoch wollen die Weilerinnen auch diesem Hochkaräter endlich einmal das Leben etwas schwerer machen und so lange wie möglich dagegenhalten. Man wird sehen, ob das gelingt, da der ttc eastside aller Wahrscheinlichkeit nach mit vier europäischen Topspielerinnen an die Tische gehen wird.

Livestream Rückspiel am Montag, 13 Uhr, in Berlin auf Sportdeutschland.tv

 

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