Er kann es einfach immer noch: Timo Boll (Foto: MS)
Ovtcharov scheitert an Tomislav Pucar, für Franziska ist Lee Sangsu eine kleine Nummer zu groß

Im Einzel muss Boll es alleine richten

SH 24.04.2019

Budapest. Im Einzel muss es bei den 55. Weltmeisterschaften in Budapest einmal mehr Timo Boll richten. Der Rekord-Europameister ist der letzte Deutsche, aber immerhin einer von vier Europäern, die in diesem Wettbewerb noch im Turnier stehen. Die Art, wie Boll sein Drittrunden-Spiel am Mittwoch gewonnen hat, war beeindruckend.

Ein Außenstehender konnte annehmen, dass Masataka Morizono fast froh war, als dieses Spiel endete. Egal, was die Nummer 45 der Welt aus Japan in der dritten Runde der Weltmeisterschaften in Budapest auch probierte, Timo Boll hatte die bessere Antwort. "Meine Rückhand ist heute sehr gut gekommen, und ich habe mich in den Ballwechseln gut bewegt, obwohl er Spin-Spin sehr gut spielt", erklärte Boll seinen ungefährdeten 4:0-Erfolg. "Ich habe die Baustellen der vergangenen Wochen etwas behoben." Das lässt die Fans des Rekord-Europameisters hoffen, steht Boll doch als letzter Deutscher im Einzelwettbewerb im Achtelfinale. Dort trifft er am Donnerstag auf Jang Woojin. Der Weltranglisten-Zehnte aus Südkorea gab sich gegen den Dänen Jonathan Groth keine Blöße.

Ovtcharov und Franziska in Runde drei ausgeschieden

Am Dienstagabend hatte er schon gewackelt, am Mittwoch ist er dann gefallen, der Weltranglistenzwölfte. Dimitrij Ovtcharov ist bei der WM vorzeitig ausgeschieden. Der World-Cup-Sieger von 2017 unterlag in der dritten Runde Kroatiens Spitzenspieler Tomislav Pucar in sieben umkämpften Sätzen. "Er hat mehr riskiert, gut gespielt und am Ende verdient gewonnen", bilanzierte Ovtcharov. "In den Sätzen zwei und vier habe ich clever gespielt und mich am Leben gehalten. Im sechsten Satz war ich bei 4:2-Punkten am Drücker." Nach seiner langen Verletzungspause in 2018 ist Ovtcharov immer noch auf dem Weg zurück an die absolute Weltspitze. "Mir fehlt einfach noch die Konstanz, aber was dafür genau fehlt, dafür habe ich jetzt noch keine Lösung", grübelte er.

Die Klasse des 23-jährigen Halbfinalisten der diesjährigen Oman Open, Pucar, der aktuell die Nummer 58 der Weltrangliste ist, hatten in den Runden zuvor schon Ovtcharovs Nationalteamkollege Bastian Steger und Indiens Topmann Sharath Kamal Achanta zu spüren bekommen. Für den Fuldaer TTBL-Akteur Pucar ist der Einzug ins WM-Achtelfinale nach dem Titelgewinn bei der U21-EM 2017 der größte Erfolg in seiner noch jungen Karriere. Am Donnerstag trifft er auf Koki Niwa aus Japan.

Franziska über Lee Sangsu: "Es schlägt nur links und rechts ein"

Für Patrick Franziska war Lee Sangsu in Budapest eine kleine Nummer zu groß. In der Runde der besten 32 unterlag der dreifache EM-Bronzemedaillengewinner von 2018 Südkoreas Nummer eins in fünf Sätzen nach drei ersten Durchgängen auf Augenhöhe und gewonnenem ersten Satz. Doch dann Riss der Faden bei der Nummer 18 der Weltrangliste gegen den zwölf Plätze über ihm rangierenden Asiaten. "Ich habe mich einfach zu sehr verrückt gemacht, dass ich die Sätze zwei und drei verloren habe", erklärte Franziska im Anschluss. "Er spielt ein ähnliches System wie ich, nur ein Tick besser. Da ist es wichtig, in Führung zu sein, sonst schlägt es nur links und rechts ein. Deswegen habe ich wohl nach Satz drei zu sehr geärgert, und dann ist das Spiel einfach so ein wenig weggelaufen."

In der dritten Runde war lediglich Deutschlands männliches Toptrio am Mittwoch noch im Einzelwettbewerb vertreten. Beste deutsche Damen waren Petrissa Solja und Nina Mittelham, die die zweite Runde erreicht hatten.

Herren-Einzel, 3. Runde (32)
Franziska - Lee Sangsu KOR 1:4 (5,-10,-9,-5,-5)
Franziska: "Ich habe mich einfach zu sehr verrückt gemacht, dass ich die Sätze zwei und drei verloren habe. Gegen Lee Sangsu ist es schwer für mich. Er spielt ein ähnliches System wie ich, nur ein Tick besser. Da ist es wichtig, in Führung zu sein, sonst schlägt es nur links und rechts ein. Deswegen habe ich wohl nach Satz drei zu sehr geärgert, und dann ist das Spiel einfach so ein wenig weggelaufen."

Ovtcharov - Tomislav Pucar CRO 3:4 (-9,8,-8,8,2,-5,-7)
Ovtcharov: "Er hat mehr riskiert, gut gespielt und am Ende verdient gewonnen. In den Sätzen zwei und vier habe ich clever gespielt und mich am Leben gehalten. Im sechsten Satz war ich bei 4:2-Punkten am Drücker. Mir fehlt einfach noch die Konstanz, aber was dabei genau fehlt, dafür habe ich jetzt noch keine Lösung."

Boll - Masataka Morizono JPN 4:0 (3,9,7,8)
Boll: "Meine Rückhand ist heute sehr gut gekommen, und ich habe mich in den Ballwechseln gut bewegt, obwohl er Spin-Spin sehr gut spielt. Das ist wichtig, weil meine Beine nicht mehr so schnell wie früher sind. Es fühlt sich besser an, und ich habe die Baustellen der vergangenen Wochen etwas behoben."

Achtelfinale am Donnerstag
Boll - Jang Woojin KOR, 13 Uhr, Tisch 2 - Livestream

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DIE DEUTSCHE DELEGATION IN BUDAPEST

Herren-Einzel: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg, Russland), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Dang Qiu (ASV Grünwettersbach), Bastian Steger (SV Werder Bremen)
Herren-Doppel: Timo Boll/Patrick Franziska, Dang Qiu/Bastian Steger
Damen-Enzel: Petrissa Solja (TSV Langstadt 1909), Nina Mittelham (ttc berlin eastside), Sabine Winter, Kristin Lang (beide SV DJK Kolbermoor)
Damen-Doppel: Kristin Lang/Nina Mittelham, Chantal Mantz (TTG Bingen/Münster-Sarmsheim)/Sabine Winter
Gemischtes Doppel: Patrick Franziska/Petrissa Solja, Dang Qiu/Nina Mittelham

Trainerteam und sportliche Delegation: Richard Prause (Sportdirektor), Jie Schöpp (Bundestrainerin Damen), Wan Guohoui (Co-Trainer Damen), Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Lars Hielscher (Co-Trainer Herren), Sascha Nimtz (IAT Leipzig, Wissenschaftskoordinator), Rainer Kruschel (Delegationsleiter)

Medizinisches Team: Dr. Antonius Kass (Teamarzt), Christian Zepp (Team-Psychologe), Peter Heckert und Annette Zischka (Physiotherapeuten, OSP Hessen in Frankfurt am Main)

Schiedsrichterin: Kerstin Duchatz (Bochum)

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