Mission erfüllt: Die Golden Boys von Minsk (Foto: Schillings)
Mit 3:0 sichert sich das Roßkopf-Team die Goldmedaille und das Tokio-Ticket / Bronze geht an Portugal

Minsk-Mission erfüllt: DTTB-Herren gewinnen Finale gegen Schweden

SH / MS 29.06.2019

Minsk. Mission erfüllt. Nach den Damen haben auch Deutschlands Herren den Team-Wettbewerb bei den European Games gewonnen, Gold und damit die Direkt-Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 geholt. Gegen den WM-Dritten Schweden gab es für den amtierenden Mannschafts-Europameister einen 3:0-Erfolg.

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf sagte nach dem Titelgewinn: "Wir sind sehr zufrieden, dass wir direkt im ersten Anlauf unseren Olympiastartplatz mit der Mannschaft erreicht haben, der uns ja auch zwei Plätze im Einzel sichert. Da war unser großes Ziel bei den European Games, und darauf haben wir uns sehr gut vorbereitet. Zu den Zeitpunkten der Qualifikationsturniere im Januar, April und Mai können wir nun über Lehrgänge als gezielte Olympiavorbereitungen nachdenken. Und den Spielern bleiben Reisen erspart." 

Den so wichtigen Auftaktsieg schaffte einmal mehr das deutsche Parade-Doppel Timo Boll/Patrick Franziska bei seiner wohl schwersten Aufgabe im gesamten Turnier. Im Duell der Links-Rechts-Kombinationen behielten die gebürtigen Hessen gegen Kristian Karlsson und Jon Persson in vier Sätzen die Oberhand. 

Dimitrij Ovtcharov: "Wir haben unser Ziel erreicht"

Im Einzel gegen WM-Finalist Mattias Falck bewies Dimitrij Ovtcharov erneut seine Weltklasse seit dem Beginn der Team-Konkurrenz. Falcks dominante Rückhand konnte er weitgehend entschärfen, auf die Vorhand mit den kurzen Noppen, eher ungewöhnlich im Herren-Bereich, war er gut eingestellt. Selbst eine Trefferserie des Schweden, der eine kleine Konzentrationslücke des World-Cup-Siegers von 2017 im zweiten Satz nutzte und nach 6:10-Rückstand noch mit 12:10 gewann, brachte ihn nicht aus dem Konzept. Nach vier Sätzen und 25 Minuten Netto-Spielzeit hieß es 2:0 für Deutschland. Dimitrij Ovtcharov: "Unser großes Ziel hier war der Gewinn des Teamevents und damit die Olympiaqualifikation. Das haben wir geschafft, und deshalb bin ich mit den European Games sehr zufrieden. Heute hat erneut das Doppel die Basis für den Sieg gelegt. Es ist natürlich einfacher, mit einer 1:0-Führung in die Box zu gehen. Mein Gegner hatte hingegen durch den Rückstand mehr Druck als ich. Ich habe anschließend ein sehr gutes Spiel gezeigt und war auch nach dem verlorenen Satz sehr fokussiert."

Patrick Franziska: "Bei 2:0 spielt es sich angenehm"

Dem Mixed-Champion der 2. Europaspiele, Patrick Franziska, war es wieder vorbehalten, den entscheidenden Punkt zu erzielen. Und ähnlich wie im Halbfinale gegen Portugal machte es der Deutsche gegen den 32-jährigen Jon Persson, die Nummer 36 der Europarangliste, spannend. Nach eigenem vergebenen Satzball und in der Verlängerung nach verlorenem ersten Durchgang musste Franziska dem Schweden auch den vierten Satz überlassen. Im Satz fünf konnte sich zunächst keiner der Akteure entscheidend absetzen, als Franziska sich nach einem 8:8-Zwischenstand zwei Matchbälle erarbeitete – und den zweiten mit einem für Persson unerreichbaren, knallharten diagonalen Vorhand-Topspin zum 11:9 nutzte. Franziska war anschließend erleichtert: "Gegen Jon habe ich erst einmal gespielt, da habe ich nur knapp gewonnen. Er hat ein unangenehmes System für mich. Meine Mannschaftskollegen haben mir natürlich geholfen bei diesen European Games. Bei 2:0 spielt es sich sehr angenehm. Vor allem, wenn man weiß, dass anschließend ein Timo Boll spielt. Das gibt einem Sicherheit."

Timo Boll: "Die beste Mannschaft in Europa"  

Der Weltranglistensechste Boll musste auch im dritten Mannschaftsspiel bei den Europaspielen kein Einzel bestreiten. Immerhin machte er sich für das Duell gegen Vizeweltmeister Mattias Falck bereits warm und meine anschließend: "Ich wäre bereit gewesen und auch fit gewesen, das konnte man ja schon im Doppel sehen. Allerdings bin ich natürlich froh, dass wir mit 3:0 den Sack zu gemacht haben. So ein Finale kann schnell noch einmal eine enge Kiste werden, und das will ja keiner." Boll weiter: "Wir wollten hier unbedingt den Titel holen, und das haben wir geschafft. Deshalb sind wir ja auch in Topbesetzung angetreten. Jetzt bleiben uns zusätzliche Termine erspart. Ein ganz großes Kompliment an meine Mannschaft, die hier in Minsk gezeigt hat, dass sie die beste in Europa ist."

Sportdirektor Prause: "Reisen mit ganz breiter Brust nach Hause"

DTTB-Sportdirektor Richard Prause zog eine überaus positive Gesamtbilanz: "Wir reisen mit ganz breiter Brust zurück nach Deutschland. Die maximale Zahl an Startplätzen für die Olympischen Spiele in MInsk erreicht zu haben, ist ein herausragendes Ergebnis. Ziel war der Gewinn der Mannschaftstitel mit den damit verbundenen Plätzen für Tokio. Der zusätzliche Gewinn des Startplatzes im Mixed durch Petrissa Solja und Patrick Franziska ist etwas sehr Wertvolles: Die beiden haben nur wenige Wochen nach der WM unter Beweis gestellt, welch eindrucksvolle Stärke sie haben. Auch die Vorstellungen unser Spieler im Einzel mit Timos Titelgewinn und Yings Silbermedaille waren ungemein stark, dazu hat auch Peti im Einzel sehr gut gespielt."

Präsident Geiger über vier von fünf Titeln: "Eine Machtdemonstration"

"Es ist natürlich eine Riesensache, wenn man vier von fünf möglichen Titeln gewinnt und somit für Olympia schon alle an Bord hat“, kommentierte Michael Geiger, der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes. „Es war eine eindrucksvolle Leistung, man kann fast sagen, Machtdemonstration." Neben den Titeln im Herren- und Damen-Team und im Mixed gewann Timo Boll den Einzel-Titel. Han Ying sicherte sich im Damen-Einzel die Silbermedaille.

Zum großen deutschen Team gehört auch immer die Trainingsgruppe am Bundesstützpunkt in Düsseldorf mit allen Coaches und Kaderspielern, Athletiktrainern, Medizinern und Physiotherapeuten, wie Jörg Roßkopf immer betont. Eine wichtige Rolle vor Ort in Weißrusslands Hauptstadt spielten zudem Roßkopfs Co-Trainer Lars Hielscher und Ersatzmann Ricardo Walther, der unter anderem als Trainingspartner des Gold-Trios fungierte. Nochmals DTTB-Sportdirektor Richard Prause: "Das gesamte ganze Team hinter den Team ist ungemein wichtig für einen solchen Erfolg,  dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den Heimtrainern."

Bronze für Portugal

Bronze im Mannschaftswettbewerb der Herren ging an Deutschlands Halbfinalgegner Portugal, das Dänemark mit 3:1 in Schach hielt. Der erneut starke Einzel-Finalist der Europaspiele, Jonathan Groth, erzielte gegen Marcos Freitas den einzigen Punkt für die Skandinavier.

Sowohl das Damen- als auch das Herren-Endspiel zeigte Sport1 live im TV und im Internet, die Damen nur ab und zu mit Schalten zu den Entscheidungen in anderen Sportarten unterbrochen.

Die Spiele am Samstag

Finale
Deuschland - Schweden 3:0

Timo Boll/Patrick Franziska - Kristian Karlsson/Jon Persson 3:1 (9,7,-7,8)
Dimitrij Ovtcharov - Mattias Falck 3:1 (9,-10,5,7)
Franziska - Persson 3:2 (-12,3,7,-9,9)

Herren-Mannschaft, Spiel um Bronze, 16 Uhr
Portugal - Dänemark 3:1

Tiago Apolonia/Joao Monteiro - Anders Lind/Tobias Rasmussen 3:0 (6,5,4)
Marcos Freitas - Jonathan Groth 1:3 (-9,11,-7,-7)
Monteiro - Lind 3:1 (-6,8,8,4)
Freitas - Rasmussen 3:1 (4,-9,7,10)

Damen-Mannschaft, Endspiel
Deutschland - Rumänien 3:0

Nina Mittelham/Shan Xiaona - Daniela Dodean-Monteiro/Elizabeta Samara 3:2 (-9,4,6,-9,6)
Han Ying - Bernadette Szocs 3:1 (-9,5,3,2)
Shan - Dodean-Monteiro 3:1 (9,9,-10,7)

Spiel um Bronze
Polen - Ungarn 3:2
Natalia Bajor/Natalia Partyka - Dora Madarasz/Szandra Pergel 2:3 (-8,5,-3,5,-9)
Li Qian - Georgina Pota 3:1 (5,-3,8,11)
Partyka - Madarasz 3:2 (11,-4,8,-1,8)
Bajor - Pota 1:3 (-8,9,-8,-5)
Li - Pergel 3:1 (3,-10,1,9)

Links

Das deutsche Aufgebot

Herren
Timo Boll (Weltrangliste: 6, Borussia Düsseldorf)
Dimitrij Ovtcharov (Nr. 12, Fakel Gazprom Orenburg/Russland)
Patrick Franziska (Nr. 16, 1. FC Saarbrücken TT)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Ricardo Walther (Nr. 38, ASV Grünwettersbach)

Damen
Petrissa Solja (Weltrangliste: 26, TSV 1909 Langstadt)
Han Ying (Nr. 45, KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen)
Nina Mittelham (Nr. 50, ttc berlin eastside)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Shan Xiaona (Nr. 165, ttc berlin eastside)

Trainer
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
Lars Hielscher (Assistenztrainer)

Delegationsleiter
Richard Prause (Sportdirektor)

Medizinische Abteilung
Peter Heckert (Physiotherapeut, OSP Hessen)
Dr. Antonius Kass (Mannschaftsarzt)

Schiedsrichter
Christoph Geiger

Die Setzlisten

Damen-Mannschaft
1 Deutschland, 2 Rumänien, 3 Ungarn, 4 Österreich, 5 Holland, 6 Ukraine, 7 Polen, 8 Spanien, 8 Luxemburg, 8 Russland, 11 Schweden, 12 Weißrussland

Herren-Mannschaft
1 Deutschland, 2 Schweden. 3 Österreich, 4 Großbritannien, 5 Frankreich, 6 Slowenien, 7 Kroatien, 8 Weißrussland, 9 Portugal, 10 Belgien, 11 Rumänien, 12 Dänemark

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