Benedikt Duda (Foto: ITTF)
Boll macht gegen Yoshimura 1:3-Rückstand wett / Achtelfinal-Aus für Duda und Shan

Hong Kong Open: Boll spielt gegen Zhou um Medaille

07.06.2019

Hongkong. Timo Boll steht im Viertelfinale der Hong Kong Open. Gegner des Düsseldorfers im Kampf um den Einzug in die Medaillenränge wird am Samstag der Chinese Zhou Yu sein. Beendet ist das 175.000-Dollar-Turnier allerdings für den Bergneustädter Benedikt Duda und die Berlinerin Shan Xiaona, die im Achtelfinale dem WM-Dritten Liang Jingkun (China) und der Weltranglistenzwölften Feng Tianwei (Sinpapur) gratulieren mussten. 

Boll erkämpft im Endspurt ein 4:3 und trifft erstmals auf Zhou Yu

Wie schon gestern gegen seinen langjährigen Vereinskollegen Kamal Sharat Achanta (Indien) musste Timo Boll auch im Achtelfinale gegen Maharu Yoshimura über die volle Distanz von sieben Sätzen. Im Gegensatz zum Match gegen Achanta, als Boll nach einer 3:0-Satzführung einen schnellen Erfolg mehrfach auf dem Schläger hatte, lief der Rekordeuropameister allerdings heute gegen den Japaner einem 1:3-Rückstand hinterher. In den ersten vier Sätzen setzte der Mixed-Weltmeister von 2017, der gestern Patrick Franziska ohne Satzverlust aus dem Turnier geworfen hatte, Boll erheblich unter Druck. Ab Durchgang fünf kämpfte sich der Deutsche, der im zweiten Durchgang einen 6:10-Rückstand wettgemacht hatte, in das Spiel zurück und gewann im Endspurt die drei Folgesätze relativ deutlich mit 11:7.

Timo Boll gestand nach der Partie: "Am Anfang habe ich etwas zu viel mit mir und dem Pech gehadert. Später hatte ich dann auch ein paar Netzroller, und es hat sich wieder ausgeglichen. Irgendwie habe ich es dann nach Hause gebracht." Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf ergänzte: "Yoshimura hat ein starkes Spiel gemacht. Der Gewinn des zweiten Satzes nach 6:10 war ungemein wichtig für Timo. Es war am Ende heute vor allem eine kämpferische Leistung, die Timo im Turnier gehalten hat."

Im Viertelfinale trifft der in Hongkong an Position vier gesetzte Weltranglistensechste am Samstag um 8.50 Uhr auf den Chinesen Zhou Yu, der mit einem klaren 4:0 über den Südkoreaner Jang Woojin seine Klasse unterstrich. Als bestes Weltranglistenresultat hat der 27-jährige Linkshänder aus dem Reich der Mitte Platz 13 aus dem Jahr 2014 zu Buche stehen. Aktuell ist Zhou mangels regelmäßiger World-Tour-Auftritte nur die Nummer 61 des ITTF-Rankings. Für Boll ist es das erste Duell mit dem Chinesen: "Ich habe noch nie gegen ihn gespielt, mal sehen. Links gegen Links, er hat eine kräftige Vorhand. Ich bin gespannt und hoffe, dass ich noch genug Energie nach den beiden langen Matches gestern und heute habe. Jedenfalls werden ich nochmal alles reinlegen: Und eines geht ja immer: Kämpfen!"

Benedikt Duda mit starkem Auftakt gegen den WM-Dritten

Am Ende war es  eine 1:4-Niederlage, doch zumindest in den beiden ersten Sätzen begegnet Benedikt Duda dem WM-Dritten Liang Jingkun auf Augenhöhe - nach 11:5 im ersten Satz hatte Duda auch den zweiten Durchgang bis zur 7:4-Führung bestimmt. Doch der Chinese setzte sich in fünf Sätzen durch und kontrollierte beim 5:11, 11:9, 11:5, 11:7 und 7:11 die letzten drei Durchgänge im ersten Duell mit dem Bergneustädter weitgehend. Duda darf mit seinem Abschneiden in Hongkong aber hochzufrieden sein. In der Qualifikation besiegte er unter anderem den Österreicher Robert Gardos, gestern spielte er sich mit einem klaren Erfolg über den starken Lokalmatador Ho Kwan Kit in das Achtelfinale.

Der ehrgeizige Duda bewertete den Turnierverlauf zwar positiv, ärgerte sich aber nach dem Achtelfinale auch über verpasste Chancen: "Ich bin gut gestartet und hätte auch Satz zwei durchaus gewinnen können. Liang ist zwar ein guter Spieler, aber ich habe die Möglichkeiten, die ich hatte, auch nicht optimal genutzt. Daran werden ich arbeiten und hoffe, dass es vielleicht ja schon beim nächsten Mal zum Sieg reicht. Insgesamt bin ich mit meinen Leistungen in Hongkong aber nicht unzufrieden." Jörg Roßkopf lobte den Linkshänder: "Nach dem Gewinn des zweiten Satzes wurde Liang sicherer, hat etwas ruhiger auf Fehler von Bene gewartet. Aber Bene hat ein sehr gutes Turnier gespielt, sich sehr gut bewegt und darf mit Selbstvertrauen weiter zu den Japan Open reisen."

Shan Xiaona: "Der Kopf ist klar, es fehlt noch etwas Schnelligkeit"

Shan Xiaona bot, wie schon gestern, beim 4:3 über die Taiwanesin Chen Szu-Yu auch im Achtelfinale eine starke Leistung. Im Hochgeschwindigkeits-Duell mit Singapurs Spitzenspielerin, das sie vor einer Woche bei den China Open noch mit 1:4 verloren hatte, stand die Deutsche Meisterin von 2013 und 2014  diesmal nach 11:7, 8:11, 13:11, 8:11 und 5:11 im sechsten Durchgang bei einer 7:4-Führung dicht vor dem Einzug in den Entscheidungssatz, machte aber trotz einiger guter Chancen keinen weiteren Punkt mehr.

Die in Düsseldorf lebende Berlinerin, im März 2017 noch die Nummer 12 der Welt, arbeitet nach ihrer Babypause und der Geburt ihrer Tochter Mia Mitte an der Rückkehr zu alter Stärke. Mit Beginn des Jahres 2019 kehrte die olympische Team-Silbermedaillengewinnerin von Rio 2016 auf die internationale Bühne zurück und wird in der Weltrangliste aktuell auf Platz 165 notiert. Mit der Leistung im Achtelfinale war Shan Xiaona zufrieden, mit dem Ergebnis haderte sie etwas, aus gutem Grund: "Das war sehr schade heute, ich hatte eine Chance. Ich habe gegen sie besser gespielt als vor einer Woche bei den China Open. Bei 2:3 nach Sätzen habe ich im sechsten Durchgang wieder mit 7:4 geführt, habe dann aber einige Vorhandschuss-Fehler gemacht, die man sich gegen starke Spielerinnen auf diesem Niveau nicht erlauben darf." Shan, die in der nächsten Woche auch bei den Japan Open an den Start geht, spürt, dass sie Schritt für Schritt wieder näher an ihr alte Klasse heranrückt, aber auch Geduld benötigt: "Was schon wieder sehr gut ist: Ich merke im Match, dass mein Kopf sehr klar ist, dass ich weiß, was ich spielen soll. Aber dem Körper fehlen im Moment noch ein paar Prozent an Schnelligkeit. Daran muss ich weiter arbeiten im Training, dann kommt mit der Zeit auch die alte Spritzigkeit wieder."  

 

Die Ergebnisse der Deutschen am Freitag, 7. Juni  

Herren-Einzel
Achtelfinale 
Timo Boll - Maharu Yoshimura JPN 4:3 (-7,10,-7,-9,7,7,7)
Benedikt Duda - Liang Jingkun CHN 1:4 (5,-9,-5,-7,-7)

Damen-Einzel
Achtelfinale
Shan Xiaona - Feng Tianwei SGP 2:4 (7,-8,11,-8,-5,-7)

Hong Kong Open: Auslosungen, Ergebnisse, Infos   

Hong Kong Open: Livestream der ITTF

 

Die Spiele der Deutschen am Samstag, 8. Juni   

Herren-Einzel
Viertelfinale 
Timo Boll - Zhou Yu CHN 8.50 Uhr
Halbfinale 
voraussichtlich 13.50 Uhr 

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Hong Kong Open: Livestream der ITTF

 

Das Aufgebot des DTTB bei den Hong Kong Open (4. - 9. Juni)  

Herren-Einzel: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Ruwen Filus (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Qiu Dang (ASV Grünwettersbach), Ricardo Walther (ASV Grünwettersbach, neue Saison: Borussia Düsseldorf)
Damen-Einzel: Shan Xiaona (ttc berlin eastside)

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