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Björn Sobek (Foto: Claudia Vatheuer)
Im Interview berichtet Björn Sobek vom Aufwand, den die Rückkehr in den Trainingsbetrieb sein Orga-Team des TTC OE Bad Homburg gekostet hat

In 17 Stunden bis zum ersten Training

SH 07.06.2020

Bad Homburg. Im Interview berichtet Björn Sobek unter anderem vom Aufwand, den die Rückkehr in den Trainingsbetrieb das Orga-Team um den 2. Vorsitzenden des TTC OE Bad Homburg gekostet hat, was noch verbessert werden muss und warum Gastspieler und potenzielle Neu-Mitglieder in der Corona-Zeit erst einmal draußen bleiben müssen.

Die Stadt Bad Homburg als Träger der Wingert-Sporthalle hatte für die Öffnung die Einhaltung der Standardregeln zur Voraussetzung gemacht, der TTC OE hat sich dann für die Erarbeitung seines genauen Konzepts des Schutz- und Hygienekonzepts des DTTB bedient.

Wie viele Personen waren maßgeblich beteiligt?
Björn Sobek: Wir haben uns in einem fünfköpfigen Kern-Team mit Aufbauplanung, der Bereitstellung von zusätzlichem Material für Reinigung und Information, Trainingsplanung und den Inhalten der Informationen an die Mitglieder beschäftigt. Ein Teil des Teams war mehr für die Orga im Jugendbereich zuständig, ein Teil für die Erwachsenen und alle gemeinsam haben an der allgemeinen Planung gearbeitet, die alle Altersklassen betrifft. 

Wie viel Zeit hat Sie die Arbeit daran gekostet?
Sobek: Das meiste haben wir per WhatsApp nebenbei immer wieder ausgetauscht, daher hier eine grobe Schätzung des Aufwands unseres Kern-Teams:

  • 1 Stunde für Materialbestellung und Druck der Informationen für die Mitglieder
  • 1 Stunde für Aufbauplanung
  • 3 Stunden für den Ablauf des Probetraining inkl. Vorbereitung der Halle
  • 2 Stunden für die Installation und Tests des Online-Buchungs-Programms. Für unsere Anpassungen an die Bedürfnisse unseres Vereins haben wir dann noch mal etwa 2 Stunden investiert.
  • 10 Stunden für Vorbereitung der Informationen und die regelmäßige Kommunikation an die Mitglieder

In Summe waren es 17 Stunden sehr gut investierte Zeit, um unseren Mitgliedern ein geregeltes Training anbieten zu können.

Haben Sie die Umsetzung des DTTB-Maßnahmenkatalogs als schwierig empfunden? Warum genau bzw. was ist in Ihrer Halle leicht umzusetzen, was ist aufwendig?
Sobek: Für uns war es relativ leicht umzusetzen, da wir viel Erfahrung mit unterschiedlichen Hallenaufbauten für Turniere sowie Bundesliga und genügend Tische und Banden in der Halle haben. Natürlich muss man sich mit den einzelnen Maßnahmen beschäftigen, aber wir hatten schon relativ früh eine gemeinsame Vorstellung davon, wie wir unseren Mitgliedern ein sicheres Training unter den gegebenen Umständen anbieten können. Hilfreich waren auf jeden Fall die Vorgaben des DTTB und das "Probetraining" für Aufbau und Ablauf in einem kleinen Kreis, da wir dabei u.a. den Zugang der Halle gemeinsam mit dem Hallenwart optimiert haben.

Eine Herausforderung wird sein, dass vor Corona auch Gastspieler regelmäßig im Training waren. Wir freuen uns normalerweise immer über gute Trainingspartner und neue Mitglieder, aber in der aktuellen Situation legen wir den Fokus auf unsere Bestandsmitglieder, um diesen die Trainingsmöglichkeiten anbieten zu können. Dies gilt es zu beobachten.

Wie haben Sie Ihre Mitglieder informiert? Und: Würden Sie es in der Nachbetrachtung anders machen?
Sobek: Die Informationen an die Mitglieder haben wir über mehrere Kanäle verteilt: Newsletter, WhatsApp-Gruppe des Vereins, Mannschaftsführer und im Jugendbereich über unsere Jugendkoordinatorin an alle Kinder/Jugendlichen und Eltern. Es wird immer wieder jemanden geben, der die Infos gerne auf anderen Wegen hätte. Aber wir müssen bei über 200 Mitgliedern einen gemeinsamen Nenner finden. Von daher fand ich unsere Informationspolitik ganz gut und würde am Grundprinzip auch nichts ändern.

Wie viele Tische „verlieren“ Sie wegen der Abstandsregel fürs Training? Ist das schlimm oder auszuhalten?
Sobek: Ich würde es anders formulieren: Wir können unseren Mitgliedern unter den gegebenen Umständen bis zu zwölf Tische an vier Tagen pro Woche anbieten. Das ist eindeutig mehr alsin den vergangenen beiden Monaten seit der Hallenschließung. Vor Corona konnten wir mit 22 Tischen nahezu das Doppelte stellen.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie ausgelastet die Halle und wie die Reaktion der Mitglieder sein wird. Persönlich glaube ich, es kommt positiv an, da man feste Slots mit festen Trainingspartnern garantiert bekommt und keine Wartezeiten entstehen. Man kann sich auf die gebuchten Stunden voll konzentrieren und wird nicht „durch Gespräche abgelenkt“ – auch wenn die Gespräche ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens sind und hoffentlich bald wieder sein werden. Man muss einfach versuchen, es positiv zu sehen. Wir freuen uns alle erst mal wieder mit dem kleinen weißen Ball spielen zu können.

Wie beschreiben Sie die Stimmung beim ersten Training?
Sobek: Die Stimmung war angeheizt bei 25°C und Sonnenschein. Spaß beiseite! Die Stimmung war gut und alle haben sich wieder auf unseren Sport und den einen oder anderen Vereinskameraden oder die -kameradin gefreut, da man sich teilweise zwei Monate nicht gesehen hatte. Die Jugendlichen waren sehr motiviert, ein bisschen aufgeregt und vor allem sehr diszipliniert. Das hat uns besonders gefreut. Unsere Trainer können den Eindruck bestätigen, vor allem waren sie von der Disziplin und dem Verantwortungsbewusstsein des Nachwuchses in Sachen Corona beeindruckt. Das Fazit unseres Trainers Christian Kaiser nach dem ersten Training war: "Ein guter Plan und Vorbereitung sind die halbe Miete für ein gelungenes Training.“  

Mit welchen Gefühlen sind Sie ins Training eingestiegen – in der Verantwortung als Vorstandsmitglied und als Spieler?
Sobek: Ich bin mit einem guten Gefühl in die Halle gekommen – als Vorstandsmitglied und Spieler. Die mit den anderen Vorstandskollegen besprochenen und umgesetzten Maßnahmen sind praktikabel und plausibel. Das Probetraining hatte gezeigt, dass es funktioniert und wir nur an „kleinen Schrauben“ zur Optimierung und Anpassung an unsere Gegebenheiten drehen mussten. Die Boxen sind groß, und es steht genügend Reinigungs- und auch Hand-Desinfektionsmittelzur Verfügung.

Haben sich alle an die Empfehlungen gehalten? Gab es dabei Unterschiede zwischen den Altersgruppen – Nachwuchs, Damen/Herren bzw. Seniorinnen und Senioren?
Sobek: Wir haben natürlich alle verpflichtenden Vorgaben in der Vorbereitung umgesetzt, aber auch die meisten optionalen Maßnahmen. Aufbau, Trainingsablauf und Abbau haben wir für alle identisch. Der einzige Unterschied ist die Einteilung der Tische: Im Nachwuchsbereich teilen die Trainer im Vorfeld die Gruppen für die Einheit ein, im Erwachsenenbereich nutzen wir das Online-Tool.
Die neuen Rahmenbedingungen für Auf- und Abbau und den Ablauf haben alle problemlos akzeptiert und eingehalten. Auch der Wechsel zwischen Nachwuchs- und Erwachsenen-Training verlief zügig diszipliniert, sodass es nicht zu Wartezeiten kam.

Gab es einen Ansturm auf die Trainingszeiten und bekommen Sie alle Wünsche gut unter?
Sobek: Unser Ziel ist es, dass jedes Mitglied pro Woche mindestens einmal trainieren kann. Es gab von unseren Mitgliedern alle Arten von Rückmeldungen zu den Trainingswünschen von „an allen Tagen“ bis hin zu „ich warte erst mal ab“. Im Online-Tool haben wir die maximal möglichen Buchungen pro Mitglied auf zwei Wochen im Voraus begrenzt, sodass wir hier Fairness schaffen. Im Nachwuchsbereich steuern die Trainingseinteilung die Trainer. Hier wird berücksichtigt, ob Kinder in Kadern sind und nach Möglichkeit mehrfach die Woche trainieren sollen und wie die Trainingsbeteiligung vor der Pandemie war.
Im Nachwuchsbereich war die Rückmeldequote sehr positiv: Es haben sich alle zurückgemeldet, ob sie am Training teilnehmen wollen oder nicht. Somit konnten unsere drei Trainer am ersten Trainingstag gleich mit insgesamt 24 Kindern an den zwölf Tischen in drei abgetrennten Dritteln trainieren.
Im Erwachsenenbereich haben sich viele zeitnah in unserem Buchungs-Tool registriert und Trainingszeiten reserviert. Im ersten Training waren noch nicht alle Tische besetzt, aber die internen Abstimmungen der Mannschaften über weitere Trainingseinheiten laufen. Im Erwachsenenbereich konnten wir eine Optimierung nach dem ersten Training feststellen: Durch die möglichen Einzelbuchungen ist es leider zu einer ungeraden Anzahl gekommen. Dadurch hat sich einer dann auf das Aufschlagtraining fokussiert. Wir empfehlen unseren Mitgliedern zukünftig, sich zu den möglichen Einheiten zu verabreden und gemeinsam zu buchen, um möglichst viel spielen zu können.

Wie sehr haben Sie Tischtennis in der Lockdown-Zeit vermisst?
Sobek: Wir haben versucht, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten. Aktuelle Informationen, sofern es was zu berichten gab, wie geht es weiter und Infos zu unserem TTBL-Projekt gab es über die gewohnten Kanäle. Für die Jugendlichen haben wir ab den hessischen Osterferien ein Online-Training angeboten, was sehr gut angenommen wurde. Im Erwachsenenbereich konnten wir mit einem unserer Partner einen Online-Fitnesskurs anbieten.
Für mich persönlich war es anfangs schon komisch. Vor allem hat das Training in der Halle als Ausgleich gefehlt. Ich selbst habe dann mein Fahrrad früher als sonst aus der Garage geholt und so einen sportlichen Ausgleich geschaffen. Da ich als Vorstandsmitglied und Gesellschafter unserer Betriebsgesellschaft auch in den Themen „TTBL“ involviert bin, habe ich aber ohnehin nicht ganz den Bezug zur Sportart verloren.

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