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Bei den Landesmeisterschaften sind sie nicht gemeinsam im Mixed angetreten: Pranjkovic und Schweiger (Foto: Rack)
In jeder Hinsicht ein gutes Paar: Bayerns Einzel-Meister Naomi Pranjkovic und Tom Schweiger sind bei der DM in Nürnberg nicht nur ein gutes Mixed

In der Unterschiedlichkeit stark

Florian Leidheiser 16.03.2023

Nürnberg. Die bayerischen Nachwuchs-Nationalspieler Naomi Pranjkovic (SV DJK Kolbermoor) und Tom Schweiger (FC Bayern München) könnten unterschiedlicher kaum sein, sind seit mehr als einem Jahr ein Paar und werden bei der DM in Nürnberg im Mixed antreten.

Die beiden 18-Jährigen sicherten sich im Januar jeweils den Einzel-Titel bei den Bayerischen Meisterschaften und lösten damit das Ticket für die DM in Nürnberg. Pranjkovic schaffte sogar das Gold-Triple, sie gewann auch im Doppel und Mixed. Letzteres nicht mit Tom Schweiger, sondern mit Hannes Hörmann vom TV Hilpoltstein.

Ein Paar auch neben der Box

Schweiger und Pranjkovic – die beiden bilden ein Paar neben der Box – stehen in der Kia Metropol Arena in Nürnberg auch wieder gemeinsam auf dem Court. 2022 wurde das Duo Deutscher Vizemeister der Jugend 18. Nürnberg wird für Pranjkovic bereits die fünfte(!) DM bei den Erwachsenen; sie debütierte bereits als 13-Jährige 2018 in Berlin. 2020 in Wetzlar erreichte sie das Viertelfinale, ihr bislang bestes Ergebnis. Die Runde der letzten Acht hat sie sich wieder vorgenommen. „Das wird sicher nicht einfach und kommt stark auf die Auslosung an. Die Deutschen spiele ich aber immer sehr gerne, weil man sieht, wo man im Vergleich mit den anderen Damen steht“, sagt Pranjkovic.

Für den Premieren-Starter Tom Schweiger ist Nürnberg ein „Highlight“. „Ich freue mich, dass ich mich für die DM qualifiziert habe, die ausgerechnet in Bayern ist“, sagt Schweiger, der im Finale der „Bayerischen“ Zweitliga-Urgestein Alexander Flemming (TV Hilpoltstein) in sieben Sätzen besiegte. Große Ziele hat sich Schweiger aber nicht gesetzt, „schließlich muss ich ja gegen einen Gesetzten spielen. Gegen so Leute wie Filus, Duda oder Qiu wäre nichts zu machen“, ist sich Schweiger sicher. Sein Wunschgegner wäre ein anderer Nationalspieler – Ricardo Walther vom ASV Grünwettersbach: „Den feiere ich wegen seines Spielsystems total ab. Ich schaue mir eigentlich nicht so viele Ergebnisse und Spiele der TTBL an, aber bei ihm mache ich es, weil er immer mal was anderes macht und Dinge ausprobiert.“

Gegensätze auf der Suche nach der gemeinsamen Mitte

Für das Mixed mit der eigenen Freundin will Schweiger nicht zu viel prognostizieren. „Wir können schon ganz ordentlich spielen, aber wir harmonieren nicht wirklich gut miteinander am Tisch.“ Da prallen des Öfteren unterschiedliche Ansätze aufeinander, Beispiel Aufschlag-Rückschlag: „Sie will, dass ich einen Gegenläufer mache, aber ich mache seit sieben Jahren im Doppel immer genau den gleichen Einwurf. Und ich spiele lieber einfache Taktiken als zu kompliziert“, sagt Schweiger. Und Pranjkovic entgegnet: „Ich brauche eher jemanden, der nah am Tisch ist. Tommi spielt aber mehr aus der Halbdistanz.“ Vom Spielerischen passe das nicht wirklich. Pranjkovic: „Aber wenn wir unsere Mitte finden, dann können wir auch ein starkes Mixed spielen.“ 

Auch abseits der Box sind die beiden sehr verschieden. „Ich brauche eine Struktur, nehme alles superernst, mache mir auch wegen Kleinigkeiten schon mal Stress. Tommi ist da das komplette Gegenteil. Er ist spontan, sehr entspannt, auch was wichtige Dinge angeht. Ich finde das cool, dass wir uns da ausgleichen“, sagt Pranjkovic. Er sei ihr Freund und immer da, wenn sie Unterstützung brauche. „Trotz manch unterschiedlicher Sichtweisen versucht er mir zu helfen auf die Art und Weise, wie es mir am besten hilft und vielleicht nicht unbedingt ihm.“ So unterschiedlich zu sein, sei nicht immer einfach, „aber wir gleichen uns ziemlich gut aus“, findet Pranjkovic.

Pranjkovics Ziel ist die Damen-Nationalmannschaft

Nach ihrem 1,0er-Fabel-Abitur hat sich Pranjkovic die Zeit komplett für Tischtennis genommen. Die Umstellung zur Profi-Spielerin sei schwieriger als erwartet. „Die Erwartung an sich selbst ist hoch, weil man eben nur noch trainiert und denkt, dass es jetzt deutlich besser läuft“, erklärt Pranjkovic, die sich auch selbst oft unter Druck setzte und fragte, warum es nicht besser laufe. „Ich versuche, jetzt die Tagesstruktur wieder ein bisschen zu verändern. Die Schule hat mir damals schon eine Struktur gegeben. Ich bin halt jemand, der sehr gerne lernt und Dinge aufnimmt. Noch habe ich nicht den perfekten Ausgleich gefunden, bin aber auf einem guten Weg“, so Pranjkovic.

Ein Studium komme aber erstmal nicht infrage. „Ich will versuchen, irgendwann fester Bestandteil der Damen-Nationalmannschaft zu werden.“ Für dieses Jahr steht vor allem die Jugend-EM auf der Agenda, der Traum von einer Einzel-Medaille dort und eine mögliche Qualifikation für die Jugend-WM.

Sport soll bei Tom Schweiger auch im Beruf eine Rolle spielen

Auch Tom Schweiger hat die Jugend-EM auf dem Zettel. Es wäre seine letzte. International bei den WTT-Turnieren und auch im Verein lief es für den großgewachsenen Rechtshänder zuletzt nicht so rund. Für manch gute Leistungen konnte sich Schweiger nicht immer belohnen. Der Drittliga-Spieler vom FC Bayern, den es zur neuen Saison zum ambitionierten TSV Windsbach zieht, macht im Frühjahr sein Abitur und ist froh, wenn der Spagat zwischen Schule und Hochleistungssport erst einmal vorbei ist. Ähnlich wie Pranjkovic will auch Schweiger, der seit 2018 im Leistungszentrum in München lebt und trainiert, ein Jahr lang voll auf Tischtennis setzen und schauen, was geht. „Die Schule, die vielen Fehlzeiten, der nachzuholende Schulstoff, das ist alles schon sehr stressig. Mir fällt das Lernen auch deutlich schwerer als zum Beispiel Naomi. Ich bin froh, wenn das nach insgesamt 14 Jahren erstmal vorbei ist.“ Im späteren Berufsleben könne sich Schweiger irgendwas mit Sport vorstellen, nur im Büro zu arbeiten käme für ihn aktuell nicht infrage.

Während für seine Freundin das Thema DTTZ in Düsseldorf mal ein Thema werden könnte, geht Schweiger solch ein Gedankenspiel derzeit noch nicht mit. Sein Kopf dreht sich vor allem gerade um die Abiturvorbereitungen. „Mit einem Ovtcharov oder Duda in der Halle sehe ich mich ehrlich gesagt gerade noch nicht“, schmunzelt er.

Schweigers Reset-Knopf: der Schnürsenkel-Trick

Der Sport-Nerd, der sich für Fußball, aber auch für Football, Darts, Tennis und sogar Kampfsport interessiert, saugt nebenher aus anderen Sportarten viel auf – und setzt dies zuweilen um. Ein Mentaltrick, den die Zuschauer bei der DM in Nürnberg vielleicht bei Schweiger sehen werden, gehört auch dazu: „Wenn ich ein paar Punkte liegenlasse und merke, dass ich anfange nachzudenken oder zu hadern, dann stecke ich mir die Schnürsenkel wieder in die Schuhe. In diesem Moment fokussiere ich mich nur auf diese Aktion. Das ist dann für mich wie eine Art Reset-Knopf, ein Neustart.“ Vielleicht muss Schweiger die Reset-Taste in Nürnberg gar nicht so oft drücken und kommt in einen „Flow“. Das würde sicher auch seiner Freundin gefallen.

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