ITTF-Präsident Thomas Weikert lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen (Foto: ITTF)
Coronavirus: Interview mit dem ITTF-Präsidenten über die aktuelle Lage und mögliche Entwicklungen

ITTF-Chef Weikert: "Ich bin und bleibe optimistisch"

18.03.2020

Limburg. Das Coronavirus hinterlässt weltweit gravierende Spuren, auch im Tischtennissport. Der Weltverband ITTF reagierte frühzeitig im Februar mit der Verschiebung der vom 22. bis 29. März geplanten Team-WM in Südkorea auf Ende Juni. Aktuell sind alle Veranstaltungen der ITTF bis Ende April abgesagt. tischtennis.de sprach mit dem ITTF-Präsidenten Thomas Weikert (Limburg), der von 2005 bis 2015 auch an der Spitze des Deutschen Tischtennis-Bundes stand, über die aktuelle Lage und mögliche Entwicklungen.


Herr Weikert, die Lage ändert sich täglich, gewiss ist nur noch das Ungewisse. Wie stimmt sich die ITTF ab: Besprechen Sie sich täglich mit Ihren Topangestellten in aller Welt in Videokonferenzen, oder gibt es sogar einen Krisenstab in Sachen Corona?

Weikert: „Jeden Morgen um 8.30 Uhr bespreche ich in einer Skype-Konferenz mit meinem Generalsekretär Raul Calin und meinem CEO Steve Dainton. Darüber hinaus haben wir eine Task Force aus Hauptamtlichen gebildet, die täglich an den Generalsekretär, den CEO und an mich berichten. Wir drei haben dann auch die Befugnis, Eilmaßnahmen sofort umzusetzen.“

Und ist es bereits zur Anwendung solcher Eilmaßnahmen gekommen?

 Weikert: „Nein, dazu ist es noch nicht gekommen. Nach Möglichkeit wollen wir das auch vermeiden. Meistens ist es ja doch so, dass Schnellschüsse eher fehlerbehaftet sind. Am Ende warten wir lieber zwei bis drei Tage ab und stimmen uns so weitrechend wie möglich und nötig ab. Aber es ist ein Instrument, dass uns zur Not während der Corona-Krise zur Verfügung stünde."

Das Präsidium der ITTF hat beschlossen, bis Ende April alle internationalen Veranstaltungen im Tischtennis abzusagen und will am 29. März erneut tagen, um über eine Aufhebung oder Verlängerung der Maßnahmen zu beschließen. Wie groß ist Ihr Optimismus, dass im Mai auf internationaler Ebene wieder Tischtennis gespielt wird?

Weikert: „Obwohl ich im Grundsatz optimistisch bin, glaube ich nicht daran, dass wir Anfang Mai bereits wieder spielen. Ich persönlich wäre sehr zufrieden, wenn wir Ende Mai wieder spielen könnten. Das Präsidium wird am 29. März per Videokonferenz tagen und vermutlich erneut 14 Tage später, um gegebenenfalls dann Maßnahmen neu zu beschließen.“

Die ITTF hat die Team-WM in Busan um drei Monate auf Ende Juni verschoben. In Südkorea ist aber trotz vielfältiger Maßnahmen der Corona-Ausbruch noch nicht unter Kontrolle. Das Präsidium der ITTF hat am Montag bekannt gegeben, dass es mit Südkoreas Präsidenten Ryu Seung Min laufend die Lage analysiert. Gibt es eine Tendenz für eine Verlegung in den Dezember 2020?

Weikert: „Nein, eine Tendenz für eine weitere Verlegung in den Dezember 2020 gibt es im Moment nicht.“

In den Medien wird in diesen Tagen auch immer wieder eine Verlegung der Olympischen Spiele thematisiert. Das IOC hat sich am Dienstag dieser Woche mit den Vertretern der Sommersportarten in einer Telefonkonferenz besprochen. Die Verlegung der Spiele dabei diesmal noch nicht ernsthaft diskutiert - das IOC will zunächst weiter abwarten. Begrüßen Sie die Entscheidung?

Weikert: „Die ITTF und ich persönlich begrüßen die Entscheidung. Im Moment sollte man am Olympiatermin festhalten. Klar ist, dass wir für die Athleten sorgen müssen, für gerechte Qualifikationsbedingungen, und die Japaner müssen vorbereitet sein. Aber es ist noch ein wenig Zeit, um bei Notwendigkeit gegebenenfalls andere Maßnahmen zu ergreifen. Im Moment geht es darum, gerechte Qualifikationsbedingungen zu schaffen. Wenn das nicht durch Turniere möglich ist, wäre die Weltrangliste die Alternative. Dies hätte aber auch einige Ungerechtigkeiten zur Folge, beispielsweise für Nationen, die stark sind, aber nicht reisen können - ich nenne hier als Fall einmal Nordkorea. Deshalb haben wir beim IOC angemahnt, die Quoten zu erhöhen und diesem Vorschlag wird das IOC aller Voraussicht nach auch folgen. Normalerweise beträgt unsere Quote 86 Damen und 86 Herren. Wahrscheinlich bekommen wir nun vier bis fünf Quotenplätze mehr, so dass wir mit dieser Art von „wild cards“ Ungerechtigkeiten ausgleichen können, soweit es eben geht.“

Bei Großveranstaltungen verdient die ITTF an TV- und Werbeinnahmen, bei Olympia gibt es Einnahmen über das IOC. Gibt es Ausfallversicherungen, die beispielsweise im Falle von ausbleibenden Team-WM- und Olympiageldern Verluste der ITTF kompensieren würden?

Weikert: „Für Olympia gibt es eine Ausfallversicherung, ja. Die ITTF erhält normalerweise ca. 18 Millionen Dollar für eine Olympiade, also den Zeitraum von vier Jahren. Versichern kann man maximal ein Viertel, wir würden bei einem Ausfall also etwa 4,5 Millionen erhalten. Sollten die Olympischen Spiele nicht stattfinden, machen wir also in jedem Fall einen Verlust. Für die ITTF sind die IOC-Zuwendungen wichtig, aber nicht lebenswichtig. Sie machen ca. 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus, die wir jährlich haben. Kleinere Verbände sind hingegen oft zu 90 bis 95 Prozent auf die IOC-Gelder angewiesen. Für die Team-WM hingegen gibt es keine Ausfallversicherung. Allerdings haben sich die Südkoreaner sehr um die ganze Sache bemüht, außerdem stehen die Regierung und die Stadt Busan dahinter. Wenn die WM durchgeführt werden kann, erleiden wir dort keinen Ausfall.“

Im Fußball wird darüber nachgedacht, nach der Corona-Pause die Saison zu Ende zu bringen – auch ohne Publikum. Gibt es ähnliche Gedankenspiele der ITTF auch für die Rückkehr zu Topveranstaltungen im Tischtennis, wo Zuschauereinnahmen ja ohnehin eine weniger relevante Größe sind als im Fußball?

Weikert: „Ja, die Gedankenspiele gibt es. Wir haben bzw. hatten vor, ein oder zwei World-Tour-Turniere in großen Fernsehstudios an einem sicheren Ort zu spielen. Das ist jetzt natürlich schwierig, weil bis 30. April sowieso nicht gespielt wird, und im Mai steht dies noch in den Sternen. Falls wir dies im Mai, oder auch der Juni wäre denkbar, realisieren können, dann käme es auch zu Geisterveranstaltungen. Es wäre aber wichtig für die Athleten, im Hinblick auf Olympischen Spiele Weltranglistenpunkte zu sammeln. Und auch für die ITTF, um die TV-Gelder zu realisieren, denn wir müssen ja unsere Verträge erfüllen. Ob es bei Ausfällen unter Umständen Kulanzleistungen geben kann, das steht im Moment noch in den Sternen. Das wird man dann sehen.“

Am 6. April sollte in aller Welt Tischtennis gespielt werden - beim World Table Tennis Day. Auch diesem macht das Virus einen Strich durch die Rechnung. Fällt er einfach aus, oder wird er verschoben?

Weikert: „Der World Table Tennis Day am 6. April hat sich eingespielt mit hunderten Veranstaltungen in aller Herren Länder. Es macht aber keinen Sinn, zu einer Party und Spaß aufzurufen, wenn es gleichzeitig wichtig ist, dass man soziale Kontakte überall vermeidet. Wir werden aber am 6. April für die nächsten Jahre festhalten, aber auch in 2020 soll das Datum und die Aktion nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb gibt es an diesem 6. April einen virtuellen World Table Tennis Day der besonderen Art: Es liegen einige Pläne dazu in der Schublade, und unsere Jungs und Mädels in Singapur sind hier sehr kreativ. Lasst Euch einfach überraschen!“

Ihr Tipp: Wann wird international wieder Tischtennis gespielt – mit begeisterten Zuschauern auf den Rängen?

Weikert: „Ich bin und bleibe optimistisch. Ich hoffe, dass wir wieder Tischtennis mit begeisterten Zuschauern auf den Rängen in Südkorea bei der auf Ende Juni verschobenen Team-WM sehen können.“


ITTF: Emergency-Meeting held in view of COVID-19

https://www.ittf.com/2020/03/16/emergency-meeting-held-view-covid-19/iTTF sagt alle Veranstaltungen bis Ende April ab

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