Geschafft: Dima Ovtcharov ist seit dem 1. Januar 2018 die Nummer 1 der Welt (Foto: Schillings)
Timo Boll auf Position 3 / Deutsche Asse dominieren die Januar-Weltrangliste

Januar-WR: Dimitrij Ovtcharov offiziell die neue Nr. 1 der Welt

01.01.2018

Lausanne/Frankfurt. Seit 1. Januar, 14.30 Uhr deutscher Zeit, ist es offiziell: Dimitrij Ovtcharov ist die neue Nummer 1 der Tischtennis-Weltrangliste. Der 29-Jährige ist nach dem aktuellen Weltranglisten-Dritten Timo Boll der zweite Deutsche an der Spitze des Rankings. Ovtcharov löst Chinas Weltmeister und Olympiasieger Ma Long nach 34 Monaten an Position eins ab und beendet mit dem Erscheinen der neuen ITTF-Notierung die insgesamt 81-monatige Alleinherrrschaft der Spieler aus dem Reich der Mitte. 

"Ungemein stolz, die Nummer 1 zu sein"

Der zum Jahresbeginn auf den Malediven in Urlaub weilende Wahl-Düsseldorfer mit Elternhaus in Hameln weiß seit seinem Sieg am 15. Dezember im Achtelfinale der World Tour Grand Finals über den Japaner Koki Niwa, dass ihn die neue Rangliste der International Table Tennis Federation am ersten Tag des Jahres als Nummer eins ausweisen wird. Ovtcharov: "Ich bin ungemein stolz, nun die Nummer 1 zu sein. Für mich ist es die Erfüllung eines Traumes. Es fühlt sich für mich persönlich an wie der Gewinn eines Welttitels."

Vor World-Cup-Sieger Ovtcharov standen seit April 2011 ausnahmslos Athleten aus dem Reich der Mitte an der Spitze der Weltrangliste. Letzter Nicht-Chinese als Nummer eins war von Januar bis März 2011 Timo Boll. Es war Bolls zweite Amtszeit als Regent über die Tischtennis-Welt, nachdem er zuvor bereits von Januar bis Mai 2003 den Thron inne hatte. Nun übernimmt der Olympiadritte von London Bolls Erbe und ist erst der zweite Deutsche überhaupt in der Spitzenposition: "Ich habe 20 Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet und es nun geschafft. Ich möchte sehr vielen Menschen danken, die mich die ganze Karriere über unterstützt haben. Dieser Erfolg war nur mit der Hilfe des gesamten Teams und natürlich der großen Unterstützung durch die Familie möglich."

Timo Boll Dritter / Historisches Ergebnis für Deutschland / Filus auf 18

Für den deutschen Tischtennissport hat jedoch nicht nur Dimitrij Ovtcharovs Sprung an die Weltranglistenspitze am 1. Januar 2018 historische Bedeutung. Durch das nicht minder bemerkenswerte Vorrücken des im vergangenen Jahr überaus erfolgreichen Düsseldorfers Timo Boll von Position fünf auf drei dominiert der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) das aktuelle Ranking und steht im Jahr der Mannschafts-Weltmeisterschaften 2018 in Halmstad (Schweden, 29. April bis 6. Mai) so gut wie nie zuvor da. Mit Platz 18 wird zudem Abwehrass Ruwen Filus (Fulda) erstmals unter den Top 20 gelistet, Ricardo Walther (Grünwettersbach) schafft mit Rang 27 die bisher beste Platzierung seiner Laufbahn, Bastian Steger (Bremen) ist die Nummer 31 der Welt. Der 36-jährige Ma-Long-Bezwinger Timo Boll - u.a. im vergangenen Jahr WM-Viertelfinalist 2017, Finalist bei World Cup, China Open, German Open und Dritter bei den Grand Finals - freut sich: "„Ich freue mich besonders für Dima, aber auch für den deutschen Tischtennissport, sowie für unser gesamtes Tischtennis, das nun jahrelang von China dominiert wurde. Es ist wieder Leben in unserem Sport! Ich freue mich natürlich auch, nach den härtesten acht Monaten meiner Karriere im Januar selbst die Position 3 in der Welt einzunehmen."

"Das beste Jahr meiner Karriere"

Dass die Wachablösung im Welttischennis möglich wurde, verdankt Ovtcharov dem eindeutig erfolgreichsten Jahr seiner Karriere. Sieht man vom Achtelfinal-Ausrutscher bei der WM in Düsseldorf ab, gewann der zweimalige Einzel-Europameister in den vergangen 12 Monaten fast alles, was es zu gewinnen gab: Den World Cup, das Europe Top 16, die World-Tour-Platinum Events in Magdeburg und in China sowie die Indian und die Bulgarian Open. Außerdem verbuchte Ovtcharov den Champions-League-Sieg mit seinem russischen Verein Orenburg und den Gewinn der Europameisterschaft mit dem DTTB-Team. Dass der Sprung an die Spitze durch die heutige Umstellung des Weltverbandes ITTF auf ein neues Weltranglisten-System beschleunigt wird, schmälert den Erfolg Ovtcharovs in keinster Weise. Timo Boll bringt es auf den Punkt: "Dima hat praktisch alles gewonnen, was man gewinnen kann. Er hat es sich verdient."

"Dima hat es sich verdient"

Ovtcharov krönte sein bestes Jahr im Oktober mit dem lange erträumten Gewinn des prestigeträchtigen World Cups in Lüttich. Bei den German Open besiegte er außerdem auf dem Weg zum Titel Chinas WM-Viertelfinalisten von 2013, Yan An, ohne Satzverlust sowie im Halbfinale nach einem herausragenden Match erstmals auch den Weltranglisten-Zweiten Fan Zhendong, wenige Wochen später bei den Grand Finals zudem auch Asia-Cup-Sieger Lin Gyoyuan, die jetzige Nummer vier der Welt. Siege, die Ovtcharov noch stärker machen: "Mittlerweile trage ich den Glauben in mir, dass ich auch die besten Chinesen schlagen kann." Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf, der mit Ausnahme von Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll am heutigen Neujahrs-Abend seine Nationalspieler zur ersten Trainingseinheit des Jahres in Düsseldorf begrüßt, gratuliert: "Dima hat es sich redlich verdient, ab heute die Nummer 1 der Welt zu sein. Seit der WM hat er konstant wie kein anderer im Welttischtennis gespielt."

Herren-Weltrangliste: Ovtcharov vor Fan Zhendong und Boll

Das neue Ranglistensystem, das ab sofort Monat für Monat die bis zu acht besten Turnierergebnisse der Athleten aus den vergangenen 12 Monaten nach festgelegten Punktewertungen berechnet, weist bei seiner ersten Notierung Dimitrij Ovtcharov mit 16545 Punkten an Position eins mit 675 Zählern vor dem Chinesen Fan Zhendong (15870) auf, der seinerseits 705 Punkte mehr als der Drittplatzierte Timo Boll (15165) auf seinem Konto stehen hat. Vierter ist Lin Gaoyuan (14244), Weltmeister Ma Long folgt aktuell auf Position sieben. Verschiebungen gab es teilweise erhebliche, das prominenteste Opfer ist Zhang Jike: Der in 2017 nur selten und außerdem wenig erfolgreich spielende London-Olympiasieger wurde bis auf Position 54 durchgereicht. 

Die deutschen Herren stehen auch hinter Ovtcharov, Boll, Filus, Walther und Steger gut positioniert da. Patrick Franziska (Saarbrücken) ist 43., drei Ränge hinter ihm bereits ist Benedikt Duda (Bergneustadt platziert, Steffen Mengel kehrte als 92. unter die Top 100 zurück.

Damen-Weltrangliste: Deutsche Damen büßen Plätze ein

Eine der beiden deutschen Spielerinnen unter den Top 100, die sich im Januar-Ranking verbesserte, ist die Berlinerin Shan Xiano. Sie ist als Nummer 23 (zuvor 27) nun die Nummer eins des DTTB, nachdem Abwehrass Han Ying 19 Plätze einbüßte und nur noch an 32 geführt wird. Die 2017 wenig aktive Berlinerin Petrissa Solja rutschte von 40 auf 70 ab, Sabine Winter (Kolbermoor) ist nun die Nummer 72 der Welt. Talent Nina Mittelham (Bad Driburg) rückte von 103 auf 76 vor.

Auch die Damen haben eine neue Weltranglisten-Erste. Hier tauschte Grand-Final-Siegerin Chen Meng (CHN) an der Spitze mit der bis dahin führenden Zhu Yuling die Plätze. Hinter den beiden Chinesinnen nehmen Feng Tianwei (Singapur) die von elf auf drei vorrückte, und die um eine Position verbesserte Japanerin Kasumi Ishikawa die nächsten Plätze ein. Weltmeister Ding Ning wurde im neuen System für ihre wenigen Auftritte im Jahr 2017 mit dem Abrutschen auf Position 21 bestraft.

Weltrangliste Januar 2018

HERREN

Die Top 10
1 (3) Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland) - 16545 Punkte
2 (2) Fan Zhendong CHN - 15870 Punkte
3 (5) Timo Boll (Düsseldorf) - 15165 Punkte
4 (6) Lin Gaoyuan CHN - 14244 Punkte
5 (4) Xu Xin CHN - 13810 Punkte
6 (8) Koki Niwa JPN, 7 (1) Ma Long CHN, 7 (14) Wong Chun Ting HKG, 9 (11) Simon Gauzy FRA, 10 (15) Kenta Matsudaira JPN 

Die Platzierungen der übrigen Deutschen unter den Top 100
18 (23) Ruwen Filus (Fulda), 27 (47) Ricardo Walther (Grünwettersbach), 31 (30) Bastian Steger (Bremen), 43 (49) Patrick Franziska (Saarbrücken), 46 (46) Benedikt Duda (Bergneustadt), 92 (103) Steffen Mengel (Bergneustadt)

Die weiteren Platzierungen der Deutschen unter den Top 300
191 (-) Wang Xi (Fulda), 222 (101) Patrick Baum (Saarbrücken), 291 (183) Kilian Ort (Bad Königshofen)

Zur kompletten Weltrangliste der Herren


DAMEN

Die Top 10
1 (2) Chen Meng (CHN), 2 (1) Zhu Yuling (CHN), 3 (11) Feng Tianwei SGP, 4 (5) Kasumi Ishikawa (JPN), 5 (9) Mima Ito (JPN), 6 (6) Miu Hirano (JPN), 7 (12) Cheng I-Ching TPE, 8 (8) Wang Manyu (CHN), 9 (19) Doo Hoi Kem HKG, 10 (10) Cheng Xingtong CHN 

Die Platzierungen der übrigen Deutschen unter den Top 100
23 (27) Shan Xiaona (Berlin), 32 (13) Han Ying (Tarnobrzeg, Polen), 70 (40) Petrissa Solja (Berlin), 72 (65) Sabine Winter (Kolbermoor), 76 (103) Nina Mittelham (Bad Driburg)

Die weiteren Platzierungen der Deutschen unter den Top 300
152 (190) Wan Yuan (Bingen/Münster-Sarmsheim), 175 (-) Kristin Lang (Kolbermoor), 231 (146) Chantal Mantz (Le Chesnay), 272 (-) Irene Ivancan

Zur kompletten Weltrangliste der Damen

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