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Deutschlands Medaillengewinner (Foto: Toth)
Silber für Anastasia Bondareva/Klee und Bronze für Daniel Rinderer/Stumper

JEM: Kay Stumper ist Jugend-Europameister

MS 24.07.2021

Frankfurt/Varazdin. Deutschlands Tischtennis-Nachwuchs hat den ersten Teil der 63. Jugend-Europameisterschaften in Varazdin (Kroatien) mit drei Medaillengewinnen beendet. Bei den U19-Titelkämpfen der Mädchen und Jungen holte Kay Stumper Gold im Einzel, Silber ging an das Mädchen-Doppel Anastasia Bondareva und Sophie Klee. Im Jungen-Doppel sammelte Kay Stumper zusammen mit Daniel Rinderer Bronze und damit sein zweites Edelmetall. Nach einer zweitägigen Pause für An- und Abreise geht es ab Dienstag in Varazdin mit der U15-EM der Schülerinnen und Schüler weiter. Das deutsche U15-Team wird am Sonntag mit insgesamt acht Teilnehmern in Kroatien eintreffen.

Ende gut, fast alles gut. Nachdem die DTTB-Teams in den Mannschafts-Wettbewerben mit Platz 5 (Mädchen) und 7 (Jungen) leer ausgegangen waren, glänzten sie umso mehr in den Individual-Konkurrenzen und gewannen Gold, Silber und Bronze. Bundestrainer Zhu Xiaoyong, verantwortlich für den Nachwuchskader 1, bilanzierte: "Kay war an Position eins gesetzt, aber trotzdem ist sein Sieg nichts Selbstverständliches angesichts der guten Konkurrenz. Er hat hart dafür gearbeitet, souverän gespielt und sich den Titel mit seinen guten Leistungen redlich verdient. Auch unsere Medaille im Doppel ist sehr positiv, damit war vorher nicht zu rechnen. Wir ziehen für uns eine gute Bilanz dieser EM. Kay wünsche ich, dass ihm eine gute Integration in den Herren-Bereich gelingt. Unsere Jugendlichen müssen weiter hart arbeiten und sich im technischen Bereich verbessern."

Für Europameister Kay Stumper geht ein Traum in Erfüllung

Der neue Jugend-Europameister heißt seit Samstagabend Kay Stumper. In einem guten Finale besiegte der Neu-Ulmer den Polen Samuel Kulczycki mit 11:8, 5:11, 11:7, 12:10, 9:11 und 11:9. Stumper tritt in prominente Fußstapfen: Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska, Christian Süß und Torben Wosik zählen ebenso zur Siegerliste wie der Schwede Jan-Ove Waldner und Vladimir Samsonov (Belarus).

Stumper war im Finale der dominierende Spieler und kontrollierte das Geschehen weitgehend. Kulczycki, der zuvor die Titel im Doppel und mit der Mannschaft gewonnen hatte und zusammen mit der Russin Abraamian der erfolgreichste Spieler des Turniers ist, stand nach dem 1:3-Satzrückstand gegen den Europe-Youth-Top-10-Sieger allerdings noch einmal dicht vor dem Ausgleich. Der Deutsche behielt jedoch nach dem 2:3-Anschluss durch den Ochsenhausener Bundesligaspieler trotz eines 6:9-Rückstandes in Satz sechs die Ruhe und verbuchte fünf Punkte in Folge zu seinem ersten EM-Titelgewinn. Anschließend meinte der neue Champion: "Ich bin natürlich nach dem Titelgewinn überglücklich. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Mit dem EM-Sieg und zuvor zweimal dem Europe Top 10 habe ich alles gewonnen, was man in Europa im Jugendbereich gewinnen kann."

Gefeiert wird im Urlaub in Italien

Stumper war von Anfang an selbstbewusst in das Turnier gegangen: "Ich würde zwar nicht sagen, dass ich damit gerechnet habe, den Titel zu holen. Ich wusste aber, dass ich gegen jeden gewinnen kann, wenn ich eben gut spiele. Ab dem Halbfinale, als die Medaille sicher war, bin auch dann auch immer lockerer geworden. Meine Leistung bei dieser EM ordne ich sehr hoch ein." Großartig Party steht am Abend vor der Abreise trotz des Titelgewinns nicht an. Der Europameister verrät: "So richtig gefeiert wird beim Urlaub in Italien."

Der Neu-Ulmer hatte zuvor in der Vorschlussrunde nahezu problemlos den Kroaten Ivor Ban besiegt, während Kulczycki den Franzosen Alexis Lebrun ausgeschaltet hatte. Der an Position eins gesetzte Stumper hielt Ban ebenso deutlich mit 4:1 auf Distanz wie zuvor im Viertelfinale den Russen Damir Akhmetsafin. Im Finale des Mädchen-Einzels standen sich nach ihrem gemeinsamen Titel im Doppel die Russinnen Natalia Malinina und Elizabet Abraamian gegenüber, die sich nun Europameisterin nennen darf.

Bondareva/Klee: "Die Freude über das Silber kommt etwas später"

Mit einer starken Leistung und dem Gewinn einer glänzenden Silbermedaille im Doppel verabschiedeten sich Anastasia Bondareva und Sophia Klee von den Europameisterschaften. In einem umkämpften Finale, in dem sich Elizabet Abraamian/Natalia Malinina als etwas konstanter erwiesen, unterlagen die mehrfachen Deutschen Meister den Russinnen mit 10:12, 11:9, 7:11 und 9:11. Gegen die sehr sicher agierenden besten Einzelspielerinnen des Turniers fanden die Deutschen nicht die notwendige Mischung aus hohem Risiko und taktisch klugen Platzierungen. Nur im zweiten Durchgang nach einem 5:9-Rückstand wurde der Mut zum Risiko mit sechs Punktgewinnen in Folge und dem Satzgewinn belohnt. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war bereits eine kleine Vorentscheidung gefallen. Denn Bondareva/Klee hatten den ersten Satz nach einer 10:7-Führung noch unnötig aus der Hand gegeben. Sophia Klee ärgerte sich: "Dass wir den Satz noch verschenkt haben, war ein Schlüsselmoment für das ganze Spiel. Ein gewonnener erster Durchgang hätte den Matchverlauf beeinflusst. Aber wir waren in den entscheidenden Momenten zu passiv." Ihre Enttäuschung konnte die 18-Jährige nicht verbergen: "Hätte man mir vor dem Turnier den zweiten Platz angeboten, hätte ich ihn sofort genommen. Nach einem so engen Finale aber sieht es anders aus: Wir hätten gerne den Titel geholt. Jetzt ist erst einmal die Enttäuschung groß, aber im Laufe des Abends oder spätestens morgen kommt dann die Freude über das Erreichte."

Die beiden Abiturientinnen hatten in diesem Jahr aufgrund der intensiven Vorbereitungen auf die schulischen Abschlussprüfungen ihren Trainingsumfang bis wenige Wochen vor dem EM erheblich einschränken müssen. Im Turnier wurden sie von Spiel zu Spiel besser und besiegten im Halbfinale nach großem Kampf das starke Duo Hana Arapovic/Linda Zaverova. Für Bondareva, die im Gegensatz zu Klee zum letzten Mal in der U19-Konkurrenz antreten konnte, war das 3:1 über die kroatisch-tschechische Team das vielleicht beste Spiel bei dieser EM. Die 19-Jährige kommentierte: "Das war ein starkes Ding. Wir haben sogar Bälle getroffen, die wir gar nicht treffen wollten. Die anderen wussten die meiste Zeit gar nicht so richtig, was sie machen sollen." Zuvor mussten die Deutschen im Viertelfinale am Vormittag gegen Iveta Ilieva/Ilona Sztwiertnia (Bulgarien/Polen) fünf Sätze durch ein Wechselbad der Gefühle. Nochmals Bondareva: "Wir haben im Match gespürt, es wird sehr schwer. Eine der beiden spielt beidseitig mit Noppen-Belag. Da waren wir manchmal schon verzweifelt, konnten nie einschätzen, was da zurückkommt. Aber da gebe ich einfach mal uns beiden ein großes Kompliment, dass wir trotzdem das ganze Match über so mutig gespielt haben, egal wie knapp es war."

Der für den weiblichen Bereich zuständige DTTB-Trainer Jaroslav Kunz freute sich über die Silbermedaille im Doppel: "Die Mädchen haben sich das mit ihrem tollen Einsatz, ihrer Einstellung und dem Kampfgeist wirklich verdient. Sie konnten aufgrund des Abis in diesem Jahr spielerisch nur etwa 80 Prozent Leistung bringen, deshalb ist diese Medaille sehr wertvoll. Jetzt müssen sie aber im Training einen Zahn zulegen."

Stumper/Rinderer gewinnen Bronze: "Bin unfassbar glücklich"


Mit einem glänzenden dritten Platz beendete das Doppel Daniel Rinderer/Kay Stumper die U19-Europameisterschaften. Wie wertvoll diese Bronzemedaille ist, verdeutlicht die Einschätzung des Müncheners Daniel Rinderer nachdrücklich: "Ich bin einfach unfassbar glücklich, dass ich in meinem letzten Jugendjahr noch einmal eine EM-Medaille holen konnte. Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet, auch wenn wir aufgrund der vielen Weltranglistenpunkte von Kay an Position eins gesetzt waren." Das Ausscheiden im Halbfinale änderte nichts an den Emotionen des Bayern: "Wir haben super gespielt und wahrscheinlich gegen das beste Doppel des Turniers verloren. Ich bin über Bronze unglaublich stolz und glücklich. Ich kann mit keinem besseren Gefühl nach Hause fahren."

In den Sätzen umkämpft, aber dennoch mit 3:0 hatten sich Kay Stumper/Daniel Rinderer am Schlusstag der U19-EM den Einzug in das Halbfinale und damit Edelmetall gesichert. Das topgesetzte Duo hielt mit einer starken Leistung Italiens Spitzendoppel Andrea Puppo/Marco Cappuccio in Schach, bevor Ochsenhausen Bundesligaspieler Maciej Kubik/Samuel Kulczycki (Polen) den bis dahin souveränen Siegeszug der Deutschen in fünf umkämpften Sätzen stoppten. Die Mannschafts-Europameister, die in der Runde der besten Acht ebenfalls in fünf Sätzen gegen das überzeugende DTTB-Duo Hannes Hörmann/Tom Schweiger gewonnen hatten, sicherten sich anschließend im Endspiel gegen die Rumänen Eduard Ionescu/Darius Movileanu die Goldmedaille.

Naomi Pranjkovic hochzufrieden mit dem Doppel-Viertelfinale


Für Naomi Pranjkovic erfüllte sich bei dieser EM der Traum von einer Medaille im Doppel noch nicht. Im Viertelfinale unterlag die Kolbermoorerin an der Seite ihrer moldawischen Partnerin Camelia Merenco am Vormittag den späteren Europameisterinnen in vier Sätzen. Die erst 16 Jahre alte Pranjkovic war dennoch alles andere als traurig nach der Niederlage: "Das Viertelfinale überhaupt erreicht zu haben, ist für uns beide ein riesiger Erfolg. Wir kannten uns ja vorher gar nicht und sind als Doppel zusammengewürfelt worden. Es war sehr gut, dass wir trotzdem gegen die eingespielten Russinnen einen Satz gewonnen haben. Sie haben als Doppel eine ganz andere Qualität als wir." Die Doppelpartnerin der gebürtigen Rosenheimerin gehörte zudem noch der Altersklasse U15 der Schülerinnen an. Da Moldawien aber aus finanziellen Gründen keine Delegation für die am Dienstag beginnende U15-EM stellen kann, wurde Merenco für die U19-Konkurrenz nominiert. Wie überraschend der Erfolg kam, verdeutlichte auch die Flugbuchung Moldawiens. Der Verband hatte ursprünglich für eine Abreise nach dem Achtelfinaltag am Freitag geplant. Mit unbürokratischer Unterstützung des DTTB konnte dann kurzfristig die Buchung verlängert werden.


Ergebnisse und Livestream

Weitere Links

Samstag. 24. Juli


Jungen-Einzel
Finale

Kay Stumper - Samuel Kulczycki POL 4:2 (8,-5,7,10,-9,9)
Halbfinale
Kay Stumper - Ivor Ban CRO 4:1 (7,12,-7,5,6)
Samuel Kulczycki POL - Alexis Lebrun FRA 4:2 (-9,13,9,-5,3,4)
Viertelfinale

Kay Stumper – Damir Akhmetsafin RUS 4:1 (-5,7,8,8,6)


Mädchen-Doppel
Finale

Anastasia Bondareva/Sophia Klee – Elizabet Abraamian/Natalia Malinina RUS 1:3 (-10,9,-7,-9)
Halbfinale
Anastasia Bondareva/Sophia Klee – Hana Arapovic CRO/Linda Zaverova CZE 3:1 (6,6,-4,8)
Elizabet Abraamian/Natalia Malinina RUS - Anna Brzyska/Zuzanna Wielgos POL 3:1 7,-6,8,10)
Viertelfinale

Anastasia Bondareva/Sophia Klee – Ivet Ilieva BUL/Ilona Sztwiertnia POL 3:2 (11,-10,-12,6,7)
Naomi Pranjkovic/Camelia Merenco MDA – Elizabet Abraamian/Natalia Malinina RUS 1:3 (-5,-6,9,-5)


Jungen-Doppel
Finale

Maciej Kubik/Samuel Kulczycki POL - Eduard Ionescu/Darius Movileanu ROU 3:1 (-12,5,5,6)
Halbfinale
Daniel Rinderer/Kay Stumper – Maciej Kubik/Samuel Kulczycki POL 2:3 (-7,4,5,-6,-5)
Eduard Ionescu/Darius Movileanu ROU - Ivor Ban CRO/Andras Csaba HUN 3:1 (-5,13,7,5)
Viertelfinale

Daniel Rinderer/Kay Stumper – Andrea Puppo/Marco Cappuccio ITA 3:0 (9,9,8)


Mädchen-Einzel
Finale

Elizabet Abraamian RUS - Natalia Malinina RUS 4:0 (6,5,5,1)
Halbfinale
Elizabet Abraamian RUS - Camille Lutz FRA 4:1 (-11,3,5,6,11)
Natalia Malinina RUS - Charlotte Lutz FRA 4:3 (-10,5,6,-10,4,-10,7)

 

Das JEM-Aufgebot des DTTB

Spieler:innen*
Mädchen (U19): Sophia Klee (ESV Weil), Anastasia Bondareva (SV DJK Kolbermoor), Naomi Pranjkovic (SV DJK Kolbermoor), Leonie Berger (TTC Staffel), Sarah Rau (SC Niestetal)
Jungen (U19): Kay Stumper (TTC Neu-Ulm), Daniel Rinderer (FC Bayern München), Tom Schweiger (FC Bayern München), Hannes Hörmann (TV 1879 Hilpoltstein), Heye Koepke (Oldenburger TB)
Schülerinnen (U15): Annett Kaufmann (SV Böblingen), Mia Griesel (MTV Tostedt), Jele Stortz (DJK Offenburg), Josephina Neumann (TTC Staffel)
Schüler (U15): Lleyton Ullmann (TSV Sasel), Manuel Prohaska (SC Staig), Pavel Sokolov (TTG Marpingen-Alsweiler), Luis Kraus (SV DJK Kolbermoor)
*Die Vereinsnamen beziehen sich auf die Spielberechtigung für die Saison 2020/2021. 

Trainer:innen
U19 
Zhu Xiaoyong (Bundestrainer NK1 männlich)
Jaroslav Kunz (verantwortlicher Trainer NK1 weiblich)
Gianluca Walther (Assistenztrainer NK1 männlich)
Krisztina Toth (Referentin Leistungssport Bayern)
U15
Lara Broich (Bundestrainerin NK2 weiblich)
Chris Pfeiffer (Bundestrainer NK2 männlich)
Jessica Böhm (Assistenztrainerin NK2 weiblich)
Oliver Alke (compass Coach)

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