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Kay Stumper greift an (Foto: Fuhrmann)
Nach der EM ist vor den Deutschen Meisterschaften / Interview mit dem Jugend-Europameister

Kay Stumper: "Die Goldmedaille habe ich meinem Bruder geschenkt"

MS 10.08.2021

Frankfurt/Main. Kay Stumper darf sich freuen. Der Neu-Ulmer, der im OKtober seinen 19. Geburtstag feiert, ist der erste deutsche Jugend-Europameister seit Patrick Franziska. Der Name Stumper steht aufgereiht in der Siegerliste zusammen mit denen der Weltstars Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Vladimir Samsonov und Jan-Ove Waldner. Kay Stumper, der Ende Juli in Varazdin Europameister in der Altersklasse U19 wurde, freut das, darauf einbilden tut er sich allerdings nichts. Der noch bis Oktober 18 Jahre alte Neu-Ulmer weiß nur allzu zu gut, welch steiniger Weg zu einer Karriere im Erwachsenenbereich noch vor ihm liegt. Eine seiner erste Aufgaben nach dem Titelgewinn ist die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison und die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Bremen (28./29. August), für die der Vorverkauf läuft.

Jugend-Europameister wird man nicht alle Tage. Was ist mit der Medaille passiert: Hängt sie an einem Ehrenplatz an der Wand oder versauert sie in einer dunklen Schublade?
Kay Stumper: Eigentlich sollte ich die Medaille einen Ehrenplatz an der  Wand bekommen, aber ich habe sowohl die goldene vom Einzel als auch die bronzene aus dem Doppel meinem kleinen Bruder Flynn geschenkt, da er beide unbedingt haben wollte. Was er damit macht, weiß ich nicht genau, aber ich bin mir sicher, er behandelt sie sehr gut.

Viel Zeit zum Feiern blieb nicht in Varazdin nicht. Gab es noch eine Riesenparty zuhause?
Stumper:
Wir haben bis in den Abend gespielt ja. Wir haben mit allen noch etwas bei einem gemeinsamen Abendessen zusammengesessen, das fand ich sehr schön. Eine dicke Fête gab es nicht, aber dafür bin ich direkt am nächsten Tag zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder für eine Woche nach Lido de Jesolo in Italien in den Urlaub geflogen. Dort haben wir dann den Europameister-Titel richtig zusammen gefeiert.

Du warst vor der EM einer der heißen Favoriten und hast Dir dann den Titel auch relativ deutlich gesichert. Hattest Du damit gerechnet?
Stumper: Ich bin zwar selbstbewusst in das Turnier gegangen, aber direkt mit dem Titel gerechnet hatte ich vorher nicht. Die Überlegenheit, die hat sich im Turnier entwickelt. Die anderen waren ja eigentlich auch gar nicht viel schlechter, aber es ist mir gelungen, bei der EM einfach besonders gut zu spielen.

Du bist mit dem Titelgewinn der Altersklasse der Jugend entwachsen: Wie schwer wird der Wechsel in den Herren-Bereich?
Stumper: Vielleicht kommt ja zum Jahresende noch die Jugend-WM, falls diese nicht wegen der Pandemie ausfällt. Aber sonst bin ich jetzt nur noch bei den Herren unterwegs, das stimmt. Der Wechsel wird mir aber nicht besonders schwerfallen, denn ich trainiere ja schon lange durchgängig nur mit Herren und spiele dort ja auch in der Bundesliga. Das wird also alles gut verlaufen, da bin ich mir sicher.

Wo siehst Du Deine größten Stärken und woran musst Du noch am meisten arbeiten?
Stumper:
Das kann ich schlecht sagen. Bei der EM war es so, dass ich mental sehr stark war in den entscheidenden Momenten, sehr gut gekämpft habe und eine gute Ausdauer hatte. Aber bei den kleinen Sachen unterlaufen mir manchmal noch leichte Fehler. Da muss ich sicherlich für den Herren-Bereich noch etwas besser werden, um weniger davon zu machen.

Du steht in einer Siegerliste mit prominenten Namen: Boll, Ovtcharov, Franziska. Was hast Du Dir vorgenommen, wo geht Deine Reise hin?
Stumper:
Das sind alles wirklich sehr, sehr große Namen, Patrick hat als letzter Deutscher vor mir gewonnen, das war vor etwa einem Jahrzehnt. Ich freue mich, dass auch mir dieser Titel gelungen ist. Ich glaube, dass mein weiterer Weg vor allem davon abhängt, wie hart ich weiter an mir arbeiten werde. Es wäre natürlich ein Traum, wenn mein Weg in dieselbe Richtung ginge wie der meiner Vorgänger. Aber dafür muss ich noch unglaublich viel arbeiten, um vielleicht irgendwann Ähnliches erreichen zu können.

Du hattest Dich viele Wochen und Monate auf die EM vorbereitet, schon bald beginnt aber auch die Bundesligasaison wieder. Bleibt noch Zeit für etwas Entspannung zwischendurch?
Stumper:
Ich habe mich wirklich lange und intensiv vorbereitet, durfte teilweise auch an der Olympia-Vorbereitung der Herren teilnehmen, wofür ich sehr dankbar bin und was mir auch sehr viel gebracht hat. Zeit für Urlaub bleibt dieses Jahr nicht mehr, der ist mit den sieben Tagen in Italien abgehakt. Jetzt steht die Vorbereitung auf die Bundesliga auf dem Programm.

Einer der ersten Termine sind Ende August die Deutschen Meisterschaften in Bremen. Als Jugend-Europameister willst Du Dich sicherlich auch bei diesem Prestige-Turnier ins rechte Licht rücken. Mit welchen Zielsetzungen reist Du nach Bremen?
Stumper:
Ich gehe da ganz locker ran. Es wird ja im K.-o.-System gespielt, da kommt es ganz viel auch auf die Auslosung und auf die Tagesform an. Ich werde einfach versuchen, mein bestes Tischtennis zu spielen. Wenn mir das gelingt, dann weiß ich, dass ich auch in der Lage bin, sehr viele Leute zu schlagen. Ich kann mich dort jedenfalls auch ganz auf mein Einzel konzentrieren, da ich im Doppel und Mixed nicht antrete.

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