Anzeige
Weltmeisterin Koharu Itagaki. Foto: WTT
Die frisch gebackene U15-Weltmeisterin im Porträt

Koharu Itagaki: Der Ruhepol

Julian Hörndlein 01.12.2025

Cluj-Napoca/Bad Königshofen. Mit dem Titelgewinn bei der Jugend-WM hat Koharu Itagaki den bisher größten Meilenstein ihrer jungen Karriere erreicht. Möglich gemacht haben das ihre Zielstrebigkeit, ein tiefes Spielverständnis und ihre große Teamfähigkeit. Ein Porträt über eine Spielerin, von der man noch viel hören wird.

Sonntagnachmittag im rumänischen Cluj-Napoca. Koharu Itagaki setzt beim Stand von 10:7 und 3:2 in Sätzen zu ihrem charakteristischen Rückhandaufschlag an. Ihre Gegnerin, die Chinesin Zhu Qihui, nimmt den Ball an, spielt zurück. Ein letzter Rückschlag von Itagaki, dann fällt Zhus Ball ins Netz – und Itagaki ist Weltmeisterin. Was folgt, ist kein Freudenschrei, kein Tanz, kein Gefühlsausbruch. Das 15-jährige Ausnahmetalent reckt ein paarmal die Faust, bedankt sich bei ihrer Kontrahentin, den Schiedsrichtern und dem chinesischen Trainer – und fällt dann in die Arme von Bundestrainerin Jie Schöpp.

Itagakis Bescheidenheit, selbst im Moment ihres bisher wichtigsten Triumphs, ist ganz typisch für die Sportlerin, die längst zu den sicheren Medaillenlieferantinnen im Team Deutschland gehört. Die Liste ist nämlich lang: Dreimal hintereinander hat sie inzwischen die Team-Europameisterschaft mit der Mannschaft gewonnen – zuletzt im Juli im tschechischen Ostrava. An gleicher Stelle heimste sie außerdem noch den Einzel-Titel ein. Die 15-Jährige, die in knapp zwei Monaten 16 Jahre alt wird, gehört zu den Angstgegnerinnen ihrer Kontrahentinnen, abschreiben sollte man sie nie.

Koharu Itagaki ist keine, die ihren Erfolg groß in den Vordergrund stellt. Im Court agiert sie stets höflich und respektvoll. Ihre Schüchternheit hat sie inzwischen etwas abgelegt, nimmt auch mal am neuesten Social-Media-Trend teil und ist aufgrund ihrer Authentizität ein Liebling der Fans – nicht zuletzt in ihrer Heimat. Itagaki lebt in Bad Königshofen, wurde hier zu der Sportlerin, die sie heute ist.

Familienmensch Itagaki: „Sie geben mir viel Unterstützung“

In der unterfränkischen Provinz fühlt sich die Weltmeisterin wohl. Zu sagen, dass sie aus einer tischtennisbegeisterten Familie kommt, wäre wohl eine sträfliche Untertreibung. Ihr Vater Koji Itagaki kam bereits vor fast zehn Jahren ins Grabfeld, ist langjähriger Head Coach des dortigen TTBL-Klubs. Seine Tochter unternahm mit ihm die ersten Schritte im Tischtennis, ihrem Heimatverein ist Koharu sehr verbunden. Sportlich ist das Ausnahmetalent im Erwachsenenbereich inzwischen weitergezogen. Gemeinsam mit ihrer Mutter Shinobu spielte sie vor einigen Jahren beim TSV 1860 Bad Rodach in der Oberliga, auch durch ihr Zutun gelang der Aufstieg in die Regionalliga. Es folgte eine Station beim SV Schott Jena, wo sie im September 2023 zum ersten Mal in der 1. Bundesliga der Damen aufschlug – und seitdem nicht mehr aus dem Oberhaus wegzudenken ist. Nach dem Jenaer Rückzug aus der 1. Bundesliga wechselte sie zum TSV Dachau, lernt dort unter anderem von Deutschlands Top-Akteurin Sabine Winter.

Koharus Eltern haben nicht nur sie, sondern auch ihre Brüder Kazuto und Akito mit dem Tischtennisgen versorgt. Kazuto spielt beim TSV Bad Königshofen in der zweiten Herrenmannschaft, die in der Regionalliga antritt. Akito hingegen schlägt für die DJK SpVgg Effeltrich in der 3. Bundesliga Süd auf, hat unter anderem einen Anteil an deren derzeitigem Höhenflug. Ihre Schwester unterstützen beide nach Kräften, der Zusammenhalt in der Familie ist groß – das weiß auch die Nachwuchsakteurin selbst. „Meine Verbindung zu ihnen ist sehr eng, weil ich ja auch in Bad Königshofen wohne und zur Schule gehe. Sie geben mir sehr viel Unterstützung und sind immer für mich da – privat und im Tischtennis. Das motiviert mich“, weiß die Gymnasiastin.

Lehrer und Freunde zeigen Verständnis

Den Rückhalt aus der Familie braucht es, um Spitzenleistungen wie zuletzt in Cluj-Napoca abliefern zu können. Vier Trainingseinheiten zu je drei Stunden pro Woche, hinzu kommen die Verpflichtungen im Wettkampf. Dass es da mit der Schule auch mal stressig werden kann, gibt die 15-Jährige offen zu. „Aber meine Lehrer sind verständnisvoll und meine Freunde helfen mir, wenn ich etwas nachholen muss“, sagt sie im Gespräch mit myTischtennis.

Im Team ist Itagaki eine, auf die man sich verlassen kann. Das zeigt nicht zuletzt die Unterstützung, die sie über die Altersklassen hinweg von ihren Teamkolleginnen und -kollegen bekommt. Unter frenetischem Applaus wurde sie nach dem EM-Titel 2025 empfangen. „Sie haben ganz laut für mich applaudiert und mir gratuliert“, erinnert sich das Talent freudestrahlend. Auch Bundestrainerin Jie Schöpp, die Itagaki inzwischen seit mehreren Jahren begleitet, ist voll des Lobes für ihren Schützling: „Sie ist der ruhende Pol im Team. Die jungen Spielerinnen schauen zu ihr auf – vor allem wegen ihrer Beharrlichkeit.“ Itagaki sei eine gute Spielanalystin, die sich über eine lange Zeit hochkonzentriert halten kann. „Sie gibt niemals auf, egal wie aussichtslos die Situation im Spiel erscheint, und sie ist eine echte Teamplayerin“, so Schöpp. Auch Richard Prause, Vorstand Sport beim DTTB, ist zuversichtlich: „Dieser WM-Titel ist wirklich etwas Außergewöhnliches. Nicht vergessen sollten wir die WM-Bronzemedaille im Doppel für unser Parade-Duo Koharu Itagaki/Josephina Neumann. Diese beiden werden auch als Kombination in Zukunft von sich hören lassen."

Eingespieltes Doppel mit Josi Neumann

Zur von Prause angesprochenen Josephina Neumann hat Itagaki, die übrigens 2018 mit acht Jahren das Bundesfinale der mini-Meisterschaften gewann, eine ganz besondere Verbindung. Beide sind ein eingespieltes Doppel, treten – wo es nur geht – gemeinsam an. Die Kombination holte bereits Gold bei den Europameisterschaften, zuletzt eben erneut Bronze bei der just zu Ende gegangenen Jugend-WM. Die Doppel-Konkurrenz liegt der jungen Deutsch-Japanerin ohnehin. Neumann und Itagaki gewannen im Juni Silber bei der deutschen Meisterschaft im Damen-Doppel. Itagaki hatte außerdem im Jahr zuvor an der Seite von Daniel Rinderer Gold gewonnen und war dadurch zur jüngsten deutschen Meisterin aller Zeiten avanciert.

Jetzt steht der Wechsel in die Altersklasse U19 an. Ein Sprung, der wahrlich nicht immer einfach ist – es braucht mehr Tempo, Qualität und Timing. Itagaki selbst geht bescheiden an den neuen Abschnitt heran. Trainerin Schöpp traut ihr zu, sich an die neuen Anforderungen anzupassen. Sie drückt ihrem Schützling die Daumen freut sich auch für das Team auf die nächsten Jahre. „Als ihre Trainerin hoffe ich für die Zukunft, dass sie so bleibt, wie sie ist.“

Bei all den Erfolgen, die Koharu Itagaki derzeit einfährt, ist es kaum verwunderlich, dass in den Medien bereits der Vergleich mit Annett Kaufmann gezogen wird. Wie das jüngste Turnier gezeigt hat, ist das vielleicht gar nicht ganz unbegründet. Ein Jahr nach dem U19-Triumph der inzwischen 19-jährigen Kaufmann hat Itagaki Gold bei der Mädchen-15-Konkurrenz eingefahren. Man darf gespannt sein, was das Ausnahmetalent in den kommenden Jahren noch erreichen wird – und sollte sie stets auf der Rechnung haben.

Aktuelle Videos

Kontakt

Deutscher Tischtennis-Bund

Erklärung zur Barrierefreiheit

www.tischtennis.de:
Digitale Teilhabe – gesetzlich garantiert.
Informationen zur Barrierefreiheit aufrufen

Hauptsponsoren
weitere Artikel aus der Rubrik
Jugend-WM 01.12.2025

Deutschlands Jugend-Weltmeisterinnen: Die große Bildergalerie von Cluj-Napoca

Koharu Itagaki ist Jugend-Weltmeisterin im U15-Einzel, Mia Griesel holt gemeinsam mit Anna Hursey den Titel im Mädchen-19-Doppel – ein außergewöhnliches Wochenende für Tischtennis-Deutschland. In Cluj-Napoca kämpften sich beide Athletinnen in nervenaufreibenden Finals zum verdienten Gold. Itagaki gewann 4:2 gegen die Chinesin Zhu Qihui, Griesel und Hursey drehten ein historisches Doppel-Endspiel nach 0:2-Rückstand.
weiterlesen...
Jugend-WM 30.11.2025

Gestatten, Weltmeisterin: Koharu Itagaki schnappt sich Gold in Cluj-Napoca

Der nächste Coup ist perfekt: Koharu Itagaki setzt sich im Mädchen-15-Finale 4:2 gegen die Chinesin Zhu Qihui durch und setzt sich damit die Krone von Cluj-Napoca auf. Nach dem erfolgreichen Doppelfinale von Mia Griesel und Anna Hursey gestern gehen damit zwei Goldmedaillen an Team Deutschland.
weiterlesen...
Jugend-WM 30.11.2025

Koharu macht's: Itagaki steht im WM-Finale!

Der nächste Finaleinzug ist perfekt: Nach dem fulminanten Doppel-Sieg von Mia Griesel am gestrigen Abend löste Koharu Itagaki am Sonntagmorgen ihr Finalticket im Mädchen-15-Einzel.
weiterlesen...
Jugend-WM 29.11.2025

Sensation perfekt: Griesel und Hursey sind Weltmeisterinnen!

Mia Griesel und Anna Hursey haben es geschafft: Im Doppel-Finale der Jugend-WM drehen sie einen 0:2-Rückstand gegen die Chinesinnen Zong Geman und Qin Yuxuan und setzen sich die Krone von Cluj-Napoca auf. Koharu Itagaki hat im Einzel unterdessen Bronze sicher, während sich Josi Neumann im Viertelfinale aus dem Turnier verabschieden musste.
weiterlesen...
Stars & Stories Jugend-WM 29.11.2025

Mia Griesel im Porträt: Die Leise, die kommt, um zu bleiben

36 Jahre nach dem letzten deutschen WM-Doppelt-Titel steht die 19-jährige Mia Griesel im Fokus. Sie spielt an der Seite ihrer walisischen Partnerin Anna Hursey in Cluj-Napoca um Gold. Die amtierende Team-Europameisterin der Damen gehört zu den Leisen im Kader. Dabei ist ihre Bilanz spektakulär. Von jeder Jugend-WM hat sie mindestens eine Medaille mit nach Hause gebracht. Ein Porträt über eine Spielerin, die selten im Mittelpunkt steht, sportlich aber längst dorthin gehört.
weiterlesen...
Jugend-WM 29.11.2025

JWM: So geht es am Samstag für die Deutschen weiter

Klappt es mit dem nächsten Weltmeistertitel für Deutschland? Nach dem Einzel-Erfolg von Annett Kaufmann im vergangenen Jahr steht heute Mia Griesel im Doppel-Finale der Jugend-WM im rumänischen Cluj-Napoca. Bei den Mädchen 15 haben es Koharu Itagaki und Josephina Neumann im Viertelfinale mit anspruchsvollen Aufgaben zu tun.
weiterlesen...
© Deutscher Tischtennis-Bund e.V. - DTTB - Alle Rechte vorbehalten

Datenschutz | Impressum | Erklärung zur Barrierefreiheit auf tischtennis.de