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Gewannen ihr Doppel souverän: Kristin Lang und Yuan Wan (Bild: Petra Steyer).
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor 3:6, TTC 1946 Weinheim – ESV Weil 3:6

Kolbermoor und Weil setzen Duftmarken

Dr. Stephan Roscher 08.11.2021

Bingen. Zwei Bundesligapartien standen am Sonntag auf dem Programm – danach geht es erst am 5.12. weiter, da zwischenzeitlich die WM in den USA und diverse internationale Turniere ausgetragen werden. Die Fans erlebten zwei spannende Duelle, bei denen sich Meisterschaftsmitfavorit Kolbermoor in Bingen und das erneut überzeugende Team aus Weil bei Aufsteiger Weinheim behaupteten – jeweils mit 6:3.  

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor 3:6

Der Gastgeber hatte sich durchaus Chancen auf einen Punktgewinn ausgerechnet, auch wenn die Inderin Archana Girish Kamath keine Freigabe ihres Verbandes erhalten hatte. Dafür stand Katerina Tomanovska wieder zur Verfügung. Doch der Vizemeister agierte hoch konzentriert und fokussiert und sicherte sich verdient die beiden Punkte, durch die er nun mit Schwabhausen und Langstadt (alle 5:3) gleichgezogen hat. Bingen steht nun mit 4:4 Zählern auf Rang sechs.

Vor etwas mehr als 80 Zuschauern endeten die Doppel remis: Skov/Tomanovska konnten Ganina/Tiefenbrunner bezwingen (3:1), während Piccolin/Bondareva gegen Lang/Wan ohne Satzgewinn den Kürzeren zogen. Die Dänin Mie Skov unterlag im oberen Paarkreuz Yuan Wan (1:3) und eine chancenlose Giorgia Piccolin Kristin Lang (0:3), sodass die Oberbayern mit 3:1 davonzogen. 

Hinten ging es im ersten Durchgang ganz eng zu. Die packenden Matches zwischen Katerina Tomanovska und Laura Tiefenbrunner sowie Anastasia Bondareva und Svetlana Ganina fanden jeweils erst in der Verlängerung des Entscheidungssatzes ihre Siegerin. Jubeln durften Tomanovska  für Bingen und Ganina für Kolbermoor. Besonders die Art und Weise wie die 19-jährige Bondareva, letzte Saison selbst noch in Kolbermoor unter Vertrag, nach einem 0:2-Satzrückstand gegen ihre routinierte Kontrahentin zurückkam, nötigte Respekt ab. 

4:2 für das Gästeteam, das durch die einmal mehr überzeugende Kristin Lang (3:1 gegen Mie Skov) nachlegen konnte. Doch Bingen wehrte sich noch: Giorgia Piccolin kämpfte ihre Ex-Teamkollegin Yuan Wan in fünf Sätzen nieder. Katerina Tomanovskas Viersatz-Niederlage gegen Defensiv-Ass Svetlana Ganina besiegelte jedoch die Niederlage der Rheinhessinnen. 

„Wenn du gegen den deutschen Vizemeister punkten willst, müssen alle vier Spielerinnen bei uns am Maximum spielen“, unterstrich Bingens Teamcoach Frank Liesenfeld. „Das ist uns heute leider nicht gelungen. Deshalb war der Sieg von Kolbermoor klar verdient.“ Einiges erfreute Liesenfeld aber schon: „Anastasia hat ein tolles Match gegen Ganina abgeliefert, darauf lässt sich aus ihrer Sicht aufbauen. Giorgias Kämpferherz bezwang Yuan Wan und Skov/Tomanovska haben einen sicheren Punkt im Doppel geholt.“ Etwas skeptischer betrachtete er das erste Match seiner Nummer drei: „Katerina machte sich bei ihrem knappen Sieg gegen eine gute Laura Tiefenbrunner das Leben selbst schwer durch Unkonzentriertheiten zwischendurch.“

Kolbermoors Trainer Michael Fuchs war mit den Leistungen seiner Mannschaft zufrieden. „Uns ist schon bewusst, dass es ein knappes Spiel war. Bingen war der von uns erwartete etwas unangenehme Gegner, umso mehr freuen wir uns über den Sieg und schauen nun, wie es in den nächsten Spielen weitergeht.“ Fuchs bilanzierte: „Dass wir diesmal nicht mit einem Rückstand aus den Doppeln gestartet sind, war auch mit ausschlaggebend für den Sieg. Im oberen Paarkreuz war unser Team heute wieder stark, auch der Sieg von Yuan über Mie Skov war sehr wichtig.“ Zu einem Match äußerte sich der Tischtennislehrer dezidiert: „Das Spiel von Anastasia gegen Svetlana war sehr knapp und hätte theoretisch auch andersherum ausgehen können. Anastasia hat sehr gut gespielt, aber gerade da hat sich wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir auch so erfahrene Spielerinnen wie Svetlana haben, die eben auch solche engen Matches gewinnen können, selbst wenn sie mal nicht ihren allerbesten Tag haben.“

Das Bingener Restprogramm in der Vorrunde ist nicht ohne, man spielt noch in Schwabhausen (05.12.) und empfängt Langstadt (11.12.) und Berlin (12.12.). Kolbermoor duelliert sich noch zu Hause mit Weil (05.12.) sowie auswärts mit Langstadt (12.12.) und Schwabhausen (19.12).

 

TTC 1946 Weinheim – ESV Weil 3:6

Der Aufsteiger aus Weinheim hatte sich nach 2:8 Punkten aber tollen Achtungserfolgen gegen Topteams wie Kolbermoor und Langstadt so viel vorgenommen. Man wollte in den letzten beiden Partien der Vorrunde den Turbo anwerfen und eine Aufholjagd starten, um mit beruhigenden 6:8 Punkten in die Weihnachtspause zu gegen. Doch der zuletzt schon gegen Bingen bärenstarke ESV Weil hatte etwas dagegen und machte vor 175 Fans im Baden-Derby alle positiven Weinheimer Kalkulationen zunichte.

Die Weilerinnen waren vom ersten Moment an hellwach und fanden viel besser in die Partie als die Gastgeberinnen. Beide Doppel wurden gewonnen – Trifonova/Arapovic besiegten Kumahara/Säger mit 3:1, Lupulesku/Scholz gönnten ihren Gegnerinnen Trigolos/Klee sogar nicht einmal einen Satzgewinn.

Zunächst schienen die Weinheimerinnen wachgerüttelt und zeigten sich im vorderen Paarkreuz von ihrer besten Seite. Die Brasilianerin Caroline Kumahara, die diesmal die Spitzenposition beim TTC einnahm und als nicht ganz so stark wie ihre Landsfrau Bruna Takahashi gilt, wusste beim 3:0 über die Serbin Izabela Lupulesku zu gefallen, auch wenn alle Sätze sehr eng und umkämpft waren. Daria Trigolos gewann gegen Polina Trifonova in vier Sätzen ihr drittes Match im Spitzenpaarkreuz.

Doch Weil hatte die passende Antwort: Die zuletzt nicht ganz mit ihrem Spiel zufriedene Vivien Scholz, die für die nicht verfügbare Ievgeniia Sozoniuk zurück ins Team gekommen war, überzeugte mit einem glatten 3:0-Erfolg über Lisa Lung, die in der Weltrangliste als Nummer 116 sogar einen Platz vor Sabine Winter eingestuft ist. Die 16-jährige Hana Arapovic, deren Verpflichtung, so viel kann man jetzt schon sagen, ein richtig guter Griff war, stand der zwei Jahre älteren Sophia Klee gegenüber – ein durchaus brisantes Match, weil Arapovic ja die Position Klees beim ESV eingenommen hat, die ihrerseits nach Weinheim gewechselt war. Die junge Deutsche ging zweimal nach Sätzen in Führung, doch die noch jüngere Kroatin hatte den längeren Atem und sicherte ihrem Team die 4:2-Führung.

Es sah gut aus für Weil, doch gemeistert war die Hürde längst noch nicht. Caroline Kumahara zog sich nämlich auch gegen die in den Einzeln in dieser Saison bisher glücklose Polina Trifonova (Bilanz 1:9) erfolgreich aus der Affäre und siegte nach 0:2-Satzrückstand noch in fünf Durchgängen. Weinheim war wieder dran.

Izabela Lupulesku freilich zeigte gegen Daria Trigolos wenig Humor, zog ihr Spiel konsequent durch und überließ der Weißrussin keinen Satz. Hana Arapovic (Einzelbilanz nun 6:1) machte mit einem 3:1-Sieg gegen Lisa Lung den sprichwörtlichen Sack zu und ließ die Weilerinnen nach einer Gesamtspieldauer von dreieinhalb Stunden jubeln.

Natürlich konnte Weinheims Manager Christian Säger nicht zufrieden sein. „Zwei Faktoren waren ausschlaggebend“, so Säger. „Beide Doppel waren nicht gut und Lisa Lung total neben dran. Daher können wir so nicht gewinnen.“ Resignation ist aber keineswegs angesagt: „Wir bleiben positiv und hoffen dann am 12.12. in Böblingen mit kompletter Mannschaft auf einen versöhnlichen Vorrundenabschluss.“ 

Logisch auch, dass die Weiler Abteilungsleitern bester Stimmung war. „Wir haben an die gute Leistung vom letzten Spiel angeknüpft“, sagte Doris Spiess. „Und das, obwohl mit Ievgeniia Sozoniuk eine wichtige Punktesammlerin nicht mit von der Partie war. Mit ausschlaggebend war der geglückte Start mit dem Gewinn beider Doppel. Unsere Mannschaft hat wieder toll gekämpft, was man aber auch vom Weinheimer Team sagen kann. Wir sind natürlich überglücklich über diesen Erfolg.“  

Vivien Scholz war mit ihren Leistungen diesmal durchaus zufrieden: „Ich spielte hoch konzentriert und guckte meine Gegnerin so gut es ging aus. Über meinen Sieg habe ich mich auch riesig gefreut, immerhin habe ich die Nummer 116 der Welt geschlagen. Ich bin noch immer nicht ganz im Flow, aber ich nähere mich diesem immer weiter, Stück für Stück.“ Ihre Schilderung des Spielverlaufs und der damit verbundenen Emotionen ist lesenswert: „In den Doppeln haben wir alle vier wohl unseren besten Tag erwischt. Es lief wunderbar. Nachdem wir sodann mit 2:0 in Führung gegangen sind, witterten wir, hier geht heute was. In den folgenden Einzeln war Tischtennis der Extraklasse zu sehen. So tolle, lange Ballwechsel. Egal ob die Punkte an Weil oder Weinheim gingen, es war eine Freude zuzuschauen.“ Scholz schloss ihr Statement augenzwinkernd mit dem Blick auf die Tabelle ab: „Weil Zweiter, so könnten wir gerne in die Winterpause gehen.“ 

Der TTC 1946 Weinheim muss zum Vorrundenabschluss am 12.12. zur noch punktlosen SV Böblingen, die allerdings noch vier Partien und somit einige Gelegenheiten zum Punkten vor sich hat. Folglich stehen die Nordbadenerinnen dort schon unter einem gewissen Druck und müssen bestrebt sein, nicht leer auszugehen.

Der ESV Weil hat nur noch das Spiel in Kolbermoor am 5. Dezember vor der Brust. Dort dürfte es, bei allem Team Spirit, für das Quintett aus dem Dreiländereck höllisch schwer werden, etwas Zählbares mitzunehmen. Dennoch kann man recht entspannt in diese Partie gehen.

 

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