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Kolbermoor bleibt Spitzenreiter der Damen-Bundesliga

Krimi in Bingen / Anröchte überrascht im Ostwestfalen-Derby

Dr. Stephan Roscher 02.10.2018

Es war ein interessanter 2. Spieltag mit drei Partien, die es in sich hatten und bei denen den Fans eine Menge geboten wurde. Der Paukenschlag erfolgte beim Ostwestfalen-Derby in Bad Driburg, wo Außenseiter Anröchte mit 6:2 triumphierte. In Kolbermoor lief es zunächst optimal für den „Underdog“, da Busenbach nach den Doppeln mit 2:0 in Front lag. Doch dann gab der Titelverteidiger Gas und ließ nur noch einen Punkt durch Toptalent Anastasia Bondareva zu. Bereits am Samstag hatten sich Vizemeister Bingen/Münster-Sarmsheim und Aufsteiger Langstadt in einer rassigen Partie die Punkte geteilt. 

TuS Bad Driburg – TTK Anröchte 2:6

Die Überraschung des 2. Spieltags gelang dem TTK Anröchte, der als Außenseiter zum Ostwestfalen-Derby gereist war und Gastgeber TuS Bad Driburg mit 6:2 in die Schranken wies. Ausschlaggebend war das zuvor nicht für möglich gehaltene, makellose 4:0 der Gäste im oberen Paarkreuz, wobei drei dieser vier Matches sehr eng verliefen.

Überragend präsentierten sich Aimei Wang und Shi Qi bei ihren Siegen über Britt Eerland und Sarah de Nutte, die sicher nicht ihren allerbesten Tag erwischt hatten, jedoch auch auf starke, top fokussierte Gegnerinnen trafen. Die 55-jährige Tischtennis-Ikone Jing Tian-Zörner, seit dieser Saison wieder beim TTK an Bord und gerade für junge Gipfelstürmerinnen extrem schwer zu spielen, erfüllte ihre „Pflicht“ mit einem 3:0 gegen Sophia Klee. Zudem punktete das Doppel Shi Qi/Marta Golota (3:2 gegen Nadine Bollmeier/Sophia Klee), während für den TuS lediglich Nadine Bollmeier in den Einzeln (3:1 gegen Marta Golota) sowie das Doppel Britt Eerland/Sarah de Nutte (3:1 gegen Aimei Wang/Jing Tian-Zörner) punkten konnten.

Fast dreieinhalb Stunden dauerte dieses packende Duell zweier Teams, die sich nichts schenkten, wobei der TTK in einigen Situationen schon das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite hatte. Anröchtes Vorsitzender Manfred Vogel zeigte sich begeistert. „Mein Team hat heute sehr gut gespielt, zudem hatten wir auch das notwendige Quäntchen Glück“, so Vogel. „Wir haben unsere Chancen genutzt, oben gegen Bad Driburg alle vier Punkte zu holen, das war schon spitze! Aimei Wang hat sich in Topform präsentiert.“

Weniger begeistert war natürlich TuS-Manager Franz-Josef Lingens. „Uns fehlte heute einfach das Quäntchen Glück“ stellte Lingens fest. „Zu viele Chancen nicht genutzt und vier Spiele in der Verlängerung des fünften Satzes sowie zehn von 15 Sätzen mit zwei Punkten Differenz verloren. Es sollte heute einfach nicht sein.“ Als fairer Sportmann zollte Lingens natürlich auch der Leistung des Gegners Respekt: „Gratulation an Anröchte, bei 6:2 hat man natürlich verdient gewonnen!“ Und dann konnte Bad Driburgs Manager dem Derby noch etwas Positives abgewinnen. „Es war ein super Spiel mit tollem Sport und schönen Ballwechseln, vor allem bei den Duellen Angriff gegen Abwehr.“

SV DJK Kolbermoor – TV Busenbach 6:3

In Kolbermoor lief eigentlich alles wie erwartet bis auf die aus Sicht des amtierenden Champions verpatzten Doppel. Vor gut 150 Fans hatten Tanja Krämer/Jessica Göbel das DJK-Topdoppel Sabine Winter/Kristin Lang geschlagen sowie die Youngster Anastasia Bondareva/Franziska Schreiner, nicht minder überraschend, Svetlana Ganina/Katharina Michajlova besiegt – jeweils in fünf spannenden Sätzen.

Doch dann gaben die Oberbayern Gas und gewannen sechs der sieben Einzel zum letztlich doch „standesgemäßen“ Sieg. Sabine Winter (3:1 gegen Jessica Göbel, 3:0 gegen Tanja Krämer), Kristin Lang (3:2 gegen Krämer, 3:0 gegen Göbel) sowie Svetlana Ganina (jeweils 3:0 gegen Franziska Schreiner und Anastasia Bondareva) ließen nichts anbrennen. Beim Gast ließ die 16-jährige Anastasia Bondareva durch einen 3:2-Erfolg über Katharina Michajlova aufhorchen.

„Die Einzel sind im Prinzip gelaufen wie geplant“, zeigte sich Michael Fuchs im Wesentlichen zufrieden. „Alles in allem ein verdienter Arbeits-Sieg. Unsere Zuschauer waren auf jeden Fall begeistert und der 0:2 Rückstand hat natürlich auch etwas Spannung und Brisanz in das Spiel gebracht.“ Kolbermoors Trainer analysierte: „Vorne das vermutete Übergewicht und im hinteren Paarkreuz fehlte den jungen Busenbacherinnen noch das Rezept und die Durchschlagskraft gegen Svetlana, die sehr sicher in der Abwehr war.“ Was ihn weniger erfreute: „Die Doppel sind natürlich nicht wie geplant gelaufen, hier hatte ich mir mindestens ein 1:1 ausgerechnet. Aber Göbel/Krämer sind Heißläufer, die dann so ein Spiel auch mal drehen können, und im anderen Doppel sind meinen Spielerinnen ab Mitte des ersten Satzes zu viele einfache Fehler unterlaufen.“

Jessica Göbel zeigte sich nicht unzufrieden. „Insgesamt war es eine gute Mannschaftsleistung von uns“, so Göbel. „Mit ein wenig Glück hätten wir sogar ein 5:5 erreichen können. Das Ergebnis macht jedenfalls Mut für die nächsten Aufgaben. Jetzt gibt es wieder zwei Wochen Pause, ehe wir im Derby gegen Böblingen unsere Form bestätigen müssen.“

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – TSV Langstadt 5:5

In einer sehr ansehnlichen und spannenden Bundesliga-Partie teilten sich am Samstagabend die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim und der TSV Langstadt vor guter Kulisse die Punkte.

Der Gast aus Südhessen hatte eindeutige Vorteile im oberen Paarkreuz: Petrissa Solja und Cheng Hsien-Tzu präsentierten sich in Topform und waren nicht zu schlagen. Dafür dominierten die Rheinhessinnen an den Positionen drei und vier: Marie Migot und Giorgia Piccolin zeigten sich in bestechender Verfassung, gaben keinen Punkt ab und retteten dem Gastgeber – nach zwischenzeitlichem 3:5-Rückstand – die Punkteteilung. Etwas überraschend siegte das neu formierte Gäste-Doppel Alena Lemmer/Monika Pietkiewicz gegen Marie Migot/Giorgia Piccolin mit 3:2. Dafür hatte das Top-Duo Petrissa Solja/Cheng Hsien-Tzu gegen die prächtig harmonierenden Chantal Mantz/Yuan Wan in vier Sätzen das Nachsehen.

„Es war ein gerechtes, den gezeigten Leistungen entsprechendes Ergebnis“, so TTG-Vorsitzender Joachim Lautebach. „Langstadt ist in dieser Aufstellung ein richtig starker Gegner. Die Zuschauer haben ein spannendes Spiel auf hohem Niveau gesehen. Unsere junge Mannschaft hat sehr gut gekämpft und gezeigt, dass sie prima harmoniert.“ Giorgia Piccolin war begeistert. „Ich war ein kleines bisschen nervös vor meiner Heimpremiere und hatte auch im Pokal sowie in Busenbach nicht ganz so gespielt, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber dann hat sich meine Nervosität schnell gelegt“, sagte die amtierende italienische Meisterin. „Angefeuert von diesen tollen Fans habe ich irgendwann den Punkt erreicht, an dem ich fast alles getroffen habe.“

Petrissa Solja brachte den Schwung von den Europameisterschaften mit nach Bingen. Ihre beiden Erfolge gegen Chantal Mantz und Yuan Wan waren souverän. „Ich kenne beide natürlich sehr gut von den Lehrgängen der Nationalmannschaft, allerdings gilt das umgekehrt natürlich genauso“, stellte Solja fest. „Mit meiner Leistung heute bin ich zufrieden. Gerade auch deshalb, weil die EM mit den vielen Spielen für mich schon sehr anstrengend war.“ Überzeugend waren auch die beiden Auftritte von Cheng Hsien-Tzu. Auch sie gewann gegen Mantz und Wan und zeigte dabei Offensiv-Tischtennis vom Feinsten, „Ich bin sehr zufrieden“, so die 25-jährige Taiwanerin, aktuelle Nummer 52 der Weltrangliste. „Ich habe mich sehr auf meine Spiele konzentriert und war gut fokussiert. Dass ich gegen zwei deutsche Nationalspielerinnen gewinnen konnte, macht mich sehr stolz.“

Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher

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