Foto: Petra Steyer
Michaela Hübener ist eine von sehr wenigen Schiedsrichterinnen - am Rande der NDM sprach sie über falsche Aufschläge, fehlenden Nachwuchs und Zukunfstpläne

"Es ist schwierig Nachwuchs zu bekommen"

Bea Pfaffendorf 04.03.2019

Wetzlar. Bei den Deutschen Meisterschaften in Wetzlar waren nur vier Frauen unter den 29 Schiedsrichtern. Klingt erstmal wenig. Aber bei den Halbfinals und Finals am Sonntag waren alle vier Schiedsrichterinnen im. Wir haben mit einer von ihnen gesprochen: Michaela Hübener vom Westdeutschen Tischtennis-Verband (WTTV). Sie hat uns erzählt, wie sie Schiedsrichterin geworden ist, welcher Typ sie am Tisch ist und warum es schwer ist, Nachwuchs für diesen Job zu bekommen. 

Michaela, wie bist du Schiedsrichterin im Tischtennis geworden?

Michaela Hübener: Ich bin seit 2012 Schiedsrichterin, bin da nach dem Motto rangekommen: „Unser Verein braucht jemanden.“ Aber trotzdem macht es mir jetzt total viel Spaß. Und letztendlich habe ich eine relativ steile Kurve hingelegt: 2016 habe ich meinen Nationalen Schiedsrichter gemacht, 2018 meinen internationalen. Und dieses Jahr plane ich, meine Prüfung zum Nationalen Oberschiedsrichter zu machen und zu bestehen. Spätestens nach dem internationalen Schiedsrichter muss man sich entscheiden, ob man lieber den Karriereweg Schiedsrichter am Tisch oder Oberschiedsrichter einschlagen möchte. Die höchste Stufe als Schiedsrichter am Tisch ist der Blue Badge. Mit diesem Status darf man z.B. zu den olympischen Spielen. Auch wenn der Weg bis dahin sehr weit ist. Ich habe mich jedoch für den Weg zum Oberschiedsrichter entschieden. 

Nationaler Oberschiedsrichter, was bedeutet das?

Michaela Hübener: Dann dürfte ich zum Beispiel die Deutschen Meisterschaften als Oberschiedsrichter machen, also die größeren Turniere. Mein längerfristiges Ziel ist es auch zur Prüfung zum internationalen Oberschiedsrichter zugelassen zu werden.

Bei uns in Deutschland muss man sich zwischen Schiedsrichter am Tisch und nationaler Oberschiedsrichter entscheiden. 

Und du würdest gerne den Oberschiedsrichter machen?

Michaela Hübener: Ja. Einfach, weil ich gerne mit Trainern und Spielern zu tun habe und eher die Grauzone am Tischtennis mag. Als Schiedsrichterin am Tisch hast du eigentlich nur Schwarz oder Weiß: War der Ball drauf oder nicht? War der Aufschlag richtig oder falsch? Als Oberschiedsrichter triffst du andere Entscheidungen – zum Beispiel, wenn es um die Trikotfarbe geht. Man hat einfach einen Überblick über das Ganze. 

Wie sieht es aus, junge Leute für die Schiedsrichter zu gewinnen?

Michaela Hübener: Es ist sehr schwierig, Nachwuchs zu bekommen. Der Altersdurchschnitt steigt immer weiter – leider. Bei uns im Verband haben wir versucht, den Jugendschiedsrichter zu etablieren. Das hat leider nicht so funktioniert, weil es einfach keine Interessenten gibt. Es wird immer schwieriger, weil die Leute den Job Schiedsrichter nicht machen wollen. 

Woran liegt das?

Michaela Hübener: Bei uns in Deutschland ist es leider so, dass der Schiedsrichter schon öfter als das notwendige Übel angesehen wird. In den Niederlanden ist das anders. Dort gibt es einmal im Jahr die „Woche des Schiedsrichters“. Dort bekommen die Schiedsrichter kleine Aufmerksamkeiten von den Vereinen, um deren Arbeit und das Ehrenamt zu würdigen.

Bei uns habe ich schon oft diese Diskussionen miterlebt. Wenn ein Schiedsrichter die richtigen Entscheidungen am Tisch trifft, also z.B. einen falschen Aufschlag abzählt, ist der Schiedsrichter immer der Böse. Wenn man aber keinen Aufschlag abzählt obwohl der vielleicht falsch war, dann beschwert sich der Gegner warum man nichts sagt. Und wieder ist der Schiedsrichter der Böse. Das schreckt vielleicht neue Schiedsrichter ab. Aber wir haben jetzt auch ein paar neue junge Gesichter in unseren Reihen und vielleicht kommen dann ja noch mehr Neue. 

Gibt es Unterschiede von Verband zu Verband, was die Nachwuchssorgen angeht?

Michaela Hübener:  In Hessen ist es zum Beispiel so, dass jeder Verein, der auf Kreisebene spielt, einen Schiedsrichter melden muss. Bei uns im WTTV gilt das erst ab Verbandsebene. Wir haben 283 Vereine im Bezirk, im WTTV ungefähr 1000. Und wenn man erst ab Verbandsebene melden muss, dann hat man nur ungefähr 200 Schiedsrichter. Und das ist sehr wenig für 1000 Vereine. 

Hat man mehr davon, wenn Leute freiwillig Schiedsrichter werden?

Michaela Hübener: Manchmal entwickelt sich das – so wie bei mir. Ich habe heute total viel Spaß daran. Im Jahr bin ich bestimmt 40 bis 50 Tage als Schiedsrichter unterwegs. Und das muss schon Spaß machen, sonst funktioniert es nicht. Aber klar, jemand, der gezwungen wird, Schiedsrichter zu werden versucht nur, seine Pflichteinsätze abzuarbeiten. 

Von Bea Pfaffendorf

 

 

 

 

 

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