Mit nur einer Niederlage gewann der TV Leiselheim den Titel (Foto: Verein)
3. Herren-Bundesliga Süd: TV Leiselheim entscheidet Titelrennen gegen den SV SR Hohenstein-Ernstthal für sich

Der Meister kocht und steigt auf

Marco Steinbrenner 22.05.2019

Frankfurt am Main. Einen spannenden Zweikampf um den Meistertitel und den damit verbundenen Aufstieg in das Bundesliga-Unterhaus lieferten sich in der 3. Herren-Bundesliga Süd der TV Leiselheim und Neuling SV SR Hohenstein-Ernstthal. Mit 13 Siegen, vier Unentschieden und nur einer Niederlage setzte sich Leiselheim mit einem Vorsprung von zwei Zählern letztendlich durch. Sportlich abgestiegen sind der Post SV Mühlhausen II und SV SCHOTT Jena.

TV Leiselheim erreicht mit dem Aufstieg das Saisonziel

„Wir sind mit der Rückrunde sehr zufrieden“, sagt Meistertrainer Christian Kaufhold nicht ohne Grund. Nach der 3:6-Auswärtsniederlage zu Beginn der zweiten Saisonhälfte beim ärgsten Widersacher aus Hohenstein-Ernstthal wurden die nachfolgenden acht Partien gewonnen. „Damit haben wir unser gestecktes Ziel, den Aufstieg in die 2. Bundesliga, geschafft“, freute sich der TV-Coach. Im Vergleich zur Hinrunde, als gleich vier Partien mit einem Unentschieden endeten, habe es der Liga-Primus anschließend geschafft, „den Fokus mehr auf die Spiele zu richten. Außerdem war das Klima innerhalb der Mannschaft viel besser.“ Gemeinsame Trainingseinheiten und Unternehmungen abseits der Box, wie Billard spielen und zusammen Kochen, trugen dazu bei. Eine, so Kaufhold, „überragende Saison“ spielte Sushmit Sriram, der in der Rückrunde auf eine 11:1-Bilanz kam. „Ohne ihn hätten wir den Aufstieg nicht geschafft. Die übrigen vier Akteure haben aber auch gut gespielt.“ Constantin Cioti verlässt den Verein und siedelt sich aus privaten Gründen in Guatemala an. Nico Stehle wechselt zum TTC RW Biebrich. Dafür wurde ganz aktuell Youssef Abdel-Aziz vom bisherigen Ligakonkurrenten SV SR Hohenstein-Ernstthal unter Vertrag genommen.

Auch wenn der Aufsteiger SV SR Hohenstein-Ernstthal die Meisterschaft nur knapp verpasste, hält sich die Enttäuschung nach der ersten Drittliga-Saison in Grenzen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. „Sowohl die Vor- als auch die Rückrunde verliefen für uns sehr gut“, sagt Teamchef Christian Hornbogen. „Wir sind mit dem Erreichen der Vizemeisterschaft vollauf zufrieden.“ Die Saisonziele, so früh wie möglich den Klassenerhalt zu schaffen und die sächsischen Talente Nick Neumann-Manz und Johann Koschmieder zu fördern, wurden erreicht. Dass der Zweikampf um Platz eins erst am letzten Spieltag entschieden wurde, „war eine tolle Sache für alle Beteiligten“. Der TV Leiselheim gab sich beim 6:3-Heimsieg gegen den Dritten SV Salamander Kornwestheim keine Blöße, während der SV SR Hohenstein-Ernstthal überraschend gegen den Absteiger und Vorletzten Post SV Mühlhausen II nicht über ein 5:5-Unentschieden hinauskam. Dass „Ziehkind“ Youssef Abdel-Aziz nach dem Sprung in die 3. Bundesliga gleich der stärkste Spieler der Klasse sein würde, hatte Hornbogen im Vorfeld nicht gedacht. Abdel-Aziz erhielt von den Sachsen die Freigabe, um beim Meister und zukünftigen Zweitligisten aus Leiselheim „den nächsten Schritt in seiner Karriere machen zu können“. Die übrigen Spieler bleiben.

Mit einem Abstand von fünf Punkten zum SV SR Hohenstein-Ernstthal folgt der SV Salamander Kornwestheim auf Tabellenplatz drei. Nach Ansicht von Coach Christoph Münch verlief die zweite Saisonhälfte mit 11:7 Punkten „sehr positiv. Herausragend war natürlich unser 6:4-Heimsieg gegen den zwischenzeitlichen Spitzenreiter Hohenstein-Ernstthal.“ Rang drei und damit das Übertreffen des Saisonziels habe gezeigt, „dass mit einem funktionierenden Team vieles möglich gemacht werden kann“. Nach dem Erfolg gegen Hohenstein-Ernstthal gaben die Verantwortlichen jedoch den Rückzug aus der 3. Bundesliga bekannt. „Danach war es verständlicherweise schwer, den Fokus aufrecht zu halten.“ Der Beweis sind die Niederlagen gegen die DJK SpVgg Effeltrich (3:6), den TTC 1946 Weinheim (1:6) sowie TV Leiselheim (3:6). Bis auf Josef Simoncik (Zukunft offen) und Kay Stumper, der eine überragende zweite Serie spielte und nur zwei seiner 14 Einzel verlor, bleibt die Mannschaft zusammen und geht in der Regionalliga an den Start. Stumper wird mit dem neuen TTBL-Klub TTC Ebner Ulm sehr stark in Verbindung gebracht.

TTC 1946 Weinheim profitiert von guter Hinrunde

Aufgrund einer sehr starken Rückrunde ging es für den TTC Wohlbach aufgrund von sieben Zählern in der zweiten Serie noch vom siebten auf den vierten Rang. Vereinschef Hubert Becker verriet, „dass wir unser Saisonziel, nicht um den Abstieg zu spielen, sehr gut erreicht haben“. Eine, so Becker, „erhebliche Steigerung“ zeigte Grozdan Grozdanov, der eine 8:8-Bilanz erspielte. Michal Benes kassierte nur vier Niederlagen in seinen 16 Begegnungen und konnte im Vergleich zur Hinrunde „noch ein wenig zulegen. Er zählt zu den besten Spielern der Liga im vorderen Paarkreuz. Eine so gute Bilanz war von vorne herein nicht zu erwarten.“ Das Gesicht der TTC-Mannschaft bleibt in der Saison 2019/20 unverändert.

Dass der TTC 1946 Weinheim in der Rückrundentabelle mit lediglich sechs Punkten nur die achte Position einnimmt, ist schnell erklärt. „Wir hatten mit der Verletzung von Dragan Subotic eine schwere Bürde zu tragen“, berichtet Trainer Rainer Schmidt. „Umso positiver ist es zu bewerten, dass die Mannschaft drei Spiele gewann und so nicht noch in den Abstiegskampf involviert wurde“. Gleich zum Start in die zweite Saisonhälfte wurde der Post SV Mühlhausen II vor heimischem Publikum mit 6.3 besiegt. Außerdem gab es Erfolge gegen den SV SCHOTT Jena (6:4) und SV Salamander Kornwestheim (6:1). Das Vorhaben, Platz drei, vier oder fünf zu belegen, wurde erreicht. „Mit einem gesunden Dragan Subotic wäre natürlich noch mehr drin gewesen“, stellt Schmidt klar. Maßgeblich zum Erfolg des Teams trug Spitzenspieler Filip Cipin mit einer positiven Bilanz (9:8) bei. Youngster Tom Eise stabilisierte seine Leistungen weiter und wusste aufgrund des Fehlens von Subotic auch im oberen Paarkreuz zu gefallen. Björn Baum konnte sich, so der TTC-Coach, „im Vergleich zur Vorrunde steigern“. Die Mannschaft bleibt für die nächste Spielzeit zusammen. „Bei Dragan Subotic müssen wir den Krankheitsverlauf abwarten, ob und wann er wieder spielen kann“, so Rainer Schmidt. Zur Sicherheit habe der Verein aber handeln müssen und nahm Laurenz Devos aus Belgien unter Vertrag. Der 19-Jährige ist der Bruder von Robin Devos, der zu Zweitligazeiten drei Jahre in Weinheim aktiv war.

Danke einer sehr starken Rückrunde und nur zwei 2:6-Niederlagen gegen den TVLeiselheim und SV SR Hohenstein-Ernstthal feierte der ASV Grünwettersbach II auf dem sechsten Platz einen am Ende souveränen Ligaverbleib. Spitzenspieler Daniel Kleinert, der in der kommenden Saison für den Nord-Drittligisten TSV Schwarzenbek aufschlagen wird, wusste mit einer 9:9-Bilanz zu gefallen. In der Hinserie hatte der Abwehrspieler noch im hinteren Paarkreuz agiert. Lediglich eine Niederlage kassierte bei acht Siegen Siddharta Christian Dias Almeida an Position drei.

Der TTC Wöschbach weist in der Abschlusstabelle als Siebter einen Vorsprung von vier Zählern zum Abstiegsplatz auf und profitierte noch von einer sehr guten Hinrunde, in der zehn Punkte geholt wurden. Nach der kurzen Winterpause reichte es nur zu einem Sieg (6:3 beim TTC 1946 Weinheim) sowie drei Unentschieden gegen die DJK SpVgg Effeltrich, den SV SCHOTT Jena sowie den ASV Grünwettersbach II. „Die Rückrunde war in Ordnung. Allerdings hatten wir mit einem besseren Abschneiden als vor einem Jahr gerechnet“; gibt Michael Burg, Vorstand Sport, ehrlich zu.

DJK SpVgg Effeltrich gewinnt hauchdünn den Abstiegs-Dreikampf

Auf der Zielgeraden feierte das Schlusslicht zur Saisonhalbzeit, Aufsteiger DJK SpVgg Effeltrich, aufgrund des besseren Spielverhältnisses im Vergleich zum Post SV Mühlhausen II noch den Klassenerhalt. Entsprechend groß war die Freude beim Team aus Bayern, denn aus den letzten drei Begegnungen wurden fünf Punkte geholt. Nach dem 5:5-Remis in Mühlhausen gab es überraschend deutliche Erfolge daheim gegen den TTC 1946 Weinheim (6:0) und im abschließenden Saisonspiel beim SV SCHOTT Jena (6:2). Teammanger Jürgen Weninger hatte den Grund für die Aufholjagd schnell gefunden. „Entscheidend war letztlich die für einen Tabellenletzten völlig untypische mentale Stärke. In den letzten vier Saisonspielen wurde kein einziges der acht Fünf-Satz-Matches verloren.“ Marius Zaus und Martin Jaslovsky punkteten in der entscheidenden Phase im hinteren Paarkreuz. Joker Yutaka Kashiwa schlug, so Weninger, „voll ein und war ein Garant für die Trendwende“. Der Japaner kam an Position eins auf eine 7:4-Bilanz.

Selbst ein überraschendes 5:5-Unentschieden am letzten Spieltag beim Vizemeister SV SR Hohenstein-Ernstthal reichte dem Post SV Mühlhausen II, ohne Spitzenspieler und Cheftrainer Erik Schreyer angetreten, nicht mehr zum Klassenerhalt. „Wir haben phasenweise gezeigt, zu welchen guten Leistungen wir fähig sind“, sagt Schreyer. Allerdings seien auch „viele Punkte liegen gelassen worden“. So zum Beispiel im Duell der beiden TTBL-Reserven, als vor eigenem Publikum gegen den ASV Grünwettersbach II eine 4:1-Führung nicht zum Sieg reichte (4:6). „Unseren jungen Spielern hat noch die nötige Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit gefehlt“, nennt der Coach die Gründe für den sportlichen Abstieg. „Außerdem war das nötige Selbstvertrauen oft nicht vorhanden. Wie auch, wenn man die ganze Saison unten in der Tabelle steht.“ Die ausgezeichnete 12:1-Bilanz des Doppels Erik Schreyer/Jakub Figel reichte am Ende ebenso wenig wie zwölf Siege von Schreyer im oberen Paarkreuz. Benno Oehme (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell II), Alexander Gerhold (TTS Borsum), Jukub Figel (Prag) und Andreas Wenzel (Hydro Nordhausen) werden den Verein aus Thüringen verlassen.

Auf Rang sechs hatte der SV SCHOTT Jena die Hinrunde abgeschlossen. Neun Spieltage später muss der Klub als Tabellenletzter in die Regionalliga absteigen. Der Grund: In der Rückserie wurde nur beim 5:5-Remis gegen den TTC Wöschbach gepunktet - die übrigen acht Partien verloren. Bis zuletzt bestand noch Hoffnung auf den Klassenerhalt, doch nach der 2:6-Heimniederlage im Kellerduell gegen die DJK SpVgg Effeltrich war der Abstieg am letzten Spieltag endgültig besiegelt. Ein wesentlicher Grund für die, so Abteilungsleiter Andreas Amend, „sehr schlechte Rückrunde war der gesundheitliche Ausfall unserer Nummer 1 Frantisek Placek“. Das Saisonziel Klassenerhalt wurde damit nicht erreicht. Leonard Süß konnte an seine guten Leistungen aus der Hinrunde nicht anknüpfen und nur eines seiner elf Einzel gewinnen. Für die Ersatzspieler Philip Schädlich und Marius Marth sei nach Meinung von Amend „der Sprung von der Oberliga in die 3. Bundesliga zu hoch gewesen“. In der nächsten Saison wird Placek eine Pause einlegen. Dafür wurde Tibor Spanik (SKST Havirov) unter Vertrag genommen.

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