Anzeige

"Mit Glück unter die besten Vier"

18.05.2006

Bremen. Regel eins im Spitzensport: Jammern gilt nicht. Jutta Trapp hat sie gebrochen. Und lacht heute darüber. ?Mit 18 habe ich ?rumgejammert, dass die alten Frauen mit Ende 20, wie Agnes Simon damals, immer noch spielten. Heute sind die Gedanken natürlich anders...? 18 ist sie nicht mehr, Ende 20 auch nicht ? aber sie spielt immer noch, wenn sie auch den Platz bei den Damen längst frei gemacht hat. Bei den Senioren mischt sie weiter munter in der 50er-Klasse mit ? und will genau das auch bei den Weltmeisterschaften in Bremen.

?Meine Erwartungen sind nicht so hoch, weil ich ja nun auch schon lange nicht mehr in einer Mannschaft spiele.? Vor fünf Jahren war es, als sich Jutta Trapp von der aktiven Bühne  regelmäßiger Meisterschaftsspiele bei den Damen  verabschiedete ? ?ich war dann auch öfter mal verletzt und wollte mich einfach nicht mehr so verpflichten. Ich habe ja auch lange genug gespielt...? Lange und hochklassig: Sie vertrat Deutschland bei den Weltmeisterschaften 1967 und 1969 und den Europameisterschaften 1966 und 1968, wurde 68 Europameisterin mit der Mannschaft, zu der auch Edit Wetzel gehörte.


Ex-Europameisterin leitet Freizeitgruppe in Berlin

 

Ganz ohne den Zauber der kleinen, weißen Magic Ball kann aber auch eine Jutta Trapp nicht auskommen. ?Zweimal pro Woche spiele ich noch.? Und sie lässt spielen. Tischtennis natürlich. In ihrer Heimat leitet sie bereits seit zwölf Jahren eine Freizeitgruppe, von der sie nicht ohne Stolz behaupten kann: ?Das ist eine der größten Freizeitgruppen Berlins!? Vom Streben nach Perfektion, nach der bestmöglichen Leistung ist hier vor allem eins geblieben: der Spaß. ?Dort habe ich mit unheimlich vielen Menschen Kontakt: vom Sozialhilfeempfänger über Ausländer bis zum Arzt.?

 

Selbst ist sie zwar in keiner Liga mehr dabei, aber die Senioren-Wettbewerbe lässt sich Jutta Trapp dann doch nicht entgehen. Gerade wurde sie erst wieder dreifache Norddeutsche Meisterin und fuhr auch zur Deutschen Meisterschaft mit einem klaren Vorhaben: ?Ich hoffe, dass ich da gut abschneiden kann, ein Titel ist schon das Ziel.? Für die Weltmeisterschaft aber will sie sich solch hohen Ziele nicht stecken. Im Moment ist die Berlinerin froh, dass sie nach einer Schulterverletzung im Herbst wieder schmerzfrei am Tisch stehen kann. ?Naja, das ist halt so, wenn man Ende 50 ist. Bis 40 ist es wurscht, mit 45 ging es auch noch, aber jetzt... Da muss man erst wieder langsam anfangen.?

Antonjan/TrappVollgas geben im Doppel

Langsam? Das gilt aber nicht unbedingt auch für ihr Doppel ? denn da will sie schon Vollgas geben. Zusammen mit der mittlerweile in der Schweiz beheimateten, ehemaligen armenischen Weltklassespielerin Elmira  Brunner (Antonian) ? und mit der kann sie immerhin beachtliche Erfolge vorweisen. ?Wir waren schon Weltmeister in der 40er-Klasse und Vize-Weltmeister in Luzern vor vier Jahren. Da hatte ich im Finale allerdings einen Muskelfaserriss und stand nur auf dem linken Bein...? Vollgas ja ? aber in ihrem Rahmen.  ?Es gibt schon große Unterschiede. Ich kenne Senioren, die arbeiten voll auf diese WM hin. Bei mir ist das nicht so. Gerade bei den Senioren kommt ja auch der gesellige Teil dazu ? also nicht mit Trinken gehen und so, aber es macht schon Spaß, viele Leute wiederzusehen, die man lange nicht getroffen hat. Das ist doch schön - ich lasse mich mal überraschen, wer dieses Mal dabei ist.?

Egal, wer kommt: Angst vor großen Namen hat Jutta Trapp nicht ? sie hat ja selbst einen. Und andere große Namen mehr als einmal schwer geärgert. Der für sie persönlich schönste Erfolg hatte aber nichts mit einem Titelgewinn zu tun. ?Das war, als ich in der Bundesliga die amtierende Europameisterin Jill Hemmersley geschlagen habe, die damals in Kronshagen gespielt hat.?

 

Bremen 2006 ? im Einzel rechnet sich die Berlinerin nicht viel aus, der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Doppel mit Elmira Brunner. ?Da hoffe ich schon, dass wir weit kommen. Mit ein bisschen Glück vielleicht unter die letzten Vier.? Wie das geht, wissen die Zwei ja bestens ? und auch, wie es noch weiter oben auf dem Treppchen aussieht. Dort, wo die Sicht am schönsten ist. ?Weltmeisterin zu sein, das war schon ein schöner Erfolg.? Wieso nur  ?war?? Bremen heißt die Gegenwart ? und vielleicht wird aus dem ?war? ja wieder ein ?ist?. Nichts war unmöglich. Nichts ist unmöglich. Und wenn es nicht beim Heimspiel gelingt, dann vielleicht beim nächsten Mal. Und wenn nicht ? es gibt mittlerweile Wichtigeres. Zuhause in Berlin wartet wieder die Hobbytruppe. ?Ich spiele, so lange ich kann und Spaß habe. In meiner Freizeitgruppe habe ich einen Ex-Nationalspieler aus Lettland, der immer noch mit seinem Barna-Brett spielt. Der ist mittlerweile 87 und richtig fit.? Ein Vorbild. Wie so viele Senioren. Wie Jutta Trapp ? egal, ob mit WM-Titel oder ohne.

 

 

Ingo Notz
© Deutscher Tischtennis-Bund e.V. - DTTB - Alle Rechte vorbehalten

Datenschutz | Impressum
made by 934tel Media Networx GmbH