Rekord-Nationalspieler, Bundestrainer, Vorbild für viele: Jörg Roßkopf (Foto: TMG)
Jörg Roßkopf, Inbegriff des vorbildlichen, mündigen Athleten. Offenheit und Geradlinigkeit zeichnen ihn auch als Trainer aus

"Mr. Tischtennis" wird 50

Text: SH / Video: BP 22.05.2019

Münster/Hessen. "15 Jahre hatte Tischtennis in Deutschland nur einen Namen", schrieb der "Tagesspiegel" Ende 2002. Knapp 17 Jahre später und im Alter von 50 Jahren ist Jörg Roßkopf immer noch einer der bekanntesten Namen im Tischtennissport, wenn auch nicht mehr als Leistungssportler, sondern seit 2010 als Herren-Bundestrainer. Die Sätze, die ihn als Spieler geprägt haben, zeichnen auch seine Arbeit mit den Spielern aus, etwa: "Wenn du zehnmal verlierst, musst du es halt ein elftes Mal probieren."

Die FAZ nannte ihn 2012 den "Kämpfer Roßkopf" und "manischen Arbeiter", der sich von Rückschlägen nicht beirren lässt. Zum ersten absoluten Höhepunkt seiner damals noch jungen Karriere wurden die Weltmeisterschaften 1989. Am 8. April um 21.24 Uhr vollendeten Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner die Sensation: Mit dem 18:21, 21:17 und 21:19 wurden die jungen Deutschen gegen das jugoslawisch-polnisch Duo Zoran Kalinic/Leszek Kucharski in der Dortmunder Westfalenhalle Doppel-Weltmeister.

Fünf Olympia-Teilnahmen, zwei olympische Medaillen

In der Folge nahm Roßkopf an fünf Olympischen Spielen teil, gewann 1992 in Barcelona im Doppel an der Seite von Steffen Fetzner die Silbermedaille. 1996 folgte in Atlanta Olympia-Bronze im Einzel. Roßkopf war der einzige Nicht-Asiate, der bei den Tischtennis-Wettbewerben in den USA Edelmetall gewann. "Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht. Die Olympischen Spiele sind das wichtigste Turnier für alle Sportler, noch vor Welt- und Europameisterschaften", schilderte der Linkshänder im Fachmagazin "deutscher tischtennis-sport" seine Gefühlslage. Und die FAZ urteilte: "Aus dem Tischtennis-Haudrauf wird der Weltklassemann Jörg Roßkopf."

1992 wurde Jörg Roßkopf in Stuttgart Europameister im Einzel, 1998 in Eindhoven im Doppel. Der ersehnte erste EM-Mannschafts-Titel für Deutschland bei den Herren kam 2007 in Belgrad dazu. Als erster Deutscher gewann Roßkopf 1998 im chinesischen Shantou den World Cup. 2004 wurde er mit dem Herren-Team Zweiter bei den Weltmeisterschaften in Doha. Bei der Heim-WM in Bremen zwei Jahre später gab es nach dem Halbfinal-Aus gegen den späteren Weltmeister China Bronze. Mit acht Einzel-Titeln liegt er hinter Timo Boll, Conny Freundorfer und Eberhard Schöler auf Rang vier der ewigen Bestenliste bei Deutschen Meisterschaften. 272 Länderspiele hat er absolviert, ist damit Deutschlands Rekordnationalspieler und wird es wohl auch bleiben. In der Bundesliga hat er fast 500 Siege für seine Klubs eingefahren.

Inbegriff des vorbildlichen, mündigen Athleten, jetzt erfolgreicher Trainer

Jörg Roßkopf war immer der Inbegriff des vorbildlichen, mündigen Athleten. Offenheit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit machten das DTTB-Aushängeschild zum respektierten Ansprechpartner. Dem Tischtennissport als seiner großen Liebe neben der Familie blieb er auch nach dem Ende seiner internationalen Karriere treu, wurde 2008 Herren-Assistenztrainer und übernahm zwei Jahre später als Bundestrainer Verantwortung. Mit ihm als Coach gewannen Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Co. bislang drei Olympia-Medaillen, sechs Mal Edelmetall bei Weltmeisterschaften sowie 13 Mal Gold bei Europameisterschaften. 2017 kürte ihn die ITTF zum Welttrainer des Jahres. Deutschlands Trainer des Jahres war er bislang fünf Mal.

Der Weltreisende Roßkopf ist in all den Jahren heimatverbunden geblieben. Im Alter von sechs Jahren hatte er bei der DJK Blau-Weiß Münster mit dem Tischtennissport begonnen und kehrte nach Ende seiner Bundesliga-Zeit noch für einige Zeit dorthin zurück. Denn nach vielen erfolgreichen Jahren in Düsseldorf war er im Jahr 2000 zurück nach Südhessen gezogen mit seiner Familie, zu der Ehefrau Sabine, die Töchter Leonie und Julie sowie der 2005 geborene Sohn Linus gehören. Die Mitglieder seiner Familie dürften übrigens zu den wenigen Menschen gehören, die ihn nicht „Rossi“ nennen.

Große 50er-Party Mitte Juli

Die Freundschaften in seiner Heimat seit Kindertagen hat er immer gepflegt. So macht sein dortiger Freundeskreis zusammen mit seiner Familie den Großteil der Gäste bei der großen 50er-Party Ende Juli in Langstadt aus, die er gemeinsam mit seinem besten Kumpel ausrichtet – in der kurzen Tischtennis-Sommerpause.

Ein bisschen Tischtennis-Prominenz darf nicht fehlen, von Steffen Fetzner über die Olympia-Rio-Fahrer Timo Boll, Dima Ovtcharov, Patrick Franziska und Bastian Steger, DTTB-Sportdirektor Richard Prause, bis hin zu den Trainerkollegen Helmut Hampl, Lars Hielscher, Slobodan Grujic und Danny Heister, ebenso wenig wie seine ehemalige Borussia-Düsseldorf-Connection um Mario Amizic und Andreas Preuß.

"Frauen tanzen, Männer trinken – so ist das Party-Konzept angelegt“, flachst Roßkopf. „Da ich fast gar keinen Alkohol trinke und nicht tanzen kann, werde ich herumstehen und gucken, dass alle zufrieden sind und es eine gute Feier wird." Den 22. Mai, den Tag, an dem er 50 wird, begeht er im kleinen Kreis mit Familie und besten Freunden. "Dann grillen wir bei uns im Garten und sprechen darüber, was wir in den nächsten 50 Jahren noch so alles anstellen."

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