Souverän zum elften Titel. Herzlichen Glückwunsch, Timo Boll! (Foto: Schiefer)

NDM 2017: Bolls elfter Streich/Silbereisen gewinnt packendes Finale

BP/MS 05.03.2017

Bamberg. Der Düsseldorfer Timo Boll und Kristin Silbereisen (Kolbermoor) sind die Deutschen Einzelmeister des Jahres 2017. Der Weltranglisten-Zwölfte Boll schraubte vor 2400 Zuschauern in der Bamberger BROSE ARENA mit seinem Finalerfolg über Ruwen Filus (Fulda) seinen bisherigen Rekord von zehn Titeln auf die Zahl elf und setzte eine neue Bestmarke für die Ewigkeit, die Doppel-Europameisterin Silbereisen (Kolbermoor) verteidigte gegen ihre Freundin und Doppelpartnerin, die Weltranglisten-Zwölfte Shan Xiaona (Berlin), ihren Titel von 2016 und weist zusammen mit ihrem ersten Sieg aus dem Jahr 2010 nun bemerkenswerte drei nationale Einzelerfolge auf. Im Doppel holte sich Silbereisen zusammen mit Shan Goldmedaille Nummer zwei, bei den Herren verteidigte Filus mit seinem Partner Ricardo Walther (Bergneustadt) seinen Titel.

 

Bolls elfter Streich

Timo Boll (Düsseldorf) ist und bleibt Deutschlands Mr. Tischtennis. Mit nur einem Satzverlust in fünf Spielen gewinnt der Rekordeuropameister die 85. Deutschen Meisterschaften und präsentierte sich dem oberfränkischen Publikum in sehr guter Form. "Ich war etwas skeptisch vor dem Turnier, gesundheitlich nicht ganz fit in den Wochen zuvor und meine Konkurrenten sehr gut drauf", sagt der Gewinner. "Ich hatte hier ja noch die Finalniederlage von 2013 wettzumachen. Das ist nun geschafft, nun bin ich gut mit Bamberg“, scherzte Boll nach dem Finale gegen Ruwen Filus. Die Neuauflage des umkämpften Endspiels aus dem Jahr 2015 wurde diesmal eine klare Angelegenheit zugunsten des Favoriten. Der Rekordsieger ließ dem gebürtigen Niedersachsen Filus beim 4:0-Sieg keine Chance. „Timo ist ein absoluter Weltklassespieler. Ich habe es nicht geschafft, genügend Qualität in meine Bälle zu bringen. Glückwunsch an Timo“, resümierte der faire Verlierer, der froh war, sich im Halbfinale gegen den Bergneustädter Benedikt Duda durchgesetzt zu haben: „Da habe ich sehr gut gespielt.“ Die zweite Bronzemedaille ging an Dudas Vereinskollegen Ricardo Walther, der Boll den einzigen Satzverlust des Turniers bescherte.

 

Silbereisen mit drittem Titel

Bei den Damen gab es im Endspiel zumindest eine kleine Überraschung. Das Duell der Freundinnen, Doppelpartnerinnen und zweifachen Deutschen Meisterinnen Shan Xiaona (Berlin) und Kristin Silbereisen (Kolbermoor) konnte die Bayerin in einem packenden Finale mit 4:2 gewinnen. „Ich bin nicht traurig, Kristin hat heute super gespielt und mir hat teilweise etwas die Konzentration gefehlt. Ich freue mich aber sehr für sie“, sagt die Unterlegene und bedankte sich beim Bamberger Publikum. Große Freude gab es natürlich bei der Siegerin, die schon mit 0:2-Sätzen im Rückstand lag. „Nach den ersten zwei Sätzen wusste ich nicht, wie ich das Spiel gewinnen soll. Ab dem dritten Satz habe ich mir gedacht, ich spiele jetzt Satz für Satz und bin besser in das Match reingekommen.“ Zuvor hatte sich Silbereisen in der Vorschlussrunde gegen Tanja Krämer (Busenbach) durchgesetzt, die Qatar-Open-Halbfinalistin Shan Xiaona ließ der Außenseiterin und Überraschungsdritten Katharina Michajlova (Bad Driburg) keine Chance.

 

Damen-Doppel: Silbereisen und Shan holen souverän Gold/Schülerinnen-Doppel überrascht

Im Einzel-Finale Konkurrenten, im Doppel gemeinsam zum Titel: Shan Xiaona und Kristin Silbereisen hatten mit ihren Finalgegnerinnen aus Busenbach, den Ex-Nationalspielerinnen Jessica Göbel und Tanja Krämer, bei ihrem 3:0-Sieg keine Probleme. "Wir waren von Anfang an konzentriert. Das Spiel waren wir auch eher gewohnt als gegen die Youngsters im Halbfinale", bilanziert Kristin Silbereisen. Die Youngsters, damit waren die 13- und 14-jährigen Sophia Klee (Niestetal) und Anastasia Bondareva (Fehlheim) gemeint, die sich nicht nur sensationell ins Halbfinale gespielt hatten, sondern Doppel-Europameisterin Silbereisen und der Weltranglisten-Zwölften Shan Xiaona frech und unbekümmert Paroli boten und sogar Satzbälle hatten. „Wir waren nicht aufgeregt, haben uns gefreut auf das Spiel, im zweiten Satz hatten wir die Chance auf den Satzgewinn – aber da hat sich dann doch die Erfahrung durchgesetzt“, so Anastasia Bondareva. Im zweiten Halbfinale setzte sich ebenfalls noch einmal die Routine durch. U21-Europameisterin Chantal Mantz (Berlin) und die U21-EM-Zweite Yuan Wan (Bingen) unterlagen Göbel/Krämer.


Herren-Doppel: Filus/Walther verteidigen Titel

Das Duo Ruwen Filus und Ricardo Walther verteidigt seinen Doppeltitel von Bielefeld 2016. Lokalmatador Kilian Ort (Bad Königshofen) und der U21-EM-Zweite Dang Qiu (Grünwettersbach), beide erst 20 Jahre alt, präsentierten sich bei der 1:3-Finalniederlage zwar stark und leistete bemerkenswerte Gegenwehr, am Ende jubelte aber das europäische Spitzendoppel: „Es war ein schwieriges Spiel, die beiden haben viele gute Bälle getroffen. Aber zum Schluss haben wir verdient gewonnen“, resümiert Filus. Zuvor hatten sie im Halbfinale gegen Steffen Mengel (Bergneustadt) und Thomas Brosig (Köln) gewonnen, Ort/Qiu hatten sich gegen das an Position zwei gesetzte Duo Dennis Klein (Saarbrücken) und Benedikt Duda (Bergneustadt) behauptet.

 

5.500 Zuschauer sehen Deutsche Meisterschaften in Bamberg

Die Bilanz des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), der das Turnier zusammen mit der Tischtennis-Marketing GmbH (TMG) in der Bamberger BROSE ARENA ausrichtete, fällt überaus positiv aus. Rund 5.500 Besucher, davon knapp 2.400 am Abschlusstag, verfolgten in der Halle die 85. Nationalen Deutschen Meisterschaften. DTTB-Präsident Michael Geiger freute sich aber nicht nur über die gute Resonanz in der Halle: „Wir haben hervorragend organisierte und sehr gut präsentierte Titelkämpfe gesehen. Die BROSE ARENA ist eine technisch hochmoderne Halle mit toller Atmosphäre, in der wir uns auch sehr gut internationale Turnierformate wie beispielsweise das Europe Top 16 oder den World Cup vorstellen können.“ Hallenchef Horst Feulner, der mit seiner Crew alles Mögliche und alles Unmögliche realisierte, zog ebenfalls eines sehr positive Bilanz für die Bamberger Gastgeber: „Wir freuen uns über das Vertrauen, das uns der DTTB mit der Vergabe der DM nach Bamberg nun zum dritten Mal nach 2011 und 2013 entgegen gebracht hat und wir hoffen, dass die DM nicht die letzte Top-Tischtennis-Veranstaltung in Bamberg war.“ Heike Ahlert, die Vizepräsidentin Leistungssport des DTTB, hob die Leistungen, vor allem auch der DTTB-Talente: „Unser U23-Kader hat sich bei dieser EM sehr stark in Szene gesetzt, wie beispielsweise der Halbfinaleinzug von Benedikt Duda und der Finaleinzug von Qiu/Ort unterstreichen. Außerdem haben im Damen-Doppel mit Sophia Klee und Anastasia Bondareva sogar eine 13- und eine 14-Jährig gemeinsam das Halbfinale erreicht. Das ist sehr bemerkenswert und zeigt, dass Talente heranwachsen, die den Etablierten mehr und mehr Konkurrenz machen. Und ganz herzlich möchte ich Kristin und Timo gratulieren. Timos elfter Titel ist für die Ewigkeit.“

 

Alle Ergebnisse im Überblick

 

 

Herren-Einzel

 

Finale

Timo Boll - Ruwen Filus 4:0 (4,8,2,5)

 

Halbfinale

Timo Boll - Ricardo Walther 4:1 (-9,4,5,8,8)

Benedikt Duda - Ruwen Filus 1:4 (-9,-4,-8,5,-6)

 

Damen-Einzel

 

Finale

Shan Xiaona - Kristin Silbereisen 2:4 (11,9,-9,-5,-8,-11)

 

Halbfinale

Shan Xiaona – Katharina Michajlova 4:1 (-10,5,4,6,6)

Tanja Krämer - Kristin Silbereisen 1:4 (-8,-3,-7,9,-7)

 

Herren-Doppel

 

Finale

Ruwen Filus/Ricardo Walther – Kilian Ort/Dang Qiu 3:1 (4,-7,7,8)

 

Halbfinale

Ruwen Filus/Ricardo Walther – Thomas Brosig/Steffen Mengel 3:0 (6,5,3)

Kilian Ort/Dang Qiu – Benedikt Duda/Dennis Klein 3:1 (5,-15,8,5)

 

Damen-Doppel

 

Finale

Kristin Silbereisen/Shan Xiaona – Tanja Krämer/Jessica Göbel 3:0 (6,3,7)

 

Halbfinale

Kristin Silbereisen/Shan Xiaona – Sophia Klee/Anastasia Bondareva 3:0 (4,10,9)

Chantal Mantz/Yuan Wan - Tanja Krämer/Jessica Göbel 1:3 (-8,-6,11,-11)

 

 

 

Hier finden Sie alle Ergebnisse der Gruppenphase und der Endrunde im Überblick.

 

 

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