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Timo Boll (Foto: ETTU)
Für Duda, Filus und Franziska sind die Europameisterschaften beendet

Nur noch Boll und Ovtcharov im Einzel-Viertelfinale

SH 26.06.2021

Warschau. Da waren es nur noch zwei. Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll sind die einzigen beiden der fünf DTTB-Herren, die im Einzel das Viertelfinale der EM von Warschau erreicht haben.

Ovtcharov am Ende fast fehlerfrei

Dimitrij Ovtcharov, der mit jedem gespielten Satz in der Torwar Arena sicherer zu werden scheint, besiegte den Schweden Kristian Karlsson mit 4:2 und trifft um 20.30 Uhr auf den Tschechen Lubomir Jancarik. Mit seiner Leistung am Nachmittag war Ovtcharov sehr zufrieden: "Kristian ist ein unangenehmer Gegner für mich und ich habe in der Vergangenheit auch schon gegen ihn verloren. Er hat im ersten und im vierten Satz gut gespielt, aber insgesamt habe ich das Match gut unter Kontrolle gehabt. In den beiden letzten Sätzen habe ich fast fehlerfrei gespielt. Das war ein verdienter Sieg."

Timo Boll lobt seinen Gegner Benedikt Duda

Timo Boll entschied das deutsche Duell mit Benedikt Duda in sieben Sätzen und war anschließend voll des Lobes über seinen Kontrahenten. „Das war definitiv kein Spaziergang, aber damit habe ich auch nicht gerechnet“, so Boll über „einen der fittesten Spieler auf der Tour“. „‘Benne‘ hat sich gut entwickelt, und ich hatte das Gefühl, er kommt so langsam ins Rollen. Er hat’s mir schwer gemacht, hat gute Bälle getroffen und sich zurückgekämpft. Er hat in entscheidenden Phasen gute Sachen gespielt, aber daran bin ich nicht verzweifelt.“ Aber auch der Rekord-Europameister war auf den Punkt fit und entschied eine Reihe kräftezehrender Rallyes für sich. „In diese Spin-Spin-Duelle, wo man wirklich viel rein investieren muss in die Bälle: Das ist schon hart für einen Vierzigjährigen“, scherzte er. Boll sieht jedoch auch Verbesserungspotenzial vor allem Richtung Olympische Spiele in Tokio in einem Monat. „Am Schluss fehlte mir etwas die Wettkampfpraxis, um noch gelassener, noch cooler zu sein. Ich hatte mir vorgenommen, auf mein Spiel zu vertrauen, bin dann aber doch ein bisschen verkrampft. Daran muss ich noch arbeiten.“

Duda: „Das ist eben Timo Boll. Am Ende saugt er sich das rein"

Dem wie immer um jeden Fall beherzt kämpfenden Benedikt Duda blieb auch diesmal ein Sieg über den Favoriten versagt. Mitte des dritten Durchgangs hätte er sich absetzen und den Verlust des Satzes vermeiden können, jedoch leichte Fehler produziert. „Da hatte ich hatte zwei, drei kleine Chancen, die ich mal wieder nicht genutzt habe“, sagte er. „Das ist eben Timo Boll. Am Ende saugt er sich das rein. Da muss ich noch ein bisschen dazu lernen, aber ich bin froh, dass ich diesmal noch ein bisschen knapper gegen Timo gespielt habe.“

Timo Bolls nächster Prüfstein, heute um 19.40 Uhr ist sein Düsseldorfer Bundesliga-Teamkollege Anton Källberg. Dem seit Monaten an Rückhand und Beweglichkeit stark verbesserten 23-jährigen Schweden hatte er sich Ende Mai beim Düsseldorf Masters beugen müssen. Bolls Rezept für den Abend: „Da werde ich sehr präzise spielen müssen. Es reicht nicht, einfach nur den Ball auf den Tisch zu spielen. Dafür ist er zu wendig, zu agil. Da bin ich mittlerweile zu langsam und muss mir gegen ihn etwas einfallen lassen.“

Filus unterliegt einmal mehr Källberg

Eben diesem Anton Källberg war Ruwen Filus im Achtelfinale in fünf Sätzen relativ deutlich unterlegen. Noch nie hat Deutschlands Abwehr-Chef gegen den Schweden gewonnen, und dies blieb ihm trotz insgesamt guter EM-Form auch diesmal versagt. WTT-Star-Contender-Finalist Filus erkannte nach der 1:4-Niederlage die Überlegenheit seines Gegners an: „Wenn ich in der Abwehr war, habe ich mich ganz gut gefühlt, aber im Aufschlag-Rückschlag-Bereich war Anton klar besser und hat dominiert, dadurch kam ich an viele Bälle zu spät. Nach dem 1:1-Satzausgleich war ich Anfang des dritten Satzes noch einmal dran. Ich hatte schon gehofft, das Match etwas knapper gestalten zu können, damit er vielleicht ein wenig nervös wird, aber das ist mir nicht gelungen.“ Ruwen Filus zieht für sich eine akzeptable EM-Bilanz, ganz zufrieden allerdings ist er nicht: „Ich habe in den ersten Runden ganz gut gespielt und zumindest meine Setzung erfüllt. Allerdings hatte ich mir auch etwas mehr vorgenommen und war in guter Form. Jetzt geht es erst einmal zurück ins Training und dann wird weiter hart gearbeitet.“

Patrick Franziska ohne Chance gegen Ionescu

Ebenfalls ausgeschieden ist Patrick Franziska. Der bei der EM an Position vier gesetzte Saarbrücker unterlag Ovidiu Ionescu aus Rumänien ohne Satzgewinn. Der Weltranglisten-16. war nach dem Match gegen den EM-Zweiten von 2018 etwas ratlos: „Wenn er so spielt wie heute, weiß ich gar nicht, wie ich überhaupt gegen ihn gewinnen soll. Es kommt kaum zu Ballwechseln, es hat jedes Mal sehr schnell bei mir eingeschlagen.“ Die Europameisterschaften sind damit für den Saarbrücker beendet, der 2018 in Alicante Bronze im Einzel, Doppel und Mixed gewonnen hatte. Die Turnierbilanz fällt entsprechend nüchtern aus: „Natürlich habe ich mir das insgesamt anders vorgestellt und deshalb bin ich insgesamt enttäuscht. Allerdings habe ich in einigen Matches ganz gut gespielt, im Doppel und Mixed waren die Niederlagen knapp. Ich muss jetzt das Turnier abhaken und nach vorne in Richtung Olympia schauen und weiter an mir arbeiten.“

EM für drei Deutsche beendet


Für Franziska, Duda und Filus ist die EM damit beendet. Patrick Franziska war im Doppel und Mixed bereits vorzeitig ausgeschieden. Benedikt Duda hatte an der Seite von Dang Qiu als topgesetztes Duo im Viertelfinale gegen die Turnier-Überraschung, Lev Katsman/Maksim Grebnev aus Russland, ebenso den den Kürzeren gezogen wie zuvor das schwedische Weltklasse-Doppel Mattias Falck/Kristian Karlsson.

Herren-Einzel, Achtelfinale
Ruwen Filus - Anton Källberg SWE 1:4 (-6,11,-5,-2,-9)
Timo Boll - Benedikt Duda 4:3 (7,-8,7,-9,5,-9,5)
Patrick Franziska - Ovidiu Ionescu ROU 0:4 (-8,-4,-7,-9)
Dimitrij Ovtcharov - Kristian Karlsson SWE 4:2 (-5,9,4,-9,4,6)

Viertelfinale ab 19.40 Uhr
19.40 Uhr: Jon Persson SWE - Mattias Falck SWE
19.40 Uhr: Timo Boll - Anton Källberg SWE
20.30 Uhr: Marco Freitas POR - Ovidiu Ionescu ROU
20.30 Uhr: Dimitrij Ovtcharov - Lubomir Jancarik CZE

Der EM-Sonntag

10.30 Uhr: Damen-Einzel, Halbfinale
11.20 Uhr: Damen-Einzel, Halbfinale

12.10 Uhr: Herren-Einzel, Halbfinale
13 Uhr: Herren-Einzel, Halbfinale

15.30 Uhr: Damen-Doppel, Finale
16.10 Uhr: Herren-Doppel, Finale

16.50 Uhr: Damen-Einzel, Finale
17.40 Uhr: Herren-Einzel, Finale

 

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