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Kraftvoll auch im Jubel: Dima Ovtcharov (Foto: ITTF)
In Satz drei gab es für Kreativspieler Niwa sogar die 0:11-Höchststrafe / Han besiegt Singapurs Fahnenträgerin von 2012

Ovtcharov mit Power-Tischtennis, Han abgeklärt ins Viertelfinale

SH 27.07.2021

Tokio. Nach dem Schock über das Achtelfinal-Aus von Timo Boll ist der vierte Tag des Einzelturniers bei den Olympischen Spielen in Tokio versöhnlich zu Ende gegangen. Mit Dimitrij Ovtcharov und Han Ying haben zwei Deutsche das Viertelfinale im Tokyo Metropolitan Gymnasium erreicht.

Der World-Cup-Sieger von 2017 besiegte Japans Koki Niwa in fünf Sätzen. In der Runde der besten Acht am Mittwoch trifft Ovtcharov auf den Brasilianer Hugo Calderano, der gegen Jang Woojin in Südkorea in sieben Sätzen am Rande der Niederlage stand.

"Erdrückende Präsenz in der Box"

Mit taktisch klugem, gut platzierten Power-Tischtennis ließ Dimitrij Ovtcharov dem 26-jährigen Kreativspieler Niwa, Gewinner der Youth Olympic Games 2010, ehemaliger Jugend-Weltmeister und Olympia-Silbermedaillengewinner mit dem Team 2016, wenig Chancen, sein gutes Händchen zur Entfaltung zu bringen. Im dritten Satz gab es für den ehemaligen Frickenhausener Bundesliga-Akteur, Niwa, sogar die Höchststrafe von 0:11. Mit diesem Sieg revanchierte sich Ovtcharov nicht zuletzt für die erlittene Achtelfinal-Niederlage bei der Heim-WM in Düsseldorf 2017. „Das war ein super Spiel, ich war super taktisch eingestellt und habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt", war Ovtcharov sichtlich zufrieden. Auch der Bundestrainer Jörg Roßkopf lobte seinen Schützling: „Das war eine sehr überzeugende Leistung. Er hat ein gutes Aufschlag-Rückschlag-Spiel gespielt und er hat die Rallies extrem gut mitgespielt, auch wenn er sehr in der Bedrängnis war." DTTB-Sportdirektor Richard Prause lobte vor allem die starke Präsenz in der Box, die Koki Niwa stellenweise erdrückt hätte.

Nach dem überraschenden Aus von Medaillen-Kandidat Tomokazu Harimoto und der Niederlage von Niwa kurz im Anschluss ist der Einzelwettbewerb für Japans Herren nun beendet. Im Viertelfinale morgen um 14 Uhr deutscher Zeit wartet der Brasilianer Hugo Calderano auf "Dima": "Gegen Hugo Calderano wird ein ausgeglichenes Spiel, bis jetzt konnte ich mich immer behaupten, aber wir haben noch nicht so oft gegeneinander gespielt.“

Auch Han Ying stark gegen Feng Tianwei

Mit einer starken Leistung hat auch Han Ying ihre gute Form in Tokio unterstrichen. Sie besiegte die dreifache Olympia-Medaillengewinnerin Feng Tianwei aus Singapur mit 13:11, 11:7, 11:9, 8:11 und 11:8. Deutschlands 38-jährige Abwehrchefin, Nummer 22 der Weltrangliste und Einzel-Finalistin der European Games 2019 war ihrer vier Jahre jüngeren Kontrahentin auch physisch überlegen und konnte die kleine Schwäche Fengs gegen Defensivsysteme abgeklärt nutzen. Dagegen war auch Feng Tianweis Coach Wu Jingping machtlos, ehemals in China Meistermacher von Ma Lin und Wang Hao. „Ich war gut drauf und habe mich gut vorbereitet. Im ersten Satz habe ich etwas zu viel probiert und am Ende musste ich nochmal richtig kämpfen", erklärte die glückliche Deutsche im Anschluss in der Mixed Zone. Bundestrainerin Jie Schöpp konnte mit der Leistung Hans rundum zufrieden sein: "Es war klar, dass es für Feng Tianwei sehr schwierig wird, wenn Ying gut spielt. Und sie hat das gesamte Spiel sehr gut gespielt und war sehr beweglich. Sie fühlt sich wohl hier"

Schon bei ihrer Olympia-Premiere in Rio de Janeiro 2016 hatte Han Ying das Einzel-Viertelfinale erreicht. In Tokio trifft sie am Mittwoch erwartungsgemäß auf die an Position zwei gesetzten Chinesin Sun Yingsha, die sich gegen Chen Szu-Yu aus Taiwan mit 4:0 durchsetzte. Zwar haben die beiden noch nicht gegeneinander gespielt, aber schon zusammen trainiert. "Gegen Sun Yingsha wird ein schwieriges Spiel. Es ist bekannt, dass sie gut gegen Abwehr spielt, aber die beiden haben noch nie gegeneinander gespielt. Ying wird um jeden Punkt kämpfen und wir hoffen, dass wir was machen können“, sagt die Bundestrainerin

Herren-Einzel, Achtelfinale
Dimitrij Ovtcharov - Koki Niwa JPN 4:1 (4,-7,0,7,9)
Timo Boll - Jeoung Youngsik KOR 1:4 (-8,7,-7,-9,-4)

Viertelfinale
Fan Zhendong CHN - Jeoung Youngsik KOR, 4 Uhr MESZ
Lin Yun Ju TPE - Darko Jorgic SVN, 9 Uhr MESZ
Ma Long CHN - Omar Assar EGY, 13 Uhr MESZ
Dimitrij Ovtcharov - Hugo Calderano BRA, 14 Uhr MESZ

Damen-Einzel, Damen-Einzel, Achtelfinale
Han Ying - Feng Tianwei SGP 4:1 (11,7,9,-6,8)

Viertelfinale
Kasumi Ishikawa JPN - Yu Mengyu SIN, 3 Uhr MESZ
Chen Meng CHN - DOO Hoi Kem HKG, 5 Uhr MESZ
Mima Ito JPN - Jeon Jihee KOR, 8 Uhr MESZ
Han Ying - Sun Yingsha CHN, 10 Uhr MESZ

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Das deutsche Aufgebot bei den Tischtenniswettbewerbe in Tokio

Herren-Team: Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland), Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Ergänzungsspieler: Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt)
Damen-Team: Petrissa Solja (TSV Langstadt), Han Ying (KTS Enea Siarka Tarnobrzeg, Polen), Shan Xiaona (ttc berlin eastside), Ergänzungsspielerin: Nina Mittelham (ttc berlin eastside)
Herren-Einzel: Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll
Damen-Einzel: Petrissa Solja, Han Ying
Gemischtes Doppel: Patrick Franziska/Petrissa Solja
Teilmannschaftsleiter: Richard Prause (Sportdirektor)
Trainer-Team: Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Jie Schöpp (Bundestrainerin Damen), Lars Hielscher (Assistenztrainer)
Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)
Arzt: Dr. Antonius Kass (Düsseldorf)
Schiedsrichterin: Anja Gersdorf (Düsseldorf)
Öffentlichkeitsarbeit: Benedikt Probst (Frankfurt/Main)

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