Lissabon. Wichtiger Triumph für Dang Qiu: Der Grünwettersbacher sicherte sich mit einem 4:3-Finalsieg über den Ukrainer Yevhen Pryshchepa bei den Portugal Open seinen ersten bedeutenden Titelgewinn bei einem Topturnier des Weltverbandes ITTF. Die mit 70.000 Dollar Gesamtpreisgeld dotierten offenen Meisterschaften von Portugal zählen zur Kategorie Challenge Plus. Bei den Damen gewann die Japanerin Kasumi Ishikawa. Ab Dienstag dreht sich das Turnierkarussell in Ungarn weiter.
Dang Qiu mobilisiert alle Kraftreserven im Finale
Den bislang vielleicht wichtigsten Meilenstein in seiner Einzel-Karriere verdiente sich der 23-jährige Dang Qiu in Lissabon redlich und mit harter Arbeit. In vier seiner sechs Begegnungen musste die Nummer 77 der Welt in Lissabon über die volle Distanz von sieben Sätzen, dazwischen lag ein nicht weniger umkämpftes Match, in dem Qiu über sechs Durchgänge hinweg hart gefordert wurde.
Am Ende des Turniers hätte der Zweite der Spanish Open 2019 für die vorausgegangenen Kraftakte allerdings fast einen hohen Tribut zahlen müssen. Denn das Finale gegen Pryshchepa wurde trotz einer klaren 3:1-Führung nach anschließendem Ausgleich durch den Ukrainer noch einmal zur Zitterpartie. Doch der Deutsche Doppelmeister war in Lissabon nicht nur der beste, sondern auch der nerven- und willenstärkste Spieler. Im Entscheidungssatz mobilisierte das DTTB-Ass seine Reserven und sicherte sich mit 11:7, 5:11, 11:7, 11:5, 9:11, 8:11 und 11:8 den Sieg. Mit dem ihm eigenen, trockenen Humor kommentierte Dang Qiu das Finale: "Ausnahmeweise habe ich in diesem Spiel mal geführt, aber am Ende musste es dann doch noch in den siebten gehen, alles andere wäre wohl bei diesem Turnier auch nicht normal für mich gewesen."
Über seinen ersten Einzeltriumph freute sich Dang Qiu riesig: "Ich bin endlos glücklich, dass ich das Turnier gewonnen habe. Ich wollte einen solchen Erfolg schon unbedingt vor einem Jahr in Spanien, habe damals aber das Finale knapp verloren. Jetzt hat es endlich geklappt, das war schon emotional." Qiu gestand: "Ich bin darauf schon etwas stolz. Die ganzen Turniere auf der ITTF-Tour haben ein hohes Niveau, egal ob World Tour oder Challenge. Da ist es schon etwas besonderes, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen." Das Geheimnis von Qius Erfolgs liegt nicht zuletzt in der akribischen Analyse, die auch nach dem Finale nicht lange auf sich warten ließ: "Spielerisch bin ich ganz zufrieden mit meiner Leistung, aber mental wartet noch Arbeit. Bei meinen Führungen habe ich oft zu hektisch gespielt, das muss besser werden."
Dang-Qiu-Krimis von Freitag bis Sonntag
Am Freitagabend und am Samstagnachmittag hatte Penholderspieler Qiu in den Duellen mit den Österreichern Robert Gardos, dem Drittplatzierten des Europe Top 16 vom vergangenen Wochenende, und Andreas Levenko zwei bzw. einen Matchball abwehren müssen, bevor er mit einem 4:2 über Englands Ass Paul-Drinkhall in das Halbfinale einzog. Auch gegen Dänemarks Linkshänder Anders Lind setzte sich der 23-jährige Schwabe dann am Vormittag mit 8:11, 11:5, 4:11, 13:15, 11:2, 11:6 und 12:10 erst nach sieben Sätzen durch. Dang Qiu schmunzelte: "Natürlich hatte ich auch in der Partie bei 9:10 im siebten einen Matchball gegen mich." Lange freuen über sein Erfolge von Lissabon kann sich der ehrgeizige Profi allerdings nicht: "Schon morgen geht es in den Flieger nach Budapest, wo ich am Dienstag schon wieder in der World Tour am Tisch stehe."
Direkt weiter zu den Hungarian Open
Bei den am Dienstag beginnenden Hungarian Open gehen insgesamt 15 Deutsche an den Start, darunter neben Qiu Dang auch Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska sowie Europe-Top-16-Siegerin Petrissa Solja und Han Ying. Ovtcharov und Franziska sind an den Position drei und vier, Solja und Han an acht und vierzehn gesetzt.
Japan dominiert bei den Damen
Den Titel im Damen-Einzel sicherte sich die Japanerin Kasumi Ishikawa mit einem Erfolg über ihre Nationalmannschaftskollegin Saki Shibata, die im Viertelfinale den Vormarsch von Shan Xiaona gestoppt hatte. Die Berlinerin, in der Vorwoche Dritte bei den Spanish Open, hatte zuvor die an Position zwei gesetzte Weltranglisten-18. Hitomi Sato (Japan) aus dem Turnier geworfen. Die Titel im Doppel gingen bei den Herren an Diogo Chen/Joao Geraldo (Portugal) und bei den Damen an die Japanerinnen Satsuki Odo/Saki Shibata.
DIE ERGEBNISSE AM SONNTAG
Herren-Einzel
Finale
Dang Qiu – Yevhen Pryshchepa UKR 4:3 (7,-5,7,5,-9,-8,8)
Halbfinale
Dang Qiu – Anders Lind DEN 4:3 (-8,5,-4,-13,2,6,10)
Yevhen Pryshchepa UKR - Joao Geraldo POR 4:3 (-7,10,2,-5,12,-6,5)
Viertelfinale (Auszug)
Dang Qiu – Paul Drinkhall ENG 4:2 (9,-8,7,-5,6,9)
Achtelfinale (Auszug)
Dang Qiu – Andreas Levenko AUT 4:3 (4,-10,-7,-10,3,10,7)
Damen-Einzel
Finale
Kasumi Ishikawa JPN - Saki Shibata JPN 4:0 (8,3,10,9)
Halbfinale
Kasumi Ishikawa JPN - Miyu Kato JPN 4:2 (-5,-3,7,6,6,8)
Saki Shibata JPN - Cheng Hsien-Tzu TPE 4:1 (8,7,-5,5,12)
Viertelfinale (Auszug)
Shan Xiaona - Saki Shibata JPN 1:4 (-8,-8,-7,9,-6)
Achtelfinale (Auszug)
Shan Xiaona – Hitomi Sato JPN 4:0 (5,9,1,5)
Herren-Doppel
Finale
Diogo Carvalho/Joao Geraldo POR - Kwangli Baek/Park Chan-Hyeok KOR 3:1 (10,4,-6,5)
Damen-Doppel
Finale
Satsuki Odo/Saki Shibata JPN - Orawan Paranang/Suthasini Sawettabut THA 3:0 (5,4,8)
Zu den Ergebnissen auf der Turnierseite der ITTF
Das DTTB-Aufgebot bei den Hungarian Open (18.-23.2.)
Damen
Nina Mittelham (ttc berlin eastside), Han Ying (KTS Tarnobrzeg, Polen), Chantal Mantz (TTG Bingen/Münster-Sarmsheim), Shan Xiaona (ttc berlin eastside), Petrissa Solja (TSV Langstadt), Wan Yuan (TTG Bingen/Münster-Sarmsheim)
Herren
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Nils Hohmeier (TTC OE Bad Homburg), Steffen Mengel (Post SV Mühlhausen), Qiu Dang (AS Grünwettersbach), Kilian Ort (TSV Bad Königshofen), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland), Bastian Steger (TSV Bad Königshofen), Ricardo Walther (Borussia Düsseldorf)