Boll/Franziska greifen nach Gold (Foto: Steinbrenner)
Patrick Franziska kann auch im Einzel noch in das Halbfinale einziehen / Aus für Boll, Ovtcharov und Han

Qatar Open: Boll/Franziska greifen nach Gold

29.03.2019

Doha. Mindestens eine Silbermedaille hat Deutschland bei den mit 300.000 Dollar dotierten Qatar Open sicher. Bevor das Duo Timo Boll/Patrick Franziska am Samstag um den Titel spielt, kämpft Franziska gegen den Chinesen Xu Xin auch im Einzel um den Einzug in das Halbfinale. Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Han Ying schieden im Achtelfinale aus. Alle Spiele sind im Livestream auf itTV zu sehen.

Doppel Boll/Franziska greift am Samstag nach Gold

Mit einem 3:0-Erfolg über die polnisch-belgische Kombination Jakub Dyjas/Cedric Nuytinck, die in der Runde der besten Acht überraschend Schwedens Vize-Europameister Mattias Falck/Kristian Karlsson ausschaltete, haben sich Timo Boll und Patrick Franziska in das Finale der Qatar Open gespielt. Gegner sind am Samstag um 15.10 Uhr deutscher Zeit die Hongkong-Chinesen Ho Kwan Kit/Wong Chun Ting, die sich zweiten Halbfinale gegen die Südkoreaner Jeoung Youngsik/Lee Sang Su durchsetzten.

Herausragende Leistungen hatten die Gewinner der German Open 2013 und 2015 allerdings vor allem in den beiden Runden zuvor geboten. Dem gestrigen Erfolg über die Weltmeister von 2013, Chen Chien-An/Chuang Chih-Yuan (Taiwan), ließen Boll/Franziska im Viertelfinale einen Sieg über die seit nunmehr vier Jahren zu den dominierenden Doppeln auf dem Globus zählenden Japanern Masataka Morizono/Yuya Oshima folgen. Mit dem Sieg über die Taiwans Weltmeister und Japans WM-Zweite von 2015 und 2017 spielte sich das deutsche Duo nachhaltig in den Favoritenkreis für die Weltmeisterschaften 2019 in Budapest (21.-28. April). Boll, Franziska und Dimitrij Ovtcharov sind bei Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf für die WM "gesetzt", über zwei weitere Plätze wird Mitte April entschieden.

Jörg Roßkopf ist beeindruckt von den guten Leistungen seines Doppels, das nach den Auftritten in Berlin 2013 und Bremen 2015 nun überhaupt erst zum dritten Mal antritt und bislang bei drei Turnieren noch kein Match verlor: "Das ist einfach stark, was die beiden hier spielen, egal wie morgen das schwere Final gegen das Doppel aus Hongkong ausgeht. Die Erfolge gestern und heute gegen solch starke Doppel bringen natürlich noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen." Patrick Franziska erklärt das Geheimnis des Erfolgs: "Wir haben noch zusammen trainiert. Aber wir harmonieren einfach unglaublich - abseits von und an der Platte. Das macht es aus."

Patrick Franziska spielt um den Einzug ins Halbfinale

In einer dramatischen Achtelfinalbegegnung ist Patrick Franziska in die Runde der besten Acht eingezogen. Der auf Rang 14 in der Welt eingestufte Saarbrücker besiegte den fünf Plätze besser notierten Japaner Koki Niwa mit 10:12, 13:11, 12:10, 7:11, 12:14, 11:4 und 11:6 und bestätigte einmal mehr seine derzeit beeindruckende Verfassung. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf lobte den Doppel-Europameister von 2016: "Patrick hat ein sehr gutes Spiel gegen einen Koki Niwa gemacht, der ungemein stark war."

In der Runde der besten Acht spielt Franziska, der mit Timo Boll im Doppel bereits die Vorschlussrunde erreicht hat, am Samstag gegen den in Katar topgesetzten Weltranglisten-Zweiten Xu Xin um den Einzug in das Halbfinale. Bereits zweimal lieferte Franziska gegen Xu Xin großartige Duelle auf Augenhöhe, den Chinesen besiegen konnte er allerdings noch nicht. Roßkopf: "Das wird natürlich ein schwieriges Match für Patrick, aber Patrick ist in einer sehr guten Form. Es ist aber in jedem Fall ungemein wichtig, immer wieder gegen die Chinesen zu spielen. Davon profitiert Patrick in jedem Fall."

Franziska freut sich auf das Match gegen Xu Xin: "Ich habe heute wirklich unglaublich gut gespielt gegen Niwa, viele lange Rallies gewonnen, mich gut bewegt. Hier im Viertelfinale zu stehen ist ein tolles Ergebnis. Ich will es zwar genießen genießen, gegen Xu Xin um eine Medaille zu spielen, aber werde ich natürlich auch attackieren. Schließlich war es in einigen der Matches gegen ihn schon relativ knapp. Mal schauen, wie es morgen wird."

Timo Boll: "Im Moment zu wenig Qualität in meinen Schlägen"

Nach diesem Ballwechsel konnte sich selbst Timo Boll ein Lächeln am Tisch nicht verkneifen. Nach einer extremen Topspin-Rally im Achtelfinale gegen Ma Long wird der Düsseldorfer in der weiten Rückhand in arge Bedrängnis gebracht - und befreit sich mit einem seiner inzwischen schon häufig erfolgreich vollzogenen Schlägerwechsel in die rechte Hand aus dieser misslichen Lage. Der großartige Spielzug zum 8:9 im vierten Durchgang brachte allerdings keine Wende mehr. Mit 8:11 quittierte der Düsseldorfer auch den letzten Satz gegen den Chinesen, der die vorherigen drei ebenso für sich entscheiden konnte, und schied im Achtelfinale aus. Timo Boll fand nach der deutlichen Niederlage klare Worte: "Im Einzel hat viel nicht gestimmt. Insgesamt bin ich körperlich derzeit nicht auf dem Level, um Topleute zu schlagen. Dadurch hab ich selbst aktiv wenig Qualität in meinen Schlägen. Da liegt noch viel Arbeit vor mir. Im Doppel kommt das nicht so extrem ans Licht, da ich mehr Zeit habe. Das funktioniert gut, und wir passen auch vom System gut zueinander." Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf sah den ersten Satz als Knackpunkt: "Der ist leider mit 10:12 weggegangen, anschließend hat Ma Long dann einfach auch besser und besser gespielt."

Dimitrij Ovtcharov unterliegt erneut Lin Jun-Yu

Im dritten Achtelfinale mit deutscher Beteiligung unterlag der Weltranglisten-14. Dimitrij Ovtcharov dem zwölf Plätze hinter ihm notierten Taiwanesen Lin Yun-Ju in sechs Sätzen mit 4:11, 11:6, 3:11, 10:12, 11:9 und 7:11. Für den 30 Jahre alten World-Cup-Gewinner von 2017 war es die zweite Niederlage gegen das 17-jährige Ausnahmetalent nach dem Aufeinandertreffen bei den Austrian Open im Herbst. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf: "Dieses Spiel muss Dima abhaken. Er hat zwar auch seine Chancen gehabt, aber Lin war heute sehr stark. Dima muss jetzt in den nächsten Wochen konzentriert trainieren, dann wird er auch eine gute WM spielen."  Roßkopf lobte zudem den Gegner Ovtcharovs, der am vergangenen Sonntag die Oman Open gewann und gestern klar mit 4:1 Hongkongs Weltranglisten-Achten Wong Chun Ting besiegte: "Er hat sich in den letzten Monaten extrem verbessert. Er hat sehr gute, gefährliche Aufschläge, eine starke Rückhand und gute Retourns. Er ist erst 17, aber schon ziemlich komplett."

Starke Han Ying bringt Weltmeisterin ins Schwitzen

Das Achtelfinal-Duell Abwehr gegen Angriff zwischen Han Ying und Chinas Weltmeisterin Ding Ning war ein sehenswertes Duell auf Augenhöhe, vor allem im vierten Durchgang. In einem regelrechten Marathonsatz mit immer länger werdenden Ballwechseln erarbeitete sich die brilliant verteidigende Wahl-Düsseldorferin Han Ying zunächst einen 9:6-Vorsprung und anschließend über 10:9 bis zum 12:11 drei Chancen zum 1:3-Anschluss, der mehr als verdient gewesen wäre, am Ende aber verwandelte die beste Spielerin auf dem Planeten aber ihren fünften Matchball zu einem 18:16-Erfolg.

Schon zum Auftakt des Matches sah die Deutsche Meisterin von 2018 durchaus Chancen, die Weltranglistenerste in Bedrängnis zu bringen. Han Ying: "Schade, im ersten Satz hatte ich heute das Glück nicht auf meiner Seite. In Durchgang vier habe ich dann zwar noch einmal alles versucht und unglaublich gekämpft. Aber leider hat es nicht ganz gereicht. Ich bin aber sehr zufrieden mit meiner Form bei diesem Turnier. Ich habe einiges verbessern können und hoffe, auf dem richtigen Weg zu sein, um stärker und stärker zu spielen." Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp lobte ihren Schützling: "Ein sehenswertes Spiel mit wunderschönen Ballwechseln. Ying hat ein tolles Turnier gespielt." In den Runden zuvor hatte Han Ying unter anderem die Japanerin Saki Shibata und Rumäniens Ex-Europameisterin Elizabeta Samara aus dem Wettbewerb geworfen.

Vermeidbares Achtelfinal-Aus für Mittelham/Winter

Im Damen-Doppel verpasste das Duo Nina Mittelham/Sabine Winter gegen die Japanerinnen Honoka Hashimoto/Hitomi Sato den Einzug in das Viertelfinale. Chancen boten sich der zweifachen Doppel-Europameisterin Winter (2013, 2016) und ihrer Nachfolgerin Mittelham (2018) beim denkbar knappen 7:11, 10:12 11:8 und 10:12 gegen die beiden Verteidigerinnen zwar ausreichend, individuelle Fehler verhinderten aber den durchaus möglichen Sieg, wie Bundestrainerin Jie Schöpp erläutert: "Sehr schade. Im Doppel war mehr drin. Wenn die Ballwechsel offen wurden, waren Sabine und Nina souverän. Aber sie hatten Probleme mit den Rückschlägen und haben hier zu viele Fehler produziert. Diese Punkte haben am Ende gefehlt." Dem konnte Sabine Winter nur zustimmen: "Wir hatten viele Probleme mit den Aufschlägen, vor allem am Anfang. Beim nächsten Mal bekommen wir das besser hin. Aber schade, mit etwas Glück hätte auch schon heute anders laufen können."


QATAR OPEN – DIE ERGEBNISSE DER DEUTSCHEN AM FREITAG

Herren-Einzel
Achtelfinale
Patrick Franziska - Koki Niwa JPN 4:3 (-10,11,10,-7,-12,4,6)
Timo Boll - Ma Long CHN 0:4 (-10,-7,-4,-8)
Dimitrij Ovtcharov - Lin Yun-Ju TPE 2:4 (-4,6,-3,-10,9,-7)

Damen-Einzel
Achtelfinale
Han Ying - Ding Ning CHN 0:4 (-7,-7,-4,-16)

Herren-Doppel
Viertelfinale
Timo Boll/Patrick Franziska - Morizono Masataka/Yuya Oshima JPN 3:2 (-7,-7,7,3,13)
Halbfinale
Timo Boll/Patrick Franziska - Jakub Dyjas POL/Cedric Nuytinck BEL 3:0 (8,14,3)

Damen-Doppel
Viertelfinale
Nina Mittelham/Sabine Winter - Honoka Hashimoto/Hitomi Sato JPN 1:3 (-7,-10,8,-10)

Ansetzung, Ergebnisse und Infos der Qatar Open


QATAR OPEN – DIE SPIELE DER DEUTSCHEN AM SAMSTAG

Herren-Einzel
Viertelfinale
Patrick Franziska - Xu Xin CHN
Halbfinale
17.50 Uhr/18.40 Uhr

Herren-Doppel
Finale
Timo Boll/Patrick Franziska - Ho Kwan Kit/Wong Chun Ting HKG 15.10 Uhr


DIE DEUTSCHEN STARTER BEI DEN QATAR OPEN (26.-31.3.)
Damen: Han Ying (KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen), Nina Mittelham (ttc berlin eastside), Shan Xiaona (ttc berlin eastside), Petrissa Solja (TSV Langstadt), Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor)
Herren: Timo Boll (Borussia Düsseldorf9, Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Ruwen Filus (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), Steffen Mengel (Post SV Mühlhausen), Kilian Ort (TSV Bad Königshofen), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg/Russland), Qiu Dang (ASV Grünwettersbach), Bastian Steger (SV Werder Bremen), Ricardo Walther (ASV Grünwettersbach)

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