Mehr als 1.200 Zuschauer sollen am Sonntag nach Hamm kommen

Rekordjagd: TuS Uentrop will Zuschauerbestmarke toppen

myTischtennis.de 09.01.2019

Was war das für ein aufregendes Jahr für den TuS Uentrop! Vor ziemlich genau zwölf Monaten hatte der Damenzweitligist bereits seinen Rückzug aus der Liga erklärt, dann in einer beherzten Rettungsaktion innerhalb kürzester Zeit 40.000 Euro gesammelt und so den Verbleib in der Liga gesichert. Nun macht Uentrop erneut von sich reden: Die Mannschaft um Trainer Alexander Daun will den Zuschauerrekord im deutschen Damentischtennis brechen und 1201 Leute in die Halle locken.

Wer kann sich noch an das sagenhafte Play-off-Finale der Damenbundesliga 1992/93 erinnern? Die Spvg. Steinhagen und TSG Dülmen lieferten sich im Kampf um die deutsche Meisterschaft ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen und trennten sich zweimal mit einem 7:7-Unentschieden, so dass ein drittes, entscheidendes Match vonnöten war. Die beiden starbesetzten Mannschaften, unter anderem mit Nicole Struse, Jie Schöpp und Ding Yaping, waren zu dieser Zeit so ziemlich das Beste, was das europäische Damentischtennis zu bieten hatte. Kein Wunder also, dass zum alles entscheidenden Spiel sage und schreibe 1200 Fans nach Steinhagen kamen und damit Geschichte schrieben. Denn so viele Zuschauer hatte es in Deutschland bei einem Ligaspiel der Damen noch nicht gegeben.

Vom (Fast-)Rückzug zur Herbstmeisterschaft

Doch wenn es nach dem TuS Uentrop geht, soll dieser Rekord nicht mehr all zu lange Bestand haben. Der Zweitligist aus Hamm will die Steinhagener übertreffen und lädt am 13. Januar zum Rekordversuch in die WESTPRESS arena Hamm ein, wenn das Ligaspiel gegen die Leutzscher Füchse aus Leipzig ansteht. „Vor dieser Größenordnung haben wir einen Heidenrespekt. 1200 Zuschauer kommen auch bei den Herren normal nur, wenn Timo Boll beteiligt ist“, weiß Trainer und Initiator Alexander Daun. „Aber wir hoffen, dass die Stadt Hamm und auch die Tischtenniscommunity uns dabei unterstützt, Geschichte zu schreiben.“ 1200 Zuschauer, und das in der 2. Damenbundesliga, ist fürwahr eine große Hausnummer. Doch wer sich die jüngste Geschichte des TuS Uentrop anschaut, wird bemerken, dass dies nicht die erste ‚Mission Impossibile‘ wäre, die die Hammer erfolgreich abschließen. Im Dezember 2017 war der Rückzug der Mannschaft aus der 2. Liga aus organisatorischen und finanziellen Gründen bekannt gegeben worden. Trainer Daun krempelte allerdings noch einmal die Ärmel hoch und erfüllte die Bedingungen, die ihm der Verein für einen Fortbestand der Zweitligamannschaft gestellt hatte - darunter die Beschaffung von 40.000 Euro. „Und jetzt, ziemlich genau ein Jahr später, sind wir nicht nur Herbstmeister in der 2. Liga, sondern auch kurz davor, Geschichte im deutschen Damentischtennis zu schreiben“, ist Daun stolz.

Die Idee zum Rekordversuch kam bereits während Dauns Rettungsaktion auf, als die Uentroper bei einem Heimspiel des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen die Zuschauer um Spenden baten. Der ASV bot den Tischtennisdamen an, das eigene ‚Wohnzimmer‘, die rund 2600 Zuschauer fassende WESTPRESS arena, auch einmal für ein Heimspiel nutzen zu können, falls es eine Zukunft in der 2. Liga gibt. Natürlich hatten die Uentroper zunächst die Rettung ihrer Mannschaft im Sinn. Im Sommer allerdings kam das Thema noch einmal auf. „Da haben wir kräftig diskutiert, ob wir das wollen und ob wir das schaffen können. Schließlich haben wir normal nur etwa 80 Zuschauer in der Halle“, erzählt Daun. „Wir haben uns aber dafür entschieden, nicht zuletzt, um auch ein Zeichen zu setzen und der Stadt Hamm für all die Unterstützung ‚Danke‘ zu sagen.“ So werden 10 Prozent der Eintrittsgelder am 13. Januar an den Kinder- und Jugendhospizdienst Hamm gehen. Mit dem Rest versucht die Mannschaft, die Geldsorgen in diesem Jahr in weitere Ferne zu rücken.

Großer Zusammenhalt der Hammer Vereine

Unterstützung erfahren die Uentroper dabei neben der Stadt auch von den anderen Hammer Sportvereinen und Mannschaften, die überregional unterwegs sind. So entstand ein Videotrailer, in dem die Eishockeyspieler, Handballer und Co. ihre Fans motivieren, sich Zweitliga-Damentischtennis anzuschauen. „Eine solche Verbrüderung der Vereine hat es in Hamm noch nicht gegeben“, weiß Daun, der großen Zusammenhalt schon von seinen Spielerinnen gewöhnt ist, die nach dem Rückzug der Mannschaft alle anderen Angebote ausschlugen. „Dieser Werbefilm wurde quasi überall geteilt und die Euphorie in der Stadt ist immens groß. Ob wir den Rekord knacken, werden wir aber erst am 13. Januar wissen.“ Im Vorverkauf wurden bisher etwa 400 Karten verkauft, was für die 2. Damenbundesliga schon ein großartiges Ergebnis darstellt, jedoch noch ein gutes Stück von den angestrebten 1200 entfernt ist. „Aber wir glauben, dass die meisten ihr Ticket an der Tageskasse kaufen werden.“

Die Brisanz des Spiels Steinhagen gegen Dülmen im Jahr 1993 wird zwar sicher nicht erreicht, schließlich befinden wir uns am Anfang der Rückrunde der 2. Liga und mit Uentrop und Leipzig spielt der Tabellenführer gegen den Vorletzten. Daun betont allerdings die Ausgeglichenheit in der Liga und den achtbaren Erfolg, den die Füchse zuletzt gegen den Tabellendritten Weinheim einfahren konnten. Bei der Terminwahl musste Uentrop aber natürlich auch auf die Verfügbarkeit der Halle Rücksicht nehmen und hofft, an diesem Wochenende auch ein paar BVB-Fans in die Arena locken zu können, da die Fußballbundesliga noch pausiert. „Wir sind total gespannt, ob tatsächlich über 1200 Zuschauer kommen, und sind zum Teil auch etwas nervös. Das ist schließlich nichts Alltägliches“, erklärt Daun. „Wir hoffen, dass dieses Event für uns, für Leipzig und alle anderen Beteiligten etwas ganz Besonderes wird.“

Autor: MyTischtennis.de

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