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Starker Auftritt in Berlin: TSV Langstadt, v.l. Franziska Schreiner, Tanja Krämer, Chantal Mantz, Petrissa Solja (Bild: Joaquim Fereira).
ttc berlin eastside – TSV Langstadt 5:5, ESV Weil – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:2

Remis in Berlin, Weil schlägt Bingen

Dr. Stephan Roscher 31.10.2021

Berlin. Die beiden Sonntagspartien in der 1. Bundesliga Damen hatten es in sich und sorgten für reichlich Spannung. Der TSV Langstadt trotzte Ligaprimus ttc berlin eastside ein Remis ab, während der ESV Weil der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim mit 6:2 die erste Saisonniederlage beibrachte. 

 

ttc berlin eastside – TSV Langstadt 5:5

Dem TSV Langstadt glückte es trotz eines zwischenzeitlichen 2:5-Rückstands, dem Serienmeister ttc berlin eastside den ersten Punktverlust der Saison beizubringen. Der Hauptstadtklub kann das sicher verschmerzen und bleibt mit 9:1 Punkten weiter ganz oben, für die ebenfalls noch unbesiegten Hessinnen war es das dritte Remis in Folge.

Für eastside punkteten die rechtzeitig vom WTT-Turnier in Tunis zurückgekehrte Nina Mittelham (jeweils 3:1 gegen Chantal Mantz und Petrissa Solja), Defensiv-Ass Ding Yaping (3:2 gegen Franziska Schreiner) und Jessica Göbel, die überraschend ihre ehemalige Busenbacher Teamkollegin Tanja Krämer mit einem 3:0 klar auf Distanz halten konnte. Zudem war das Doppel Mittelham/Eerland (3:0 gegen Solja/Mantz) erfolgreich.

Mittelham unterstrich – praktisch aus dem Flieger direkt in die Halle gekommen – ihre besondere Klasse durch letztlich nicht wirklich gefährdete Siege über ihre namhaften Nationalmannschaftskolleginnen Solja und Mantz, wobei es gegen letztere sogar einen Ticken enger war als gegen Langstadts Nummer eins. Zudem ließ sie gemeinsam mit Britt Eerland den beiden TSV-Assen im Doppel keine Chance, die bis dahin eine makellose 3:0-Bilanz verbucht hatten. Aber eine Mittelham reichte an diesem Sonntagnachmittag gegen diesen ausgeglichenen Gegner eben nicht, um beide Punkte in der Hauptstadt zu behalten.

Für Langstadt trug sich – wie schon bei den beiden Punkteteilungen gegen Schwabhausen und in Weinheim – jede Spielerin in den Einzeln je einmal in die Siegerliste ein. Solja und Mantz setzten sich jeweils mit 3:0 gegen Britt Eerland durch, Krämer gab in einem Wahnsinnsmatch Ding Yaping mit 3:2 das Nachsehen und Schreiner besiegte Göbel mit 3:1 bei extrem engen Sätzen drei und vier.

19:19 Sätze in der Endabrechnung sowie 354:357 Bälle deuten sehr darauf hin, dass die Punkteteilung als leistungsgerecht angesehen werden muss.

Dies räumt auch Berlins Vereinspräsident ein. „Objektiv betrachtet, entspricht das 5:5 letztlich dem Spielverlauf“, so Alexander Teichmann. Zur Einzelkritik: „Nina hat heute wieder einmal eine herausragende Leistung sowohl im Doppel als auch in ihren beiden Einzeln geboten. Leider konnten Yaping und Jessica ihre Chancen gegen Tanja beziehungsweise Franziska nicht nutzen, die allerdings auch gut gespielt haben.“ Teichmann fügt hinzu: „Wir hatten an diesem Wochenende hinter den Kulissen mit einigen Problemen zu kämpfen, die die Mannschaft aber gut bewältigt hat. Unser Fokus liegt jetzt ganz auf der Champions League, wo es für uns am kommenden Wochenende im Qualifikationsturnier hier in Berlin um den Einzug in die K.o.-Phase geht.“

„Ich bin überglücklich, dass ich das noch gegen Yaping gedreht habe“, freute sich Tanja Krämer nach ihrem 6:11, 11:2, 11:9, 5:11, 11:9 gegen die frühere chinesische Nationalspielerin. „Sie hat fast keine Fehler mehr gemacht und so haben Kleinigkeiten zum Schluss den Ausschlag für mich gegeben.“

Hoch zufrieden war auch der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Ein Wahnsinnsspiel unserer Mädels“, so Kämmerer. „Wir haben auch nach dem 2:5-Rückstand noch daran geglaubt, etwas mitzunehmen, und sind zum Schluss belohnt worden. Deshalb war es auch verdient.“ Was Kämmerer besonders freute: „Es haben wieder alle je ein Einzel gewonnen, was zeigt, dass wir eine starke, ausgeglichene Mannschaft sind.“ TSV-Trainer Thomas Hauke schließlich unterstrich: „Ich bin stolz auf das ganze Team. Für solche Momente arbeiten wir Tag für Tag.“

Aufgrund der WM und verschiedener WTT-Turniere geht der ttc berlin eastside erst wieder am 5. Dezember in der 1. Bundesliga Damen an die Tische. Man spielt in Böblingen und reist als klarer Favorit an. Der TSV Langstadt ist sogar erst am 11. und 12. Dezember wieder in der Liga gefordert, zunächst in Bingen und dann vor heimischer Kulisse gegen Kolbermoor.

 

ESV Weil – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:2

Der ESV Weil kam gegen die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim zu einem extrem wichtigen Heimerfolg. 6:2 hieß es am Ende für die Südbadenerinnen, die nach einem zwischenzeitlichen 1:2 den Turbo einschalteten und zu fünf Einzelsiegen in Folge kamen. Überaus wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt für die Weilerinnen, die besonders vor heimischer Kulisse bisher zu überzeugen wissen. Für Bingen, das wegen internationaler Turnierverpflichtungen auf die Inderin Archana Girish Kamath und die Tschechin Katerina Tomanovska verzichten musste, war es die erste Niederlage in der laufenden Saison.

Da der Klub aus Rheinhessen ja sechs Spielerinnen im Kader hat, kamen – neben der Dänin Mie Skov und der Italienerin Giorgia Piccolin –DTTB-Toptalent Anastasia Bondareva und die Tschechin Karolina Mynarova zum Einsatz. Weil entschied sich für die ersten vier Spielerinnen der Meldeliste. Vivien Scholz war mit ihren Leistungen am Freitag gegen Berlin nicht so zufrieden gewesen und hatte um eine schöpferische Pause gebeten.

Nach den Doppeln stand es 1:1. Lupulesku/Arapovic unterlagen Piccolin/Mynarova mit 2:3, während sich Trifonova/Sozoniuk in der Verlängerung des Entscheidungssatzes gegen Skov/Bondareva behaupteten. Hätte der Gast an dieser Stelle auf 2:0 davonziehen können, wäre die Partie vielleicht in eine andere Richtung gelaufen.

So aber blieb das Team aus dem Dreiländereck am Ball, musste aber den erneuten Rückstand durch Polina Trifonovas 2:3 gegen Giorgia Piccolin hinnehmen. Die Serbin Izabela Lupulesku konnte aber durch ein 3:1 über Mie Skov umgehend egalisieren, ihr erster Saisonsieg im ESV-Dress, dem bald darauf ein weiterer folgen sollte.

Und dann folgte die große Zeit der Weilerinnen, denen – nach vorne gepeitscht von den Fans – plötzlich alles gelang, während die Spielerinnen aus Bingen das hohe Anfangslevel nicht halten konnten und zudem etwas verkrampften.

Zunächst konnte die Ukrainerin Ievgeniia Sozoniuk nachlegen, die mit ihrem schwer auszurechnenden Kurznoppenspiel gegen Karolina Mynarova klar dominierte (3:0). Die 16-jährige Hana Arapovic schraubte ihre Einzelbilanz auf 4:1 durch ein letztlich nicht gefährdetes 3:1 über Anastasia Bondareva. Das „Nesthäkchen“ des Teams aus Kroatien wird nicht von ungefähr zu den absoluten Toptalenten des Kontinents gezählt. Das vordere Paarkreuz der Weilerinnen sorgte für die endgültige Entscheidung: Polina Trifonova – auch für sie war es der erste Saisonerfolg, allerdings nur im Einzel, ihr Doppel mit Sozoniuk läuft bislang prächtig – besiegte Mie Skov ebenso in vier Sätzen wie Izabela Lupulesku ihre Kontrahentin Giorgia Piccolin. Nach drei Stunden Gesamtspielzeit war der zweite Weiler Heimsieg dieser Saison eingetütet.

„Natürlich sind wir froh über den Sieg“, so eine glückliche Doris Spiess. „Er fiel deutlicher aus als wir gehofft haben. Aber alle Spiele waren hart umkämpft und hätten durchaus auch anders ausgehen können.“ Die Abteilungschefin des ESV lobte die Spielerinnen und das Publikum: „Überragend auf Weiler Seite agierte Izabela Lupulesku mit zwei Siegen. Schön war, dass alle Spielerinnen etwas zum Sieg beigetragen haben. Einen großen Anteil hatten sicher auch die Fans, die die Spielerinnen förmlich zum Sieg gepeitscht haben.“

Weit weniger zufrieden war naturgemäß Bingens Teamcoach Frank Liesenfeld. "Es war ein verdienter Sieg von Weil mit ihrem Heimvorteil und den lautstarken Fans", räumte Liesenfeld ein. "Dennoch ärgern wir uns über die Niederlage, da wir einiges liegen gelassen haben. Die knappen Sätze, die wir in den ersten beiden Partien meist für uns genutzt haben, sind diesmal an den Gegner gegangen. Nun gilt es, den Blick nach vorne zu richten auf die nächsten schweren Matches."

Weil hat nunmehr 4:6 Punkte auf dem Konto, Bingen 4:2 Zähler. Beide stehen damit einstweilen im Tabellenmittelfeld, Bingen ist Vierter, Weil Fünfter. Trifonova und Co. haben am kommenden Sonntag ein weiteres wichtiges Spiel in Weinheim – auch wenn beide Städte 260 Kilometer auseinander liegen, ist es doch das Baden-Derby, das auch insofern von besonderer Bedeutung ist, als beide Teams Punkte für den Klassenerhalt benötigen. Auch Bingen/Münster-Sarmsheim hat am kommenden Sonntag noch einen wichtigen Einsatz. Dann nämlich macht der SV DJK Kolbermoor seine Aufwartung in Rheinhessen. Danach gibt es erst einmal eine einmonatige Spielpause in Europas Eliteliga.  

 

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