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Sabine Winter will den TSV Schwabhausen auch in Weinheim zum Sieg führen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Langstadt, Weinheim und Weil mit richtungsweisenden Heimspielen

Rückrundenstart in der 1. Bundesliga Damen

Dr. Stephan Roscher 14.01.2022

Langstadt. Das tolle Pokalturnier von Hannover ist Geschichte, nun gilt es für sechs Teams, den Hebel umzulegen und sich möglichst erfolgreich im Ligaalltag zurückzumelden – eine gar nicht so einfache, aber reizvolle Aufgabe. Etwa für den frischgebackenen Pokalsieger Kolbermoor, der am Sonntag in Weil gewinnen muss, um seine Chancen auf Platz zwei zu wahren. Oder tags zuvor für den Cupfinalisten Langstadt, der nicht mehr von seinem tollen Sieg gegen den Triple-Sieger träumen darf, sondern schauen muss, von den Böblingerinnen, die unbedingt Punkte brauchen, nicht eiskalt erwischt zu werden. Am Samstag muss auch Schwabhausen versuchen, die starke Vorrunde zu bestätigen, um oben dran zu bleiben. Doch das wird nicht einfach in Weinheim, das gerade gegen die „Großen“ bisher immer sehr gut ausgesehen hat.

Die ursprünglich ebenfalls für den Sonntag vorgesehene Partie zwischen Bingen und Schwabhausen muss verlegt werden, da sich zwei Spielerinnen der TTG mit positivem Corona-Test in Quarantäne befinden.

 

Samstag, 15.00 Uhr: TSV Langstadt – SV Böblingen

Das Hinspiel im „Ländle“ war fünf Tage vor Heiligabend angesetzt, beide Mannschaften waren auch erwartungsvoll in der von Umbaumaßnahmen betroffenen Halle am Böblinger Silberweg eingetrudelt, doch die Staubschlacht dauerte ganze zehn Minuten, bis die Partie mit einer 6:0-Wertung für die Hessen beendet wurde. Diesmal wird aber seriös gespielt, kein Stäubchen wird die Langstädter Eckehard-Colmar-Halle trüben, und für den TSV gilt es, gegen einen gar nicht so angenehm zu spielenden Gegner möglichst reibungslos den Weg von den Pokal-Höhenflügen zurück in den schnöden Ligaalltag zu finden.

Tabellenschlusslicht Böblingen darf nach einer fulminanten Misserfolgsserie – sieben Spiele, sieben Niederlagen, allerdings glückte im Pokal der Einzug ins Final Four – die dankbare Außenseiterrolle für sich reklamieren. Die Schwäbinnen werden alles versuchen, den Südhessinnen ein Bein zu stellen. Denn bei 0:14 Zählern ist es höchste Eisenbahn, mit dem Punkten zu beginnen, egal wie der Gegner heißt, will man den Abstieg noch verhindern. Zu diesem Zweck hat man schließlich auch zwei Winter-Neuzugänge für das hintere Paarkreuz an Bord geholt, nämlich die 21-jährige Taiwanerin Lin Chia-Hsuan, Nummer 173 der Weltrangliste, und die ein Jahr ältere Ungarndeutsche Leonie Hartbrich, aktuelle Nummer 183 der Welt. Die Asiatin wird ihrem Team am Samstag noch fehlen und soll ihr Deutschland-Debüt erst 14 Tage später gegen Weil geben, Hartbrich wird vermutlich aber in Langstadt spielen.

Die Langstädterinnen, die sich gerade mit dem virtuosen Defensivspiel von Qianhong Gotsch immer schwergetan haben, werden voraussichtlich wieder in Topbesetzung, wie in der gesamten Vorrunde und im Pokal, auflaufen – nicht ein einziges Mal wurde bisher eine Ersatzspielerin benötigt.

„Böblingen ist mit der Mannschaft der Vorrunde nicht mehr zu vergleichen“, so die Vorausschau des Sportlichen Leiters, Manfred Kämmerer. „Mit den Neuverpflichtungen sind sie sehr ausgeglichen besetzt und deshalb wird das sicher eine schwere Aufgabe für uns. Dennoch haben wir keinen Grund, pessimistisch zu sein. Gerade zu Hause waren wir in der Vorrunde eine Macht.“

Die SVB gibt sich im Vorfeld sehr bescheiden. „Ein Gegner, mit dem die SVB zuletzt keine guten Erfahrungen gesammelt hat. 0:6, 0:8, 1:7, 1:7 lauteten die Ergebnisse in den letzten zehn Monaten aus Böblinger Sicht. Nur wenig deutet darauf hin, dass es diesmal besser wird“, lesen wir in der Presserklärung des Vereins. Dort finden wir auch, dass Manager Frank Tartsch sich noch in Schweigen hülle, was die Aufstellung anbelangt. Es könnte aber durchaus darauf hinauslaufen, dass man in der Formation Gotsch, Annett Kaufmann, Yoshida, Hartbrich in Hessen aufläuft.

Schlechte Nachricht für die Fans, die noch keine Tickets erworben haben. Zwar darf man mit 2G+ im Grundsatz dabei sein, doch die 100 zur Verfügung stehenden Karten sind inzwischen alle vergeben. Manfred Kämmerer: "Wir sind ausverkauft!"

Update 14.01.: Die Langstädterinnen können erstmals in dieser Saison nicht in Topbesetzung auflaufen, da Chantal Mantz im Halbfinale des WTT-Turniers von Düsseldorf steht und dort am Samstagvormittag gegen Barbora Balazova an den Tisch muss.

 

Samstag, 17.00 Uhr: TTC 1946 Weinheim – TSV Schwabhausen

Aufsteiger Weinheim hat die Vorrunde mit 4:10 Punkten auf Platz 7 abgeschlossen, ist aber im Abstiegskampf längst noch nicht aus dem Schneider. Sollte die verstärkte SV Böblingen eine Top-Rückrunde spielen, könnte es nochmals richtig eng werden – nicht nur für den TTC, sondern auch für Bingen und gegebenenfalls sogar noch für Weil.

Die Schwabhausenerinnen hatten ein schönes Training mit verschärftem Wettkampfcharakter in Hannover und sind gut vorbereitet, auch wenn es nicht für die Teilnahme am Final Four reichte – auch weil man Sabine Winter im Gruppenspiel gegen Langstadt nicht einsetzte. Die Weinheimerinnen hatten diese Vorbereitung nicht und mussten das Pokalturnier wegen Personalmangels absagen. Sie springen also am Samstag in kaltes Wasser und müssen schauen, ob sie gut aus den Startlöchern kommen.

Dennoch braucht man sich gewiss nicht ängstlich zu verstecken, besitzt man doch eine steigerungsfähige Mannschaft, die in der Vorrunde gerade gegen manchen „Großen“ brillierte und Teams wie Kolbermoor oder Langstadt Punkteteilungen abtrotzte. Es könnte also durchaus spannend werden am Samstag. Ein Selbstläufer dürfte es für die in dieser Saison erst einmal geschlagene Sabine Winter und ihre Kolleginnen jedenfalls nicht werden. Wenn sich die Chance auf einen weiteren Überraschungscoup auftun sollte, wird man in Nordbaden nicht lange fragen, sondern zugreifen.

„Wir werden mit einer Brasilianerin,  Daria Trigolos, Lisa Lung,  Luisa Säger und Jennie Wolf antreten“, kündigt TTC-Manager Christian Säger an. „Verzichten müssen wir leider auf die verletzte Sophia Klee. Wir sind klarer Außenseiter werden aber versuchen den Zuschauern tolle Spiele zu liefern.“

Eigentlich war geplant, die Begegnung beim befreundeten Club in Wald Michelbach im Odenwald auszutragen, wo man 75-jähriges Vereinsjubiläum feiert und gerne ein Spiel der Weinheimer Tischtennis-Damen in der ersten Bundesliga ausgerichtet hätte. Doch Wald Michelbach liegt in Hessen, was wiederum andere Corona-Einschränkungen mit sich gebracht hätte. Deshalb hat Weinheim davon Abstand genommen. „Das Spiel wurde wegen Corona wieder nach Weinheim verlegt. Wir dürfen unter der 2 G Plus-Regel mit Zuschauern spielen“, erläutert Christian Säger.

In Schwabhausen bleibt man entspannt. „Wir freuen uns auf Weinheim, es wird ein spannendes Spiel“, so Trainer Alexander Yahmed. „Schon bei unserem 6:3-Sieg in der Vorrunde war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.“ Der Tischtennislehrer ergänzt: „Ich bin mit unserer Pokal-Leistung zufrieden gewesen und hoffe, dass wir diese Leistung wieder abrufen können.“

Update 14.01.: Beim TSV Schwabhausen wird es in Bezug auf die Aufstellung problematisch: Sabine Winter steht im Halbfinale des Düsseldorfer WTT-Turniers und duelliert sich dort am Samstag um 10 Uhr mit der Berlinerin Shan Xiaona. Im Fall einer Niederlage könnte es theoretisch noch mit einem Einsatz in Weinheim klappen, im Erfolgsfall definitiv nicht. Auf jeden Fall raus ist Mateja Jeger, die ab 16.00 Uhr gemeinsam mit ihrer Landsfrau Ivana Malobabic das Doppelfinale gegen die Weilerinnen Hana Arapovic/Polina Trifonova bestreitet.

 

Sonntag, 14.00 Uhr: ESV Weil – SV DJK Kolbermoor

Der Pokal-Champion gibt sich die Ehre: Spiel eins nach dem Triumph von Hannover für Kristin Lang und ihre Mitstreiterinnen im südbadischen Weil an. Gerade die erfahrenen Spielerinnen der Oberbayern haben schon so viel im Tischtennis erlebt, dass sie gewiss nicht die Erdung verlieren und wissen, dass man sich beim Punktspiel in Weil nichts mehr für den Pokalsieg kaufen kann.

Die erste Halbserie war nicht zufriedenstellend für den Mitfavoriten um die Deutsche Meisterschaft verlaufen. 7:7 Punkte sind nicht das, was das Team unter normalen Umständen zu leisten vermag. Man hat den zweiten Platz, der mit der direkten Halbfinal-Qualifikation belohnt wird, als vorläufiges Ziel noch nicht aufgegeben, doch das wird höllisch schwer werden. Gegen einen Rivalen ließe sich ein Vier-Punkte-Rückstand bei einer guten Rückserie ohne Weiteres wettmachen, doch es sind eben gleich zwei im Spiel, die mit 11:3 Zählern gut vorgelegt haben, nämlich Langstadt und Schwabhausen. Würde in Weil etwas anbrennen, wäre Platz zwei schon frühzeitig nicht mehr beziehungsweise allenfalls noch theoretisch erreichbar. Weil ist sozusagen das erste von sieben Endspielen für den SV DJK. Und diesmal steht keine Georgina Pota zur Verfügung, die selbst an einem mäßigen Tag noch den maßgebenden Unterschied gegenüber fast jedem Gegner machen kann.

Ein Überraschungscoup gegen den hohen Favoriten würde den Weilerinnen, die in der Frage des Klassenerhalts in der Vorrunde solide sechs Punkte vorgelegt haben, doch noch nicht jenseits von Gut und Böse sind, vorzüglich ins Konzept passen. Jeder Punkt, gerade in einer solchen Partie, wäre ein Bigpoint und würde den Klub aus dem Dreiländereck frühzeitig dem Klassenerhalt sehr, sehr nahe bringen. Doch man hat genügend Bodenhaftung und Realismus, in dieser Begegnung mit nichts Zählbarem zu rechnen und kann sich folglich locker und befreit ans Werk machen und einfach mal schauen, ob man dem Giganten aus Bayern vielleicht doch irgendetwas abtrotzen kann.  

„Mit dem SV DJK Kolbermoor erwarten wir exakt die Mannschaft, die uns am letzten Wochenende aus dem Pokal geworfen hat. Revanche ist also angesagt“, unterstreicht Weils Abteilungschefin Doris Spiess. „Allerdings wird das ein extrem schweres Unterfangen. Bereits im Hinspiel gab es mit 2:6 eine deutliche Abfuhr für das Weiler Team. Zudem möchte sich Kolbermoor seine Chancen auf den 2. Tabellenplatz erhalten, der zur direkten Teilnahme am Halbfinale berechtigt. Es bedarf also einer mehr als hundertprozentigen Leistung unserer Mädels, sich gegen den Favoriten durchzusetzen und Punkte zu ergattern. Der Heimvorteil könnte natürlich dazu beitragen, das schier Unmögliche möglich zu machen.“

Kolbermoors Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs mahnt sein Team, hellwach zu sein: „Grundsätzlich sind wir wohl schon favorisiert, aber trotzdem ist es gefährlich. Je nachdem, wer bei Weil zum Einsatz kommt, kann es für uns unangenehm werden. Ligaalltag ist definitiv etwas anderes, wir werden auch wieder ohne Gina Pota in Weil sein.“

Zur Einlassregelung erläutert Doris Spiess: "Zuschauer dürfen mit 2G+ und FFP2-Masken in die Halle. Maximal 50 Prozent der Kapazität darf genutzt werden."

 

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