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Fußball-Stimme und Frontfrau: Sabine Töpperwien (Foto: privat)
Topspin oder Schwanensee: Sportreporterin Sabine Töpperwien spielte früher Tischtennis in 2. Liga

Sabine Töpperwien: Ex-WDR-Hörfunk-Sportchefin war früher TT-Ass

Peter Hübner / ttm 24.05.2021

Göttingen/Frechen. Sabine Töpperwien kennen viele Sportfans als engagierte Fußball-Reporterin im Radio. Nicht so bekannt ist, dass die gebürtige Niedersächsin früher Tischtennis gespielt hat. Für den ASC Göttingen schlug sie sogar in der 2. Liga auf. Das Medienecho war überwältigend und verblüffte auch Sabine Töpperwien. Als der WDR in einer Pressemitteilung ihren Abschied zu Ende Januar 2021 aus gesundheitlichen Gründen ankündigte, konnte sich die bekannte Sport­reporterin vor Interview-Anfragen kaum retten.

Zahlreiche Zeitungen und Magazine wollten noch einmal mit der langjährigen Leiterin der Sportredaktion im WDR-Hörfunk sprechen. 1989 durfte sie als erste Frau ein Fußballspiel live im Radio kommentieren. Rund 30 Jahre war ihre Stimme Samstag für Samstag aus den nordrhein-westfälischen Bundesliga-Stadien zu hören.

Riesige Resonanz und viel Lob

„Da bin ich gerührt, stolz und überrascht, weil ich mit so einer riesigen Resonanz nicht gerechnet habe“, sagte Töpperwien. Das Lob für die Arbeit der 60 Jahre alten Journalistin, die seit längerer Zeit in Frechen bei Köln lebt, fiel durchgehend positiv aus. WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte sie als „eine Pionierin und eine lebende Legende der deutschen Sportberichterstattung“.

Dass Sabine Töpperwien nicht nur mit viel Empathie und Fachwissen über Sportereignisse berichten konnte, sondern mit beachtlichen Erfolg sportlich selbst aktiv war, ging in den Artikeln über mehr als 700 kommentierte Fußballspiele im Radio ziemlich unter. „Das hat mich auch etwas überrascht, zumal ich meine sportliche Vergangenheit in den Interviews auch erwähnt habe“, erzählte Töpperwien im Gespräch mit dem „Tischtennis Magazin“ (ttm) des TTVN.

Bruder Rolf gibt Anstoß zum Tischtennis

Die gebürtige Niedersächsin aus Osterode am Harz spielte zwischen 1979 und 1985 für den ASC Göttingen in der 2. Tischtennis-Bundesliga. Ähnlich wie ihre Liebe zum Fußball verdankt die Sportreporterin ihre Tischtennis-Verbundenheit zu einem großen Teil dem zehn Jahre älteren Bruder Rolf. Er machte sich als Fußball-Reporter mit Kultstatus im ZDF bundesweit einen Namen.

„In unserer Osteroder Jugendherberge sah ich, wie Rolf mit seinen Kumpels Tischtennis spielte. Ich durfte einige Schläge mitmachen. Das hat mir sofort gefallen“, berichtete sie über ihre ersten Pingpong-Kontakte. Als Kind und Jugendliche besaß sie eine besondere Begabung beim Umgang mit Bällen jeglicher Art.

Auf dem Bolzplatz spielte sie häufig mit Jungen Fußball und konnte nach eigenen Angaben „gute Freistöße“ schießen. An ein Mädchen-Team im Fußball war allerdings Anfang der 1970er-Jahre noch nicht zu denken. Ehe sie sich einem Tischtennis-Verein anschließen konnte, musste die kleine Sabine aber eine schwere Entscheidung treffen.

Ballett war erste Sportart

„Meine erste Sportart als Kind war Ballett. Ich stand jede Woche an der Ballettstange und habe auch Schwanensee getanzt“, berichtete Töpperwien mit einem Schmunzeln. „Meine Eltern hatten grundsätzlich nichts gegen einen Wechsel und wollten mich auch unterstützen. Neben der Schule sollte ich aber nur einen Sport ausüben. Überlege es dir gut, sagten sie.“

Gesagt, getan. Die Schülerin entschied sich für Tischtennis. „Ich bin da ein konsequenter Mensch“, erklärte Töpperwien. Eine Einstellung, die ihr auch im späteren Berufsleben half. Nach einigen Monaten beim MTV Osterode, der aber keine Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet hatte, wechselte sie im Alter von 13 Jahren zum TTC PeLaKa.

Im Jungen-Team bei PeLaKa

Der Verein, der nach den Osteroder Ortsteilen Petershütte, Lasfelde und Katzenstein benannt ist, war der Tischtennis-Marktführer in der Harzstadt. Die Trainer erkannten schnell das Talent des ehrgeizigen Zugangs, der sein Konfirmationsgeld sinnvoll in den Kauf eines Mofas anlegte. Die Fahrt zum Training in der Turnhalle Lasfelde war gesichert. Das zahlte sich aus.

Zum Erstaunen der Konkurrenz meldete der TTC PeLaKa die junge Sabine Töpperwien schon bald für sein Jungen-Team in der Bezirksliga an. Als einziges Mädchen trat sie gegen die besten 14- bis 17-jährigen Jungen aus den Kreisen Duderstadt, Göttingen und Northeim an. „Manchmal wundere ich mich heute noch, dass das damals ohne Proteste möglich war. Die Spiele und Siege gegen Jungs waren aber gut für mich. Sie haben das Selbstvertrauen gestärkt“, erzählte Töpperwien.

Die couragierten Auftritte der Linkshänderin mit dem Stirnband sorgten für Aufsehen. Sie gewann Titel bei Vereins-, Kreis- und Bezirksmeisterschaften. Ende der 70er-Jahre, als sie zu den besten Juniorinnen in Niedersachsen zählte, meldete sich der ASC Göttingen bei der Harzerin. Der Verein wollte sein Zweitligateam verjüngen, die Teenagerin stimmte nach Rücksprache mit den Eltern dem vorzeitigen Wechsel zu.

Umzug nach Göttingen

„Meine Eltern haben mich damals viel gefahren“, erzählte Töpperwien. Nach dem Abi­tur in Osterode zog sie 1980 endgültig von der Söse an die Leine, wo sie an der Universität Göttingen Sozialwissenschaften studierte. Die Fahrten zum Training in das 40 Kilometer entfernte Göttingen entfielen nun, dafür erinnert sie sich gerne an die „feucht-fröhlichen“ Reisen zu den Zweitliga-Auswärtspartien und an ihre ehemaligen Mitspielerinnen.

„Die hätten alle meine Mutter sein können. Aber wir hatten viel Spaß“, sagte Töpperwien. Die Routiniers Ilse Lantermann, Ex-Nationalspielerin und EM-Dritte im Doppel von 1962, sowie Waltraud Zehne, Doppel-Spezialistin und mehrfache Seniorinnen-Weltmeisterin, gaben den Ton im ASC-Team an. Im unteren Paarkreuz schlugen neben Töpperwien auch Gisela Bartels und Martha Willke auf.

„Vom Naturell war ich eine Abwehrspielerin, aber ich habe später viel Topspin geübt und auch mit unterschiedlichen Belägen gespielt. Auf der Vorhandseite hatte ich zeitweise eine Stärke von zwei Millimeter“, erläuterte Töpperwien ihre Spielweise. Die Bilanz fiel zwar nicht überragend, aber stets ordentlich aus: „Wir waren ein Mittelfeld-Team, das auch manchmal gegen den Abstieg kämpfen musste.“

Karriere-Ende nach dem Studium

Das Ende des Studiums 1985 bedeutete auch das Ende der Tischtennis-Karriere von Sabine Töpperwien. Sie ging nach Hamburg und startete ihre journalistische Laufbahn beim Norddeutschen Rundfunk. Später kommentierte sie für den WDR auch Tischtennis-Veranstaltungen wie die WM 1993 in Göteborg oder Europapokalspiele von Borussia Düsseldorf im Radio.

Einen Schläger aus Göttinger Zeiten hat die redefreudige Reporterin aufgehoben. Falls Ex-Kollegen mal auf die Idee kommen sollten, sie zu einem Match herauszufordern. Auch die Verbindung nach Osterode besteht weiterhin. Dem TTC PeLaKa hält Töpperwien die Treue. 2023 wird der Klub seine prominente Ex-Spielerin für ihre 50-jährige Mitgliedschaft ehren.

Am Ende des Gespräches gibt die Sport-Journalistin noch ein kleines Fußball-Geheimnis preis. Anders als Bruder Rolf, der sich stets als Fan von Eintracht Braunschweig bezeichnete, hielt sich Sabine Töpperwien am Mikrofon in dieser Frage stets bedeckt. Auch wenn sie so laut wie kaum ein Kollege „Tor in Leverkusen“ rufen konnte, stammt der Verein ihres Herzens nicht aus dem Westen. „Da müssen jetzt viele stark sein. Mein Lieblingsclub ist seit der Jugendzeit der FC Bayern München“, sagte die Reporterin.

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