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Yuan Wan will mit Kolbermoor ein drittes Spiel erzwingen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Meisterschaftsentscheidung am Wochenende in Berlin

Schafft eastside das Triple oder kann Kolbermoor zurückschlagen?

Dr. Stephan Roscher 23.04.2021

Berlin. Eine ereignisreiche Saison, die trotz der schwierigen Begleitumstände in jedem Fall interessant war und phasenweise viel Spannung geboten hat, geht an diesem Wochenende mit der Kür des Deutschen Mannschaftsmeisters 2020/21 zu Ende. Und vielleicht wird es zum krönenden Abschluss ja nochmals richtig spannend. Ob am Samstag oder am Sonntag der Schlussakkord gesetzt wird, steht noch in den Sternen. Anders formuliert: Das haben die beiden Finalisten ttc berlin eastside und SV DJK Kolbermoor in eigener Hand. Der Hauptstadtklub hat einen 5:3-Erfolg in Bayern vorgelegt und will das Triple perfekt machen – es wäre das vierte der Vereinsgeschichte. Kolbermoor dagegen will nichts unversucht lassen, ein drittes Match zu erzwingen, das dann am Sonntag in Berlin stattfände. Seinen zweiten Meistertitel – 2018 stand man schon einmal ganz oben auf dem Treppchen – hat das Team aus Deutschlands Süden noch keineswegs abgeschrieben.   

Samstag, 13.00 Uhr: ttc berlin eastside – SV DJK Kolbermoor 

Da „nur“ noch ein Sieg benötigt wird, haben Shan Xiaona und Kolleginnen auf dem Papier die besseren Karten. Zwei Erfolge benötigen dagegen Kristin Lang und ihre Mitstreiterinnen für den großen Coup – sie könnten es aus eigener Kraft schaffen. Natürlich wird es schwierig, den ttc eastside zweimal zu schlagen – und das auch noch in der „Höhle des Löwen“ –, doch unmöglich scheint gar nichts und auch Kolbermoor kann ein sehr starkes Quartett aufbieten. Spannung ist angesagt. 

Berlinerinnen setzen erneut auf Nervenstärke, Kolbermoor will attackieren 

Im Hinspiel letzten Sonntag war die Nervenstärke der Berlinerinnen ein ganz entscheidender Faktor, die alle drei Fünfsatz-Matches im Spitzenpaarkreuz nach Hause brachten. Kristin Lang, ohne Frage die Führungsspielerin bei Kolbermoor, ging zweimal leer aus, obwohl sie sowohl Shan Xiaona als auch Nina Mittelham an guten Tagen schlagen kann. Dass sie es kann, will sie am Samstag beweisen. Muss sie auch, denn ohne ihre Punkte würde es ganz, ganz schwer für ihr Team, die Kuh noch vom Eis zu bekommen.  

Zudem müsste Penholder-Ass Fu Yu ebenso zweimal erfolgreich sein – im Hinspiel gelang dies der 42-Jährigen eben nur einmal – und im unteren Paarkreuz müsste dann noch wenigstens ein Sieg herausspringen. Auch nicht gerade einfach, weil der Champions-League-Sieger dort mit Britt Eerland, einer der besten Spielerinnen Europas, und der extrem schwer zu schlagenden, „ewig jungen“ Abwehrspielerin Ding Yaping exorbitant besetzt ist. Unmöglich aber eben nicht, da auch Kolbermoor hinten überdurchschnittlich stark aufgestellt ist. Mit der 23-jährigen deutschen Nationalspielerin Yuan Wan, die in der Punktrunde immer wieder gezeigt hat, dass sie auch vorne glänzen kann, und der früheren russischen Weltklassespielerin Svetlana Ganina, deren Abwehrriegel man erst einmal durchbrechen muss, muss man sich nicht verstecken. 

Fu Yus deutlicher Sieg gegen Nina Mittelham bedeutete letzten Sonntag in Kolbermoor zwar die 1:0-Führung für den Gastgeber, der aber nicht nachlegen und kein weiteres Match gewinnen konnte. Die drei knappen Niederlagen vorne waren ausschlaggebend. Die übrigen beiden Punkte für das Team aus Oberbayern waren kampflos zustande gekommen. Aber nirgends steht in Stein gemeißelt, dass ein zweites oder drittes Spiel nicht einen komplett anderen Verlauf nehmen könnte.  

Die Bilanzen beider Mannschaften vor dem letzten großen Showdown in der Hauptstadt zeugen von außergewöhnlicher Qualität (Punktrunde inklusive Play-offs): Berlin: Shan 18:2, Mittelham 14:10, Eerland 22:1, Ding 9:0, Göbel 6:8 --- Kolbermoor: Fu Yu 5:1, Lang 19:7, Yuan Wan 16:12, Ganina 17:6.  

„Ausgangslage nicht groß geändert“ – eastside und Kolbermoor halten Titelrennen für offen 

In der Hauptstadt zeigt man sich noch keineswegs siegesgewiss und hält noch alles für möglich. Entsprechend vorsichtig äußert sich eastside-Manager Andreas Hain. „Letztlich hat sich die Ausgangslage für Kolbermoor ja nicht groß geändert, sie brauchen nach wie vor einen Sieg um zumindest ein drittes Spiel zu erreichen“, so Hain. „Zudem ist das Spielsystem ohne Doppel für Kolbermoor deutlich besser und für uns ein erheblicher Nachteil. Im Hinspiel haben wir die drei knappen Matches gewonnen, von daher kann man nicht sagen, wie diese im Rückspiel ausgehen. Es ist nach wie vor alles offen.“  

In Kolbermoor denkt man gar nicht daran, die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen, und zeigt sich im Vorfeld kämpferisch. „Die Chancen vor dem kommenden Spiel sind die gleichen Chancen wie vor dem ersten Spiel“, betont Trainer Michael Fuchs. „Wenn wir gut spielen, können wir gegen Berlin gewinnen.“ Natürlich weiß jeder, was auf ihn zukommt und wer wann gegen wen spielen wird. Das Hinspiel wird sehr genau und in allen Einzelheiten seit Tagen analysiert. „Wir werden uns taktisch auf die einzelnen Gegner vorbereiten und auch die Spiele aus dem Hinspiel dafür analysieren“, merkt Fuchs an. 

Sollte Kolbermoor tatsächlich das Rückspiel gewinnen, würde das dritte Match am Sonntag um 13 Uhr wiederum in der ASP.5 Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz 5 in 10369 Berlin-Lichtenberg steigen. Leider können aus den bekannten Gründen keine Fans in der Halle dabei sein, doch natürlich wird das Spiel oder werden die Spiele im Livestream zu sehen sein, die Übertragung der Geschehnisse an beiden Tischen erfolgt wieder auf Sportdeutschland.tv

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