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Schiedsrichter Höhne über seinen Karriere-Höhepunkt am Zuckerhut

FL 23.08.2016

Rio de Janeiro. Wenn die deutschen Damen das Finale von Rio nicht erreicht hätten, wäre er der Finalschiedsrichter gewesen: Günter Höhne aus Hagen/Sprakensehl war der einzige deutsche Schiedsrichter bei den Olympischen Spielen. Für seine Leistungen erhielt der 60-Jährige Lob von vielen Seiten – eine schöne Bestätigung für ihn und die gesamte Schiedsrichter-Gilde in Deutschland.


Bevor Günter Höhne am Mittwoch wieder seine Arbeit als Schul-Hausmeister am Gymnasium Hankensbüttel aufnimmt, ist noch ein bisschen Rio-Nacharbeit vonnöten. Die Lokalpresse wollte ein Interview, Freunde und Bekannte mit Berichten und Fotos versorgt werden. Die Olympischen Spiele waren der Karriere-Höhepunkt des 60-Jährigen, der seit 30 Jahren Schiedsrichter ist. 2000 legte Höhne die Prüfung zum Internationalen Schiedsrichter ab, 2005 erhielt er die Zertifizierung „Blue Badge“. Höhne schiedste bei drei Weltmeisterschaften und drei Jugend-Weltmeisterschaften, außerdem bei der Behinderten-WM 2014 in Peking. In Rio erhielt der sympathische und bodenständige Niedersachse Lob von vielen Seiten. Nicht umsonst durfte er das Herren-Halbfinale zwischen Zhang Jike (China) und Vladimir Samsonov (Weißrussland) leiten, zudem das Spiel um Platz drei bei den Damen zwischen Japan und Singapur. „Da verspürt man schon einen großen Druck, weil es in so einer Partie um enorm viel geht und man sich bewusst ist, dass man alle Schiedsrichter in Deutschland repräsentiert“, sagt Höhne.


Höhne wäre Final-Schiedsrichter gewesen, aber die deutschen Damen hatten was dagegen


Seine Schiedsrichter-Leistungen hätten ihn fast in ein Finale gebracht, aber die DTTB-Damen hatten etwas dagegen. Wenn das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp nicht im Halbfinale gegen Japan gewonnen hätte, wäre Höhne der Unparteiische im Endspiel gewesen. Dies hatte ihm der Rio-Oberschiedsrichter Stewart Sherlock im Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt. „Das war für mich natürlich eine tolle Bestätigung“, sagt Höhne, der in Rio angetan war von den sportlichen Leistungen. „Ich habe ja schon einiges gesehen bei WM, World Cup oder German Open. Sportlich war das noch mal eine ganz andere Liga“, sagt Höhne.


Gelbe Karte für Olympiasiegerin Ding Ning


Günter Höhne vor der Christo-Statur (Foto: privat)Unter anderem durfte er die Olympiasiegerin Ding Ning in der dritten Runde gegen Elizabeta Samara (Rumänien) schiedsen, zückte gegen die Chinesin sogar die gelbe Karte wegen Zeitverzögerung. „Das hat einfach zu lange gedauert, bis sie den Aufschlag ausgeführt hat. Manche Spieler versuchen sich dadurch schon einen Vorteil zu verschaffen, indem sie den Gegner ein bisschen rausbringen“, sagt Höhne. Die Verwarnung erklärte er Ding Ning ruhig und sachlich auf Englisch, „sie hat es sofort akzeptiert und dann auch umgesetzt.“ Höhne hält ohnehin große Stücke auf die Weltmeisterin und Olympiasiegerin. „Sie ist sehr sympathisch, hat immer ein Lächeln auf den Lippen, macht einen sehr smarten und intelligenten Eindruck. Dazu ist sie sehr hübsch“, findet Höhne.


Höhne zu Ma Lin: „Wir essen zeitig“


2005 bei der WM in Shanghai hatte Höhne eine ähnliche Situation mit dem Olympiasieger von 2008, Ma Lin (China), der kein oder nur kaum Englisch verstand. „Es ging auch um Zeitverzögerung. Ich habe auf meine Uhr gedeutet und ihm gesagt: ‚Wir essen zeitig und er soll mal hinmachen.“


Welche Belastung das Schiedsrichter-Dasein mit sich bringen kann, zeigt die Damen-Partie zwischen den Abwehrspielerinnen Li Xue (Frankreich) und Li Jie (Niederlande) in der dritten Runde, das eine Netto-Spielzeit von 1:10 Stunden hatte und es im ersten Satz direkt Zeitspiel gab. „Das Spiel hat insgesamt anderthalb Stunden gedauert. Hinzu kam die Wechselmethode, bei der man sich extrem konzentrieren muss. Am Nebentisch hat dann noch Brasiliens Calderano gespielt, die Zuschauer haben einen unfassbaren Lärm gemacht. Das alles zusammen war schon eine große Belastung und hat das Geschäft schwergemacht“, erzählt Höhne.


Die Stimmung im Riocentro 3 sei für Tischtennis schon grandios gewesen, kritische Worte findet der Schiedsrichter allerdings für die zeitweiligen Buh-Rufe des brasilianischen Publikums. „Was da im Spiel von Calderano gegen Mizutani passiert ist, als Mizutani beim Aufschlag so ausgebuht worden ist, war einfach nicht okay und entspricht nicht dem Sportsgeist.“


Rio nicht die Traumstadt Höhnes


Zwischen Hotel und Halle blieb für Günter Höhne noch etwas für Sightseeing. Zusammen mit acht anderen Schiedsrichtern ging es auf Tour, Zuckerhut, Corcovado, Copacabana, Ipanema etc. Die Zeit in Rio sei sehr spannend und aufregend gewesen, aber mehr aus sportlicher Sicht. Privat würde Höhne nicht unbedingt nach Rio reisen. „Die Erwartungen an Rio waren natürlich sehr groß. Letztlich muss ich sagen, dass andere Städte mehr zu bieten haben – auch kulturell und historisch“, findet der weitgereiste Mann. Nichtsdestotrotz wird Rio 2016 immer der Höhepunkt seiner Schiedsrichter-Karriere bleiben.

Mucha im September bei den Paralympics

Ein ähnliches Highlight wird es bald für Heike Mucha geben. Die TTVWH-Vizepräsidentin vertritt Deutschland als Schiedsrichterin bei den Paralympics in Rio vom 7.- 18. September. Die 40-jährige kaufmännische Angestellte und Mutter zweier Kinder hat eine steile Karriere hinter sich: Erst 2002 startete sie beim TSGV Waldstetten ihre Karriere, Nationale Schiedsrichterin wurde sie 2006, Internationale Schiedsrichterin 2008. 2011 schloss sie bei der WM in Rotterdam die Blue-Badge-Prüfung als Lehrgangsbeste ab, gehört seitdem zur Schiedsrichter-Elite.

 

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