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Starke Leistung im Derby: Mateja Jeger (Bild: Dr. Stephan Roscher).
TSV Schwabhausen – SV DJK Kolbermoor 6:3, SV Böblingen - TSV Langstadt 0:6 (Aufgabe Böblingen)

Schwabhausen gewinnt hochklassiges Bayern-Derby – Staubige Halle: Langstadt siegt fast kampflos in Böblingen

Dr. Stephan Roscher 20.12.2021

Schwabhausen. Ein tolles Bayern-Derby erlebten die Fans zum Abschluss der Vorrunde am Sonntagnachmittag in Schwabhausen. Der gastgebende TSV gewann dank einer ganz starken Leistung mit 6:3 gegen den Rivalen Kolbermoor und schloss die erste Halbserie auf Platz drei, punktgleich mit dem Zweiten Langstadt ab. Das Derby entschädigte die Freunde der 1. Bundesliga Damen für das erste Sonntagsspiel, das nach ganzen zehn Minuten beendet war. Die Halle im Böblinger Silberweg war durch reichlich Holzstaub infolge der immer noch andauernden Umbauarbeiten im Sportzentrum an diesem Sonntag nicht wettkampftauglich, das Spiel wurde nach jeweils einem Satz in den beiden Doppeln abgeblasen, die SVB gab auf und Langstadt kassierte die Punkte kampflos.

 

TSV Schwabhausen – SV DJK Kolbermoor 6:3 

Drei Stunden Tischtennis auf hohem Niveau erlebten die Fans beim oberbayrischen Derby in der Schwabhausener Heinrich-Loder-Halle. Vor der Saison hätte man sicher eher auf den SV DJK Kolbermoor gesetzt, nach dem bisherigen Verlauf der Runde schien jedoch alles möglich, wobei nicht wenige Freunde des Damen-Bundesligatischtennis auf ein Remis tippten, so wie letzte Saison in Hin- und Rückspiel. Doch diesmal dominierte der TSV Schwabhausen, der am Vortag noch Schlusslicht Böblingen erst nach dreimaligem Rückstand besiegt hatte. Winter und Co. warteten mit der vielleicht besten Vorrunden-Leistung auf und gewannen nicht unverdient mit 6:3.  

Wie schon gegen Böblingen, war Sabine Winter auch beim Derby in glänzender Verfassung. Einem 3:0 (11:9, 11:8, 12:10) gegen Kristin Lang – das muss man erst einmal schaffen – ließ sie einen echten Krimi gegen ihre auf Kolbermoorer Seite überzeugende Nationalmannschaftskollegin Yuan Wan folgen. Zweimal konnte Wan nach Sätzen ausgleichen, um dann im Entscheidungsdurchgang mit 6:1 in Führung zu gehen. Winter jedoch steckte nicht auf, wurde gegen Ende des Satzes immer besser und durfte sich noch über ein 11:9 freuen – der Punkt zum 5:3 für Schwabhausen. Mit ihrer 12:1-Bilanz überragte sie nicht nur in ihrem Team, sondern führt die Bestenliste der gesamten Liga vor Nina Mittelham und Petrissa Solja an.  

Doch eine weitere TSV-Spielerin trug auch ganz maßgeblich zum Derbygewinn bei: Die 26-jährige kroatische Nationalspielerin Mateja Jeger, die im hinteren Paarkreuz in der Vorrunde ungeschlagen blieb, vorne allerdings nur ein Match gewann, zeigte auch gegen Kolbermoor, wie wichtig sie für ihr Team sein kann. Sie ließ nicht nur Laura Tiefenbrunner, sondern sogar der erfahrenen Defensivspielerin Svetlana Ganina an diesem Sonntag keine Chance – beide schlug sie ohne Satzverlust. Zudem war Jeger im Doppel erfolgreich, an der Seite von Liu Yangzi wurden Ganina/Tiefenbrunner in fünf umkämpften Sätzen besiegt. Apropos Liu: Die Chinesin mit australischem Pass, bei der es gegen Böblingen nicht so rund gelaufen war, verlor zwar auch diesmal ihr erstes Match gegen Yuan Wan mit 2:3, gewann jedoch im zweiten Durchgang das Spitzeneinzel gegen Kristin Lang nach einem Herzschlag-Thriller mit 3:1 (11:8, 15:13, 10:12, 14:12).  

Kolbermoor hatte in einigen engen Matches Pech und konnte nur durch Yuan Wan (gegen Liu Yangzi) und Svetlana Ganina (3:1 gegen Mercedesz Nagyvaradi) sowie das Doppel Kristin Lang/Yuan Wan punkten, das dem Schwabhausener Paradeduo Sabine Winter/Orsolya Feher in vier Sätzen die zweite Saisonniederlage beibrachte.  

Mit 11:3 Punkten überwintert der TSV, der seine bisher beste Halbrunde im Oberhaus gespielt hat, auf Rang drei, punktgleich mit dem Tabellenzweiten Langstadt. Kolbermoor (7:7) weist als Vierter des Ligaklassements doch schon vier Punkte Rückstand auf die beiden genannten Teams und sechs auf den Herbstmeister ttc berlin eastside auf. Der SV DJK muss versuchen, in der Rückrunde nochmals richtig Gas zu geben, will er noch die direkte Halbfinal-Qualifikation schaffen, doch das wird nicht einfach. Am 16.01.2022 geht man wieder an die Tische beim Tabellenfünften ESV Weil. Schwabhausen spielt an jenem Wochenende gleich zweimal auswärts, nämlich am 15.01. beim TTC 46 Weinheim und tags darauf bei der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, also bei zwei Mannschaften, die um den Klassenerhalt kämpfen.  

„Wir sind sehr glücklich, denn für uns gab es vor dem Spiel keinen Favoriten, dafür ist Kolbermoor einfach zu gut“, so Schwabhausens Trainer Alexander Yahmed. „So lief dann das Spiel auch, es war eine Begegnung auf Augenhöhe. Entscheidend waren dann die zwei knappen Siege nach dem 3:3 und der Erfolg von Mateja gegen Svetlana Ganina. Insgesamt eine super Mannschaftsleistung, ich weiß gar nicht, wen ich zuerst loben soll. Fakt ist, das Schwabhausen als Team gewonnen hat mit einer wie gewohnt hervorragenden Spitzenspielerin Sabine Winter.“ Ein besonderes Lob erhielt aber noch die Nummer drei: „Das Spiel des Tages machte für mich Mateja, sie gewann 3:0 gegen eine Ganina, welche bis dahin im hinteren Paarkreuz in der gesamten Vorrunde nicht zu bezwingen war.“ 

Kolbermoors Trainer Michael Fuchs war natürlich nicht begeistert, machte seinen Spielerinnen aber auch keinen Vorwurf. „Da war heute auf jeden Fall mehr drin, auch wenn Schwabhausen ohne Frage gut gespielt hat“, sagte Fuchs. „Leider haben wir unsere Möglichkeiten, so zum Beispiel im vorderen Paarkreuz in der zweiten Runde, nicht nutzen können. Außerdem hätten wir durchaus nach den Doppeln mit 2:0 führen können, da Svetlana und Laura auch eine gute Siegchance hatten – auch ein Punkt, den wir liegengelassen haben. Diese drei Spiele waren dann wohl auch der Knackpunkt.“ Fuchs bekräftigte: „Es war ein enges Spiel. Mateja Jeger im hinteren Paarkreuz ist natürlich schon eine Hausnummer, das ist stark, aber vorne hätten wir durchaus einen oder zwei Punkte mehr machen können und dann eben das eine Doppel, das war schade.“ 

 

SV Böblingen – TSV Langstadt 0:6 (Aufgabe Böblingen) 

Vorweihnachtliches spannendes Tischtennis war geplant mit dem Duell eines Teams, das gegen den Abstieg kämpft, mit einem Ligarivalen, der Platz zwei verteidigen wollte. Doch zu einer regulären Partie kam es überhaupt nicht. Es wurde ein merkwürdiges „Geisterspiel“ in staubiger Halle, das aus ganzen zwei Sätzen bestand und exakt zehn Minuten dauerte.  

Der Pressewart der Sportvereinigung Böblingen erläutert konkret, wo das Problem lag. „Die Hessinnen und auch der Oberschiedsrichter beanstandeten die Sauberkeit des Hallenbodens“, so Manfred Schneider. „Durch diverse Bauarbeiten unter der Woche sammelte sich Holzstaub auf dem Boden und in allen Ritzen. Eine professionelle Reinigungsfirma sagte zu allem Überfluss kurzfristig ab.“ Mitarbeiter des Vereins versuchten zwar, durch Wischen noch etwas zu retten, aber der Erfolg blieb aus. 

Böblingens Manager Frank Tartsch entschuldigte sich für den Zustand der Halle: „Das ist mir in 30 Jahren Bundesliga noch nicht passiert, unter solchen Umständen ein Spiel ausrichten zu müssen.“ Daher warf Böblingens Trainer Volker Ziegler das Handtuch und gab die Spiele kampflos ab. Ergebnis 6:0 für den TSV Langstadt.  

Selbstverständlich wollten die Langstädterinnen spielen und waren nicht angereist, um sich artig bedankend ein um fünf Tage verfrühtes Weihnachtsgeschenk in Empfang zu nehmen und dann, nach jeweils einem freundschaftlichen Sätzchen im Doppel, wieder die Heimreise anzutreten. Alle waren auf einen sportlichen Wettkampf, möglicherweise über die volle Distanz eingestellt - doch das war eben nicht möglich. „Wir waren mit der Absicht nach Böblingen gefahren, unser Punktekonto aufzustocken“, sagte Langstadts Sportlicher Leiter Manfred Kämmerer. „Das ist unter nicht alltäglichen Umständen eingetroffen. Die Halle hat heute leider nicht den Anforderungen an ein Bundesligaspiel entsprochen, wofür wir aber nichts können.“ 

Der TSV Langstadt beendete die Vorrunde als Tabellenzweiter mit 11:3 Punkten, zwei Zähler hinter Spitzenreiter Berlin. Punktgleich mit Solja und Co. steht der TSV Schwabhausen auf Platz drei. Kämmerers knappe Bilanz der ersten Halbserie: „Wir sind sehr zufrieden mit der Vorrunde. Neben Berlin sind wir als einziges Team ungeschlagen geblieben.“ Für die Langstädterinnen geht es am 15. Januar weiter mit dem Heimspiel gegen eben jene SV Böblingen, die man dann auch sportlich besiegen möchte.

 

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